Was können Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte tun, um Delirien bei älteren Patienten zu verhindern?

Delir

Delirien sind im Krankenhaus häufige und gefahrenträchtige Komplikationen. Sie treten insbesondere bei älteren Patienten nach Operationen, bei internistischen Erkrankungen, Dehydrationen und vielen anderen Erkrankungen auf. Das Auftreten eines Delirs erhöht die Wahrscheinlichkeit, während dieses Krankenhausaufenthaltes zu sterben, um 25-70%. Die Wahrscheinlichkeit, im nächsten Jahr zu sterben, steigt durch das Delir um 62% (Quelle: Dr. Sharon K. Inouye, Professorin an der Harvard Medical School und Direktorin des Aging Brain Centers an der Hebrew SeniorLife in Boston).

Sie hat ein Präventionsprogramm erstellt: HELP, Hospital Elder Life Programm, das inzwischen in 200 Krankenhäusern weltweit eingesetzt wird. Ich möchte hier sehr gerne den links auf dessen homepage referieren, da diese einige sehr hilfreiche Quellen zusammenfaßt: http://www.hospitalelderlifeprogram.org/public/public-main.php.

Das Programm richtet sich an Ärzte, Pflegekräfte und Angehörige.

Sehr praxisnah und gut weiterzugeben sind beispielsweise die 10 Tips für Angehörige:

  1. Bringen Sie dem Krankenhaus eine komplette Liste alle Medikamente und deren Dosierungen, auch der rezeptfreien. Es kann helfen, die Medikamentenverpackungen mitzubringen.
  2. Bereiten Sie eine Zusammenstellung „Medizinische Informationen“ vor. Es soll Diagnosen, Allergien, Namen und Telefonnummern von behandelnden Ärzten und alle weiteren relevanten medizinischen Informationen enthalten.
  3. Bringen Sie Brille, Hörgeräte (mit Ersatzbatterien) und Gebiß mit ins Krankenhaus. Älteren Menschen geht es besser und sie behalten länger die Orientierung, wenn sie sehen, hören und essen können.
  4. Bringen Sie einige vertraute Dinge von zuhause mit wie Familienfotos, ein vertrautes Kissen oder ein geliebtes Buch.
  5. Helfen Sie Ihrem Angehörigen, während des Tages orientiert zu bleiben. Sprechen sie in einem ruhigen, Sicherheit vermittelnden Tonfall und erklären Sie, wo er ist und warum er hier ist.
  6. Wenn Sie ihm Anweisungen geben müssen, sagen Sie nur eine Sache auf einmal. Überfordern Sie ihn nicht.
  7. Massagen können beruhigend sein.
  8. Bleiben Sie so viel wie möglich bei Ihrem Angehörigen. In einer akut deliranten Phase kann es hilfreich sein, dass mehrere Angehörige in Schichten rund um die Uhr bei dem Patienten sind.
  9. Wenn Sie erste oder neue Zeichen eines Delirs beobachten, besprechen Sie dies unbedingt mit den Krankenpflegekräften oder Ärzten. Familienangehörige sind oft die ersten, die Anzeichen eines Delirs erkennen.
  10. Informieren Sie sich über Delirien. Englischsprachig bietet die American Psychiatric Association „Patient and Family Guide to Understanding and Identifying Delirium“ online an.

(Übersetzung von mir)

Auch die Hinweise für Profis sind sehr hilfreich. Viel Wert wird darauf gelegt, die Mobilisierung täglich und so intensiv wie möglich durchzuführen, selbst bei beatmeten Patienten auf Intensivstationen. Sehr kritisch wird die Sedierung dargestellt und darauf hingewiesen, dass es keine Evidenz für die verbreitete ausgedehnte Sedierung auch tagsüber beim Delir gebe. Nicht-medikamentöse Schlafhygiene sei oft viel hilfreicher.

Die website verweist auf eine Fülle von Leitlinien, Veröffentlichungen und Informationsschriften. Sehr interessant!

(Copyright des Fotos: Creative commons. Fotografin: Lexseria)

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