Welches Neuroleptikum gebe ich wem?

Nehmen wir an, in meine Behandlung kommt ein sonst gesunder Patient mit einer Psychose. Ich entscheide mich, dass er ein Neuroleptikum braucht. Das bespreche ich mit ihm und er stimmt dem auch zu. Nun stellt sich die Frage: Welches Neuroleptikum empfehle beziehungsweise verordne ich? Es gibt keine ganz einfache Faustformel, nach der ich für einen bestimmten Patienten ein Neuroleptikum auswähle, aber ich habe ein bestimmtes Vorgehen, dass ich in bestimmten Fällen anwende. Ich habe hier mal versucht, dies aufzuschreiben:

Welches Neuroleptikum gebe ich wem?

Konstellation 1: Der erfolgreich vorbehandelte Patient: Auf meine Frage: “Haben Sie schon einmal in einer früheren Krankheitsphase ein Neuroleptikum erhalten? Hat es gut gewirkt und haben Sie es gut vertragen?” antwortet er zwei mal mit “Ja”, d.h. ein bestimmtes Präparat hat schon einmal gut gewirkt und wurde gut vertragen. Dann empfehle ich genau dieses Medikament wieder. Ich frage, welche Symptomatik damals bestanden hat und wie stark sie war und welche Dosis des Präparates in welcher Zeit geholfen hat. Ich mache mir ein Bild davon, wie stark die Symptomatik jetzt ist und empfehle eine passende Dosis.
Konstellation 2: Der bislang unbehandelte Patient: Wenn bislang noch nie ein Neuroleptikum verordnet wurde empfehle ich in der Regel in der ersten Stufe Risperidon. Es wirkt schnell und verläßlich. Es macht nicht müde und es macht keine Gewichtszunahme. Wenn ich selbst ein Neuroleptikum bräuchte, würde ich mich auch für Risperidon entscheiden. (Das stimmt sogar mit dem Ergebnis meiner kleinen Umfrage überein: Welches Neuroleptikum würdest Du selbst einnehmen: hier). In Dosierungen bis 4 mg pro Tag ist es meist gut verträglich und macht meist keine EPMS. In höheren Dosierungen kann es EPMS machen.
Konstellation 3: Risperdal hat nicht ausreichend geholfen oder wurde nicht vertragen. Der Pat. ist nicht adipös: In der zweiten Stufe empfehle ich in der Regel Zyprexa (nachdem ich über die Möglichkeit einer Gewichtszunahme aufgeklärt habe). Es wirkt ebenso sicher, verläßlich und zügig wie Risperidon und wird ebenfalls zumeist gut vertragen. Es kann aber tatsächlich eine deutliche Gewichtszunahme verursachen. Daher lasse ich das Gewicht bei Beginn der Behandlung mit Zyprexa messen. Treten Heißhungerattacken oder eine Gewichtszunahme von mehr als 3 Kilogramm auf, empfehle ich, das Präparat zu wechseln.
Konstellation 4: Zyprexa hat nicht ausreichend geholfen oder wurde nicht vertragen: Wenn Risperdal in Stufe eins wegen mangender Wirksamkeit und nicht wegen EPMS das Feld räumen musste, und in Stufe zwei Zyprexa nicht gut ging, dann versuche ich in der dritten Stufe Solian. Wenn Risperdal EPMS gemacht hatte, dann überspringe ich diesen Schritt.
Konstellation 5: Mit Risperdal, Zyprexa und Solian stellte sich kein Erfolg ein: In der vierten Stufe muss ich ein Neuroleptikum auswählen, dass gegebenenfalls etwas weniger wirkstark ist als Risperdal, Zyprexa und Solian, aber vielleicht besser verträglich ist. Es kommen nun Abilify, Zeldox, Seroquel (meine Einschätzung zu Seroquel findet ihr hier) und Serdolect in Betracht. Ich verordne in dieser Reihenfolge. Abilify führt häufig zu Akathisie, ich setzte es dann zumeist sofort und ohne zu warten ab. Zu Serdolect sind diese Hinweise zu beachten. Zeldox und Seroquel werden in der Regel sehr gut vertragen, hier stellt sich eher die Frage der ausreichenden Wirksamkeit.
Konstellation 6: Eine Monotherapie klappt nicht: In der fünften Stufe wähle ich eine Kombinationstherapie aus zwei Neuroleptika. Geleitet von den Nebenwirkungen der bisherigen Versuche wähle ich gut verträgliche, aber in Monotherapie nicht ausreichend wirksame Präparate aus und gebe beide in einer mittleren Dosis. Dabei unterteile ich die Neuroleptika nach ihren Nebenwirkungen in unterschiedliche Gruppen und meide die Gruppe, deren Nebenwirkung bislang am problematischsten war:

