Psychotherapie jetzt auch bei Schizophrenie und Bipolarer Störung möglich

Laut Bericht des Ärzteblattes hat der GBA entschieden, dass Patienten mit einer Schizophrenie, einer schizotypen oder wahnhaften Störung oder einer Bipolaren Störung Anspruch auf Psychotherapie haben. Praktisch ging das auch bislang; der Psychotherapeut musste im Antrag allerdings eine andere Zielsymptomatik beschreiben, als die zugrunde liegende Erkrankung. So konnte er die Psychotherapie damit begründen, dass er beantragte, eine depressive Begleitsymptomatik bei bestehender Schizophrenie zu behandeln.

Bei der Schizophrenie ist die Studienlage eindeutig: Psychotherapie hilft hier.

Bei der bipolaren Störung ist mir die Studienlage nicht so gut bekannt, meines Wissens nach gibt es hier eher Studien, die zeigen, dass bezüglich der Phasenhäufigkeit Psychotherapie nicht wirksam sein soll. Praktisch erhalten Patienten mit einer bipolaren Störung natürlich dennoch genauso Psychotherapie wie depressive Patienten und erzielten dabei regelmäßig gute Erfolge. Denn der Erfolg einer Psychotherapie geht ja über den Endpunkt “Abnahme der Phasenhäufigkeit” hinaus und erstreckt sich natürlich auch auf die Bereiche der Krankheitsbewaltigung, der besseren Strukturierung der Rahmenbedingungen, um der Gesundheit leichter Raum zu geben und tausend andere Ziele. Und hier hilft Psychotherapie auf jeden Fall.

Es ist daher zweifellos nur zeitgemäß, dass nun auch bei den oben genannten Diagnosen Psychotherapie bewilligt werden kann, ohne dass vorher im Antrag eine fragwürdige Verrenkung erforderlich ist.

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4 Gedanken zu “Psychotherapie jetzt auch bei Schizophrenie und Bipolarer Störung möglich

  1. Da hängt die Gesetzeslage der Praxis gottseidank um Jahre hinterher. Hoffentlich ist dann bald Schluss mit Psychiatern, die sagen: „Psychotherapie? Für Sie? Das ist sinnlos, da helfen nur Tabletten.“ (Zitat von 2004)

  2. Das ist doch was und an solchen Dingen merkt man das sich dann doch noch was bewegt, auch wenn man oft den Eindruck hat das sich nichts ändert.

  3. Sehr geehrter Herr Oberpsychiater,
    Bei bipolaren Störungen gibt es einen Ansatz von Stavros Mentzos, der diesen in seinem Werk
    „Depression und Manie“ nachvollziehbar beschreibt.
    Auch wenn mit Sicherheit nicht alle bipolaren Störungen damit beschrieben werden können ist es meiner Ansicht nach aber ein großer Anteil.
    Hat der Betroffene kapiert um was es geht und verhält sich danach, geht die Wiedererkrankungsrate meiner Ansicht nach gegen NULL. Hier hat Psychotherapie sehr wohl einen Sinn.

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