Grau

Liebe Therapeutinnen und Therapeuten,

die Welt ist nicht Schwarz-Weiß. Auch nicht die Kindheit Ihrer Klientinnen und Klienten.
Bitte sagen Sie daher nicht immer:

Sie hat in ihrer Kindheit nie Liebe und Anerkennung gefunden. Sie konnte nie über ihre Gefühle sprechen, das muss sie jetzt alles erst ganz neu lernen.

Die weitaus meisten Menschen haben nicht nur negative Erfahrungen gemacht, nicht mal in ihrer KINDHEIT (so grausam diese Zeit aus Sicht mancher Psychotherapeuten auch oftmals sein muss).

Sagen Sie bitte lieber: “Sie hat oft / immer wieder / manchmal einen Mangel an Anerkennung und Liebe erfahren. Es fällt ihr schwer, über ihre Gefühle zu sprechen.”
Sprache konstruiert nämlich auch Realität. Daher ist es wichtig, in der Sprache die Realität differenziert abzubilden. Und eben auch die Ressourcen der KlientInnen mit abzubilden. Hier setzt nämlich die Genesung an.

Und dann gibt es manche Menschen, die manches wirklich nicht erfahren haben. In diesen Fällen formulieren Sie es dann so. Aber nur in diesen Fällen.

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6 Gedanken zu “Grau

  1. Es könnte aber auch sein, dass die Therapeutinnen die innere Realität der Klientinnen in die Außenwelt transportieren und dort wie beschrieben abbilden. Die subjektive Realität der Patientinnen ist ja nunmal gefühlsmäßig oft so als ob in der Familie keine Liebe erfahren und nie über Gefühle gesprochen wurde. Nicht zuletzt deshalb landen sie ja in der Psychotherapie. Aufgabe der Therapeutin ist natürlich, der Patientin einen korrigierten Blick auf das Erfahrene zu ermöglichen, so dass sukzessive eine Differenzierung möglich wird.

  2. Danke….und ich komm mir so oft komicsh vor, weil ja eben „immer“ und „nie“ nicht stimmt…
    so als ob das alles völlig relativiert und alles ja gaaar nicht so schlimm ist (= alles toll…)
    so als ob es erst „schlimm genug“ ist, wenn eben wirklich gar nix mehr geht…davor..geht ja noch was 😉

  3. ich finde, dass die innere realität meißt wirklich so aussieht. denke aber auch, dass es heilsam ist, wenn der patient erfährt (und langsam und behutsam daran geführt wird, NICHT nach dem motto „ist doch alles gaaaar nicht so schlimm weil da und da wars doch ok!“) wie man den blick auf das ganze richten kann. auch auf die „besseren“ zeiten. meißt ist man dafür als patient aber nicht bereit. solange man noch in der phase ist, wo man dafür „kämpfen“ muss, dass man überhaupt anerkannt wird, das leid anerkannt wird, solange versteht man in jedem „war es wirklich NUR und IMMER so?“ leider keine hilfestellung sondern ein: „stell dich nicht so an, da war auch ein tag die woche ohne gewalt – also wars doch gar nicht so schlimm! jammerlappen! will hier alles nur aufbauschen…..“

    erst wenn man selber soweit ist, das man die lücken in allem schlechten auch sehen kann ohne sofort daran zu zweilfen, dass es überhaupt schlechtes gab, erst dann kann man sie auch fühlen ohne sie als erneute gewalt zu erleben, ohne das diese „guten lücken“ hinterrücks nur sagen wollen „du hast dir das alles nur eingebildet!“ und damit dann doch wieder schaden.

    klingt jetzt sicher wirr. ist aber eigentlich einfach und logisch finde ich.

    auf der anderen seite find ich es gut und richtig, wenn man unterscheidet zwischen oft, überwiegend oder IMMER!

    als alltagsbeispiel: wenn menschen klagen „ich war ja auch fast nie im urlaub“ und damit meinen „nur alle 2-3 jahre“ dann fühlt man sich als mensch, der tatsächlich noch NIE im urlaub war echt doof. weil die anderen einem das „weg nehmen“ ausdrücken zu können, das man zb traurig ist, noch nie in den urlaub gefahren zu sein, ausdrücken zu können, dass einem was fehlt, diese erfahrung fehlt.

    gibte es auch mit „ich habe noch nie geburtstaggeschenke von meinen eltern bekommen“ das kann man SO meinen oder eben als „zu wenig/ nicht was ich wollte/ nicht so richtige geschenke“…. zwei dimensionen eines ausdrucks.

    dazu ist es wirklich so, dass was der doc sagt viel ausmacht. so wie köperärzte nicht sagen sollten „sie sind unheilbar krank“ so sollten auch seelenärzte versuchen nichts in stein zu meißeln, das eben nicht sowieso schon in stein gemeißelt ist.

    ich glaube, dass dieser spagat klappen kann zwischen: „inneres erleben des patienten für bare münze nehmen“ und „den überblick behalten und die grenzen zur realität im außen sehen“