  • Gruppe 1: EPMS-Gefahr: Haldol, Solian, Risperdal
  • Gruppe 2: Gewichtszunahme-Gefahr: Clozapin, Zyprexa, manchmal Seroquel
  • Gruppe 3: Akathisie-Gefahr: Abilify

Konstellation 7: Alle oben genannten Stufen wurden nicht gut vertragen: Ich versuche Serdolect.
Konstellation 8: Alle oben genannten Stufen haben nicht ausreichend gewirkt: Ich kläre ausführlich auf und versuche Clozapin.
Konstellation 9: Reine Rezidivprophylaxe bei asymptomatischem Patienten: Mit großer Sicherheit wirkt das Neuroleptikum, das die psychotische Episode beendet hat. Bei der Rezidivprophylaxe sind aber Nebenwirkungen noch viel weniger akzeptabel als in der Akuttherapie. Bei Nebenwirkungen wechsele ich daher noch niederschwelliger auf ein Ausweichpräparat.
Konstellation 10: Behandlung akuter kokaininduzierter psychotischer Zustände: Kokain ist stark und selektiv dopaminagonistisch. Solian ist stark und selektiv dopaminantagonistisch. Daher behandele ich akute psychotische Zustände nach Kokainkonsum mit Solian.
Konstellation 11: Delir: Ein lebensbedrohliches Delir, egal welcher Genese (Alkoholentzug-, Benzodiazepinentzug-,…) braucht eine wirkstarke und schnelle Neurolepsie. Ich gebe Haloperidol oder Risperidon.
Konstellation 12: Auswahl eines Depotpräparates: Ich mache zunächst einen Versuch mit Fluanxol, zunächst oral gegeben. Wird dies vertragen, gebe ich eine milde Dosis Fluanxol Depot, etwa 40-60 mg alle zwei Wochen. Sind bei dem Patienten unter irgendeiner Medikation EPMS aufgetreten, gebe ich Risperdal Consta oder Xeplion. Immer noch EPMS: Dann Zypadhera. (Zu Depotpräparaten siehe auch hier)
Das ist natürlich nur eine Blaupause, bei jedem einzelnen Patienten können so viele weitere Aspekte eine Rolle spielen, dass diese Blaupause nicht hilft. Aber manchmal hilft sie doch.
OK, das waren jetzt so einige Gedanken, die ich oft anwende. Wie gehst Du vor? Was machst Du anders? Bitte schreib Dein Vorgehen in die Kommentare!
P.S.: Hier der Artikel zur Auswahl eines Antidepressivums.

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34 Gedanken zu “Welches Neuroleptikum gebe ich wem?

  1. Meine Empfehlung richtet sich noch etwas an der Schwere der Akutsymptomatik aus. Bei leichterer oder mässiggradiger Ausprägung greife ich lieber zu Abilify und Seroquel – nach meiner Erfahrung wirken sie schwächer und später – sind aber besser verträglich als Risperdal, dass auch eine gewisse Latenz hat. Bei stärkerer Akutsymptomatik wähle ich Haldol oder Zyprexa, weil die m.E. am schnellsten und zuverlässigsten wirken. Haldol muss dann im Verlauf so gut wie immer und Zyprexa auch sehr oft umgestellt werden, was schon ein Nachteil ist.

  2. Als neurologischer Weiterbildungsassistent habe ich noch nicht allzu viel praktische Erfahrung mit Neuoleptika…das Pflichtjahr Psychiatrie steht erst noch an. Allerdings hat mich ein Artikel des Arzneitelegramms von 2005 doch schon sehr verwundert:

    Demnach sind EPMS unter sog. “Atypika” nicht signifikant seltener als unter “klassischen Neuroleptika”, wenn man vergleichbare Dosierungen wählt (…und keine Studientrickserei mit niederig dosiertem Risperdal vs. hoch dosiertem Haldol) betrieben wird:

    http://www.arznei-telegramm.de/html/2005_11/0511098_01.html

    Gibt’s hiezu weitere Meinungen???

  3. Selbst für einen an der Problematik lediglich Interessierten, der nicht auf diesem Gebiet geschult wurde, sehr spannend und informativ. Für mich eine Chance, zu lernen und zu verstehen.

  4. Als Betroffener einer Psychose kann ich sagen, dass diese ganzen Medikamente der letzte Dreck sind. Viel besser wäre es, dem Patienten für 3 Wochen ruhen zu lassen und zu schauen, ob sich die Symptomatik von alleine zurückbildet.

