Eleganter und überzeugender Selbsttest auf Narzissmus

Narzissten sind oft interessante Menschen. Zu Beginn einer Bekanntschaft steht oft die Faszination durch eine gewisse farbige Brillianz im Vordergrund. Manchmal bleibt es auch lange dabei. Narzissten können einen aber auch sehr verletzen, wenn sie einen im Verlaufe der Bekanntschaft abwerten. Die Zusammenarbeit mit ausgeprägten Narzissten kann daher manchmal etwas räusper herausfordernd sein…

Zur Beurteilung, ob jemand eine Narzisstische Persönlichkeitsstruktur hat, gibt es aufwändige, mehrseitige Fragebögen. Die kann man einem Betroffenen geben, und der kann die ausfüllen.

Und dann gibt es die Single Item Narcissism Scale (SINS)

Ihr könnt den „Fragebogen“ hier direkt online für euch selbst ausfüllen und erhaltet auch direkt eure persönliche Auswertung. Das Ausfüllen dauert nur eine Minute. Ich empfehle, den englischsprachigen Fragebogen jetzt erst einmal hier auszufüllen, bevor ihr weiterlest…

Der SINS fragt genau eine Frage:

In welchem Maße stimmen Sie dieser Aussage zu: „Ich bin ein Narzisst“ (Beachten Sie: Das Wort Narzisst bedeutet egoistisch, egozentrisch und eitel).

Man stuft sich dann selbst auf einer Skala von 1 bis 7 ein. 1 heißt „Trifft auf mich nicht sehr zu“, 7 heißt „Trifft auf mich sehr zu“. 

Das Faszinierende an dieser einfachen Frage ist nun, dass die vom Probanden selbst eingeschätzte Antwort sehr gut mit den Testergebnissen der viel aufwändigeren Narzissmusskalen korrelieren. Dies veröffentlichten Forscher der Ohio State University in der Zeitschrift PLOS One in diesem Artikel.

Erklärt wird die hohe Selbsterkenntnisrate der Narzissten damit, dass Narzissten sehr wohl wissen, was Narzissmus ist und selbst nicht das Gefühl haben, dass das etwas Schlechtes ist, was man bekämpfen oder verheimlichen sollte. 

Ich finde Narzissmus in den höheren Ausprägungen immer wieder faszinierend. Es ist manchmal nicht gut verständlich, was in einem sehr narzisstisch strukturierten Menschen vorgeht. Diese Untersuchung zeigt aber, dass er sich seines Narzissmusses wahrscheinlich selbst bewusst ist, was nicht selbstverständlich ist. 

Kennt ihr narzisstische Männer? Kennt ihr narzisstische Frauen? Welche Erfahrungen habt ihr mit ihnen gemacht? Fanden diese Menschen eurer Beobachtung nach selbst, dass sie egoistisch, egozentrisch und eitel sind? Hat das ihnen Freude gemacht? Fallberichte gerne in den Kommentaren!

Der Spiegel berichtete hier über den SINS. 

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20 Gedanken zu “Eleganter und überzeugender Selbsttest auf Narzissmus

  1. „Das Faszinierende an dieser einfachen Frage ist nun, dass die vom Probanden selbst eingeschätzte Antwort sehr gut mit den Testergebnissen der viel aufwändigeren Narzissmusskalen korrelieren.“

    Das klingt ja sehr interessant und ich finde es eigentlich ziemlich verblüffend. Ist das denn bei anderen neurotischen Persönlichkeitsstrukturen auch so ?

  2. Ich habe diesen kleinen Test gerade absolviert und das Ergebnis hat mich doch sehr überrascht. Ich glaube, dass gerade die Charaktereigenschaften egoistisch, egozentrisch und eitel von unserer Gesellschaft sehr verpönt werden. Leider erlebe ich in meinem privaten Umfeld oft, dass gerade diese Eigenschaften bis zur Selbstaufgabe zurückgeschraubt werden. Schade!

