Der Zweck des Sports liegt im Sport, nicht im Abnehmen

Sport macht Spaß und ist gesund. Der menschliche Körper ist schlicht und ergreifend darauf angelegt, sich zu bewegen. Setzt man so einen Körper den ganzen Tag auf einen Stuhl, fehlt ihm was. Das ist dann keine artgerechte Haltung, das ist weder gesund noch schön.
Bewegung führt dazu, dass ich meinen Körper auf eine ganz andere Art spüre, als ohne Bewegung. Ich nehme ihn viel intensiver wahr und habe einen unmittelbareren Kontakt zu meinem Körper.

Zusätzlich passieren bei fast allen Sportarten eine Reihe von zusätzlichen Dingen. Ich selbst laufe am liebsten. Ich berichte daher über meine Wahrnehmungen beim Laufen.

Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Wenn ich laufe, durchlebe ich auf den unterschiedlichen Streckenabschnitten unterschiedliche Phasen.

  • Wenn ich plane, am nächsten Tag oder am Abend zu laufen, kann ich schon die Vorfreude genießen. Ich weiß dann, dass es nicht mehr lange dauert, bis ich die U-Bahnen, Arbeitstische und Bürostühle verlassen und frei durch die Gegend laufen darf. Das macht das unbewegte Leben sehr viel besser aushaltbar.
  • Laufe ich dann endlich los, fühle ich mich auf den ersten Kilometern, als ob ich über den Asphalt fliegen würde. Ich freue mich, frei zu sein, laufen zu dürfen und nichts anderes zu tun zu haben, als mir die Landschaft anzuschauen und immer wieder einen Schritt vor den anderen zu setzen.
  • Nach ein paar Kilometern berühren meine Füße dann auch gefühlt den Boden. Es geht nicht mehr ganz so leicht, dafür auf eine ganz besondere Art scheinbar automatisch. Wie eine gut geölte Maschine laufe ich weitere Kilometer. Meine Gedanken sind noch ganz frei, ich denke meist an nichts bestimmtes, höre Musik oder einen podcast, nur manchmal denke ich in Ruhe über etwas nach, was sonst in der Enge des Alltags nicht gut überlegt werden kann. Zumeist komme ich beim Laufen auf andere, weitreichendere Gedanken, als wenn ich irgendwo sitze.
  • Nach etwa 15 Kilometern fängt das Laufen an, mir mehr abzuverlangen. Ich beginne dann, an das Laufen selbst zu denken. Ich nehme viel stärker als zuvor wahr, wie kalt es ist, ob es regnet, wie heiß mein Körper ist, ob es irgendwo zwickt oder schmerzt. Wenn ich auf dem Laufband laufe, sehe ich mehr auf die Uhr, den Entfernungsmesser und laufe oft von einem Kilometer zum nächsten, von einer Minute zur nächsten. Zu dieser Zeit höre ich keine podcasts mehr, nur noch Musik, und zwar immer die gleichen paar Alben… (Gegenwärtig höre ich oft die Game of Thrones Filmmusik, funktioniert für mich sehr gut beim Langstreckenlauf…)
  • Wenn ich diese Phase einige Zeit durchhalte, kommt bei mir zuverlässig das „runners high“. Ich fange an zu lächeln, habe keine Schmerzen, beschleunige über etwa einen Kilometer, fühle mich absolut frei, glücklich und gut und könnte die ganze Welt umarmen. Das sind die gesündesten und billigsten Opioide, die man kriegen kann. Es geht nichts über so eine gute, selbst erarbeitete Endorphindusche.
  • Danach kann es wieder etwas härter werden, weiter zu laufen, aber im Training sind es dann meist nur noch wenige Kilometer, bis ich ohnehin an meinem Ziel bin.
  • Im Marathon kommen dann noch einige weitere Kilometer, in denen ich gegen den inneren Schweinehund kämpfen muss, als hinge mein ganzes weiteres Schicksal davon ab. Die letzten 8 Kilometer eines Marathons machen mich nicht glücklich, sie sind nicht angenehm, sie schmerzen, quälen und zermürben. Aber sie machen stolz.
  • Wenn ich schließlich das Ziel, das ich mir zuvor vorgenommen hatte, erreicht habe, auch wenn es nur 10 Kilometer waren, erlebe ich ein ganz unmittelbares Erfolgserlebnis; ich bin stolz, glücklich und immer angenehm entspannt.

Ein wunderbares Buch, indem der berühmte Autor Haruki Murakami über seine Erlebnisse beim Laufen berichtet, ist dieses hier: „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede.“ Ich kann es sehr empfehlen.

In unserer auf´s Körpergewicht fixierten Gesellschaft gibt es ja oft den irrigen Gedanken, Sport sei die notwendige Geißel, um das stets als zu hoch empfundene Körpergewicht zu reduzieren. Ende des Sinns, Zwecks und Nutzens des Sportes.

Das ist in zweierlei Hinsicht falsch.