    Wenn dann nichts hilft, ein Neuroleptikum in niedrigster Dosierung. Zu Risperdal: Kann ich nicht empfehlen. Ist das größte Dreckszeug. Man kann sich kaum bewegen, ist total verspannt, man hat überhaupt keine Gedanken mehr. Das ist die reinste Folter, wenn man Pech hat. Dass es nicht müde macht kann ich nicht bestätigen. Ich habe damit den ganzen Tag geschlafen.

    Haldol ist noch viel schlimmer. Man kommt sich wie ein Roboter vor. Ähnlich wie Risperdal nur noch viel schlimmer. Man schläft auch nur den ganzen Tag.

    Zyprexa verursacht nachweislich Diabetes. Wie soll man sich denn wohl als Patient fühlen, wenn man dauernd zunimmt!? Habe es zwar noch nie genommen, aber abgelehnt es zu nehmen.

    Schön dass die Psychose vielleicht weg ist, aber mit Neuroleptika hat man NULL Lebensqualität. Man könnte sich gleich erhängen oder Selbstmord vollführen, so schlimm ist es.

    Empfehlen kann ich nur Abilify, worunter ich auch EPMS hatte. Zeldox ist auch ein gutes Medikament.

    Überhaupt hat man großes Pech, wenn man diese Dopaminkiller nehmen muss.

  5. Ich möchte gerne berichten über meine Freundin, ich habe Sie 2005 als Bildhübsches Mädchen kennen gelernt Sie war 29 Jahre alt und wunderschön! Sie hatte schöne Lange Blonde Haare, eine sehr schöne Figur und ein wunderschönes Gesicht! Sie war meine Traumfrau!!!! Wir waren sehr glücklich zusammen, wir waren im Urlaub usw. überall hat man dieser Frau hinterhergeschaut weil Sie so hübsch war und viele waren mir neidisch das ich so eine schöne Frau habe! genau ca. 1 Jahr später wurde Sie leider erkrankt und psychotisch und musste in die Klinik weil Sie vor alles Angst hatte und abgehauen ist in den Wald etc also erkrankt an einer Psychose! Dort hat man meine Frau ruiniert!!! Es sind genau jetzt 6,5 Jahre vergangen ich habe Sie lange nicht mehr gesehen, Sie wurde komplett zerstört seelisch sowie äuserlich jetzt würde jeder Angst von Ihr bekommen. Ihr Gesicht sieht richtig eingefallen aus wie eine “Leiche” man bekommt richtig Angst schon von Ihr wenn man Sie anschaut wie so ein “Geist” und sie läuft wie ein Roboter, früher war sie meine Prinzessin und war ein Lebensfroher Mensch und viel in der Natur unterwegs etc. Ihren herzlichen lieben Charakter und Ihre Süsse Stimme ist noch vorhanden aber sonst der Rest ist alles weg.Ein Fremder würde Sie auf 50 -60 schätzen nach dem aussehen her!!! Sie war so ein schöne Frau! Jetzt meine Frage, wieso machen die Medikamente, die Menschen so kaputt? Ich spreche jetzt direkt die Neuroleptika an, die normalen AD da verändern sich menschen kaum aber von NL werden die Menschen komplett anders. Der Patient hört zwar keine Stimmen mehr oder hat keine Ängste mehr aber der Rest ist ruiniert er kann nicht mehr arbeiten er sieht körperlich aus wie ein Wrack. Ist das der Ziel der Behandlung??? Meiner Freundin wurden in der Klinik alle Medikamente verabreicht paar Wochen Haloperidol, Zyprexa , Zeldox , etc alles einfach und jetzt seit 2 Jahren ist sie auf Abilify 20 mg/Tag und als Bedarf Medikament – Tavor 1,0 mg zum schlafen. Ich muss dazu sagen seit ca. 2 Jahren ist sie wieder laut Ärtzen gesund “stabil” (für mich ist sowas aber niemals gesund, der mensch wurde komplett zerstört läuft wie ein Roboter und wird als gesund hingestellt..) .. Haben Sie auch schon solche Erfahrungen gemacht das die Neuroleptika die Menschen auf Längeresicht komplett zerstören bzw verändern? ich mein jetzt äuserlich sowie innerlich?? wieso werden die Leute soviel mit Medikamente zugepumpt bei benzos geht man so sparsam damit um obwohl sie eigentlich keinen großen schaden anrichten bis auf Abhängigkeit aber bei den ganzen AD – NL usw damit wird großzügig verteilt. Hat jemand ähnliches erlebt? würde mich freuen auf eine Antwort (sorry für die Schreibfehler bin nicht aus Deutschland)

  6. Ich finde es schade, dass man noch nicht herausgefunden hat, warum bestimmte Medikamente wirken, und andere nicht. Wenn man Glück hat, spricht man auf das erste Medikament gut an, sonst dauert es lange, bis man den richtigen Wirkstoff findet.

