PC053 Gewohnheiten und Identität (oder: deine Frisörin, du und ich) ist online

Psych2 in 1400*1400 Pixeln

Im 53. PsychCast sprechen wir ganz praktisch über Fragen der Identität und der Veränderung des eigenen Selbst durch Gewohnheiten. Jan hat dazu eine spannende These. Wir überlegen, wie schwer es ist, viele Eigenschaften und Rollen unter einen Hut zu bekommen und wie schlimm Identitätsverlust eigentlich für Menschen ist. Identität hängt nämlich eng mit dem Selbstwert zusammen.

In der kommenden Folge soll es dann um Zwangsstörungen gehen – das ist ein Vorschlag unserer Hörerin Nelia. Wir bedanken uns beim PsychCast-Freundeskreis für die Unterstützung mit Geld-Zahlungen und bestätigen, dass es im kommenden Jahr 2018 ein Hörertreffen geben wird.

Über das Buch “Fifty Shrinks” von Sebastian Zimmermann

Ärzteblatt-Artikel über Misophonie

Die aktuelle Folge findest du hier: http://psychcast.de/pc053-gewohnheiten-und-identitaet-oder-deine-frisoerin-du-und-ich/

Advertisements

Quick-Tip: Mundspülung mit Atropin-Augentropfen hilft gegen Speichelfluß

Atropa_bella-donna0.jpg

Die giftigen Beeren der Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna)Von Kurt Stüber [1] – caliban.mpiz-koeln.mpg.de/mavica/index.html part of http://www.biolib.de, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2745

Vermehrter Speichelfluß ist eine typische Nebenwirkung insbesondere von Clozapin. Unter höheren Dosierungen von Clozapin kann der Speichelfluß so stark erhöht sein, dass die betroffenen Patienten berichten, wenn sie morgens aufwachten sei ihr Kopfkissen naß vom Speichel. Das übliche Vorgehen ist dann die Verordnung eines Anticholinergikums wie Pirenzepin (z.B. Gastrozepin®) in Tablettenform. Das hat aber den Nachteil, dass das Medikament im ganzen Körper wirkt.
Auftritt Atropin Augentropfen: Atropin ist ebenfalls ein Anticholinergikum. Gäbe es es als „Mundspülung“, würde man das so rezeptieren. Gibt es in Deutschland aber als Fertigarznei nur als Augentropfen. Das stört allerdings gar nicht, weil ja genau der Stoff drin ist, den wir brauchen. Man weist den Patienten an, morgens einen Tropfen in etwas Wasser aufgelöst im Mund umzuspülen, und dann wieder auszuspucken, also eben nicht herunterzuschlucken. Das hilft ebenfalls sehr gut gegen erhöhten Speichelfluss und hat keine Nebenwirkungen auf den Rest des Körpers.
Bei der Anordnung in der Kurve muss man natürlich überdeutlich aufschreiben, dass das Präparat zwar Augentropfen heißt, es aber nicht in die Augen gegeben werden darf. Ich denke, dass die Abteilung CIRS weinend zusammenbrechen wird, aber hey: „living on the edge!“

(Vielen Dank an Fr. Prof. Hahn, von der ich diesen Tipp habe).

Würdest Du ein medizinisches Fachbuch als Hörbuch hören?

Du liest blogs, sonst wärst Du nicht hier. Wahrscheinlich hörst Du auch Podcasts. Hip. Interessanterweise verfolgt die klassische Aus- und Weiterbildung in der Medizin immer noch eine andere Art der Wissensvermittlung: Bücher. Nun haben Bücher viele große Vorteile. Sie halten lange, man kann sie ins Regal stellen, man kann sehr gut etwas nachschlagen. Aber sie haben auch einen wesentlichen Nachteil. Man müsste sie lesen. Und wer hat dazu bitte schön Zeit.

Da stellt sich mir die Frage, ob nicht auch ein medizinisches Fachbuch mal als Hörbuch präsentiert interessant sein könnte. Im Auto beim Pendeln zur Arbeit, beim Joggen, zum Hören habe ich jedenfalls öfter Zeit als zum Lesen. Und das Angebot bei Audible ist ja eher auf Unterhaltung und Business-Titel konzentriert. Daher möchte ich von Euch wissen: Habt ihr schon mal ein medizinisches Fachbuch als Audio-Book gehört? Würdet ihr das mal ausprobieren wollen? Stimmt doch bitte mal bei meiner Umfrage ab!