  • Zum einen nimmt man nicht ab, wenn man mehr Sport macht. Man hat dann einfach mehr Hunger und isst mehr. Erst wenn man bei mehr Sport trotz mehr Hunger nicht mehr isst, nimmt man vorübergehend ab.
  • Zum zweiten hat man dann all das nicht auf der Rechnung, was Sport sonst noch bringt. Auch wenn man kein einziges Gramm abnimmt, ist es äußerst belohnend, regelmäßig Sport zu treiben.

In dem sehr sehenswerten TED-Talk: „Why dieting doesn´t usually work“ (ich darf den empfehlen, ich mache gerade eine Diät…), zeigt Neurobiologin Sandra Aamodt eine Studie, die belegt, dass Übergewichtige den gleichen Nutzen für ihre Gesundheit haben, wie Normalgewichtige, wenn sie

  • nicht Rauchen
  • sich regelmäßig bewegen
  • sich ausgewogen ernähren und
  • Alkohol nur maßvoll trinken

Der Nutzen der Einhaltung dieser einfachen Regeln tritt völlig unabhängig vom Gewicht ein, auch bei verbleibendem Übergewicht.

Mein Fazit:

Der Zweck des Sports liegt im Sport, nicht im Abnehmen.

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5 Gedanken zu “Der Zweck des Sports liegt im Sport, nicht im Abnehmen

  1. So ganz kann ich diesem Artikel nicht zustimmen. Denn wer mehr Sport (oder überhaupt Sport) macht, der wird über kurz oder lang einen positiven Effekt auf das Körpergewicht feststellen – mehr Muskelmasse verbrennt nun mal mehr Energie, als weniger Muskelmasse. Ich sehe es auch so, wie Du, dass Sport in erster Linie Spass machen sollte. Aber ich finde es besser, Sport zu machen, weil man Gewicht reduzieren will, als überhaupt keinen Sport zu machen. 🙂 Bei mir ist momentan die Gewichtsreduktion auch die Motivation, wieder in ein sportlicheres Leben einzusteigen, nachdem ich mich drei Jahr lang fast nicht bis gar nicht bewegt habe (davor Halbmarathon). Das Laufen empfinde ich zurzeit eher als Qual, das Vergnügen beschränkt sich auf den Moment, wenn ich meine (kurze) Einheit abgespult habe und stolz bin, dass ich mich durchgebissen habe. Wenn ich dranbleibe wird sich das ändern, das weiss ich von früher. Aber am Anfang ist Durchbeissen gefragt. Wenn das nicht so wäre, würden sich mehr Leute sportlich betätigen – denke ich.

  2. Ich mache seit fast zwei Jahren regelmäßig Sport und kann nur bestätigen das man damit nicht abnimmt. Die Muskelmasse nimmt zu, der Körper ist im wahrsten Sinne des Wortes besser in Form als vorher, aber abnehmen geht nur mit einem entsprechenden Ernährungsplan. Oder, einfach gesagt und wie schon erwähnt, weniger essen als man verbrennt, was aber auch voraussetzt das man dem dauerhaft treu bleibt, den Sport wieder zu lassen und weiterhin das zu essen was man mit Sport aß würde über kurz oder lang eine Gewichtszunahme bedeuten.

    Ich laufe eher nach Zeit, eine Stunde maximal, aber schmerzfrei ist das nie und deshalb ist es auch nicht wirklich etwas auf das ich mich freue, sondern das ich halt einfach mache, wobei es mir hinterher wesentlich besser geht als vorher.
    Schwimmen ist auch keine schlechte Sache, aber immer so aufwendig und ich fühle mich hinterher auch nicht ganz so gut als wenn ich laufe, trotzdem drehe ich auch da regelmäßig meine Runden, für die Gelenke und den Rücken.;-)

  3. Die meisten Leute, die mit Sport abnehmen wollen überschätzen ihren Kalorienmehrverbrauch durch ihren Sport. Ich denke auch, dass man Sport nicht ausschließlich zum Abnehmen machen sollte, wenn man auch nach Wochen keinen Spaß an der gewählten Sportart entwickeln kann. Persönlich mache ich Sport, weil es mir Spaß macht und mein Körpergefühl + Laune & Antrieb verbessert … und noch ein paar Nebeneffekte mehr.

  4. Genau meine persönliche Ansicht zum Sport.

    Ich mache Sport weil ich gerne Tischtennis spiele (nebenbei eine klasse Konzentrationsübung)

    und weil ich gerne schwimme.

    🙂 🙂 🙂

  5. Bin seit nunmehr zwei Jahren dem Laufsport verfallen. Zu meiner Erfahrung: Pfunde können purzeln aber nur vom Sport wird das recht schwierig.
    Es kommt auch auf die Ernähung an! Nehme ich am Tag 2500 kcal zu mir und laufe aber nur ein oder zweimal die Woche meine 30 Min bis 1 Stunde, da kann man nicht viel von erwarten. Da geht die Rechnung nach hinten nicht auf! Man nimmt so mehr kcal zu sich, als man beim Sport verballert an kcal.
    Habe so in ca. einem Jahr nach und nach 10 Kilo verloren.

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