    Was mich an Neuroleptika stört, ist dass es kaum Studien zu Langzeitnebenwirkungen gibt … Aber es wohl besser NL zu nehmen, als einen Schub ausgesetzt zu sein.

  7. Es gibt viele fehldiagnosen die einen noch mehr angst machen und unruhiger werden lassen schon alleine der gedanke das mit mir etwas nicht stimmt gibt ja unruhe und ja ich fühle mich wie ein Roboter dank der Neuroleptika und ich habe es satt mich rechtfertigen zu müssen bei meinen Mitmenschen warum Neuroleptika warum Arztbesuche ich bekamm damals an einen einzigen Wochenenede 3 Diagnosen soll ich nun Pokern, zwischen Gesund, Schizophren und Bipolar? Psychotisch war ich nicht aber man lenkt gern ein um seine Ruhe zu haben soviel dazu!

  8. Hallo zusammen,

    ich habe seit Januar 2013 psychotische Symptome, bei mir springt aber kein Neuroleptikum bis jetzt an.

    Erst bekam ich 100mg Seroquel + 50mg Prolong, jedoch ohne Wirkung, mittlerweile 3mg Risperdal, die Wirkung bleibt ebenfalls aus.

    Ich habe eine Ich-Störung, d.h. die Außenwelt kommt mir vor, als wäre eine Barriere zwischen mir und meiner Umwelt. Ich bin wie in einer Art Traumwelt. Zusätzlich bin ich sehr Licht- und Geräuschempfindlich und kann mich so gut wie garnicht mehr konzentrieren.

    Die o.g. Neuroleptika wirken bei mir nicht, kann jemand eine Empfehlung aussprechen, wie ich bzw. mein Arzt hier am besten weiter vorgehen soll?

    • Deine Beschreibung kommt mir sehr bekannt vor. Bei mir hat sich rausgestellt dass es epileptische Auren waren, ausgelöst durch meine Schlafprobleme:

      Lösung: Ausdauersport und viel draußen sein, wenn ich trotzdem Schlafprobleme habe, Amitriptylin 25 mg oder Promethazin 30 mg als Schlafmittel, wenn ich trotzdem noch Auren habe, Valproat.

      • Schon mal Opipramol probiert? Das dürfte besser verträglich sein. Darf man fragen wie alt du bist? Hat du beruflich mit Medizin zu tun?

    • dass Du sehr licht- und geräuschempfindlich bist, das ist typisch für Migräniker mit Aura. Es ist nur eine Vermutung von mir, aber es könnte halt echt eine Sonderform der Migräne sein, die sich mit Valproat behandeln liesse. (Migräne und Epilepsie sind verwandte Krankheiten und der Übergang zwischen beiden ist fließend)

      Dass Antipsychotika nicht wirken weißt ja auch darauf hin, dass es vielleicht garkeine psychotischen Symptome sind.

      Rede da doch mal auch mit Neurologen über dieses Problem und nicht nur mit Psychiatern.

      Und guck dass Du guten Schlaf kriegst, wahrscheinlich hilft das auch schon was.

  9. Ich finde auch Zyprexa höchst gefährlich .
    Genauso wie Haldol – noch schlimmer Glianimon ob es das überhaupt auf dem Markt gibt
    Keine Ahnung . Hatte nie eine Psychose aber Neuroleptika
    Werden ja von manchen Psychiatern wie Bonbons verschrieben .
    Ich selbst habe vor über 10 Jahren in der Kinder und Jugendpsychiatrie
    20 mg Zyorexa sowie 120 mg neurocil sowie 80 mg Melperon bekommen.
    Diente nur der ruhig Stellung . Ich war ( bin es wieder ) immer schlank gewesen .
    Nach der Behandlung habe ich bei ner Körpergröße von 163 80 Kilo gewogen das
    Ist fahrlässig .

  10. Meine Gedanken und Vermutungen über die Wirkungsweise von Antipsychotika

    Die psychischen Nebenwirkungen von Neuroleptika/Antipsychotika sind die Grundlage ihrer antipsychotischen und antimanischen Wirkung. Die psychische Nebenwirkung ist Grundlage der
    angestrebten Wirkung gegen Psychosen oder Manien.

    Neuroleptika wirken gegen Psychosen, indem sie Einfallsreichtum, Phantasie und Vorstellungskraft totschlagen. (z.B. Verminderung von Stimmenhören durch Verminderung der akustischen Vorstellungskraft und des Einfallsreichtums und des Gedankenflusses,
    Verhinderung der Entstehung von Wahnvorstellungen, indem garkeine Vorstellungen mehr entstehen, weil Einfallsreichtum und Phantasie weg sind.)

