Corona Update 20.03.2020, 17:00

Die Situation ändert sich aufgrund der Corona-Krise auch in den psychiatrischen Kliniken täglich. Hier sind ganz spezifische Entscheidungen zu treffen, und oft müssen sie sehr pragmatisch getroffen werden. In dieser Situation ist es hilfreich, sich mit anderen Kliniken auszutauschen, wer wie vorgeht. Einen Teil unserer Regelungen möchte ich hier aufschreiben, um in diesem Austausch etwas beizutragen.  

Unsere aktuellen Maßnahmen 

  • Aufnahmen: Wir führen nur noch Notfallaufnahmen durch, keine elektiven verschiebbaren Aufnahmen. Kein Patient darf auf die Station, bevor ihn ein Arzt gesehen hat. Patienten zur Aufnahme melden sich an der Pforte, diese ruft den AvD an, der spricht im im hierfür reservierten Aufnahmezimmer mit dem Patienten. Risikostratifizierung nach dem Schema des RKI.
  • Planung der Trennung von Bereichen für Corona-positive Patienten, Corona-Verdachtsfällen und Corona-negative Patienten. Wir haben sowohl für den offen stationären Bereich als auch für den geschlossen stationären Bereich eine Planung aufgestellt, wo welche Patientengruppe behandelt werden kann. Die Empfehlung des RKI, möglichst getrennte Stationen oder räumlich klar getrennte Bereiche vorzuhalten, haben wir in dieser Planung berücksichtigt.
  • Freie Zimmer vorhalten: Auf jeder Station wird ein Zimmer frei gehalten, um kurzfristig Isolierungen von einzelnen Patienten auf dieser Station möglich zu machen. Frei werdende dritte Betten in Dreibettzimmern werden nicht belegt.
  • Corona-Abstrich: Hier beschreibe ich, wie ein Corona-Abstrich durchgeführt wird.
  • Belastungserprobungen nach Hause erfolgen im Regelfall nicht. Wenn sie ausnahmsweise doch erfolgen sollen, dann nach strenger ärztlicher Indikationsstellung und zu einem klaren Zweck. Öffentliche Verkehrsmittel sollen vermieden werden. Beim Auftreten von Krankheitssymptomen während einer Belastungserprobung nach Hause sollen die Patienten telefonisch Kontakt aufnehmen. Bei der Rückkehr aus der Belastungserprobung macht sich ein Mitarbeiter des Pflegedienstes ein Bild, ob neue Verdachtsmomente vorliegen, in diesem Falle wird der Arzt hinzugezogen.
  • Besuchsregelung: Es gilt ein generelles Besuchsverbot, in Ausnahmefällen soll mit den Mitarbeitern der Station der Bedarf abgesprochen werden. Patienten, die nach PsychKG untergebracht sind, haben weiterhin ein Besuchsrecht, allerdings empfehlen wir hier im Einzelgespräch mit den Angehörigen die Wahrnehmung des Besuchsrechtes in Form eines Videotelefonates oder Telefonates.
  • Dienstkleidung: Alle Mitarbeiter mit direktem Patientenkontakt tragen vom Krankenhaus gestellte Dienstkleidung.
  • Schutzkleidung: Zum Erstkontakt und zur Abklärung eines Verdachtes werden normale OP-Masken und Handschuhe verwendet. Üblicherweise werden in der Pflege und Behandlung im Nahbereich bei hochansteckenden Erkrankten wie Influenza-Kranken oder jetzt COVID-Kranken FFP2-Masken verwendet, diese sind aber gegenwärtig knapp. Pro Schicht und Person nur eine Maske, das gilt im Moment auch für die normalen OP-Masken. Masken werden diebstahlgeschützt gelagert. Schutzkleidung und Abstrichröhrchen werden zentral in zwei Dienstzimmern gelagert.
  • Handhygiene: Bitte auf ausreichendes Händewaschen und Desinfizieren achten. Keine Ringe tragen.
  • Wir halten bei allen Treffen jeden zweiten Stuhl frei.
  • In der Frühkonferenz treffen sich nur noch der Arzt vom Dienst der vergangenen Nacht, der Tagdienst des kommenden Tages, der Chefarzt, die Oberärztinnen der geschützten Stationen, die CaseManagerin, der Pflegedienstleiter und eine Protokoll-führende Sekretärin. Sie mailt den Inhalt der Frühkonferenz innerhalb von 30 Minuten an alle, die bislang an der Frühkonferenz teilgenommen haben.
  • Das Schlaflabor bleibt bis zum Ende der Osterferien NRW geschlossen.
  • Unsere Cafeteria ist bis auf weiteres für Patienten und Mitarbeiter geschlossen. 
  • Physiotherapie findet nicht mehr statt.
  • Gruppentherapien werden auf 5 Patienten plus einen Therapeuten begrenzt, die Zuteilung erfolgt nach alphabetischer Reihenfolge.
  • Sporttherapie findet entweder im 1:1 Setting statt oder in kleinen Gruppen an der frischen Luft unter Einhaltung der Abstandsregelung. 
  • Mahlzeiten auf den Stationen werden in zwei Schichten zeitversetzt durchgeführt.
  • Ambulante Ergo- und Sporttherapie wird bis nach Ostern abgesagt.
  • Vorstationäre Aufnahmen werden telefonisch durchgeführt.
  • Ambulante Kontakte werden nicht mehr in Arztzimmern auf den Stationen durchgeführt, sondern nach Möglichkeit telefonisch oder bei persönlichem Kontakt nur im Ambulanzgebäude.
  • Personal auf dem Gelände der kooperierenden somatischen Klinik: MitarbeiterInnen sollen entweder auf dem Gelände der somatischen Klinik oder im Psychiatrischen Krankenhaus arbeiten. Absprachen zwischen beiden Bereichen werden telefonisch durchgeführt. 
  • Psychologische Gespräche in somatischen Kliniken werden nach Möglichkeit telefonisch durchgeführt.
  • Externe Therapien wie Gesangstherapie, Ernährungstherapie, Zoobesuche, Klettern, Selbsthilfegruppe Sucht werden ausgesetzt.
  • Fortbildungen und öffentliche Veranstaltungen sind abgesagt.
  • Vorstellungsgespräche für neue Mitarbeiter werden frühestens in 4 Wochen terminiert und dann als Telefonkonferenz geplant.
  • Schülerpraktika finden bis auf weiteres nicht mehr statt.
  • Gottesdienste in der Klinikkapelle finden nicht statt. Im Intranet findet sich ein Link auf Onlinegottesdienste.
  • In der Tagesklinik versuchen wir ab Montag die allgemeine Maßnahme des Social-Distancing bei weiterlaufendem Betrieb umzusetzen. Dies kann bedeuten, dass ein Patient einen tatsächlichen Kontakt pro Woche hat, diesen als einziger Patient zu diesem Termin, und hier werden EKG, Blutabnahme, Gespräch mit 2 Metern Abstand geführt. An jedem anderen Tag werden die sonst persönlich erbrachten Leistungen als Telefonat oder Videotelefonat erbracht. Das gilt für psychologische Gespräche, pflegerische Gespräche und sozialarbeiterische Gespräche. Patienten erhalten Informationen, wie sie Sport unter den aktuellen Bedingungen selbst auf eine sichere Art durchführen können. Es wird geprüft, wie ein Gruppenaustausch online stattfinden kann.
  • Mitarbeiter mit einem besonderen Risikoprofil, insbesondere immunsupprimierte Mitarbeiter, lungenkranke Mitarbeiter und auch Schwangere werden von der Betriebsärztin, kurzfristig übergangsweise vom Chefarzt oder dessen Vertreterin, untersucht. Diese entscheiden über einen Einsatz im Home-Office.
  • Der Pflegedienst wird auf die Früh-, Spät- und Nachtdienst organisiert, keine Mitteldienste oder Zwischenschichten mehr.
  • Alle abgesagten Leistungen wie Fortbildungen oder Gruppenveranstaltungen bitte kurz per Email an die Geschäftsführung mailen.

