Such Dir Deine Vorbilder doch selber aus!

Menschen lernen, wie alle Primaten, viel und gerne am Modell. Bei den anderen Primaten ist es normalerweise so, dass sie im wesentlichen von den Tieren lernen, die in der gleichen Gruppe sind, die mit ihnen verwandt sind oder die in der eigenen sozialen Gruppe ranghoch sind.
Wir Menschen haben aber die Freiheit, uns andere Vorbilder auszusuchen, als die, die wir oft sehen. Wir können uns frei entscheiden, wem wir nacheifern.
Und wir müssen uns nicht mit einem Vorbild begnügen. Wir können für ganz umschriebene Charaktereigenschaften unterschiedliche Vorbilder wählen.

  • Ein bestimmter Oberarzt hat die Aufnahmeuntersuchung immer nach einem bestimmten, sehr guten Prinzip gemacht: Dein Vorbild für Aufnahmeuntersuchungen.
  • Deine Großmutter hatte eine bestimmte, einzigartige Art, familiäre Konflikte zu lösen: Ein Partialvorbild hierfür.
  • Du findest die unhysterische Art, Probleme anzugehen, von Angela Merkel cool, kannst ihrerer Politik aber sonst in vielem nichts abgewinnen: Heiße sie als neues Partialintrojekt für Konfliktlösungen bei komplexem Teamwork willkommen.

Die meisten Menschen machen bestimmte Sachen gut, auch wenn sie vieles anderes nicht so machen, wie ich es übernehmen möchte. Ich kann 94 Aspekte einer Person blöd finden, und mir trotzdem hemmungslos vom 95 Aspekt dieser Person eine Scheibe abschneiden.
Wichtig ist nur, mir bewusst zu machen, von wem ich mir welchen Aspekt abschauen und vielleicht modifiziert übernehmen möchte, und was ich eben gerade nicht übernehmen möchte.
Für mich gibt es nicht eine einzelne Person, von der ich alles übernehmen wollte. Aber ich könnte eine ganze Horde von Leuten aufzählen, von denen ich eine Eigenschaft, Vorgehensweise oder Sichtweise übernommen habe.
Manchmal treffe ich eine Person und denke mir: Dich mag ich gar nicht, ich möchte in praktisch keinem Punkt so sein wie Du. Aber Deine Art [hier beliebige Eigenschaft oder Vorgehensweise einsetzen], finde ich großartig.
Der psychoanalytische Fachbegriff für diesen Vorgang – Charaktereigenschaften, Eigenarten oder Verhaltensweisen anderer Personen, (auch negative…) in das eigene Seelenleben einzubauen – heißt Introjektion. Welche Introjekte hast Du von wem? Welche hast Du, und willst sie eigentlich nicht haben? Welche würdest Du gerne von wem übernehmen?

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6 Gedanken zu “Such Dir Deine Vorbilder doch selber aus!

  1. Muss diese Introjektion immer bewusst geschehen? Mir fällt oft auf, dass ich Eigenschaften von anderen übernehme, die ich gut finde, aber erst wenn ich das genauso mache, fällt mir auf, dass ich das von jemandem übernommen habe. Ist das dann auch eine Introjektion?

    • Ja, das ist auch eine Introjektion, und zwar mindestens genau so typisch. Es gibt auch z.B. Die Täterintrojektion, dass heißt, man übernimmt unbewußt und gegen den eigenen Willen etwas ganz falsches. Introjektionen laufen oft ofer sogar meistens unbewußt ab…

  2. Das Reproduzieren von Verhaltensmustern gleich als Introjektion zu bezeichnen, wird Ferenczi nicht wirklich gerecht, meinst du nicht?

      • Hm, der analytische Begriff der Introjektion bezeichnet ja eher die meist unbewusste und in aller Regel in der Kindheit stattfindende Übernahme von Objektrepräsentanzen, das können auch negative sein. Was du beschreibst ist ja eher ein bewusstes Lernen vom Vorbild. Interessant an deinen Gedanken finde ich aber vor allem, daß man sich bewusst Teilaspekte des Verhaltens von anderen „Vorbildern“ aneignen kann, während man andere Verhaltensmuster derselben Personen vielleicht ja auch ziemlich kontraproduktiv findet (Bsp. Oberarzt!)

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