10 mg Escitalopram entsprechen 40 mg Citalopram !?!

Auf dem immer extrem lesenswerten Update-Blog zum Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie wurde heute von Francesca Regen aus Berlin dieser Artikel veröffentlicht, in dem erklärt wird, warum 10 mg Escitalopram nicht, wie viele denken und wie es auch weitverbreitet üblich ist, 20 mg Citalopram entsprechend, sondern dass eher eine Dosis von 40 mg Citalopram äquivalent zu 10 mg Escitalopram sind.

Zur Erklärung ist noch einmal anzuführen, dass Citalopram ein Mischung aus zwei chiralen Substanzen ist, dem linksorientierten S-Citalopram und dem rechts orientierten R-Citalopram. Das bedeutet, dass in 20 mg Citalopram 10 mg S-Citalopram oder Escitalopram sind und 10 mg R-Citalopram, das bislang für einfach wirkungslos gehalten wurde. Dieses interagiert aber offenbar sowohl pharmakokinetisch als auch pharmakodynamisch mit dem Escitalopram, so dass die klinische Vergleichsdosis zu 10 mg Escitalopram 40 mg Citalopram sei. Lest den Artikel bitte hier im Original, dort wird es gut erklärt.

Der Umrechnungsfaktor von 1 zu 4 ist für mich neu, ich war bislang immer von 1 zu 2 ausgegangen. Ich habe beispielsweise hier eine Tabelle erstellt und auch Quellenangaben gemacht, die eher zu einem Umrechnungsfaktor in der Größenordnung von 1 zu 2,2 kommen, die ich der Einfachheit halber auf 1:2 gekürzt habe.

Nun interessiert mich, wie welche Erfahrung ihr mit den beiden Substanzen gemacht habt? Welchen Umrechnungsfaktor verwendet ihr für euch? Entspricht ein Faktor von 1:4 den klinischen Erfahrungen?

Wer dazu Beobachtungen gemacht hat, schreibt sie bitte hier in die Kommentare!

4 Gedanken zu “10 mg Escitalopram entsprechen 40 mg Citalopram !?!

  1. Jochen 4. September 2019 / 18:13

    Kann ich aus meiner Erfahrung nicht bestätigen, die aber natürlich wertlos ist, weil rein anekdotisch. Persönlich habe ich aber auch keine/n einzige/n Patienten/in in Erinnerung, bei dem/r eine Dosissteigerung über 10 mg (weder bei Escitalopram, noch früher bei Citalopram und dort auch 10 mg) hinaus zu einer (weiteren) Besserung geführt hätte.

    Überhaupt sehe ich eigentlich keinen Grund, das Racemat jemals mehr zu verschreiben, wenn das R-Enantiomer keine belegten Vorteile bringt, aber dafür das potenzielle Risiko für weitere Neben- und Wechselwirkungen. (Umgekehrt scheint allerdings auch das S-Enantiomer keine belegten Vorteile gegenüber dem Racemat zu besitzen.)

    Mehrere, unabhängige Dosisäquivalentberechnungen finden übrigens für Escitopram ziemlich genau die Hälfte der Racemat-Dosis, widersprechen also der 1:4 Hypothese: https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(19)30217-2/fulltext (in Table 1 und S. 22 im Supplementary)

  2. Pharmama 4. September 2019 / 19:32

    Huh? Das ist auch für mich neu. Und wir hatten erst letztens jemanden, der umgestellt wurde. Auch mit dem Umrechnungsfaktor 1:2. Das hat funktioniert. Aber ich bin gespannt, wie die Erfahrungen sonst sind.

    • karleugeneiselein 5. September 2019 / 03:22

      Ich weiß nur, dass der Umstieg von Escitalopram auf Citalopram, nach der vorübergehenden Rücknahme von Cipralex vom Markt, nach der Formel 1:2 reihenweise – so auch bei mir – nicht funktioniert hat. Im Klartext 20 mg Citalopram entsprachen eindeutig nicht der Wirkung von 10 mg Escitalopram. Die These, dass dies bei der Formel 1:4 anders sein soll, halte ich für aberwitzig. Selbst wenn es stimmen würde, wäre mit einer deutlichen Erhöhung der Nebenwirkungen zu rechnen.

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