6 Gedanken zu “Corona Update 20.03.2020, 17:00

  1. BettiKa Beforlife 20. März 2020 / 18:35

    Ist das richtig allen Patienten das Verlassen des Klinikgelände zu untersagen?

    • Dr. Jan Dreher 21. März 2020 / 10:09

      Wir sagen den Patienten das Gleiche, was die Bundesregierung allen Deutschen im Moment sagt: Bleibt wo ihr seid, geht nur zum nötigsten raus. Die Patienten sind ja nicht eingesperrt, sie dürfen in begründeten Fällen natürlich raus und sie dürfen sich, wenn keine Unterbringungsgründe vorliegen, ja auch jederzeit nach Hause entlassen lassen.

  2. Mary 20. März 2020 / 20:07

    Danke für die Infos! Wie könnt Ihr die tagesklinischen Pat. abrechnen? Nur einen Tag teilstationär und den Rest als Telefonkontakt? In unserer TK soll möglichst „normal belegt“ sein….

    • Dr. Jan Dreher 21. März 2020 / 10:07

      Ich bin nicht 100 %ig sicher, dass die Kassen das bezahlen, aber ich gehe davon aus, dass die vernünftige und medizinisch angemessene Lösung auch die Kassen in dieser Ausnahmesituation überzeugt. Und diese Lösung ist weit besser, als die nächsten Wochen ohne Tageskliniken da zu stehen. Der psychosoziale Bedarf wird bald steigen, und dies ist ein gutes Modell für die nächsten Wochen, denke ich.

      • Mary 14. April 2020 / 11:41

        Hallo Jan,

        mich würde sehr interessieren wie Eure Bilanz nach ca. 3 Wochen teil-virtueller TK ausfällt?
        Bei uns sind leider Bemühungen in dieser Hinsicht u.a. von der IT abgeblockt worden…

        Viele Grüße aus Bayern

      • Dr. Jan Dreher 14. April 2020 / 16:43

        Wir mussten das Modell der virtuellen Tagesklinik aufgeben, da die Kostenträger dies ablehnten. Wir haben inzwischen die Tageskliniken wieder im normalen Modus, allerdings nur mit 5-6 Patienten statt 14, um die Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können.

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