Zusatznutzen von Cariprazin festgestellt

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat in einer Sitzung am 4.10.18 entschieden, dass Cariprazin einen geringen Zusatznutzen für Patienten mit Schizophrenie und überwiegender Negativsymptomatik in Langzeittherapie gegenüber der bisherigen Vergleichstherapie hat. Der Beschluss sowie die Begründung finden sich hier. Damit folgt der GB-A einer Einschätzung des IQWiG, die ich hier berichtet hatte.

Im nächsten Schritt wird nun eine Festlegung des Preises erfolgen, zu dem Cariprazin vertrieben werden darf. Die Feststellung des Zusatznutzens, auch des geringen Zusatznutzens, wird dazu führen, dass das Medikament nicht zum Preis der generisch erhältlichen Vergleichssubstanzen verkauft werden wird, sondern zu einem höheren Preis, so dass davon auszugehen ist, dass Cariprazin im Handel bleibt.

Ich habe hier ausführlich über Cariprazin berichtet. Ich persönlich halte es aus pharmakologischer Sicht und auch nach meinen bisherigen persönlichen Beobachtungen für ein gut wirksames und gut verträgliches Neuroleptikum, das tatsächlich besonders gut gegen Negativsymptomatik zu wirken scheint.

Es ist auch erfreulich, dass nach den komplizierten Regularien des AMNOK nicht alle Innovationen aus dem Markt fliegen. Anders als bei Vortioxetin ist es bei Cariprazin gelungen, den Zusatznutzen nachzuweisen. Sehr erfreulich!

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LSD in der Psychotherapie? Ein Streitgespräch mit Peter Gasser und mir in der neuen „Gehirn und Geist“

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Die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft begleitet mich schon seit dem Teenageralter durchs Leben. Als Student freute ich mich immer auf die neue Ausgabe, machte es mir gleich am Erscheinungstag mit einem schönen heißen Automaten-Kakao in der Uni-Bibliothek gemütlich und verlor mich in Artikeln über Zellbiologie, Primatenforschung und Milchstraßen. In den letzten Jahren las ich vor allem Magazine zu medizinischen und psychologischen Themen. Die Stärke der Hefte ist es, aktuelles Wissen spannend und wirklich gut lesbar zu präsentieren.

Ich bin daher ein bisschen stolz, dass in der aktuellen Ausgabe der Gehirn & Geist der Spektrum-Reihe ein mehrseitiges Streitgespräch zwischen dem Berner Psychiater Peter Gasser und mir erschienen ist. Wir diskutieren über die Chancen und Risiken des Einsatzes von Halluzinogenen wie LSD in der Psychotherapie. Gasser setzt bei ausgewählten Patienten LSD im Rahmen einer  tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie als „Psycholytische Therapie“ ein.  Er argumentiert, dass das Halluzinogen einen tieferen Einblick in unterbewußte Ängste ermöglicht.

Ich halte entgegen, dass dieser fragwürdigen und mystisch verklärten Idee eines Nutzens handfeste Risiken gegenüberstehen, die den Einsatz von LSD bei Psychotherapiepatienten nicht angemessen erscheinen lassen. Verdeckte Ängste kann man meiner Meinung nach mit etablierten Psychotherapieverfahren dosierter, sicherer und weniger dramatisch aufdecken und dann auch vernünftig bearbeiten.

Das Heft könnt ihr am gut sortierten Späti-Kiosk kaufen, in der Gehirn & Geist iPad App oder online hier.

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Leserpower: Rechtsgrundlagen aktualisiert

Schon seit mehreren Jahren stelle ich hier auf dem Blog ein PDF zur Verfügung, dass die aktuellen Rechtsgrundlagen stationärer psychiatrischer Behandlungen in NRW erklärt. Das Dokument beginnt mit einem Überblick der relevanten Rechtsgebiete, gefolgt von konkreten Erklärungen, was auf der Rechtsgrundlage welchen Gesetzes wie geregelt ist. Da sich die Gesetze manchmal und die konkrete Umsetzung dieser Gesetze häufiger ändern, aktualisiere ich dieses Dokument regelmäßig.

Aktuell habe ich es korrigiert, nachdem mir ein aufmerksamer Leser geschrieben hat, dass im Kapitel Maßregelvollzug ein Fehler ist. Ich selbst behandele keine Patienten nach MRVG, und so war es mir nicht aufgefallen. Tatsächlich darf man inzwischen in NRW unter bestimmten Bedingungen nach dem MRVG auch Zwangsbehandlungen mit einem Depot-Medikament durchführen. Mein korrigierter Absatz dazu lautet:

Das Strafgesetzbuch und die Unterbringungen in den Maßregelvollzug nach den §§ 63 und 64 StGB sind ja bundesweit gleich.

Allerdings sind die Bedingungen der Unterbringung in jedem Bundesland nach dem dortigen länderspezifischen MRVG geregelt. Für Nordrhein-Westfalen findet man das Gesetz hier:

https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_detail?sg=0&menu=1&bes_id=4635&anw_nr=2&aufgehoben=N&det_id=392607 .

Nach §17a Abs. 1 sind Zwangsmaßnahmen in NRW erlaubt bei „gegenwärtiger Lebensgefahr sowie gegenwärtiger schwerwiegender Gefahr für die Gesundheit der Patientinnen und Patienten oder anderer Personen“.

Abs. 2 regelt Zwangsmaßnahmen „zur Erreichung der Entlassfähigkeit“.

Eine Zwangsbehandlung nach Absatz 2 bedarf der vorherigen Einwilligung der oder des Landesbeauftragten für den Maßregelvollzug. Über eine Zwangsbehandlung nach Absatz 1 ist sie oder er zeitnah zu unterrichten.

Ich bedanke mich wirklich sehr herzlich bei Serhat, der mich hierauf hingewiesen hat. Das aktuelle PDF zu den Rechtsgrundlagen stationärer psychiatrischer Behandlungen in NRW findet ihr hier: 2018_10_05 Rechtsgrundlagen stationärer Behandlungen.