    Eine Psychose besteht darin, dass derjenige auf seine Phantasie reinfällt und seine Phantasie mit der
    Realität verwechselt.

    Eine Sicht auf die Welt, die von der eigenen Innenwelt völlig unabhängig ist, hat niemand. Aber in einer Psychose ist die Wahrnehmung der Außenwelt sehr stark von der Innenwelt beeinflusst. (Bis hin zu dem Extremfall, dass Produkte der eigenen Vorstellungskraft für reale Phänomene gehalten werden, jemand also auf seine Halluzinationen reinfällt und sie für real hält.)

    Da setzen Antipsychotika an, indem sie die Phantasie totschlagen.

    Neuroleptika wirken auch auf die Weise gegen Wahn, indem sie Gefühlsintensität vermindern. Dadurch ist der Patient durch seine Wahnvorstellungen nicht mehr so emotional eingenommen und
    die verstandesmäßige Distanzierung kommt oft – nicht immer – nach.

    Eventuell wirken Antipsychotika auch über Verlangsamung. Sie setzen nicht beim Wahn an, sondern beim Gedankenrasen.
    Wer schon mal vom Kiffen einen (Horror-)trip erlebt hat, der weiß, dass Gedankenrasen wahnfördernd ist. Die Gedanken rasen, die Assoziationen sind locker, und auf irgendeinem Weg führen die Gedanken immer wieder auf die angstmachende fixe Idee zurück. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein NL diesen Zustand abstellen würde und damit auch gegen die fixe Idee wirken.
    Es passieren ja auch nicht so leicht unbemerkte Denkfehler wenn die Gedanken nicht rasen, sondern langsam gehen. (allerdings ist die Überprüfung der Gedankengänge ja auch wieder eine Denkleistung…..)

    Und Neuroleptika wirken gegen Manien, indem sie auch die ganz normale Fähigkeit zu Eigeninitiative, Eigensinn, Ausgelassensein und guter Laune beseitigen. Sie wirken außerdem verlangsamend und der Gedankenfluss ist weg oder sehr vermindert.

    Ganz allgemein versetzen Neuroleptika viele Leute in einen Zustand, wo die Lebensfreude weg ist und allgemein jede Art Inspiration fehlt. Ich will so nicht leben. Viele andere Leute auch nicht.

    Meinetwegen nehme ich mal 3 Wochen lang Neuroleptika zum “Runterkommen”

    Aber “Einstellung auf antipsychotische Medikation”,

    NICHT MIT MIR.

    • Da Neuroleptika neurotoxisch wirken und das Gehirn verkleinern, denke ich, dass die Wirkung auf einer langsam fortschreitenden Vernichtung des Gehirns basiert. Wie man solches Gift verschreiben kann ist mir fraglich. Es gibt Beobachtungen in Entwicklungsländern, dass selbst gar keine Therapie besser wirkt und zu weniger Rückfällen führt als dieses gift. Es sollte die absolute Ausnahme bleiben. Empfohlen werden niedrigste Dosen und maximal 3 Monate Einnahme unter ständiger Überprüfung der Notwendigkeit.

  11. pharmakogene Anhedonie: Ich kenne Anhedonie ganz ohne Medikamente. Ich kenne diesen Zustand aus depressiven Episoden. Aber da gibt es immer wieder Lichtblicke, wo ich mich einwandfrei am Leben freuen kann :-) Auch kommt es vor, dass es mir abends mehrere Stunden gut geht :-)

    Durch Neuroleptika ausgelöste Anhedonie ist schlimmer. Da habe ich keine Lichtblicke.

  12. Ein Bericht einer gesunden Versuchsperson über eine einmalige Dosis Chlorpromazin intramuskulär

    „ Ich fühlte mich regelrecht körperlich und seelisch krank. Auf einmal erschien mir meine ganze Situation hoffnungslos und schwierig. Vor allem war die Tatsache quälend, daß man überhaupt so elend und preisgegeben sein kann, so leer und überflüssig, weder von Wünschen noch anderem erfüllt. Riesengroß wuchsen vor mir die Aufgaben des Lebens auf: Nachtessen, in das andere Gebäude gehen, Zurückkommen – und das alles zu Fuß. Damit erreichte der Zustand sein Maximum an unangenehmem Empfinden: Das Erleben eines ganz passiven Existierens bei klarer Kenntnis der sonstigen Möglichkeiten. Nach dem Essen betrachtete ich meinen Sohn (Säugling), machte mich aber sogleich fort, weil er unterhalten sein wollte und mir nicht die geringste Geste und keine Bewegung einfiel.“

    Quelle: Hans Heimann, Peter Nikolaus Witt: >> Die Wirkung einer einmaligen Largactilgabe bei
    Gesunden << in: Monatsschrift für Psychiatrie und Neurologie 1955;129:104–128
    ( DOI: 10.1159/000139737 )

  13. Mich würde ja mal die Meinung des Blogerstellers zu der Giftigkeit von Neuroleptika interessieren. Medikamente, die nach 2 Wochen 10% der Gehirn Masse vernichten, können doch nicht gut sein?!? Zumal sie zu viel mehr Rückfällen führen sollen.

