Literatursuche und Verwaltung mit der Mac-App “Papers”

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Ich hatte im Jahr 2012 hier schon mal etwas über Literatursuche geschrieben, und auch da schon auf die Mac-App Papers hingewiesen.

In der Zwischenzeit ist viel Wasser den Rhein herunter geflossen, aber die Vorteile einer solchen App bleiben bestehen. Papers (www.papersapp.com/mac/) gibt es inzwischen in der Version 3, und ich finde es wirklich sehr sehr durchdacht und hilfreich. Das Prinzip geht so: Zunächst legst Du unter deinen bevorzugten Suchmaschinen diejenigen an, die in deinem Fachgebiet eine Rolle spielen. In der Medizin reichen eigentlich PubMed und Google Scholar. Dann gibst Du im Suchfeld ein, wonach du suchst. Die relevanten Artikel werden angezeigt. Die kannst Du nun speichern (Papiers lädt alle Metadaten) und mit eigenen tags oder Kommentaren versehen sowie Kollektionen zuweisen. Wenn das PDF zum Artikel kostenfrei zu laden ist, macht Papiers das und speichert es gleich mit. Du kannst auch eigene PDF´s der Papers-Datenbank hinzufügen. Wenn Du den Artikel irgendwo zitieren möchtest, gibt dir Papiers natürlich die korrekte Benennung in einer der Standardformatierungen deiner Wahl aus. Jeder, der sich über die Medline auf dem Laufenden halten möchte und hin und wieder was recherchiert, profitiert sicher von diesem Programm. Gibts übrigens auch für iOS, und die Datenbank synchronisiert sich per Dropbox mit der Mac-App. Die Mac-App könnt ihr zwei Wochen lang kostenlos testen, danach kostet das Programm 90 € pro Lizenz, die man für drei Installationen auf eigenen Rechnern verwenden kann.

P.S.: Danke übrigens Iris H. für Deinen Kommentar zu Absetzerscheinungen unter SSRI, den Artikel finde ich sehr sehr interessant. Welchen Artikel fragt ihr? Hier ist die Referenz:
Fava, G. A., Gatti, A., Belaise, C., Guidi, J., & Offidani, E. (2015). Withdrawal Symptoms after Selective Serotonin Reuptake Inhibitor Discontinuation: A Systematic Review. Psychotherapy and Psychosomatics, 84(2), 72–81. http://doi.org/10.1159/000370338

Literatursuche mit google scholar

Wenn Du Dich zu einem bestimmten Medizinischen Thema informieren willst, suchst Du vermutlich erst mal im Netz, was Du so findest. Angenommen, Du willst einen Vortrag zu einem bestimmten Thema vorbereiten, suchst Du zuerst einmal Übersichtsarbeiten, dann Bilder und passende Artikel. Es gibt nun verschiedene portale, die hier hilfreich sind:
  • www.google.de.  Muss ich nichts zu sagen.
  • Google Bilder. Auch klar
  • Pubmed. Sucht nach Artikeln.
  • Die Cochrane Library. Zeigt Metaanalysen.
  • Ich möchte nun Dein Augenmerk auf google scholar richten. Wenn Du eine wissenschaftliche Quelle suchst. Ist google scholar richtig und der normalen Seite von google weit überlegen. Es sucht nach wissenschaftlichen Artikeln, wie man sie auch über pubmed finden würde, es sucht nach Lehrbuchtexten, es kann sehr selektiv nach Autor, Jahr und journal befragt werden und es verweist auf verwandte Artikel. Oft findet man kostenfreie pdf’s, die man sich gleich laden kann. Bitte probier doch mal im hier stehenden google scholar Feld aus, ein thema einzutragen, mit dem Du Dich auskennst, und sieh, welche Ergebnisse das liefert. Hättest Du das so schnell über google und pubmed gefunden?

http://scholar.google.de/

  • Cover Art     

    Papers

    mekentosj.com

    Kategorie: Produktivität

    Aktualisiert: 19.01.2012

     235 Bewertungen

    Und wer sich auf seinem iOS Gerät oder seinem Mac eine Literaturdatenbank zurecht legen will, die alle Artikel perfekt verwaltet, und aus der man direkt eine google scholar oder pubmed Suche machen kann, und dann die gefundenen Artikel auch gleich perfekt katalogisiert importieren will, frei durchsuchbar und verwaltbar, der guckt sich ‘papers’ an. Das funktioniert perfekt. Meine Empfehlun

Wie frage ich die Cochrane Library ab?

Von vielem, was man weiß, weiß man nicht, woher man es weiß. Und nicht selten weiß man etwas, was nicht stimmt, oder von dem man halt einfach nicht weiß, ob es stimmt. Und das ist in der Medizin nicht richtig. Richtig ist, zu wissen, welchen Evidenzgrad ein mutmaßliches Wissen hat. Der einzige Weg, das herauszufinden, ist, sich einen Überblick darüber zu schaffen, welche Studien zu einer Fragestellung es gibt und diese zu bewerten. Am besten freilich ist, wenn ausgewiesene Statistikgurus zu einer bestimmten Fragestellung schon alle hochgradig geeigneten Studien an Land gezogen und zusammengefaßt haben. Und zwar nach festgelegten Protokollen, die allerlei Fehlerquellen, etwa den publication-bias, minimieren.

Die Ergebnisse dieser Arbeiten liegen in der Cochrane Library. Hier kann jeder auffinden, welche Meta-Analysen zu bestimmten Themen vorliegen und kann sich kostenlos die Zusammenfassung ansehen. Bedauerlicherweise ist der Zugriff auf den Volltext der jeweiligen reviews kostenpflichtig. Manchmal hat man aber Glück und kann sich eine auf der Cochrane Seite identifizierte Studie irgendwie bei google schießen…

Vorgehen:

  1. Ich will etwas zu einem bestimmten Thema in Erfahrung bringen. Ich will wissen, was ist gesicherte Erkenntnis, was ist nicht gesichert.
  2. Ich kann ein Lehrbuch lesen, das genau diese Informationen bereit hällt. Das ist das praktischste und schnellste. Im Gebiet der Psychiatrie ist dies in ddeutscher Sprache das Lehrbuch von Berger. (Buchbesprechung siehe hier)
  3. Zweite Möglichkeit: Ich klicke folgenden link: http://www.thecochranelibrary.com/view/0/index.html
  4. Hier finde ich zwei Suchmöglichkeiten. In der Spalte links ist ein thematisch geordneter Verzeichnisbaum. Hier kann ich beispielsweise auswählen: Mental health/Anxiety Disorder/Generalized. Klicke ich hier drauf, finden sich alle Meta-Analysen genau zu diesem Thema. Oder ich wähle die Stichwortsuche oben links auf der website. Auch dies zeigt mir alle verfügbaren Studien hierzu. Ein Klick auf den link zur Meta-Analyse meiner Wahl, und ich sehe deren Abstract. Das sieht etwa so aus:

5. Ich tippe den Titel der Studie noch mal bei google ein, vielleicht ergänzt um ‘.pdf’, so findet man manchmal zusätzliche Informationen.

6. Nun tippt man bei Google Bilder den Artikelnamen und zusätzlich Forest plot ein. Ein Forest plot sieht beispielsweise so aus:

Quelle: http://ajp.psychiatryonline.org/article.aspx?Volume=162&page=1805&journalID=13

Der Forest plot informiert mit einem Blick, welche Studien welches Ergebnis zeitigen und zu welchem Ergebnis die gewichtete Zusammenfassung aller Studien kommt.

7. Fertig.