  3. Passt doch zum Zeitgeist: Jeder seine kleine Ich-AG, ein Mini-Verkäufer seiner Talente auf dem Arbeitsmarkt, da passen Attribute wie “ egoistisch, egozentrisch und eitel“ doch sehr gut rein – Eigenschaften wie „altruistisch, emphatisch und bescheiden“ schaffen es dann höchstens bis zur Grundschullehrerin und keinesfalls höher als ins mittlere Management….

  4. Ich finde dieses Ergebnis nach wie vor sehr spannend – und würde das gern im klinischen Alltag erproben. Nach meiner Erfahrung stimmten viele Narzissten, wenn man das Wort „verstehbar“ und ohne Wertungen / verhaltensnah erklärt, dem zu, so zu sein. Aufgrund der hohen sozialen Unerwünschtheit, als eitel oder narzisstisch zu gelten, stimmen dem nach meiner Erfahrung auch wenige Narzissten zu. Daher finde ich die bisherigen Selbstbeurteilungsskalen (z.B. im SKID oder PSSI) sehr wenig alltagsvalide. Anders ausgedrückt: Die Patienten, die ich als Narzissten diagnostizierte, waren in den üblichen klinischen Verfahren meist wenig auffällig… Demzufolge wäre auch die neue Skala wenig alltagsvalide, aber darauf lasse ich es gern ankommen 🙂

    • Wozu braucht es bei solchen Tests noch Psychiater? Das ist das einzig Gute daran. Wie viele Narzissten werden Psychodoc? Auch spannend!

  5. Mit einem Narzissten zu leben ist jedenfalls nicht spaßig.
    Ich denke mein Vater ist einer, merkwürdigerweise hatte sich das in einer bestimmten Altersphase gebessert, vielleicht weil er auch etwas eingeschränkter in seinem Lebensstil war, sich hier und da anpassen musste.
    Das charismatische lässt ja ab einem gewissen Alter auch, man ist mehr auf das Wohlwollen anderer angewiesen, wenn man nicht außen vor sein möchte.
    Im Moment denke ich, kommt er wieder wesentlich häufiger durch, der alte Narzisst.
    Sehr unangenehme Menschen würde ich sagen, wenn ich die Entscheidungsfreiheit habe, dann mache ich einen Bogen drum und würde das auch jedem anderen empfehlen.

    Gesunder Egoismus ist ja wieder etwas anderes, wer ihn hat und auch durchsetzt der wird meist akzeptiert, wenn man ihn erst üben muss, wird aber gar nichts akzeptiert. Das Umfeld ist eher pikiert, wenn es jenen nicht mehr ausnutzen kann, der immer ausgenutzt wurde.
    So brauchts neben dem neuen Selbstbewusstsein, oft auch einen neuen Freundeskreis.

  6. Seit fast 10 Jahren bin ich mittlerweile „psychiatrierfahren“ (und damit fast mein halbes Leben) – seit Anfang diesen Jahres beschäftige ich mich mit der narzisstischen PS, da dies wie es scheint meine tatsächliche Diagnose ist. Ich bin also eine weibliche Narzisstin – und mein erster Gedanke zur Diagnose war: OK, ich bin also ein egoistisches Arschloch.
    Tatsächlich ist der Umgang mit mir oft schwer, ich bin sehr fordernd und egozentrisch, es fällt mir schwer, wirklich mit zu fühlen mit anderen und meine eigenen Wünsche denen anderer unterzuordnen. Aber natürlich bin ich mir der Regeln und Forderungen der ’sozial gewünschten ‚ Verhaltensweisen bewusst und durchaus in der Lage, mich angemessen zu verhalten. Aber das ist eben bei mir nichts Intuitives, sondern etwas Erlerntes.
    Bei mir (wie bei vielen weiblichen Narzissten?) wird jedoch auch die Unsicherheit deutlich, die die eigentliche Grundlage dieser Persönlichkeits-Struktur bildet. Rein symptomatisch betrachtet liest sich mein Spektrum eher wie das einer Person mit BPS: Selbstverletzung, Alkoholmissbrauch, Essstörung, depr. Episoden, emot. Instabilität etc.pp. Nur haben die Symptome bei mir einen ganz anderen Zweck (neben dem eigentlichen, spannungsabbauenden): es geht um Selbstdarstellung, Einnahme einer Sonderrolle, sich abgrenzen von der ‚Normalität‘.

