Postmortale ichtyologische Kognition: Neue Erkenntnisse aus dem fMRI

Dieses Bild zeigt einen toten Lachs im fMRI. Dem Lachs wurden Bilder von unterschiedlichen sozialen Situationen gezeigt, zur Hälfte wurden Situationen sozialer Ausgrenzung gezeigt, zur anderen Hälfte sozialer Einschluss. Der tote Lachs hatte die Aufgabe, die Bilder den richtigen sozialen Kategorien (Ausgrenzung / keine Ausgrenzung) zuzuordnen. Derweil wurde ein fMRI gemacht.

Der Lachs hat nicht geantwortet, was mit seinem postmortalen Zustand zusammenhängen kann. Das fMRI zeigte dennoch signifikante Veränderung im Gehirn bei Präsentation der sozialen Bilder relativ zur Ruhebedingung (keine Bilder gezeigt). Die roten Punkte oben zeigen dieses Ergebnis.

Natürlich regt sich im toten Lachs nicht wirklich was. Aber bei mehreren tausend Untersuchungspunkten, die auf eine relevante Änderung hin untersucht werden, gibt es allein schon aus statistischen Gründen immer wieder einige Untersuchungsbereiche, in denen bei der gegebenen Meßungenauigkeit ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Bedingungen Bild sehen / kein Bild sehen ausgerechnet wird.

Aus diesem Grunde müssen Untersuchungen, die sehr viele Datenpaare auf signifikante Unterschiede untersuchen, immer eine statistische Korrektur auf multiple Testungen durchführen. Genau das aber geschieht selbst bei ausgewiesenen Experten der fMRI Technik nach Aussage der Autoren dieser Studie in 25-40% der Fälle gerade nicht. Dann entstehen Pixel wie die oben dargestellten. Mit einer Korrektur auf multiple Testungen hätte der Lachs übrigens keine Hinweise auf postmortale Cognition gezeigt.

Die Studie weist uns darauf hin, dass gerade die verführerischen fMRI Studien mit sehr viel Vorsicht zu genießen sind. Sie erhielt völlig zu Recht den Alternativen IgNobelpreis 2012 für Neurowissenschaften, der stets lustige und skurrile Entdeckungen auszeichnet. Der Artikel als pdf ist hier zu finden, ein Spiegel Artikel, der darüber berichtet hier.

Diese Studie ist wirklich großartig. Man möchte KREISCHEN vor Glück. Der Trend, für jedes Gefühl einen roten Punkt im fMRI zu suchen und zu finden, ist einfach nicht der Weisheit letzter Schluss. Mehr kritische Distanz ist wirklich sinnvoll.

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4 Gedanken zu “Postmortale ichtyologische Kognition: Neue Erkenntnisse aus dem fMRI

  1. Ich würde es völlig anders interpretieren: Die Zombieapokalypse beginnt, anders als allgemein angenommen, nicht bei den Menschen sondern den Lachsen!

  2. wunderbar formuliert! :’D „Der tote Lachs hatte die Aufgabe, die Bilder den richtigen sozialen Kategorien (Ausgrenzung / keine Ausgrenzung) zuzuordnen. Derweil wurde ein fMRI gemacht.

    Der Lachs hat nicht geantwortet, was mit seinem postmortalen Zustand zusammenhängen kann.“ 😀

  3. Pingback: Phrenologie 2.0 « Dienstarzt

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