Betäubungsmittel-Kaufmann

Wenn ich einen Patienten neu kennen lerne, befrage ich ihn zuerst immer recht ausführlich zu seinem Beruf. Das verschafft mir einen recht guten Eindruck von seinem Tagesablauf, von der Art, wie er so tickt und hilft mir, mich in seine Welt zu versetzen. Danach befrage ich ihn zu seiner familiären Situation, also wie er wohnt, ob er eine Partnerschaft hat, ob er Kinder hat. 

Und danach befrage ich ihn erst, unter welchen Krankheitsbeschwerden er leidet. 
Immer mal wieder habe ich Patienten, die zu einem irgendwie gearteten Drogenentzug kommen, und deren berufliche Beschäftigung – nun ja, im Dealen von Drogen besteht. Ich lasse mich nicht beirren und frage auch diese Patienten in aller Ruhe, ob sie “Angestellte” haben, ob es Streß mit den “Vorgesetzten” gibt, und wie das Geschäft so läuft. Danach weiß ich definitiv besser, mit wem ich es zu tun habe, und wie ich mit ihm umgehen kann…
Bitte versteht mich nicht falsch: Drogendealen ist wirklich kein Kavaliersdelikt, sondern es ist die rücksichtslose Verteilung von echtem Teufelszeug. 
Aber nach solch einem Gespräch wirkte es neulich erstaunlich passend, als eine Kollegin mir diese scherzhafte Umschreibung für Dealer nannte: “Betäubungsmittel-Kaufmann“….

Fettlogic needs you!

Wer den blog hier verfolgt weiß, dass ich große Stücke auf das Buch Fettlogik halte, das sehr interessant und sehr hilfreich verbreitete kognitive Abwege der Gewichtsregulation beschreibt. Der Mensch neigt ja allgemein zur Irrationalität, und wenn ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte vor ihm liegt, wird das nicht besser. Das Buch zu lesen macht wirklich Spaß, weil man sich ständig selbst begegnet…

Die Autorin startet gerade eine Studie, die sich offenbar dem Thema Abnehmen und kognitiven Verzerrungen widmet, und bittet alle mit bisherigen oder aktuellen Diäterfahrungen (also wahrscheinlich 99,2 % der deutschen Erwachsenen) um ihre 10-minütige Teilnahme. Ich habe den Online-Fragebogen eben ausgefüllt, mach doch auch mit und click hier: http://mlci.net/umfrage/index.php/286963?lang=de.

Angehörige sind Erfahrene

Die Erfahrungen – oft das Leid – der Angehörigen psychisch Kranker stehen in der Öffentlichkeit irgendwie immer in der zweiten Reihe. Das passt vielleicht zur realen Lebenssituation, in der das Rampenlicht auch dazu neigt, auf den akut Kranken zu fallen. Das macht das Leben für die Angehörigen aber auch nicht einfacher. 
Zumindest das Zimmerlicht auch mal für die Erfahrungen der Angehörigen anzumachen ist daher besonders wichtig. Solina bloggt schon seit längerem unter http://schizophrenieblog.wordpress.com/ aus Sicht einer Angehörigen. Nun hat sie zusammen mit anderen ein Buch geschrieben, das in meinen Augen sehr eindringlich, bewegend und aufrichtig aus der Sicht der Angehörigen –Erfahrung– berichtet. 
Es heißt “Angehörige sind Erfahrene – Ein Ermutigungsbuch” und ihr könnt hier eine Leseprobe finden und das Buch auch dort beziehen.

Neujahrsvorsätze und Willensstärke

Ich weiß, heute ist der große Tag der Neujahrsvorsätze. Ich habe zur besseren Orientierung, wieviel Willensstärke man zur Erreichung welchen Ziels braucht, mal diese streng wissenschaftlich fundierte Grafik erstellt. Also gut, es sind auch meine persönlichen Erfahrungen mit Diäten eingeflossen….
Was habt ihr euch vorgenommen und wieviel Willenskraft braucht ihr dafür? Tugenden und Ideen bitte unzensiert in die Kommentare!

Positiv denken !

Lustige kleine Psychotricks sind ja eigentlich nicht die Haupt-Domäne dieses Blogs. Aber mein letzter selbst-getesteter macht mir doch so viel Spaß, dass ich ihn mit euch teilen will…

Vor etwa zwei Wochen habe ich mir in meine to-do-Liste als Aufgabe “Positiv denken” eingetragen. Und auf tägliche Wiederholung gestellt. Aus Gründen.

Die Gründe sind schon längst wieder verflogen. Mein treues Task-Managementsystem OmniFocus erinnert mich aber weiterhin zu unterschiedlichen Tageszeiten einmal am Tag daran, positiv zu denken. Einsortiert ist diese Aufgabe in mein schon lange bestehendes Projekt “Eine gute Lebensqualität haben”…

Und irgendwie findet es immer einen ziemlich passenden Zeitpunkt dafür….

