Vertragen sich meine Psychopharmaka mit Alkohol?

Die meisten Ärzte sagen dazu: „Nein, verzichten sie am Besten ganz auf Alkohol, wenn sie Medikamente einnehmen“. Das ist ja auch ein gut gemeinter Rat. Aber die Wahrheit ist etwas differenzierter. Wenn du wirklich wissen willst, welche Wechselwirkungen zwischen Alkohol und bestimmten Psychopharmaka typischerweise auftreten können, und welche Überlegung ich anstelle, wenn ich diese Frage beantworte, dann guck dir dieses Video an…

3 Gedanken zu “Vertragen sich meine Psychopharmaka mit Alkohol?

  1. Jochen 16. Oktober 2019 / 19:42

    Das Video ist eine sehr gute Beschreibung der pharmakodynamischen Wechselwirkungen mit Alkohol!

    Zur Pharmakokinetik wäre noch zu erwähnen, dass Ethanol ein Substrat und gleichzeitig ein starker Induktor von CYP2E1, ein schwacher bis mäßiger Inhibitor von CYP2D6 und ein schwacher Inhibitor von CYP1A2 und CYP3A ist.

    CYP2E1 ist meines Wissen für die Metabolisierung von Psychopharmaka mit der Ausnahme von Zopiclon irrelevant, das sich allerdings schon aus Gründen der Pharmakodynamik zusammen mit Alkohol verbietet. Vorsicht ist allerdings mit Paracetamol geboten, das von dieser Isoform zum hepatotoxischen Iminochinon oxidiert wird.

    CYP2D6 ist prinzipiell relevant, weil es fast alle tri- und tetrazyklischen Antidepressiva und SNRI, einige SSRI (Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin), Risperidon, Aripiprazol, Cariprazin, Haloperidol und mehrere Opioide (Tramadol, Oxycodon, Codein) und Stimulantien metabolisiert.

    CYP1A2 hat alle gängigen, trizyklischen Antidepressiva, Fluvoxamin, Duloxetin, Agomelatin und außerdem Clozapin, Olanzapin, Quetiapin und Haloperidol zum Substrat.

    CYP3A4 baut wiederum etliche, atypische Neuroleptika (Risperidon, Ziprasidon, Quetiapin, Aripiprazol), Haloperidol, die gängigen Trizyklika (Amitriptylin, Clomipramin, Imipramin), Citalopram, Sertralin, Venlafaxin, Mirtazapin sowie Tramadol, Codein und Methadon ab.

    (Zum Nachschlagen empfiehlt sich hier der Flockhart Table!)

    Gelegentlicher Alkoholkonsum in den „üblichen“ Mengen sollte aber auch bei Einnahme von Substraten der drei letzteren Isoenzyme im Regelfall – zumindest aus pharmakokinetischen Gründen – kein Problem darstellen: https://ascpt.onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/cpt.1083

    • Jochen 16. Oktober 2019 / 19:52

      Allgemeinverständlich für die Mitleser:

      Probleme bei der Kombination mehrerer Medikamente können nicht nur dann auftreten, wenn die Wirkstoffe unmittelbar den gleichen Effekt haben, der dann in der Summe zu stark ausfällt, oder gegenläufige Effekte, wo die Wirkung des einen Medikaments diejenige des anderen zumindest teilweise aufhebt. Bei der Einnahme mehrerer Arzneimittel besteht auch das Risiko, dass diese untereinander ihre Verstoffwechselung verlangsamen oder beschleunigen.

      Sehr viele Wirkstoffe werden durch Enzyme des Typs „Cytochrom P450“ mit einem zusätzlichem Sauerstoff versehen („oxidiert“), um ihre Wasserlöslichkeit zu erhöhen, damit sie besser ausgeschieden werden können. Von dieser Enzymklasse existieren etliche, verschiedene Varianten, sogenannte „Isoformen“, die unter Buchstaben-/Zahlenkürzeln wie z.B. „CYP2D6“ laufen.

      Eine Substanz, die von einem bestimmten Enzym verstoffwechselt wird, wird als dessen „Substrat“ bezeichnet.

      Ein „Induktor“ ist eine Substanz, die den Körper dazu verleitet, mehr von dem jeweiligen Enzym zu produzieren. Das führt wiederum dazu, dass wegen des Überangebots des Enzyms dessen Substrate schneller abgebaut werden und z.B. Arzneimittel schwächer und kürzer wirken. Außerdem liegen die Abbauprodukte selber durch den schnelleren Abbau in größeren Konzentrationen vor, was ein großes Problem sein kann, falls diese giftig sind, wie z.B. im Fall des Paracetamols.

      Dagegen hindert ein „Inhibitor“ das jeweilige Enzym daran, seine Substrate zu verstoffwechseln, weshalb diese dann selbst in höheren Konzentrationen und länger im Körper verweilen. Auf diese Weise kann bei Arzneimitteln die Wirkung zunehmen, falls diese im Allgemeinen mit der Arzneimittelkonzentration steigt, aber auch Nebenwirkungen werden häufig stärker und im schlimmsten Fall kommt der Wirkstoff in einen viel zu hohen Konzentrationsbereich, wo er sich dann als giftig erweist.

    • Dr. Jan Dreher 17. Oktober 2019 / 10:13

      Hi Jochen! Vielen Dank für den Hinweis, die Interaktionen des Alkohos mit dem CYP System kannte ich noch gar nicht!

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