Ordnet ihr im Krankenhaus die Medikation in mg oder Tabletten an?

Es gibt im Krankenhaus ja zwei Möglichkeiten: Entweder man schreibt eine Medikation so auf:

Olanzapin 10mg-0-10 mg

oder man schreibt sie so auf:

Olanzapin Tabletten 10 mg: 1-0-1

Ambulant ist es völlig klar: Da sollte man die Medikation in Tabletten aufschreiben, denn Patienten sollen nicht von mg in Tabletten umrechnen.

Aber im psychiatrischen Krankenhaus ist es anders.

Folgendes spricht dafür, im Krankenhaus die Medikation in mg anzuordnen:

  • Die Ärzt:in (auch eine sehr schöne Form des genderns, die hier im blog vorgeschlagen wurde…) denkt in mg, nicht in Tabletten. Es ist ja völlig egal, in welchen Dosierungen die Tabletten gerade kommen, man kann die erforderliche Dosis schon zusammenstellen. Es macht wenig Sinn, sich an den Tablettendosierungen zu orientieren. Erst kurz vor der Entlassung ist es sinnvoll, eine Dosierung zu erreichen, die mit möglichst wenig Tabletten gegeben werden kann. (Ich selbst mache mir einen Spaß daraus, zu versuchen, möglichst oft Patienten mit nur einer Tablette pro Tag zu entlassen. Ihr glaubt gar nicht, wie selten ich das schaffe…)
  • Manche Anordnungen werden sehr kompliziert. Wenn ich beispielsweise 45 mg Mirtazapin anordnen möchte, dann sehen die beiden Optionen so aus:
    • Mirtazapin 0-0-45 mg

      oder

    • Mirtazapin Neuraxpharm 30 mg 0-0-1 Tbl.
      Mirtazapin Neuraxpharm 15 mg 0-0-1 Tbl.
  • Ich weiß oft nicht, von welchem Hersteller die Krankenhausapotheke für diesen speziellen Wirkstoff ihr Medikament bezieht. Oft haben verschiedene Hersteller eines Wirkstoffes zwar die gleichen Dosierungen im Angebot, aber nicht immer.
  • Ich kann mir einfach nicht merken, welches Medikament in welchen Dosierungen angeboten wird. Also muss ich es immer wieder nachschauen.
  • Die Umrechnung von mg in Tropfen ist wirklich eine hohe Kunst. Ich kann das in der Visite eigentlich nicht. Beim Stellen der Medikamente, wenn man das Medikament vor sich hat, ist das hingegen einfach und fehlerarm machbar, weil auf dem Fläschchen immer steht, wieviel mg wie vielen Tropfen entsprechen.

Folgendes spricht dafür, im Krankenhaus die Medikation in Tabletten anzuordnen:

  • Nach der Entlassung wird die Medikation ohnehin in Tabletten angeordnet, dann kann man so früh wie möglich damit anfangen.
  • Kombinationspräparate, die mehr als einen Wirkstoff haben, kann man mit einer einzigen Zeile anordnen, und muss nicht für jeden Teilwirkstoff eine eigene Zeile nehmen.
  • Für die Krankenschwestern und Krankenpfleger ist es einfacher, die Medikamente zu stellen, vorausgesetzt, die Anordnungen sind richtig.

In unserem Krankenhaus haben wir bislang immer in mg angeordnet. Nun stellt sich die Frage, ob wir auf Anordnungen in Tabletten umstellen sollen. Eine elektronische Medikamentenanordnung, die uns dabei unterstützen würde, haben wir noch nicht. Mich würde interessieren, wie ihr es im Krankenhaus handhabt und welche Einstellung ihr dazu habt. #followerpower. Schreibt euer Vorgehen in die Kommentare!

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6 Gedanken zu “Ordnet ihr im Krankenhaus die Medikation in mg oder Tabletten an?

  1. Zu meinen Krankenhauszeiten:

    Haloperidol Tbl 0-0-5 mg

    oder

    Trimipramin gtt 0-0-50 mg

    Hatte sich damals bewährt.

