Bitte folgen: NERDfallmedizin

Voila_Capture 2017-10-15_04-26-03_PMNotfallmediziner müssen jetzt gar nicht weiterlesen, sondern können den Videoblog NERDfallmedizin einfach so gleich abonnieren. Alle anderen gucken mal rein und stellen dann fest, dass Martin Fandler und Philipp Gotthardt mit NERDfallmedizin wirklich alles genau richtig macht: Zu klinisch relevanten Themen gibt es jeweils kurze Videos, in denen in ruhiger, verständlicher Sprache erklärt wird, worauf es ankommt. So geht #FOAMed, was Free Open Access Medical Education heißt und was wir hier auf Psychiatrie to go ja auch machen, wenngleich ohne Videos.

Nerdfallmedizin findet ihr hier:

Ich selbst finde deutschsprachige Kanäle ja doch irgendwie entspannender und sie passen natürlich oft besser zu unserer deutschen Versorgungslandschaft. Wer kennt noch weitere Angebote dieser Art? Sammlung bitte in den Kommentaren.

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Der Papageno-Effekt: Das Gegenteil des Werther-Effektes

IMG_5678Ich habe auf dem DGPPN-Kongress gerade eine halbe Stunde lang YouTube geguckt. Und zwar im Saal London 3 mit 300 anderen Zuschauern, sowie dem Produzenten und dem Darsteller der Serie „Komm, lieber Tod“. Die 60-teilige Doku porträtiert Stefan Lange, der seit langem immer wieder mit Suizidgedanken und Suizidversuchen zu kämpfen hatte.

Stefan Lange erzählt filmisch sehr intim gedreht – man sieht immer nur ihn, an einem Tisch sitzend, rauchend und erzählend – was ihn bewegt hat, was ihn verzweifelt gemacht hat, und auch, was ihm aus suizidaler Einengung, suizidalen Krisen und fast vollendeten Suizidversuchen wieder ins Leben zurück geholt hat.

Nun hat man immer Sorge, der Werther-Effekt könnte eintreten und jede emotional anrührende Berichterstattung über Suizidalität stelle daher die Gefahr dar, dass es zu Nachahmer-Suiziden kommt. Und das kann auch stimmen.

Aber es gibt auch den Papageno-Effekt, benannt nach Mozarts Protagonisten in der Zauberflöte, der sich aufgrund einer unglücklichen Liebe ebenfalls das Leben nehmen will, der aber von drei Knaben erfolgreich am Suizid gehindert wird; die Oper endet letztlich glücklich. Der Papageno-Effekt postuliert, dass eine angemessene Auseinandersetzung mit Suizidalität und Auswegen aus Krisen auch Suizide verhindern kann.

Und so ist es die These der Doku, die These auch des heutigen Seminars, dass es an der Zeit ist, auch über schwierige emotionale Themen offener zu sprechen, und so Menschen, die in ähnlichen Krisen stecken zu zeigen, dass sie nicht allein sind und dass es Auswege geben kann. Die Darstellung darf natürlich nicht effekthascherisch, oberflächlich oder den Tod idealisierend sein. Aber eine differenzierte  Auseinandersetzung auch mit dem Thema Suizid in der Öffentlichkeit ist möglich und kann – so die vielen positiven Rückmeldungen an das Produktionsteam – vielen Menschen auch helfen.

Die gemeinsame Diskussion hat mir gezeigt, dass dieses mutige Projekt in die Zeit passt und möglich ist. Ich glaube, dass die Vorteile der öffentlichen Besprechung auch schwieriger Gefühlszustände die Gefahren überwiegen.

Die Serie findet ihr bei YouTube hier. Die Produktion erfolgte in Zusammenarbeit mit Stigma e.V., eines Vereins zur Aufklärung und Prävention von gesellschaftlicher Stigmatisierung.

Walk tall and strong

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Der DGPPN-Kongress 2017 ist zugleich der World-Psychiatric-Assoziation (WPA)-Weltkongress der Psychiater. Da die letzten WPA-Kongresse jeweils weit weg in Toronto, Tokio oder sonst wo stattfanden, freue ich mich total, den diesjährigen hier quasi vor der Haustüre in Berlin erleben zu dürfen. Die Redner kommen wirklich aus allen Himmelsrichtungen, viele Briten, Amerikaner und eine bunte Mischung aller möglichen Nationen. Und dadurch erlebt man auch neue Sichtweisen.

In dieser Hinsicht hat mich gestern der Vortrag „Melting the ice in the heart of men“ des Grönländers Angaangaq Angakkorsuaq wirklich berührt. Er ist seit 40 Jahren Schamane in seinem Volk der Eskimos und hat erklärt, wie er den Menschen hilft, Orientierung in schwierigen Zeiten zu finden und wieder zu Kräften zu kommen. Sein Mantra „Walk tall and strong“ habe ihm seine Großmutter schon mit auf den Weg gegeben. Er selbst gehe mit dem Wissen durch die Welt, dass er zwei Meter groß sei und so stark wie Arnold Schwarzenegger.

Das klingt zunächst mal etwas zu einfach, aber tatsächlich ist Angakkorsuaq für die UNO tätig gewesen und hat sich politisch gegen die Auswirkungen des Klimawandels und für ein Umdenken der Industrienationen eingesetzt. Bei ihm funktioniert „Walk tall and strong“, und er ist dabei charismatisch, sympathisch und natürlich. Und wenn man mich fragt, was das Wesen der Ressourcenaktivierung als Wirkfaktor aller Psychotherapie-Varianten ist, dann komme ich genau darauf:

Walk tall and strong