Spielsucht und Hypersexualität unter Aripiprazol

Ich habe meinen ursprünglichen Artikel zu Aripiprazol, den ihr hier finden könnt, etwas aktualisiert. Was habe ich aktualisiert?

Aripiprazol kann – vermutlich aufgrund seiner dopaminagonistischen Wirkkomponente – Impulskontrollstörungen verursachen

In den letzten Jahren wurden immer wieder Impulskontrollstörungen unter Aripiprazol berichtet. Die FDA hat daher hier ein entsprechendes Drug Safety Announcement veröffentlicht. Der Wirkmechanismus dieser Nebenwirkung ist plausibel. Von Dopaminagonisten, wie man sie in der Behandlung des M. Parkinson verwendet, ist bekannt, dass diese Impulskontrollstörungen, insbesondere Spielsucht und Hypersexualität verursachen können. Aripiprazol hat eine partiell dopaminagonistische Wirkkomponente. Daher ist es plausibel, dass Aripiprazol genau diese Nebenwirkungen ebenfalls verursachen kann. Die Patienten und ihre Angehörigen sollen also über diese mögliche unerwünschte Wirkung aufgeklärt werden, die behandelnde Ärzt_in soll während einer Behandlung mit Aripiprazol auf das Auftreten von Impulskontrollstörungen achten und gegebenenfalls die Dosis reduzieren oder das Präparat umstellen.

Aripiprazol hat eine besonders lange Halbwertszeit

Aripiprazol hat mit 72 Stunden eine recht lange Halbwertzeit, der steady-state der Plasmakonzentration des Wirkstoffs wird oft erst nach zwei bis drei Wochen erreicht. Das ist zwar nicht neu, aber Aripiprazol unterscheidet sich hier von den meisten anderen Neuroleptika. Die lange Halbwertszeit führt dazu, dass eine einmal tägliche Gabe mehr als ausreicht. Sie führt auch dazu, dass man die klinische Wirkung oft erst nach zwei bis drei Wochen richtig gut beurteilen kann, weil der Wirkstoff im Plasma dann den steady-state erreicht hat. Das passt zur klinischen Erfahrung, dass man bei Aripiprazol Dosissteigerungen langsamer als bei anderen Neuroleptika durchführen sollte, zum Beispiel 5 mg pro Tag in der ersten Woche, 10 mg pro Tag in der zweiten Woche, und dann in der dritten Woche entscheiden soll, ob man um weitere 5 mg pro Woche steigern soll.

Aripiprazol ist nun auch als Generikum erhältlich

Und zwar schon etwas länger. Das Depot Abilify Maintena® ist immer noch nur vom Originalhersteller Otzuka erhältlich, die Tabletten gibt es aber nun auch von anderen Anbieter.

 

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3 Gedanken zu “Spielsucht und Hypersexualität unter Aripiprazol

  1. Ich finde den Artikel zu Aripiprazol nur unter dem Link
    https://psychiatrietogo.de/2013/06/08/abilify-3/
    bei dem oben genannten erhalte ich eine Aufforderung zum Login. Der IFAP-Link befindet sich hier:
    http://www.ifap.de/arzneimitteltherapiesicherheit/live-ticker-amts-nachrichten/artikel/article/fda-warnt-vor-neuen-impulskontrollproblemen-unter-aripiprazol/

    In den USA liefen oder laufen auch noch Gerichtsverfahren wegen „binge eating“ unter Aripiprazol. Möglicherweise wird da etwas lanciert, um den Prozesserfolg sicherzustellen. Ein Arzt hat mir gesagt, dass vor allem die sedierenden Neuroleptika – zu denen das Aripiprazol nicht gehört – dick machen, weil man sich eben weniger bewegt und auch sonst weniger Antrieb hat. Auch das Risperidon ist in letzter Zeit dafür bekannt geworden, Fressattacken zu verursachen, da es auf mindestens zwei verschiedene Serotonin 5HT System Einfluss nimmt. Ich wurde von Risperidon auf Aripiprazol umgestellt, damit ich mein Gewicht unter Kontrolle bekomme. Was leider nicht ganz gelungen ist, jedoch wahrscheinlich infolge von zu viel Energiezufuhr, nicht explizit wegen „binge eating“ bzw. einer Impulskontrollstörung bezüglich der Nahrungsaufnahme. Der Sexualtrieb ist normalisiert, wobei er gegenüber der Nichtmedikation eindeutig herabgesetzt ist. Meine Dosis bewegt sich zwischen 10 mg und 15 mg Aripiprazol pro Tag.

  2. Sehr interessant, vielen Dank. Ich würde Sie gerne mal um Ihre Meinung zum Antidepressivum Tianeptin fragen. Es ist seit 2012 als „Tianeurax“ von Neuraxpharm erhältlich. Es ist beachtenswert dass es komplett gegensätzlich auf den Serotonin-Spiegel wirkt als die SSRI. Auch wirkt es auf Dopamin und Glutamat. Die Nebenwirkunken scheinen gering zu sein. Was ist Ihre Meinung? Vielen Dank! 🙂

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