    • nach 2 Wochen ?? wo hast Du denn das her?

      Bei diesem Tierversuch an Makakkenaffen waren es 8-11% innerhalb von 2 Jahren. http://www.nature.com/npp/journal/v30/n9/abs/1300710a.html
      Das Atypikum Olanzapin verursachte fast genausoviel Hirnmassenverlust wie das Typikum Haloperidol.

      Auch das paper von Nancy Andreasen kommt auf lange nicht so extreme Verluste.

      http://archpsyc.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=211084

      interessante Zitate daraus: >>More antipsychotic treatment was associated both with generalized tissue volume reduction involving multiple subregions and with a specific increase in putamen. The other 2 variables, severity of illness and substance abuse, had minimal or no effects. Progressive brain volume changes during the lifelong course of schizophrenia, including GM and WM volume reductions, CSF volume expansions, and basal ganglia volume enlargements, appeared in part to be related to antipsychotics. These findings may potentially have clinical implications for the use of long-term antipsychotic treatment.<>Illness severity had relatively modest correlations with tissue volume reduction, and alcohol/illicit drug misuse had no significant associations when effects of the other variables were adjusted.<<
      wundert mich, dass Alkoholismus keine signifikanten Effekte auf den Hirnabbau hat, laut dieser Studie? Generell ist doch der hirnschrumpfende Effekt von großem Alkoholkonsum und auch von manchen illegalen Drogen recht gut belegt?

      • Das hängt vermutlich von der Regenerationsfähigkeit deines Körpers ab, Alter, Training des Gehirns etc. Von alleine regeneriert sich das sicher nicht alles. Des weiteren machen die Neuroleptika ja noch zig weitere Schäden und klauen einem bis zu 25 Lebensjahre. Wie kann man sowas nur massenweise verschreiben? Ein Arzt wollte mir den mist auch schon mal gegen Zwangsgedanken andrehen. Gott sei Dank wusste ich da schon von der Giftigkeit dieses Zeugs. Dabei sind SSRI doch viel harmloser.

  14. ja, Neuroleptika sind wirklich meistens ungesund und haben oft schwere Nebenwirkungen.

    Sie vernichten aber bestimmt nicht nach 2 Wochen 10 % der Gehirnmasse.
    Da hast Du was mit 2 Jahren verwechselt.
    Und mit den 10 % in 2 Jahren ist auch nicht Niedrigdosis gemeint, sondern mindestens mittlere Dosis.

  15. @Mopu nochmal: Ich habe da einen interessanten Text zum Thema Zwangsgedanken, abgeschrieben aus dem Buch

    Sigrid Sator, Hans Morschitzky: Die 10 Gesichter der Angst. Ein Handbuch zur Selbsthilfe zurhttp://www.amazon.de/gp/product/3423342269/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=&seller=

    in dem abgeschriebenen Abschnitt geht es um Zwangsgedanken

    .

    S.88f:

    Zwangsgedanken sind zwanghafte Ideen, bildhafte Vorstellungen oder Zwangsimpulse, die sich dem Betroffenen in quälender Weise aufdrängen. Sie beziehen sich oft auf aggressive, sexuelle, obszöne oder gotteslästerliche Themen, die von den Patienten als persönlichkeitsfremd und abstoßend erlebt werden (z.B. Zwangsimpulse einer Mutter, ihr geliebtes Kleinkind mit dem Messer zu töten; Zwangsimpuls, von einer Brücke oder einem hohen Gebäude zu springen, obwohl keine Selbstmordgedanken bestehen; Zwangsimpuls zu unkontrollierten verpönten sexuellen Handlungen).
    Zwangskranke haben große Angst, dass sie ihre aggressiven oder autoaggressiven Impulse in die Tat umsetzen könnten. Aber dies kommt praktisch nicht vor, weshalb ihre oft sehr umfangreichen Sicherungsstrategien (z.B. Wegschließen aller Messer), die ihr Selbstvertrauen noch weiter untergraben, unnötig sind. Die Betroffenen werden höchstens verbal aggressiv gegenüber jenen, die ihr Zwangsverhalten mit Gewalt unterbrechen wollen.
    Zur Diagnose einer Zwangsstörung müssen Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen wenigstens zwei Wochen lang täglich oder fast täglich vorhanden sein und zu einer massiven psychosozialen Beeinträchtigung führen, meist bedingt durch den besonderen Zeitaufwand.
    80 Prozent der Zwangsstörungen können durch drei Fragen erkannt werden: „Müssen Sie Ihre Hände immer wieder waschen? Müssen Sie manche Dinge immer wieder kontrollieren? Haben Sie Gedanken, die Sie quälen und die Sie nicht loslassen?“

    .

