zaps als Absetzerscheinung von SSRI

Beim Absetzen von serotonergen Antidepressiva wie Citalopram oder Duloxetin kann es sehr wohl zu Absetzerscheinungen kommen. Interessant ist, dass viele Psychiater diese Absetzerscheinungen nicht kennen, vielleicht, weil sie nicht so häufig auftreten, vielleicht auch, weil die Psychiater nicht oft genug danach fragen.

In den entsprechenden Foren wird jedoch recht häufig von Absetzerscheinungen berichtet. Besonders häufig wird von plötzlich auftretenden, unangenehmen, kurzen Mißempfindungen, die sich wie kurze elektrische Schläge anfühlen sollen, berichtet. Diese Mißempfindungen kann man medizinisch Parästhesien nennen, umgangssprachlich heißen sie zaps oder brain zaps. Einen vollständigeren Wikipedia-Artikel über Absetzerscheinungen von SSRI findet ihr hier.

Pharmama hat hier einen Bericht gepostet, in der eine ältere Patientin berichtet, dass sie genau diese Symptomatik immer wieder erlebt, wenn sie das Antidepressivum plötzlich absetzt (weil ihr die Tabellen ausgehen).

Wenn man Antidepressiva nach längerer Dauer absetzen möchte, ist es auch deshalb ratsam, die Dosis langsam zu reduzieren.

Für die Ärzte ist das ein Beispiel dafür, dass man am besten lernt, indem man seinen Patienten genau zuhört. Danach darf man dann Bücher lesen. Und dann befragt man seine Patienten genauer und hört wieder sehr aufmerksam zu…

24 Gedanken zu “zaps als Absetzerscheinung von SSRI

  1. Ich weiß noch, wie ich versucht habe, meinem damaligen Psychiater dieses Symptom zu beschreiben. Er hat mich angeschaut, als würde ich mir das nur ausdenken. Es war eine Erleichterung mit einem ziemlich starken Aha-Effekt, als ich vor einigen Jahren auf die Information über Brain Zaps gestoßen bin… Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Absetz- und körperlichen Abhängigkeitserscheinungen?

    • Ja, das kenne ich mein Neurologe hat mich auch angeschaut als hätte ich mir das ausgedacht.
      Selbst als ich mit dieseen zaps vor ihm saß sah ich noch die Zweifel das dies wirklich echt ist.

  2. “ Für die Ärzte ist das ein Beispiel dafür, dass man am besten lernt, indem man seinen Patienten genau zuhört. Danach darf man dann Bücher lesen. Und dann befragt man seine Patienten genauer und hört wieder sehr aufmerksam zu…“ – diese drei Sätze sind super und machen nach meinem Verständnis einen guten Psychiater aus!

    • … und nicht nur den! Ganz allgemein beruht therapeutische Kompetenz auf aufmerksamem, einfühlsamem Zuhören und dem Sich-hinein-versetzen-Können in das Gefühl des Patienten, kurz: Empathie. Eine Minderbegabung auf diesem Gebiet lässt sich weder durch das Lesen noch das Verfassen von Büchern kompensieren.
      Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Buch, Herr Dreher!

