Wenn der Junge therapeutisch gut begleitet wird, macht er so was nicht mehr…

 

Foto: Willie van gogh by limpfish. Creative commons

Doch. Ich befürchte schon. Die Vorstellungen davon, was Psychotherapie bewirken kann, sind oft abenteuerlich hoch. Ich höre nicht selten bei Gerichtsverfahren, dass ein Delinquent nur von einem guten Therapeuten „begleitet werden“ müsse, das vielleicht mal Konflikte „therapeutisch aufgearbeitet“ werden müssten, und dann werde der Mensch schon geläutert sein. Das höre ich auch oft bei jungen Drogenabhängigen, die mal ihre „Kindheit aufarbeiten“ sollten oder wenig leistungsorientierten Menschen, die doch bitte mal „mit einem erfahrenen Therapeuten sprechen“ sollten, damit aus ihnen gute und fleißige Menschen werden.

Leider sind das oft Heilserwartungen, die man eher von einer Taufe, Kommunion oder wahlweise Teufelsaustreibung erwarten sollte. Und selbst da wird man wohl oft enttäuscht werden.

Psychotherapie führt kein Softwareupdate bei den Menschen durch, das von allen bisherigen Fehlern, Schwächen und Unbillen befreit. Auch nicht, wenn der Therapeut erfahren ist und den Klienten „begleitet“.

Psychotherapie kann Menschen helfen, die sich selber ändern wollen. Nur denen. Nicht denen, die Eltern, Freunde, Berater oder Bekannte haben, die sich eine Änderung wünschen. Ändern müssen sich die Menschen dann nämlich selbst, das macht nicht der Therapeut.

Menschen, die sich selbst ändern wollen, können durch Psychotherapie viel erreichen. Sie können Krankheitssymptome loswerden, anders mit sich selbst und anderen umgehen und vieles in ihrem Leben anders und besser angehen. Aber diese Änderungen setzen voraus, dass der Betroffene selbst die Änderung will, und dass er kontinuierlich und hart daran arbeitet, sein eigenes Verhalten auch wirklich zu ändern.

Das Einspielen einer neues Software geht leider zum Glück nicht…

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3 Gedanken zu “Wenn der Junge therapeutisch gut begleitet wird, macht er so was nicht mehr…

  1. Im Rahmen eines Vorgespräches versuchen wir von unserer Pswychotherapiestation aus die begrenzten Möglichkeiten der Psychotherapie vorab den Patienten deutlich zu machen. Schwieriger ist es, die (niedergleassenen) Kollegen meist aus den anderen (allgemeinmedizinischen, neurologischen) Fachrichtungen zu erreichen, die leider oft die Heilserwartungen schüren.

  2. Sieht so aus, als hätte der Mensch Heilserwartungen, und nachdem die Religionen bei „wissenschaftlich“ denkenden Menschen ausgedient haben als Heilslieferanten, werden nun die Wissenschaftler aus Psychiatrie, Psychologie und Medizin in die Pflicht genommen…

  3. Nicht nur aus meinen Erfahrungen als Gewaltberater, sondern auch nach mehr als 30 Jahren Beratungserfahrung mit Jugendlichen im schulischen Kontext stimme ich diesen Worten mit Nachdruck zu. Andererseits erlebe ich alltäglich, dass gewalttätige Menschen zu mir geschickt werden, um in 5 Stunden mal eben einen friedlichen Menschen aus ihm (oder ihr) zu machen. So wird Verantwortung abgegeben und ein Vorgang erledigt.
    Danke für die klaren Worte!

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