    S. 93 ff:

    Zwangsgedanken sind lästige und aufdringliche Gedanken, bildhafte Vorstellungen und dranghafte Impulse. Der Begriff umfaßt zwanghafte Gedanken, Ideen, Vorstellungen, Erinnerungen, Fragen, Befürchtungen und Grübeleien. Die Betroffenen sind fast davon besessen, bestimmte Gedanken, Zahlen, Farben, Dinge, Anordnungen zu vermeiden, weil davon Unglück ausgehen könnte.
    Zwangskranke erleben die jeweiligen Inhalte als abstoßend, unannehmbar, moralisch verwerflich und sinnlos, aber kaum ausschaltbar. Sie fühlen sich geistig sehr beunruhigt, vegetativ stark erregt und angespannt. Zwangsgedanken werden inhaltlich folgendermaßen differenziert:

    – Zwangsgedanken bezüglich Aggressionen
    – Zwangsgedanken bezüglich Sexualität
    – Zwangsgedanken bezüglich Verschmutzung
    – Zwangsgedanken bezüglich Sammeln und Aufbewahren von Gegenständen
    – Zwangsgedanken bezüglich der Religion oder des Gewissens
    – Zwangsgedanken bezüglich Symmetrie oder Genauigkeit
    – Zwangsgedanken bezüglich des eigenen Körpers
    – Zwangsgedanken anderer Art (wie Furcht, Dinge zu tun, zu sagen, zu verlieren)

    Zwangsgedanken umfassen verschiedene Arten:
    – Zwangsbefürchtungen und Zwangsimpulse
    – Denkzwänge
    – zwanghaftes Grübeln

    Zwangsbefürchtungen und Zwangsimpulse

    Die Betroffenen fürchten ein bevorstehendes Unheil, das eher anderen, nahestehenden Personen droht als der eigenen Person. Sie glauben aber, daran irgendwie schuld zu sein, und fühlen sich für die Abwendung der Katastrophe verantwortlich. Zwangsbefürchtungen und Zwangsimpulse werden durch ein kognitives oder verhaltensbezogenes Ritual neutralisiert.
    Oft bestehen Zwangsgedanken mit aggressivem Inhalt gegen nahestehende Personen (etwa jemanden zu verletzen). Zwangsvorstellungen führen zu Angst- und Unruhezuständen, die durch bestimmte Rituale nur kurzfristig erfolgreich reduziert werden können. Man fürchtet gegen soziale Tabus zu verstoßen, beispielsweise sich unabsichtlich aggressiv, sexuell unanständig, sozial auffällig oder religiös unangepasst zu verhalten.
    Die Zwangsgedanken stehen im krassen Widerspruch zum Wertsystem der Betroffenen (dies macht ihr Wesen aus): gotteslästernde Gedanken eines frommen Menschen, aggressive Impulse eines Pazifisten, Mordphantasien einer überbehütenden Mutter gegenüber ihrer geliebten kleinen Tochter, sexuelle Impulse eines sexuell Gehemmten. Die Zwangsbefürchtungen („Ich könnte jemanden umbringen“) lösen Ängste aus, die durch beruhigende (ebenfalls zwanghafte) Gegengedanken („Ich darf niemanden umbringen“) zu bewältigen versucht werden. Die kognitiven Rituale reduzieren kurzfristig Angst und Anspannung. Abergläubische Ängste rund um Todesängste zählen auch zu den Zwangsgedanken.

    Denkzwänge

    Gedanken- bzw. Denkzwänge sind Rituale, mit denen bestimmte Zwangsimpulse oder -vorstellungen („Wirf Dich vor den Zug“; „Spring vom Balkon hinunter“; „Töte Deinen Vater“; u.a.) neutralisiert werden sollen. Es werden bestimmte kognitive Rituale eingesetzt wie z.B. ein bestimmter Zählzwang oder »positive« Gedanken wie „Dein Vater ist gut“

    [...]