    • Ich versuche Citalopram 40 mg jetzt zum 2. mal abzusetzen. Leider bin ich kein Freund von “langsam ausschleichen lassen”, da meiner Meinung nach, kein kompletter Entzug mit Weiterverwendung des Suchtmittels entstehen kann. Mein 1. Versuch war auch Sofortige Einstellung der EInnahme, in 2012 (nehme die seit meinen Baby Blues, mitte 2010). Damals ging es mir nach 5 Tagen so schlecht (seelisch), dass ich mich fast habe einweisen lassen. Da nahm ich die wieder. Aber es ist kein Zustand. Ich will nicht von einem Medikament so abhängig sein, dass ich nach 2 Tagen ohne, fast am durchdrehen bin! Jetzt 2 Tage Citalopramfrei. Nehme zur “Vorbeugung” der Symptome Vitamin B Komplex und ein pflanzliches Mittel (kein JOhanneskraut). Dennoch seit gestern Abend Migräneartige KOpfschmerzen mit Übelkeit – wie eine Art Seekrankheit. Will es dennoch durchhalten. Ich könnte ja was pflanzliches gegen “Seekrankheit” Symptome in der Apotheke besorgen. Solange ich nicht wieder Lebensmüde werde, halte ich die körperlichen Symptome hoffentlich durch. Ich arbeite zwar von zu Hause (sehr praktisch), habe aber ein Schulkind, das natürlich Mamis Entzug nicht arg mitbekommen soll. Hätte ich damals gewusst, was für ein Teufelszeug das ist, hätte ich nach der schlimmen Erstphase versucht, auf Schüsslersalze, BAchblüten und/oder Homöopathie umzusteigen, da ich eh nicht rauche, kein Alkohol vertrage und Kaffee nicht mag (was bei Naturheilmethoden ja hindern soll). So lange Rede, kurzer Sinn: Ich hoffe ich schaffe es diesmal. Am 10.02.(2016) gehe ich zu meiner Ärztin. Sie wird nicht begeistert sein, dass ich alleine begonnen habe, aber vielleicht stellt sie sich auch nicht quer und steht mir bei🙂 Meine Frage: Lohn es sich durchzuhalten? Gehen die Symptome auch nach einem plötzlichen Absetzen wieder weg (vorallem wenn mit Vitamin B Komplex, Vitamin D3 und Omega 3 nachgeholfen wird)? Würde mich über eine Antwort freuen, obwohl euer Post so lange her ist.

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  4. Dieses Phänomen tritt nicht nur bei SSRIs auf, sondern auch bei SNRIs, wie Venlafaxin und Duloxetin.
    Ich nehme seit fünf Jahren Venlafaxin (300mg/Tag) und habe ein bisschen Angst, die Zaps zu bekommen, wenn ich es irgendwann absetzen sollte.
    Anhand der Berichte im Internet ist leider nicht wirklich gut abzuschätzen, wie häufig und wie stark diese Missempfindungen auftreten.
    Die Berichte, die man findet, sind natürlich sehr subjektiv gefärbt und neigen eventuell zur Überdramatisierung.
    Ich habe an mir selbst beobachtet, dass ich ab und zu, vielleicht alle fünf bis sechs Monate, ein Stimmungstief habe, welches wenige Tage dauert und in dieser Zeit bekomme ich etwas, das sich von der Beschreibung anhört, wie eben jene berüchtigten Zaps.
    Jetzt überlege ich, ob dies vielleicht Tage sind, an denen ich zufälligerweise die Einnahme einer Dosis vergessen habe – was dann eben alle paar Monate passiert. Das würde die Zaps und vielleicht auf die Stimmungsschwankung erklären.

  5. Pingback: SSRI und Absetzerscheinungen---- Blogverlinkung - ADHS Erwachsene

  6. Ich habe die Stromschläge, sobald ich (mit Arzt besprochen) nach Jahren versuche, Citalopram abzusetzen. Egal, wie langsam dies geschieht. Bei Unterschreitung von 5mg/Tag fangen Stromschläge an, die vom Kopf in beide Arme gehen. Diese kann ich dann auslösen durch Kopf oder Augenbewegungen. Längste Zeit, die ich mal gewartet habe, ob das wieder weg geht, war zwei Wochen. Keine Änderung in dieser Zeit. 5 Stunden nach erneuter Einnahme von Citalopram hört das Problem dann auf. Jemand Erfahrungen, wie lange man warten muss?

  7. dieses problem hatte ich nebst einigen anderen unschönen effekten beim absetzen von venlafaxin. trotz sehr langsamer dosisreduktion war es zeitweise kaum auszuhalten. erst wochen nach der allerletzten einnahme hörten die stromschläge endlich auf.

    dasselbe problem hatte ich nach dem absetzen von fluoxetin, obwohl ich das im gegensatz zum venlafaxin nur sehr kurz und niedrig dosiert einnahm (10mg, 6 wochen).

    mich würde an dieser stelle mal etwas interessieren: mir ist damals aufgefallen, dass die stromschläge irgendwie durch augenbewegungen „ausgelöst“ werden. wenn ich die augen ganz still hielt, war alles gut. bewegte ich die augen auch nur ein winziges bisschen, gab’s ’nen stromschlag. ist das nur bei mir so oder wird das auch von anderen ähnlich berichtet? und wenn es bei anderen auch so ist: weiß man, warum ausgerechnet die augenbewegungen das auslösen?

