Junge Frauen mit Wasserflaschen

Liebe junge Frauen mit Wasserflaschen da draußen in der U-Bahn, auf dem Fahrrad, im Supermarkt und auch sonst überall: Warum tragt ihr eigentlich immer und überall diese lächerlichen Wasserfläschen mit Euch herum? Habt ihr denn alle einen tückischerweise seit Jahren unentdeckten Diabetes, oder warum gelingt es Euch nicht, mal eine Stunde ohne Wassertrinken auszukommen?
Um dieses ganze Trinken wird viel zu viel Bohei gemacht. Laßt Euch von ´nem Arzt mal was sagen:
  • Es reicht, wenn ihr trinkt, sobald ihr durstig werdet. Ehrlich, reicht wirklich. Das ist wie beim Essen. Da esst ihr ja auch erst, wenn ihr schon ganz viel Hunger habt. Und? Habt ihr daran Schaden genommen? Nein. Das reicht. Dafür hat Mama Natur den Hunger erfunden. Genau so ist das auch mit dem Trinken. Mama Natur hat den Durst erfunden, um mitzuteilen: Jetzt bitte trinken. Und selbst wenn ihr den ganzen Weg von Zuhause bis zu Eurem Büroarbeitsplatz Durst hättet und nichts tränket würdet ihr nicht verdursten. Versprochen. Das Märchen, wenn man Durst bekommt, ist die heilige Flüssigkeitshomöostase schon zerrüttet, ist eine Erfindung gewisser Firmen, die den halben Liter zu einem Euro dreißig verkaufen. Sie stimmt nicht.
  • Wenn ihr Durst habt, trinkt Wasser. Das kommt in Deutschland aus der Leitung. Echt gute Sache. Euch fehlen weder Natrium, Magnesium, Calzium oder andere „wertvolle Spurenelemente“. Auch braucht ihr keine Sportdrinks, Erfrischungsdrinks oder Vitaminschorlen. Wenn ihr Durst habt, braucht ihr nur Wasser. Den Rest redet Euch täglich die Wasservergoldungsindustrie ein.
  • Ausnahme Eins: Sehr alte Menschen haben manchmal wirklich zuwenig Durstgefühl. Aber 24 ist nicht sehr alt.
  • Ausnahme zwei: Bei Ausdauersport über eine Stunde sind isotonische zuckerhaltige Lösungen wahrscheinlich angenehmer als Wasser, aber auch hier soll man nur trinken, wenn man Durst hat. Von den Sportlern, die bei einem Marathon wegen einer fehlerhafter Flüssigkeitsregulation gestorben sind, sind die meisten gestorben, weil sie zu viel getrunken haben.
  • In der großen Medizin ist es übrigens nicht anders. Es gibt eine sehr alte Kontroverse, ob man nach raschen Blutverlusten nur Wasser ersetzt (Ringer-Lösung) oder eine Infusionslösung, der eine spezielle Form von Stärke beigemengt ist (HAES). Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie hat nun gezeigt, dass die Gesamtmortalität unter HAES bei Patienten mit einer Sepsis deutlich gröser ist als unter Ringer. Die Firma Fresenius, die eine Variante von HAES produziert, hat dem leitenden Wissenschaftler nun mal gleich juristische Schritte angedroht. Sehr spannend nachzulesen unter http://neuroskeptic.blogspot.de/2012/08/a-bloody-mess-pharma-legal-threats-and.html
Ich zum Beispiel bin gestern ohne Handy aus dem Haus gegangen. Ich habe überlebt. Nun seid ihr dran! Traut Euch einfach mal ohne 1,50€ Goldwasserflasche auf die Straße! Viel Glück!
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16 Gedanken zu “Junge Frauen mit Wasserflaschen

  1. Humoriger Beitrag, der meine volle Zustimmung findet.Das musste mal gesagt werden! Aber der Fotograf in mir mault. Das Bild passt nicht, weil eindeutig keine Frau.

  2. Ich gehöre ja so gar nicht zu den Frauen, die immer und überall Wasserflaschen mit sich rumschleppen und daher danke ich dir für diesen Beitrag. Ich trinke nämlich auch immer nur dann, wenn ich Durst habe und all meine Bekannten predigen mir Tag für Tag, es sei zu wenig. Endlich kann ich denen mal zeigen, dass ich Recht hab. 😀

  3. Danke, du sprichst mir aus der Seele. Leider trifft man mit solchen Ansichten ja mittlerweile häufig nur Unverständnis, weil sich die Propaganda der Wassermafia so tief in die Gehirne der Leute eingegraben hat 😉

  4. „Von den Sportlern, die bei einem Marathon wegen einer fehlerhafter Flüssigkeitsregulation gestorben sind, sind die meisten gestorben, weil sie zu viel getrunken haben.“

    Ich denke da die ganze Zeit drüber nach. Ist das belegt: „weil … zu viel getrunken“???