    Zwänge bestehen aus einem vierstufigen Ablaufschema:
    1.) Belastender, aufdringlicher Gedanke/Reiz: „Ich könnte ein Kind verletzen“; „Das ist schmutzig“,
    2.) Bewertung: „Dies ist schlimm“; „Dies ist gefährlich“; „So darf man nicht denken“; Die Bewertung macht aus dem Gedanken oder Gefühl erst ein richtiges Problem.
    3.) Physiologische Erregung und Unbehagen: körperliche Unruhe, Erregung, Angstzustände, Kontrollverlustangst, Schuldgefühle usw.
    4.) Neutralisieren: Beseitigen der »gefährlichen« Sachen, Abwehr des Gedankens durch ein Ritual (Zwangshandlung, kognitives Ritual)

    [Bei Zwangsgedanken fällt Nr. 4 weg]

    [...]

    Je stärker die Zwangsgedanken und Zwangsimpulse unterdrückt werden, desto stärker drängen sie sich auf. Die Kraft bzw. Dynamik der Gedanken könnnen auch davon Nicht-Betroffene in einem kleinen Experiment sofort nachvollziehen: versuchen Sie einmal NICHT an einen rosaroten Elefanten zu denken…

    .

    auf S. 193f beim Thema Panikattacken und Angstzustände

    Sie können durch Angst nicht verrückt werden

    Zahlreiche Panikpatienten haben Angst, verrückt zu werden, entweder weil die Gefühle so stark sind oder weil sie zum Schutz vor Überflutung so abgespalten (dissoziiert) sind, dass die Einheit der Person bedroht erscheint. Viele Panikpatienten haben eigentlich »nur« einen starken Gefühlsstau und befüchten, diesen emotionalen Druck nicht dauerhaft durchstehen zu können. Sie verwechseln die hohe emotionale Anspannung mit mangelnder Klarheit des Denkens und haben Angst durchzudrehen. Häufig bestehen eigenartige Entfremdungsgefühle gegenüber sich selbst (Depersonalisation) oder gegenüber der Umwelt (Derealisation). Diese Erlebnisse treten nicht nur bei Panikattacken, sondern auch bei verschiednen Schock- und Streßzuständen (z.B. nach einem Unfall oder einer Todesmeldung) auf und haben nicht das Geringste zu tun mit einer beginnenden Schizophrenie. Es ist noch nie vorgekommen, dass jemand durch eine Panikattacke geisteskrank geworden ist. [...] Panikpatienten sind »emotional verwirrt«, während die Verstandes- und Realitätskontrolle erhalten bleibt.

    Sie werden bei Angst keinen Kontrollverlust erleben

    Der große innere Druckzustand bei intensiver Angst geht oft einher mit der Befürchtung, die Kontrolle zu verlieren und sich dabei unmöglich zu verhalten, etwa laut zu schreien, herumzuschlagen, jemanden zu verletzen oder Dinge kaputt zu machen. Die Angst, bei einer Panikattacke auf diese Weise »die Nerven zu verlieren« ist völlig unberechtigt. Sie werden nicht Amok laufen! Eine Panikattacke ist ein heftiger Adrenalinstoß zur Aktivierung des Körpers. Wenn Sie sich dann nicht bewegen, fühlen Sie sich einfach angespannt.

  16. Muss leider die Euphorie über Risperdal enttäuschen: Es hat bei mir schwere Angst- und Panikzustände erzeugt. ich wurde deshalb mit Melperon, Dipimperon, Truxal, Atosil, Lyrica behandelt – nichts half, bis Risperdal abgesetzt wurde. 2 Tage später hatte ich meine letzte Panikattacke. “Angst” steht im Beipackzettel, wird aber überlesen.

  17. Ich hatte eine psychotische Episode mit depressiven Verstimmungen und einer generalisierten Angststörung und bekomme jetzt 30mg Paroxetin – 6mg Risperidon – 47,5 mg Metoprololsuccinat und bei Bedarf und Schlafproblemen 15-60 mg Chlorprothixen. Die Medikation wurde stationär eingestellt und ich fühle mich echt gut. Habe keine NW und ich lebe wieder gerne.

  18. Neuroleptika können schwere Nebenwirkungen haben.

    mögliche psychische Nebenwirkungen: Antriebslosigkeit, Lethargie, Freudlosigkeit

    mögliche geistige Nebenwirkungen: fast keine Einfälle oder Ideen mehr haben, starke Verminderung des Gedankenflusses, und dadurch bedingt Verflachung des Charakters und Minderung der Individualität

    mögliche körperliche Nebenwirkungen: weniger körperliche Kraft, metabolisches Syndrom, Händezittern

    Die genannten Nebenwirkungen stellen ihrerseits eine psychische Krankheit und eine geistige Beeinträchtigung dar.

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