    (Lange her, deshalb das eher „historische“ Haloperidol)

    LG Peter

  2. Wenn man ausschließlich immer in MG anordnet ist es weniger fehleranfällig. Die Pflege kennt besser die üblichen Dosierungen und wenn immer möglich gemeint sind, werden nicht (oder seltener…) plötzlich fälschlich mal 10 Tabletten statt 10mg Olanzapin verabreicht…

    • Das ist ein bisschen sehr spitz formuliert aber ich frage mich tatsächlich schon des Öfteren, wer denn bitte eigens eine Software zur Medikamentenanordnung braucht. Oder sei es auch nur als Teil einer Software-Suite. Klar, kann mal nützlich sein, nimmt einem aber finde ich zu sehr das Denken bei einer Sache ab, bei der es völlig überflüssig ist. Das gilt aus meiner Sicht für Ärzte genauso wie für Pfleger.

      Zur Frage, wie im Krankenhaus angeordnet werden sollte: Ich finde mg deutlich schöner, ist aber eine müßige Frage. Ambulant empfinde ich die Angabe in Tabletten zwar auch sinnvoll, bin aber durchaus kritisch, stellt sie doch in manchem Fall eine ziemliche Bevormundung von Patienten dar, die absolut in der Lage wären, selbst darauf zu kommen, dass 45 mg Mirtazapin eben 30 mg + 15 mg entsprechen.

  3. Haben Ärzte eigentlich eine Dyskalkulie, dass solche Problemchen schon eine Schwierigkeit darstellen. Muss wohl so sein wenn das so einen Artikel wert ist.

  4. Wir haben da auch sehr lange drüber nachgedacht und letztlich folgende Form bei uns als hilfreich etabliert: Angabe des Wirkstoffs mit in Klammern stehendem Medikationsnamen, bsp.:

    Mirtazapin (=Remergil) in mg: 0-0-0-30

    Medikamente werden im Schrank dann strikt nach Wirkstoff sortiert (deutlich leichter beim Stellen der Medikation).

    Bei Tropfen geben wir auch gerne die Umrechnungsangabe mit an, bsp.:

    Promethazin (=Atosil) Trpf. in mg: 25-25-25-0
    [25mg = 25 Trpf.]

    Man sollte alles tun, um mögliche Fehler zu vermeiden und die Fehlerquote ist damit sehr sehr gering, die Angaben unmissverständlich (wenn sie halbwegs leserlich geschrieben wird)

  5. Ich kenne ea (aus einem normalen Krankenhaus) mit elektronischer Akte (Agfa Orbis) als Angabe der Tabletten.
    Folgende Vorteile sehe ich dabei (spontan):
    – Es gibt eben nicht alle mg-Einheiten als Tablette bzw. sind diese teilw. auch nicht/nicht sinnvoll zusammenzustellen.
    – Wenn nur einmal (beim Verordnen) gerechnet werden muss, gibt’s auch weniger Fehlermöglichkeiten. Wie oft herrscht Stress/keine Ruhe beim Tabletten stellen (besonders wenns der Nachtdienst allein macht etc.). Da auch noch umrechnen, ggf. Tropfen? Fehleranfällig.
    – Bei elektronischer Akte wird meist/gern die Medikation in den Arztbrief (etc.) übernommen.

    Wirkstoff und Dosis sollten natürlich selbstverständlich stets dabei stehen, Umrechnungshinweise sind natürlich ebenfalls hilfreich (s.o.).

    @Oliver S.: Wirklich? Da müssen, teils mehrfach täglich (diverse) Ärzte, Patienten, Pflegende, Angehörige, Apotheker etc. mit klarkommen. Bei teilweise ständig wechselnden Dosen, Namen, Aussehen etc., problematischen Schnittstellen und Zeitdruck. Wenn man Fehlerquellen minimieren kann, sollte man das tun. Genaus könnte man wohl Piloten fragen, ob die eigentlich alle dement sind mit ihren ganzen Checklisten. Und dann auch noch immer zu zweit…

    @InSpee: Also aus der Klinik kann ich sagen, das Softwareunterstütztung da echt hilfreich sein kann. Einerseits muss man da ja leider nicht nur seine fachspezifische Medikation kennen, sondern die Patienten kommen ja meist massiv vormediziniert zu allem möglichen und unmöglichen und von X-Kollegen. Da will man ja (aus diversen Gründen) oft auch möglichst wenig dran ändern. Andererseits ist es da hilfreich, wenn da die über die KH Apotheke klassischerweise vorhandenen Produkte und Dosen eingepflegt sind. Dann fällt das Stellen später deutlich leichter, man sucht und bestellt nicht ewig für ein paar Tage Aufenthalt (und in der Klinik ist es dann auch weniger wichtig, ob’s Kombipräparate etc. sind oder alles einzeln).

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