    Hängt das dann damit zusammen, dass bei der Belastung zu VIEL Volumen für das Herz zu bewältigen ist ???

    … ansonsten spricht mir der Beitrag aus der täglich beobachtenden Seele … 😉

  5. Ich bekenne mich zu der Fraktion der jungen Frauen mit den 1.5l-Flaschen.
    Allerdings schleppe ich keine vergoldeten Flaschen mit mir rum, sondern Leitungs- oder Sprudelwasser. Und auch nicht weil mir das jemals ein Arzt geraten hätte.
    Sondern: weil ich schnell Durst habe. Und weil ich, sobald ich Durst habe, zu einem aggressiven und unausstehlichen Biest werde und ich das vermeiden möchte so gut es geht. Und weil eine große Flasche Wasser, die ich wohlweislich mitnehme, viel preiswerter ist als unterwegs 3x eine vergoldete 0.5l-Flasche zu kaufen.
    Ich gucke damit auf mich und meine Bedürfnisse, und ich missioniere keinen, es mir nach zu tun.

    Aber was ich mich frage: wieso bemühst du dich damit? Du musst die Flaschen ja nicht tragen :)?

  6. Hallo!
    Ich bin auch Ärztin. Und auch Psychiaterin. (Super Blog übrigens).

    Und jetzt mache ich mir ein paar Feinde und oute mich:

    Also: Wir tun das gern! Homöostase?! Elektrolyte?! Ist doch egal. Wir finden das einfach gut, die 1 bis 1,5 l-Flasche mit uns rumzutragen. Das zeigt so etwas wie: Ich achte auf meine Gesundheit und bin auch cool genug, evian zu kaufen und nicht das Billigwasser von Aldi. Es gehört sozusagen zum guten Ton. Wie Männer, die nicht irgendein Auto fahren, sondern ihre Lieblingsmarke. Männer definieren sich sozusagen über „Püppi, ich hab Geld“ und wir Frauen über „Ich bin gesund“, was sich ja alles evolutionär erklären lässt.

    Also warum darüber aufregen. Ist halt ein wenig primitiv. Aber wie sagte vor kurzem ein Biologe: Wir stammen nicht von den Affen ab, wir sind ein Stamm Affen. 🙂

    Und wer das jetzt albern findet, der hat bestimmt auch EXTRA keinen Fernseher, liest DIE Zeit (und spricht vor allem darüber, dass er sie liest) und hat ein EXTRA kleines Auto. Aber darüber zu philosophieren, was diese Menschen eigentlich für ein Problem haben, führt definitiv zu weit.

    So, ich nehm jetzt erst mal einen Schluck!

  7. Ich hab ein extremes Durstgefühl und wenn ich nicht trinke werde ich zum Biest 😄 Aber ich habe nicht permanent ’ne Flasche Wasser dabei sondern – wenn ich unterwegs Durst habe – hole ich mir was. So’n 0,5er Fläschchen ist dann in solchen momenten fast geext. Ich schwitze zwar auch wie ein Hund, aber dem Satz meiner Ärztin „man kann nicht zu viel trinken“, kann ich bei meinen 5 – 7 Litern täglich nicht mehr glauben x_x

  8. endlich hat sich doch tatsaechlich mal jemand getraut, es zu sagen.
    sind eigentlich noch keine lynchaufrufe ergangen? (-;

  9. Ich muß zugeben, daß ich oft eine .5-L-Flasche (Leitungswasser) dabei habe… weil ich immer eher zu wenig trinke und mich zu Hause manchmal regelrecht davor drücke (und ich nehme meine Flüssigkeit lieber durch Essen auf. 😉 ) Ich bin oft überstürzt auf dem Weg und schaffe es dann manchmal lächerlicherweise nicht mehr, das herausgezögerte erste Glas des Tages zu trinken, und in der Bahn langweilt man sich dann sowieso fast zu Tode (ohne Buch zumindest), da kann ich die Zeit vor der Uni auch mit Trinken füllen. Da ist der Durst dann auch groß genug. 😉

    • Mir ist das übrigens noch nie aufgefallen, daß überhaupt unterwegs getrunken wird! Aufgefallen sind mir nur die Malerlehrlinge etc., die zu jeder beliebigen Uhrzeit mit einem Bierfläschchen reisen. Letzte Woche erspähte ich allerdings meinen ersten Radfahrer mit Bierflasche in der Halterung an der Stange…o_O

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