Die dritte Auflage von Psychopharmakotherapie griffbereit ist nun auch als kindle-Edition verfügbar

Psychopharmakotherapie griffbereit Dreher Cover

Die Print-Variante gibt es ja schon seit einigen Wochen in der dritten Auflage. Nun ist auch die kindle-Edition verfügbar. Für die dritte Auflage habe ich den gesamten Text überarbeitet und an vielen Stellen aktualisiert. Medikamente, die auf dem deutschen Markt keine Rolle mehr spielen, wie Vortioxetin, habe ich aus dem Buch herausgenommen, dafür neue und interessante Substanzen wie Milnacipran neu aufgenommen. Das Kapitel über Medikamentenwechselwirkungen habe ich deutlich erweitert und neue Kapitel über Psychopharmaka in der Schwangerschaft, sinnvolle Kontrolluntersuchungen sowie Abschnitte über Spice, Sertralin und Trimipramin ergänzt. Wer das Buch nicht hat und eine elektronische Variante bevorzugt, der kann sich jetzt die Leseprobe hier laden und ggf. zuschlagen. 

Das Buch ist allerdings nur auf dem kindle fire, einem iPad, iPhone, Mac oder PC lesbar. Aufgrund der farbigen Abbildungen kann man es nicht auf dem normalen ePaper kindle wie dem kindle paperwhite lesen.

PC052 Extra Intro Zentrovertiert ist online

Im 52. PsychCast testen sich die beiden Protagonisten mithilfe dieser Online-Test-Seite zunächst selbst, ob sie eher introvertiert oder extravertiert sind, mit einem für beide überraschenden Ergebnis. Ab Minute 13:00 geht es dann richtig los und wir sprechen darüber, was das Konstrukt der Extraversion für die Psychotherapie bedeutet.

Shownotes:

Die Folge findest Du hier: http://psychcast.de/pc052-extra-intro-zentrovertiert/

Meine Sommerferienzeit-Strandbuchempfehlung

Voila_Capture 2017-08-13_11-34-13_AM.pngOK, ich bin jetzt natürlich auch der weltgrößte Heinrich Steinfest Fan, deshalb ist meine heutige Buchempfehlung vielleicht nicht für jeden etwas. Aber ich hab hier gerade in der sommerlichen Ruhe seinen bereits 2012 erschienenen Kriminalroman „Wo die Löwen weinen“ gelesen und bin mal wieder begeistert. Steinfest schreibt etwas verschrobene Kriminalromane, die dem üblichen Gemetzel und stereotypischen Spannungsbogen völlig entsagen. Stattdessen gibt es Protagonisten wie den Hund Keppler, der einfach nur da ist oder den österreichischen Archäologen Mach, denn laut Steinfest gehört in jeden Roman ein Österreicher. Ja gut, und es geht um diese merkwürdige vergrabene antike Maschine, die den Bau des Monstrums Stuttgart 21 verhindern will, weil sie ein Geheimnis in sich trägt. Kann man mögen oder nicht mögen; ich liebe es. Wer sich gerade am Strand langweilt, kann sich ja mal die Leseprobe laden…

Eine neue PsychCast-Folge ist online! PC051: Better call PsychCast

In der 51 Episode beantworten wir eure Fragen, und zwar eine ganze Reihe davon. Vielen Dank für die aktive Mitarbeit an der Folge und viel Spaß beim Zuhören!

Shownotes:

Von den Schimpansen entschieden sich eindrucksvolle 72 Prozent dafür, länger auf die größere Belohnung zu warten. Und die Studenten? Nur zu 19 Prozent.153 153 Rosati, A. G., J. R. Stevens, B. Hare, M. D. Hauser: »The Evolutionary Origins of Human Patience. Temporal Preferences in Chimpanzees, Bonobos, Human Adults«. In: Current Biology 17 (2007), 1663 –1668.