    Das Schlimmste ist für mich definitiv das Wissen um die eigene ‚Schlechtigkeit‘, den Egoismus, um meine manipulativen Anteile und der ständige Zwiespalt zwischen Konformität, erwünschten Verhaltensweisen und dem, was mein eigentlich selbst wünscht.

    Und auch mir ist bis heute nicht klar, was in mir als ausgeprägter Narzisstin vorgeht 😉

    Ach ja, und um meine eigene Verwirrung komplett zu machen, studiere ich auch noch ein Fach mit doch recht hohen Anforderungen an die Sozialkompetenz: Medizin 😀

    Cheers,
    Lisa
    P.s.: beim SINS hab ich 5 Punkte – bei Fragebogen Kreuze ich prinzipiell nie den Maximalwert an. Stützt aber die These bzgl. Der Validität 🙂

    • Wow. Also, das klingt so als hättest Du Dich intensiv mit Dir, Deinen Persönlichkeitsstrukturen und deren Auswirkungen auf Dich und andere auseinandergesetzt. Und das beste daran: Du kannst die eigenen Schlußfolgerungen auch so annehmen. Das finde ich wirklich sehr ehrlich. Respekt! Das soll jetzt nicht anmaßend klingen, sondern das finde ich nur wirklich beachtlich. 🙂

    • Hallo Lisa,

      wir hier bei Dradiowissen planen gerade eine Radiosendung für diesen Donnerstag (21. Mai 2015) zum Thema Narzissmus. Wir suchen auch Betroffene, die darüber berichten können, wie es ist ein Narzisst oder eine Narzisstin zu sein.
      Was Du schreibst, klingt sehr interessant – wir würden uns freuen, mit Dir ins Gespräch zu kommen!
      Wenn du magst, melde Dich einfach unter der hier angegebenen Mailadresse.

      Viele Grüße,
      Simone

    • Hallo Lisa,

      es ist zwar schon 11/2016 als ich auf den Artikel und die Kommentare gestoßen bin…
      Ich muss es einfach loswerden: Bezogen auf Deine Kommentare bist Du anscheinend sehr selbstreflektiert, Respekt!
      Und ich entdecke erstaunlich viele Parallelen.. bis auf das Medizinstudium. 🙂
      Grüße!
      Svetlana

  7. „…nur wirklich beachtlich“ geht den narzisstischen Anteilen natürlich runter wie Öl 😉 nein, im Ernst, lieben Dank für die positive Rückmeldung.
    Gerade aber die ständige und meist intensive Auseinandersetzung mit sich, seinem Verhalten, und Gedanken führt bei mir zu einer solchen ‚Verkopfung‘, dass es den größten Teil der Zeit über nicht möglich ist, an den eigentlichen emotionalen Probleme und zugrundeliegende Themen/Ursachen zu arbeiten.
    Und sollte man im therapeutischen Rahmen doch einmal auf der richtigen Spur sein und auch nur in die Nähe des Eingemachten kommen, bleibt ja immer noch die Flucht in eine Verstärkung der selbstschädigenden Symptomatik zwecks Vermeidung.
    Narzissmus bedeutet für mich letztlich nichts anderes als: ein Panzer, der meinethalben auch manchmal in den buntesten Farben schimmert, aber das tatsächliche in Kontakt Treten mit anderen Menschen und auch such selbst ziemlich schwer macht.

