Cannabis drosselt die Dopaminsynthese

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Marijuana. Copyright: United States Fish and Wildlife Service via Wikimedia

Es gibt hin und wieder Studien, die wirklich etwas erklären: Diese hier ist eine davon.

Cannabis und Dopamin

Untersucht wurde bei 19 chronischen Cannabis-Konsumenten mit psychotischen Symptomen und 19 gesunden Kontrollprobanden, ob die Cannabis-Konsumenten vielleicht eine erhöhte Dopamin-Synthese zeigen. Das würde die psychotischen Symptome erklären. Denn es wurden ja eben nicht regelmäßige Cannabis-Konsumenten untersucht, die von psychotischen Symptomen bislang verschont geblieben sind, sondern 19 Probanden mit psychotischen Symptomen.

Es kam heraus, dass die chronischen Cannabis-Konsumenten eine deutlich geringere Dopamin-Synthese hatten. Chronischer Cannabis-Konsum drosselt also die Dopamin-Synthese, zumindest bei Probanden, die psychotische Symptome zeigen. Sollte dieser Befund auch für nicht-psychotische Cannabis-Konsumenten gelten, wären damit zwei Befunde sehr gut zu erklären:

Das Amotivationale Syndrom

Chronische Cannabis-Konsumentne entwickeln nach einigen Monaten, spätestens nach wenigen Jahren, recht zuverlässig ein amotivationales Syndrom. Dem Dauerkiffer ist einfach alles recht egal, er hängt am liebsten so rum und rafft sich nicht so gerne auf, um was zu reißen. Weit entfernte Ziele, deren Erreichen Anstrengung bedeutet, werden nicht mehr angegangen. Dieses Syndrom würde sich verdammt gut erklären lassen, wenn es stimmt, dass Cannabis die Dopamin-Synthese drosselt. Dopamin ist nämlich der Stoff, der vermittelt: Das hier ist bedeutend, das hier ist wichtig. (Bei der Psychose, bei der zuviel Dopamin im Hirn unterwegs ist, wird daher auch eigentlich unwichtigen Dingen eine Bedeutung zugemessen). Dopamin ist auch einer der Botenstoffe, die beim Gefühl der Belohnung eine Rolle spielen. Mit weniger Dopamin gibt es auch weniger oft das Gefühl, dass sich eine Anstrengung gelohnt hat. Und also wiederholt man die Anstrengung nicht so gerne.

Psychosen nach dem Absetzen von Cannabis

Es ist bekannt, dass chronischer Cannabis-Konsum Psychosen auslösen kann. Und man sieht auch oft Patienten, die regelmäßig Cannabis konsumieren und dann darunter psychotisch werden. Aber man sieht auch nicht selten Patienten, die über lange Zeit regelmäßig viel Cannabis konsumiert haben, dann aus freien Stücken damit aufgehört haben, und dann vier bis sechs Wochen nach dem letzten Joint erstmalig eine Psychose entwickelt haben. Die Cannabis-Absetz-Psychose. Gibt es echt. Die würde sich vielleicht dadurch erklären, dass im Gehirn des chronischen Kiffers die Dopamin-Synthese lange Zeit runter reguliert war, und nach Absetzen des THC plötzlich ein relatives Überangebot von Dopamin bestand, und dieses dann die Psychose ausgelöst hat.

Quelle der oben zitierten Studie und deutsche Zusammenfassung: Notiz im Deutschen Ärzteblatt hier.

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5 Gedanken zu “Cannabis drosselt die Dopaminsynthese

  1. Ich frage mich gerade, wie ich mein eigenes Erleben einordnen soll: ich habe von meinem 16. bis zu meinem 26. Lebensjahr täglich Cannabis konsumiert. Ich war davor depressiv und hatte Probleme mit Heulkrämpfen, Nervenzusammenbrüchen und Selbstverletzungen – und danach wieder. Der Konsum hatte mir in der zeit geholfen, meine Gefühle abzumildern und mein Abitur sowie mein Studium zu schaffen (beides mit einem sehr guten Abschluss). Nach dem selbst durchgeführten Entzug vor zwei Jahren bin ich im Vergleich zu den Jahren des Konsums kaum noch belastbar. (Mittlerweile habe ich auch die Diagnose der emotionalen Instabilität – was irgendwie zu erwarten war.) Ich hatte mich in meiner Schul- und Studienzeit im Prinzip mit Cannabis gedopt…

    • Hallo, hast Du schon einmal über die Möglichkeit nachgedacht, dass es sich dabei evtl. um eine Form von Ads handelt und die Symptome die Du hast daraus resultieren. Bei deinem Cannabis Konsum kann es dann vorgekommen sein, dass sich deine Dopamin Ausschüttung verringert hat und sich somit die Aufnahme an den Rezeptoren verbessert hat! Somit konntest Du dich besser auf das wesentliche konzentrieren, die Symptome haben sich somit verringert. Ja und folglich ist nachdem DU damit aufgehört hast, der Urzustand wieder hergestellt…..
      Ach so ich möchte deine Diaknose jetzt nicht in frage stellen, aber AD(H)S ler sind meistens emotional Instabil….

  2. Ich habe bis heute noch das Gefühl ein absoluter Spezialfall zu sein. Nirgends im Internet/Umkreis habe ich eine klärende Antwort darauf gefunden weshalb Cannabiskonsum bei mir Schmerzen verstärkt oder auslöst.
    Das Risiko dieser Horrortrips war aber deutlich geringer, wenn ich Outdoor oder halt wirklich nur 1-2 Züge rauchte. Hab sowieso nie selber Cannabis gekauft oder allein konsumiert. Ich vertrag das hochpotente Zeugs nicht, was ja heute Standart ist und von den meisten Kiffern konsumiert wird.

    Auch ärztlich konnte nie richtig geklärt werden, ob diese Schmerzen psychotisch oder somatisch sind. Würd mich allgemein als eher empfindlicher Mensch mit gesteigerter Selbstwahrnemung bezeichnen.

    Ich kenne Leute die sich an einem Wochenende um die 15 Joints ohne Nebenwirkungen (ausser dem Rumhängen) reinziehen.
    Ich vertrage es einfach nicht und deshalb konsumiere ich es nicht mehr.

  3. „Es ist bekannt, dass chronischer Cannabis-Konsum Psychosen auslösen kann. Und man sieht auch oft Patienten, die regelmäßig Cannabis konsumieren und dann darunter psychotisch werden. Aber man sieht auch nicht selten Patienten, die über lange Zeit regelmäßig viel Cannabis konsumiert haben, dann aus freien Stücken damit aufgehört haben, und dann vier bis sechs Wochen nach dem letzten Joint erstmalig eine Psychose entwickelt haben. Die Cannabis-Absetz-Psychose. Gibt es echt. Die würde sich vielleicht dadurch erklären, dass im Gehirn des chronischen Kiffers die Dopamin-Synthese lange Zeit runter reguliert war, und nach Absetzen des THC plötzlich ein relatives Überangebot von Dopamin bestand, und dieses dann die Psychose ausgelöst hat.“

    Wenn es einen solchen Mechanismus gibt, wie eine Psychose ausgelöst werden kann, dann gibt es einen solchen Mechanismus auch bei Neuroleptika!

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