Hier findest Du sie: http://psychcast.de/pc051-better-call-psychcast/

Nahtoderfahrungen sind auch nur eine spezielle Variante des Delirs…

2017_08_02 Ascent_of_the_Blessed.jpg

Hieronymus Bosch: Der Flug zum Himmel – Web Gallery of Art. Gemeinfrei.

„Nach meiner Reanimation sah ich mich aus einer oberen Ecke des Raumes von außen. Ich spürte ein helles, warmes Licht von oben und wusste, dass ich geborgen sein würde. So beobachtete ich mich einige Minuten, bis ich mich wieder in der Realität der Intensivstation wiederfand.“

So oder so ähnlich werden Nahtoderfahrungen oft beschrieben. Wenn es sich um sehr seltenen Berichte handeln würde, könnte man sie ja als Produkt einer lebhaften Phantasie abtun, aber man hört immer wieder solche Geschichten. Aus grundsätzlichen Erwägungen neige ich dazu, jeweils das einfachste Erklärungsmodell zu bevorzugen. Bevor ich also denke, dass meine Seele zum Himmel aufsteigt und mich von außen sieht, schlage ich den Begriff Nahtoderfahrung erst mal in der guten, alten Wikipedia nach.

Dort werden einige Studien zur NTE genannt, die alle den gleichen Schluss zulassen, dass nämlich die Sauerstoffunterversorgung des Gehirns, die nicht nur bei Kreislaufproblemen, sondern vereinzelt auch bei epileptischen Anfällen und angeblich sogar bei Meditationen auftreten könne, zu schlichten Wahrnehmungsstörungen führt, die das häufig beschriebene Bild gut erklären kann.

  • Optische Halluzinationen, insbesondere in Form von autoskopischen Halluzinationen, bei denen man den Körper von außen zu sehen glaubt und / oder in Form eines hellen Lichtes.
  • Akustische Halluzinationen
  • Derealisationserleben
  • Dissoziation
  • Durchlebten Erinnerungen, wie dem Gefühl, das ganze Leben noch einmal in einem schnellen Film an sich vorbeiziehen zu sehen
  • Glücksgefühle, wie sie möglicherweise auch von einer Ausschüttung von Endorphinen ausgelöst werden können.
  • Und natürlich kann auch eine Autosuggestion eine Rolle spielen, wenn ein Patient durch die Kenntnis des Phänomens der Nahtoderfahrung diese Erfahrung erwartet und dann später auch so ähnlich erlebt und berichtet.

Die naheliegendste Erklärung für vom Patienten berichtete Nahtoderfahrungen ist also, dass das Gehirn in einen Sauerstoffmangel gerät und möglicherweise zusätzlich endogene Opiate ausschüttet. In diesem Zustand entstehen optische Halluzinationen, wie die, den Körper von außen zu sehen (autoskopische Halluzinationen), das Licht, möglicherweise Figuren, Derealisationen wie das Gefühl, nicht mehr mit dem eigenen Körper verbunden zu sein, körperliche Halluzinationen wie das Gefühl der Wäre und Glücksgefühle, die auf die Ausschüttung der Opiate zurückzuführen sind.

Ach ja, die Wissenschaft entmystifiziert aber auch immer wieder die interessantesten Dinge. Fast ein wenig schade…

Stahl´s Prescribers Guide in der sechsten Auflage ist erhältlich

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Um zu einem Jedi-Ritter aufzusteigen, muss man verschiedene Phasen der Ausbildung durchlaufen. Wenn bei einem Lebewesen festgestellt wird, dass es machtsensitiv ist, wird bei den Eltern die Erlaubnis eingeholt, eine Ausbildung zum Jedi zu beginnen. Die Ausbildung beginnt als Jüngling im Gruppenunterricht. Nach Abschluss dieser Phase folgt der Einzelunterricht des dann Padawan genannten Kandidaten bei einem Jedi-Ritter. Nach Abschluss einer Prüfung kann man schließlich selbst zum Jedi-Ritter aufsteigen.