Es macht jeden Tag Spaß, die Checkbox bei “Positiv denken” anzuclicken. Ich habe mir heute gleich noch die wöchentlich wiederkehrende Aufgabe “Think different” eingetragen.

Welches sind eure Lieblings-Psycho-Tricks? In dieser Kategorie sind auch Horoskope und Schamanismus erlaubt….

Kann denn Liebe Sünde sein? Nimm teil an der Online-Petition gegen Homophobie!

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Eine bundesweite, homophobe Petition will verhindern, dass Schueler/innen in Baden-Wuerttemberg Toleranz fuer die Vielfalt von Lebens- und Liebesformen lernen. Rechte Kreise trommeln fuer diese mit Erfolg: Schon 100.000 Menschen haben unterschrieben. Das koennen wir so nicht stehen lassen!

Ich habe gerade einen Appell gegen Homophobie und fuer Toleranz unterschrieben. Unterzeichne auch Du den Campact-Appell:

https://www.campact.de/Vielfalt-Aktion

Welche QTc-Zeit ist eigentlich kritisch?

Inzwischen hat sich ja rumgesprochen, dass bestimmte Medikamente wie Citalopram, Escitalopram und Sertindol die QTc-Zeit verlängern können. Dies begünstigt Torsade de pointes Tachykardien, die tödlich sein können. Daher soll man bei Verschreibung dieser Substanzen regelmäßig die QTc-Zeit kontrollieren. Aber ab wann wird’s eigentlich kritisch?

  • Ab 420 msec ist die QTc-Zeit verdächtig und muss kontrolliert werden, die Medikation muss überdacht werden.

  • Ab 500 msec oder einer Zunahme von 60 msec oder mehr ist die QTc-Zeit so hoch, dass man die entsprechenden die QTc-Zeit verlängernden Medikamente absetzen sollte.

  • Nicht die Dosis, sondern die Wirkstoffkonzentration am Wirkort bestimmen über die Stärke der Nebenwirkungen. Es ist daher sinnvoll, bei Patienten, die mehrere Risikofaktoren für eine verlängerte QTc-Zeit haben (hohes Alter, weiblich, mehrere CYP-p450 hemmende Medikamente), den Blutspiegel verdächtiger Medikamente zu messen.

Ärzte Bestechung wird strafbar

Bislang gab es interessanterweise keine Strafnorm, die es niedergelassenen Ärzten verbot, Bestechungsgelder anzunehmen, wie der BGH unlängst feststellen musste. Der bislang schon vorhandene Straftatbestand der “Bestechung” galt nur für Vorteilsannahme im Amt. Ein Amt übt ein niedergelassener Arzt aber nicht aus, das tut nur ein Beamter oder ein Funktionär im öffentlichen Dienst u.ä. Daher war rechtlich nichts zu machen, wenn ein Pharmavertreter einem Arzt Geld gezahlt hat, dafür dass er das Medikament des Pharmavertreters verschreibt.

Zwar ist es so, dass auch andere Freiberufler bestochen werden dürfen (Rechtsanwälte, Architekten…), aber das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient braucht auch besonderen Schutz.

Daher ist es überfällig und sehr zu begrüßen, dass in den Koalitionsverhandlungen nun offenbar entschieden wurde, dass sowohl derjenige, der einen Arzt besticht als auch der Arzt, der eine Bestechung annimmt, gemäß einem neu zu schaffenden Strafrechtsparagrafen bestraft werden kann, offenbar bis zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Bestechung war vor etwa 10 Jahren ein noch sehr viel größeres Thema als gegenwärtig, die Pharmafirmen haben sich in den letzten Jahren selbst einen Kodex gegeben, der zu einer sehr deutlichen Abnahme von unangemessenen Zuwendungen führte. Das neue Gesetz wird hoffentlich auch noch die letzten Sümpfe trocken legen. Und die Patienten können sicher sein, dass die Entscheidung über ein Medikament sowie die Auswahl des einzelnen Präparates zu ihrem Besten getroffen wird.

Das Ziel eines solchen Gesetzes sind primär die wenigen schwarzen Schafe, die Geld annehmen für gefällige Verordnungen. Es ist aber anzunehmen, dass der Ruch der Strafbarkeit auch eine Strahlkraft auf die möglicherweise noch erlaubten kleinen Gefälligkeiten, wie USB-Sticks und Einladungen zum Essen, den Spaß nehmen wird. Und das ist gut so.

Buchempfehlung: Alice Munroe – Tricks

Alice Munro hat vor einigen Tagen den Literaturnobelpreis erhalten. In der Begründung heißt es, sie könne in einer Kurzgeschichte so viel mehr sagen, als Andere in langen Romanen.

Ich lese gerade ihr Kurzgeschichtensammlung “Tricks”. Die Begründung stimmt. Alice Munro kennt die Menschen. Und sie schreibt auf eine unglaublich angenehme und dennoch eindringliche Weise.

Mein Tip also: Kaminfeuer an und Buch laden.