    • “ “stell dich nicht so an, da war auch ein tag die woche ohne gewalt – also wars doch gar nicht so schlimm! jammerlappen! will hier alles nur aufbauschen…..”“

      ich glaube das ist dabei ganz ganz schwierig…denn so geht’s mir meist…und soweit ich weiß auch vielen vielen anderen.

      und es ist das eine die realität (eben auch mti den schönen momenten) im blick zu haben und das andere, dass es einem aber auch gut geht…also es hilft nicht zu sagen guck mal, das war doch gut…jau…trotzdem „ist was kaputt“. jetzt platt ausgedrückt 😉

      ich könnte mir vorstellen, dass es evtl aus einer hilflosigkeit („es war alles immer so schrecklich etc“) etwas optimismus macht. („es gab schöne momente, und die gibt es, können also auch wiederkommen“)
      aber da muss man echt aufpassen, dass nicht bagatellisiert wird. Da geht so einfach :/

      • ja da hast du recht. ich versuchte einfach, das gute, den guten willen darim zu sehen.

        bei „nicht fachleuten“ habe ich immer die erfahrung gemacht, dass so eine wahrheit wie „da war doch auch ein tag ohne gewalt in der woche…..dann war ja nicht alles schlimm!“ eher entsetzen auslöst, ob der einstellung, dass man diesen „fehlenden tag der gewalt“ auch noch „feiert“ angesichts dieser himmelschreienden anderen 6 tage.

        das sind dann die menschen, die in meinen augen einen gesunden verstand haben, ein gesundes herz,. ein normales gewissen.

        es gibt aber auch die leute, die das einfach wegschieben wollen und gar nichts davon hören oder wissen wollen. die schaden dann sehr und man sollte sich fern halten von ihnen, wenn man nicht nur überleben will sondern leben.

        ich muss glaub ich mal anmerken,dass ich das zwar alles weiß und wiedergeben kann, es aber nicht heißt, dass ICH das so toll kann und umsetzten kann….ne ganz im gegenteil :/

        was du sagst: es war nicht ALLES schlecht, aber das schlechte hat ausgereicht damit die seele kaputt ist. das ist richtig. wenn zb ein mensch eine OP nicht überlebt kann man auch schlecht sagen „es ist aber nicht alles schief gegangen! teilweise lief es richtig gut“ hilft dem auch nicht mehr…..wenn es dann halt das nicht so gut gelaufene war, das ihn hat sterben lassen. niemand würde einem angehörigen sowas sagen….

        mit der seele ist es aber nicht anders. in meinem lebe gab es ganz viel gutes! ich könnte bände damit füllen…. ich habe mir das gute selber gesucht, habe gelernt bescheiden zu sein und das kleinste und geringste zu feiern wie andere hochzeiten. es ändert aber nichts an den dingen, die verloren und zerstört sind und nicht wieder heil werden.

        wenn man die aussage so verwendet wie du, dann klingt sie aber toll! in bezug auf „hilflosigkeit >> optimismus“ mit dem augenmerkt auf „die wenigen guten zeiten kommen wieder und wir versuchen sie zu vermehren“

        LG

  4. Boah wie schlimm….
    1,4-18 Mio Benzodiazepin Abhängige (Valium,Rohypnol,Tavor,Lexotanil) meist eine Lebenslange, Entzug kann tödlich enden.
    SSRIs,SNRIs,NRIs etc. Also etwas neuere Gen. der ADs…. Ein Suizid Gefährdeter bekommt also Przac auf Anraten des Psychologen zB. das Problem: es dauert 2-3 Wochen bis es ganz kurz wirkt und dann nicht mehr, aber das aller krankeste ist:
    Psychater: „Wir fangen mal niedrig an und steigern das, in den ersten 2-3 Wochen wirkt es nicht und verstärkt ihre Symptome massiv, auch gab es dutzende Selbstmorde“ „Deswegen gibt’s Valium dazu“ wieviel Prozent der Extrem Depressiven schaffen es denn ? Was ist die Volkskrankheit Nr2 die Depression. Dann werden immer großzügig ADs und Benzos verschrieben und gut ist.
    Eine Psychotherapie ist nur geheuchel und rum gelabber der den meisten nix bringt weil die haben ja Ihr Valium was 10000 mal besser ist.

    Bei einem chronisch Schmerzkranken ist was sichtbar, somit können die Ärzte Lindern,Handeln,Heflen etc.
    In der Psychatrie/Pschotherapie ist der Schmerz nicht so leicht sichtbar und es wird seit 70 Jahren im Hirn rumgestochert.

    Jetzt auch noch der DSM 5 und daran bald angelehnt der ICD:11 Katalog
    Neue Diagnosen für JEDEN stehen da drin, alle werden Krank gemacht und zu gemüllt mit Valium,Antidepressiva,Foltermittel namens Neuroleptika…alles das was helfen kann,schnell sofort wurde aus der Pschiatrie verbannt durch das restrektive BTMG und BTMvv mit 50 Mitarbeitern…alles klar.

    Mit freundlichen Grüßen

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