Die Ausbildung zum guten klinischen Psychopharmakologen erfolgt im Prinzip genauso. Die Rolle des Yoda gebührt allerdings in diesem Universum unzweifelhaft Stephen Stahl. Der in Cambridge lehrende Psychopharmakologe hat schon so viele Jedi-Ritter, Verzeihung, Psychopharmakologen ausgebildet, und er hat didaktisch so viel drauf, dass man seinen Namen traditionell aus Ehrfurcht stets etwas leise ausspricht und den Blick senkt. Dabei ist Stahl eigentlich ein ganz lockerer Typ…

Stephen Stahl:

Stephen_Stahl.jpg

Yoda:

Yoda_Empire_Strikes_Back.png

Im Stahl Universum gibt es drei Level:

  1. Erstes Level: Stahl´s Essencial Psychopharmacology. Es erklärt die neurobiologischen Grundlagen der Psychopharmakologie und sollte als erstes gelesen werden. Für die Jünglinge in der Ausbildung zum Psychopharmakologen.
  2. Zweites Level: Stahl´s Prescribers Guide. Hier geht Stahl auf die einzelnen Medikamente ein und erklärt für den Praktiker, was er zu jedem Medikament wissen muss, wenn er es verschreiben möchte. Von diesem Buch handelt dieser Blogpost. Für die Padawane in der Ausbildung zum Psychopharmakologen.
  3. Drittes Level: Alle anderen Ableger aus Stahls Feder sowie seine Webpräsenz unter stahlonline.cambridge.org. Für die echten Jedi-Ritter-Anwärter der Psychopharmakologie.

Zurück zur Padawan-Ausbildung: Stahl beherrscht die Kunst, alle wichtigen Informationen zu einem Medikament verständlich und präzise darzustellen. Mit einfachen Grafiken hebt er besondere Eigenschaften hervor. Und er scheut sich nicht, persönliche Wertungen und Empfehlungen aufzuschreiben, die man sonst in Lehrbüchern oft vermisst, die aber ungemein lehrreich sein können. So gibt es zu jedem Medikament die Absätze „THE ART OF PSYCHOPHARMACOLOGY“, in denen genau die Einsichten und Erfahrungen vermittelt werden, die man sonst nirgendwo findet, die aber helfen, sich ein eigenes Bild vom Medikament zu machen. Und es gibt zu den meisten Medikamenten den Absatz „PEARLS“, in dem noch einmal ganz besondere, herausgehobene Erkenntnisse vermittelt werden.

Hat man in Stahl´s Prescribers Guide ein Kapitel zu einer bestimmten Substanz gelesen, dann ist es, als hätte einem Yoda persönlich erklärt, um was es sich da handelt und wie man kunstgerecht mit der Substanz umgeht.

Seit kurzem ist die aktualisierte sechste Auflage erschienen. Das Buch hat in der Druckversion 890 Seiten, weswegen ich es mir in der kindle-Version gekauft habe. Wer den Umgang mit der Macht wirklich erlernen möchte, schaut sich mal die Leseprobe an…

Fotorechte: Stahls Bild: CC, über Wikipedia hier. Urheber: Waketonay. Yoda: Akl.

Zur Feier der 50. Folge des PsychCasts haben wir einen ganz besonderen Gast: Den Kinderdok!

Zur 50. PsychCast-Folge, dem feierlichen Jubiläum unseres kleinen Podcasts, haben wir die Ehre den Kinderdok, einen bloggenden Kinderarzt, zu Gast zu haben.

Wir sind einfach hingerissen von diesem sympathischen wie hochinformativem Gespräch – der Kinderdok hat die Gabe, komplexe Kinder-/Elternfragen auf den Punkt zu bringen.

Zwei Links zu Büchern, die in der Sendung erwähnt werden:

Lasst Kinder wieder Kinder sein!: Oder: Die Rückkehr zur Intuition

Was ist bloß mit Mama los? Wenn Eltern in seelische Krisen geraten. Mit Kindern über Angst, Depression, Stress und Trauma sprechen

…und hier geht’s zum Kinderdok persönlich: Kids and me 2.0

sowie zum Buch vom Kinderdok: Babyrotz & Elternschiss: Aus der Sprechstunde eines Kinderarztes

Die PsychCast-Folge findet ihr hier. Viel Spaß mit dieser ganz besonderen Folge!