Messie Kongress in Köln

Heute hatte ich die Freude, eine wirklich sehr interessante Tagung des DRK zum Thema Messie und welche Hilfen sind möglich zu besuchen.
Ich will das jetzt gar nicht alles super zusammenfassen, aber einige Schlüsselgedanken mal so unsortiert aneinanderreihen:
  • Artikel 13 des Grundgesetzes lautet: “Die Wohnung ist unverletzlich.” Das läßt es etwas besser verstehen, warum alle Hilfsdienste erst sehr spät und bei echter akuter Gefahr gegen den Willen des Betroffenen in die Wohnung gehen dürfen. Das gilt für das Gesundheitsamt, das Ordnungsamt, die Polizei, den Psychosozialen Dienst und alle anderen. Aber im Bewußtsein, dass das Grundgesetz den Einzelnen vor unangemessenen Eingriffen des Staates schützen soll, ist dies besser aushaltbar.
  • Messie heißt jetzt “Desorganisationssyndrom”, es geht auch “Wohnungsverwahrlosung”. Interessante Untergruppe auch: “Animal hoarding”.
  • Es sind häufig Menschen betroffen, die eine psychiatrische Erkrankung haben, aber auch viele, die eben gerade keine Erkrankung haben. Eine Diagnostik ist sinnvoll. Ergeben sich dann Hinweise auf eine bestimmte Erkrankung, etwa Demenz, Alkoholabhängigkeit, Psychose etc., dann kann man eine Behandlung anbieten.
  • Es gibt die Anonymen Messies. Selbsthilfegruppen können viel Veränderungsbereitschaft bewirken.
  • Ein ehemaliger Betroffener schilderte, wie er durch Lektüre des Buches “Endlich Nichtraucher” für sich erkannte, dass er auch das dysfunktionale Verhalten ” Messie” aufgeben kann. Er kann auch “Nicht-Messie” werden. Und er wurde es. Ohne fremde Hilfe. Eine Frage, die ihn sehr bewegt habe, sei gewesen: “Wenn Du Deine Wohnung noch einmal gestalten würdest, würdest Du sie wieder so werden lassen?” Er habe sie mit: “Natürlich nicht!” beantwortet. Und infolge seiner Eigenverantwortlichkeit habe er dann angefangen, auszumisten.
  • Das Ausmisten durch andere gutwillige Helfer wird als Bedrohung, Bevormundung und Übergriffigkeit empfunden. Praktiker berichten, dass die im Fernsehen zu beobachtenden “Wir machen an einem Tag die Wohnung leer” Aktionen der Lage selten gerecht werden. Eine Stunde Hauswirtschaftliche Hilfe pro Woche sei so ungefähr die Schmerzgrenze, die die Betroffenen eben noch so mitmachen. Das müssen die Helfer aushalten.
  • So lange nicht die Rechte Dritter gefährdet sind. Andernfalls können Gesundheitsamt, Ordnungsamt, Psychosozialer Dienst, Vermieter etc. sehr wohl etwas bewirken. Im Falle einer Eigengefährdung kann auch eine Betreuung wirksame Hilfe installieren.

In allen anderen Fällen soll gelten: “Die Wohnung ist unverletzlich”. Hilfe soll das sein, was der Betroffene wünscht.

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4 Gedanken zu “Messie Kongress in Köln

  1. Ich hatte mal im Zuge eines Feuerwehreinsatzes die Erfahrung in eine Messiewohnung zu kommen. Das war ziemlich beeindruckend. Papierstapel und anderes bis unters Dach, vom Gang war nur ein etwa 40cm breiter Durchgang geblieben, die Küche …
    Es sieht auch bei mir (und anderen) manchmal nicht sehr aufgeräumt aus, aber soweit lassen es nur wenige kommen. Ist da nicht auch das Problem, dass man sich nicht von Sachen trennen kann?

  2. Da es immer wieder Menschen gibt, die anderen vorschreiben wie Sie zu leben haben.
    Man sollte dazu eine neue Krankheit erfinden
    F.99.90 Besserwissersyndrom
    Kann andere nicht leben lassen wie diese wollen.
    Drängt anderen sein Wertsystem auf.

    Man sollte vielleicht mal einen SUV Kongress machen.
    F 99.91
    SUV Syndrom.
    Kompensiert die fehlende Größe seines Geschlechtsteils mit einem Auto, das indestens 2,8 Tonnen wiegt und Allrad Antrieb hat und verschmutzt damit die Umwelt durch Abgase und verstopft die Straßen.

  3. F.99.92
    Krieg den Hals nicht voll Syndrom
    Läuft, auf Kongressen, vorzugsweise Psychiatriekongresse, von Stand zu Stand und sackt ein was es zu holen gibt:
    – Kugelschreiber
    – Warenproben
    – Blocks
    – Taschen
    – Gummibärchen
    – Bandmase
    uvm.

  4. Bei den Kugelschreibern nehme ich dann immer Aceton und wische die Aufschriften ab. Ich habe keine Lust jedes Mal einen Placebo-Flash zu kriegen, wenn ich etwas kenne und das Scheußlich war.

    Oder eine Bekannte von mir fast in den Selbstmord getrieben hat. (Pharmakogene Anhedonie und Dysphorie wegen Asenapin. Aufbauen einer impliziten Drohkulisse damit sie es nimmt. In dem Wohnheim wo die Zwangsbetreuerin sie zwangsweise hingesteckt hat.) Zum Glück konnte ich sie von dem Zeug befreien, indem ich ihr geholfen habe einen ambulanten Arzt zu finden der das Zeug ausschleicht und absetzt. Der Konsiliararzt im Wohnheim war damit nicht einverstanden, aber dem habe ich was gehustet. Schriftlich per Einschreiben.

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