    • „Nicht das Trauma-verursachende Geschehen ist es, das uns so belastet, sondern die Verhaltensweisen, die wir in der Folge entwicklen, um zu überleben.“

      (Sinngemäß nach Hunter Beaumont)

      Liebe Grüße, Anja

  8. Was mich mal interessieren würde, vor allem, weil so ein „Verhalten“ mir auch schon bei anderen Menschen begegnet ist:
    Ich persönlich neige dazu, gerade verletzende Kommentare anderer Menschen auf mich zu beziehen und sozusagen zu meiner eigenen „Selbstbeschreibung“ hinzuzufügen. Heißt, wenn mir jemand sagt, ich sei egozentrisch und mich verletzt das, glaube ich das auch. Von anderen Menschen wird mir allerdings das genaue Gegenteil attestiert *g Außerdem wird dieser ganz egozentrisch-egoistisch-eitel-selbstverliebt-Komplex von der Gesellschaft so abgewertet, dass es in einer depressiven Episode ganz wunderbar als Ich-mach-mich-selbst-fertig-Mantra funktioniert. Ich habe bei der Skala 4 angekreuzt. Wenn es mir schlecht geht, könnte da schon mal eine 8 draus werden…
    Von der Selbsterkenntnis der Narzissten mal abgesehen: was ist mit den Leuten, die glauben, sie seien narzisstisch, weil a) ihnen das von anderen Menschen gesagt wurde oder b) sie aufgrund anderer psychischen Erkrankungen der Überzeugung sind, sie seien so dermaßen „schlecht“, dass sie eine in ihren Augen als „schlecht“ empfundene Persönlichkeitsstruktur auch ganz gern mit in den Identitätstopf werfen? Nur ihre eigene Aussage als Anhaltspunkt zu nehmen, ohne sich das auch aus einer distanzierteren Sicht anzugucken… ich weiß nicht…
    liebe Grüße,
    maskentänzerin

    • Das hängt vermutlich vom Ausprägungsgrad ab. Aber ich denke selbst solche mit sehr massiven und ausgeprägten Störungsmustern, erkennen irgendwie, dass sie anders als Mitmenschen sind in vielen/manchen Punkten und vermutlich auch, dass sie irgendwelche Konflikte mit Mitmenschen bekommen, wenn sie dieses oder jenes tun etc.; sie lernen quasi, welches Verhalten sie sich leisten können in der Öffentlichkeit, und welche Seiten sie besser verstecken sollten. Im Grunde also etwas, dass vom Prinzip her jeder mehr oder weniger erlebt und macht.

      Nur ist es weiterhin eine Frage, was jeweils aus dieser Erkenntnis gemacht wird und wie sie derjenige auslegt. Die Deutung muss nicht lauten, dass mit ihm etwas nicht stimmt, sondern könnte auch umgekehrt ausfallen, dass er all den anderen überlegen ist – und nur wenige „Ebenbürtige“ fähig sind etwas mehr von seinen anderen Seiten sehen zu können (aber auch eher die erwünschten Seiten). Diesen Menschen kann man so einen in der Gesellschaft scheinbaren Makel, den man aber selbst als etwas Elitäres definiert & empfindet im überpositiven Selbstkonzept, dann „verraten“.

      Eine andere Möglichkeit von vielen auf diese Erkenntnis der „Andersartigkeit“ zu reagieren, wäre eine im Ansatz selbstreflektiertere Betrachtungsweise, in der man auch bereit ist sich mit seinem Verhalten kritischer auseinanderzusetzen – und auch selbst erkennen kann, das man den ein oder anderen Zug an sich im narzisstischen Spektrum einordnen kann/könnte – und das nicht als etwas Elitäres erlebt, sondern als etwas, das zu Konflikten mit Mitmenschen beiträgt und für einen selbst Kosten hervorruft; usw. usf..

      Gibt auch viele andere Reaktionsweisen. Ich denke, dass jemand mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung durchaus in der Lage sein kann, zu erkennen, dass er in dieses Störungsbild reinfällt bzw. reinfallen könnte. Ob ihn das dann eher stört oder er das glorifiziert etc., ist wieder eine andere Frage. … Aber natürlich gibt es auch solche, die es an sich selbst nicht erkennen können und alle Anzeichen (unbewusst) abwehren.

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