    • Ich bin am Absetzen von Cipralex/Escitalopram, habe nach 1 Monat mit Ausschleichen/Reduzieren jetzt 10 vollständig „cleane“ Tage hinter mir – und leide immer noch unter diesen „brain zaps“ (neben anderen unangenehmen Symptomen). Bei mir besteht ebenfalls ein deutlicher Zusammenhang zwischen Augenbewegungen und brain zaps. Auch Übelkeit/Kopfschmerzen werden bei mir durch Augen- und Kopfbewegungen beeinflusst. Leider hilft mir das Wissen darum wenig… denn ich kann ja nun mal schwer den ganzen Tag die Augen still halten, auch wenns mir dabei besser ginge😉

      • ich habe durch dieses mist überhaupt erst gemerkt, wieviele kleine augenbewegungen man ständig macht, ohne es überhaupt zu merken. wirklich still halten tut man die augen so gut wie nie.

        mich würde wirklich interessieren, was dahintersteckt. warum lösen gerade augenbewegungen diese brain zaps aus?

  8. Hallo,

    irgendwie scheint das Thema hier eingeschlafen zu sein, dabei ist es doch für viele Menschen ein Problem.

    Meine Erfahrungen mit den Zaps liegen zwar schon ein paar Jahre zurück, sind mir aber noch immer sehr präsent.

    Ich hatte sie damals ganz massiv nach Absetzen durch Trevilor (Venlafaxin). Davon habe ich monatelang die Höchtsmenge genommen. Auch mein Neurologe (Klinikleiter!!!) hat mich ungläubig angesehen und behauptet, das sei alles Quatsch und ich solle nicht so viel im Internet nachlesen….. diese Erscheinungen bekam ich allerdings, bevor ich überhaupt jemals etwas darüber gelesen hatte. Und ich hatte sie ca. 2 Jahre lang.

    Es gibt einen Wirkstoff zur Linderung der Beschwerden, aber in den meisten Fällen hält man es wohl auch so aus. Ich habs ja auch überlebt. 😉

    Mein Tipp für das Ausschleichen:
    L A N G S A M !!!!!!!

    Und:
    Man kann Tabletten auch teilen. Man kann sie in winzige Teile schneiden oder ein paar Kügelchen aus Kapseln entnehmen. Dadurch hat man die Möglichkeit, noch sanfter auszuschleichen.

    Ich wünsche allen die das hier lesen gute Besserung und ein baldiges Abklingen lästiger Absetzerscheinungen jeglicher Art.

    Doro

  9. Ich habe vor 5 Wochen einen kalten Entzug von Sertralin gemacht. Zuerst merkte ich nur eine leichte Dumpfheit im Kopf. Wie Watte, alles etwas fern… mit den Wochen kamen die Stromschläge im Kopf die ich nicht sooo schlimm finde. Schlimmer ist die steigende Müdigkeit. Kopfschmerzen, müde brennende Augen, Schwindel, Alpträume, Angst dass es nicht besser wird. Und eine extrem geringe Belastbarkeit. Ich hatte Darmkoliken u d bin krank geschrieben. Geht das alles wieder weg? Kann das zns je wieder lernen alleine zurecht zu kommen? Kann mir jemand mit positiven Erlebnissen Mut machen? ich möchte ein erneutes Einschleichen vermeiden. Wenn ich mich aber auf jahrelanges Leiden einstellen muss, wäre ich dazu bereit. …..

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  12. Ich nehme Venlafaxin schon seit 2008 ein. Je nach Verdauung stellten sich ab und zu Absetzerscheinungen ein; einmal habe ich auch mal die Tablette vergessen. Und es ist immer so, dass, sobald ich meine Augen horizontal schnell hin und her bewege, ich eine Art Stromschlag in meinem rechten Arm verspüre. Das ist wirklich sehr sehr unangenehm.

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