Leitsymptom Borderlinestörung

Leitsymptom der Borderline Persönlichkeitsstörung

Bei der Diagnostik der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind eine Reihe von Symptomen zu beachten und in einen Gesamtkontext zu stellen. Ein Leitsymptom ist folgendes:

“Kennen Sie das, dass Sie plötzlich eine starke innere Anspannung verspüren, eine schwer zu beschreibende Mischung aus verschiedenen Gefühlen, die sehr unangenhem ist, und die Sie unbedingt beenden wollen, ohne genau zu wissen, wie?”

Oder abstrakt formuliert:

Ein Leitsymptom der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine einschießende, starke Spannung, die als äußerst aversiv erlebt wird und keiner klaren, handlungsweisenden Emotion zugeordnet werden kann.

Menschen mit BPS kennen das in aller Regel und beantworten diese Frage mit “Ja.” Menschen ohne BPS fragen meistens so etwas wie: “Also wie meinen Sie das jetzt genau, also dass ich schon mal wütend war oder was?”

Das Wesen dieses borderlinespezifischen Affektes ist eben, dass er wie eine glühende, zusammengeschmolzene Mischung aus unterschiedlichen Gefühlen wie Angst, Wut, Schmerz, Trauer und eben nicht erkennbaren oder benennbaren Gefühlen besteht. Und dieses Gefühl ist sehr unangenehm.
Patienten mit Narben an den Unterarmen kann man dann noch fragen: “Hilft Schneiden, das Gefühl zu beenden?”
Patienten ohne Narben an den Unterarmen fragt man das besser nicht.

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11 Gedanken zu “Leitsymptom Borderlinestörung

  1. So Sorry , aber so etwas empfinden nicht nur Menschen mit einer Borderline Diagnose ! Zudem ist diese Frage zur Diagnistik .. Nuuuun ja da gibt es bessere Diagnostiken. Ich Wette Menschen mit einer Panikstörung , anderen Traumafolgestörungen können dies auch mit Ja beantworten . Nicht jeder so wie nicht jeder mit einer Borderline Diagnose dem zustimmen wird . Menschen sind individuell . Diagnosen sind starre Kriterien. Nichts für ungut .

    • Da hast Du Recht! Man kann dieses schwer zu beschreibende Gefühl auch bei anderen Erkrankungen haben. Und manchmal hat man es vielleicht auch als Gesunder. Aber sehr selten.

  2. Nein, die Beschreibung eines Leitsymptomes bedeutet nicht, dass damit die Diagnostik endet. Natürlich geht eine Diagnostik nicht mit einem Satz. Man muss sehr sehr viel mehr berücksichtigen. Aber es ist aus didaktischen Gründen dennoch erlaubt, ein Leitsymptom zu erklären. Das stellt noch nicht die Diagnose. Ich werde den einleitenden Absatz abändern und verständlicher formulieren, wie ich es gemeint habe.

  3. Ganz auf persönlicher Empirie basierend gewinne ich in letzter Zeit auch zunehmend den Eindruck, dass gerade in bezug auf die Schnitte der Umkehrschluß gerne schnell gefasst wird („Die Pat. verletzt sich selbst, muss also eine Borderline-Symptomatik haben“). Ist natürlich unzulässig, weil Selbstverletzungen auch im Rahmen anderer Problematiken auftreten, aber endet dann doch mal gerne mit einer entsprechenden Diagnose in einem Brief.

  4. “ Patienten ohne Narben an den Unterarmen fragt man das besser nicht.“
    😀

    Sonst gebe ich Caldwhyn recht.
    Und bei dem Gefühlschaos sind es häufig noch Gefühle, die einander zu widersprechen scheinen, wie Wut – die biologisch „Angriff“ auslöst und Scham – die „Rückzug“ auslöst.
    Dieses entgegen-gesetzte führt erst recht zur Hochspannung.

  5. Vielleicht ein wenig OT, aber ich finde, dass das mal gesagt werden muss:
    Gerade die Narbenproblematik von (Borderline-)Patienten sollte in der Medizinund in der Gesellschaft stäker behandelt werden. Denn als Patient stößt man im Alltag oft an seine Grenzen und weiß nicht, wie man mit den Reaktionen anderer umgehen sollte.
    Hier ist die Gesellschaft mindestens ebenso krank wie der Patient.
    Versteckt er seine Narben, wird er deshalb benachteidigt und als „Psycho“ angesehen.
    Zeigt er sie offen, ist er ebenso ein „Psycho“. Außerdem stößt er damit oft auf Unverständnis, Vorurteile und Abneigung.
    In den Köpfen vieler Menschen existiert leider immernoch das Bild der „Emos“, der sich aus Langeweile „ritzt“.
    Ebenso gibt es oft unangemessene Reaktionen – auf von Fachpersonal in Kliniken oder Arztpraxen. Kommentar eines Arztes beim Nähen (ja, zu christlicher Uhrzeit): „Na, hat´s Spaß gemacht?“
    Borderlinepatienten haben mit genug Dingen zu kämpfen und ich finde es unfair, dass sie durch ihre Narben noch so viel mehr Probleme gemacht bekommen. Einem MS-Kranken im Rollstuhl macht man seine Lähmung ja auch nicht zum Vorwurf.

  6. Mir hat man mal Borderline „diagnostiziert“, weil ich Stimmungsschwankungen habe und bei der Frage nach dem riskanten Auto fahren „Ja“ gesagt habe… Bei der hier erwähnten Frage hätte ich aber wohl auch gesagt „Bitte wie genau meinen sie das?“

  7. Der letzte Satz hat mich wirklich zum Lachen gebracht^^ Außerdem schließe ich mich mich den Äußerungen von Caldwhyn und stellinchen an.

  8. Aus psychologischer Sicht werden plötzlich auftretende hohe Anspannungen von einigen Autoren als eines der häufigsten Merkmale von Borderline gesehen. Das bedeutet nicht, dass es DAS Symptom im Sinne eines Leitsymptoms darstellt. Erst in Kombination mit anderen Merkmalen (nach ICD) und bestimmten Abwehrmechanismen (nach der Psychoanalyse) kann man sich der Borderline Diagnose annähern.

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