Prof. Gerhard Gründer stellt seine Vorlesung Psychopharmakologie Sommersemester 2020 kostenlos online

Und zwar hier. In mehreren Modulen kannst Du in didaktisch hervorragenden deutschsprachigen Vorlesungen online und kostenlos eine ausgezeichnete Vorlesung zur Psychopharmakologie sehen und hören. Wenn Corona nur einen Vorteil hätte, dann wäre es vielleicht die Tatsache, dass diese Vorlesung nun für alle zugänglich ist.

Cochrane Bibliothek temporär kostenlos zugänglich

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/reviews

Im Rahmen der COVID-Krise sind einige wissenschaftliche Quellen, vorwiegend COVID im engeren Sinne betreffend, auf vielen wissenschaftlichen Seiten frei zugänglich, um die Forschung und den klinischen Austausch zu unterstützen.

Erfreulicherweise ist auch die Cochrane-Datenbank temporär kostenlos zugänglich, wenn man sich dort bei den Reviews umschaut, findet man alles auf free access. Nutzt das und seht euch mal genauer um!

Hier findet ihr die Cochrane Review-Datenbank.

Pharmakokinetik V2.0

2020 04 21 Pharmakokinetik 001


2020 04 21 Pharmakokinetik 002


2020 04 21 Pharmakokinetik 003


Ich danke allen Lesern sehr für die hilfreichen Kommentare! Insbesondere habe ich die Idee von Dr. Mandelkow aufgenommen, dass ein Stoffwechselbeschleuniger ja ein Prodrug besser in das Zielmedikament überführt und so den gewünschten Blutspiegel eben erhöht, sowie die Idee von Klabauter_kaddi auf Instagram, statt eines Kolbens die Leber zu verwenden, denn da spielt ja die Musik. Das habe ich umgesetzt.

Die Farben sind in dieser Darstellung wieder umgedreht und nun ist ein Stoffwechselbeschleuniger grün, auch wenn er den Blutspiegel des Zielmedikamentes reduziert (bei einem Prodrug aber eben erhöht und die Stoffwechselbremse Fluvoxamin ist rot, der Blutspiegel des verstoffwechselten Medikamentes steigt in unserem Beispiel.

Ich bitte um Rückmeldungen zu Version 2 und bin schon jetzt dankbar!

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Dieser Beitrag ist ein Auszug beziehungsweise eine auszugsweise Vorabveröffentlichung des Werks „Psychopharmakotherapie griffbereit“ von Dr. Jan Dreher, © Georg Thieme Verlag KG. Die ausschließlichen Nutzungsrechte liegen beim Verlag. Bitte wenden Sie sich an permissions@thieme.de, sofern Sie den Beitrag weiterverwenden möchten.

Pharmakokinetik in Bildern


Ich habe hier mal die beiden grundlegenden pharmakokinetischen Prinzipien in zwei einfachen Grafiken dargestellt. Dabei habe ich in der ersten Grafik das Prinzip dargestellt, dass ein Medikament, hier Fluvoxamin, den Blutspiegel eines anderen Medikamentes, hier Clozapin, erhöhen kann, und das habe ich Blutspiegel-Booster genannt und die ganze Sache grün gefärbt, weil das Ergebnis, das uns interessiert, ein erhöhter Blutspiegel ist. Traditionell wird dieses Beispiel mit der Überschrift Cytochrom P450-Inhibitoren überschrieben, und Inhibitoren klingt nach weniger. Es ist auch weniger Aktivität des abbauenden Enzyms, aber das ist für uns ja völlig uninteressant, uns interessiert ja nur der resultierende Blutspiegel des zweiten Medikamentes, und der geht natürlich nach oben. Daher grün und Booster.

Die zweite Abbildung zeigt das andere Beispiel, die Senkung eines Blutspiegels, hier von Quetiapin, durch ein anderes Medikament, hier Carbamazepin. Ich habe Carbamazepin also Senker genannt und die Grafik rot gefärbt. Traditionell wird dieses Kapitel mit der Überschrift Cytochrom P450 Induktion überschrieben, und man denkt an mehr. Aber auch hier interessiert nicht, dass es mehr Aktivität des abbauenden Enzyms gibt, sondern, dass der Blutspiegel des zweiten Medikamentes eben gerade sinkt.

Was haltet ihr von diesen Darstellungen? Ist es intuitiv oder kontraintuitiv, die Farben nach der Wirkung auf den Blutspiegel des zweiten Medikamentes zu wählen statt nach der Wirkung auf das Cytochrom? Wie einfach kann man den Inhalt der beiden Grafiken erfassen? Was würde die Grafiken besser, einfacher, verständlicher und leichter erfassbar machen? Schreibt eure Gedanken bitte in die Kommentare!

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Leitlinie Opioidtherapie bei chronischen Schmerzen

Die zweite Aktualisierung der Leitlinie zur Langzeitanwendung von Opioiden bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen (LONTS) ist erschienen. Sie ist verfügbar in einer Langfassung für Ärzt:innen1, einer Patientenvariante und einer Kurzform.

Die Leitlinie gibt detailliert zu allen relevanten Krankheitsbildern evidenzbasierte Empfehlungen zum Umgang mit Opiaten als Therapieoption, sie geht auf Nebenwirkungen und Gefahren ein und zeigt eine Fülle an weiterführender Literatur auf, wenn man es wirklich genau wissen will. 

Wenn du im Opioid-Business bist, dann schau mal rein.

Literatur

1Häuser, W. 2. Aktualisierung der S3 Leitlinie „Langzeitanwendungen von Opioiden bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen „LONTS“. Der Schmerz 2020; 34, im Druck. Im Internet: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/145-003.html   

Phasenprophylaktika stabilisieren nicht die Stimmung innerhalb eines Tages

Was können Phasenprophylaktika?

Phasenprophylaktika wie Lithium, Carbamazepin, Valproat und andere verhindern und lindern in einem Zeitfenster von mehreren Jahren depressive, manische und submanische Phasen. Das ist es, was man von ihnen erwarten kann. In meinem Buch habe ich dies so dargestellt:

2020 03 24 Überarbeitung Dreher 2020 04 16 10 57 15

Was können Phasenprophylaktika nicht?

Phasenprophylaktika wie Lithium, Carbamazepin, Valproat und andere können nicht die Stimmung im Verlaufe eines Tages oder einer Woche stabilisieren. Dies erhoffen sich zwar ebenso viele Behandler:innen wie Patient:innen, das funktioniert aber leider nicht. Daher ist der Begriff „Stimmungsstabilisierer“ auch irreführend. Ich bin ja sonst ein großer Freund der einfachen Sprache, aber in diesem Fall ist Stimmungsstabilisierer schlechter als das richtige und präzise Phasenprophylaktika. Also soll man das letztere Wort verwenden. 

Wollte ich nur noch mal gesagt haben.

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Die Grafik ist ein Auszug beziehungsweise eine auszugsweise Vorabveröffentlichung des Werks „Psychopharmakotherapie griffbereit“ von Dr. Jan Dreher, © Georg Thieme Verlag KG. Die ausschließlichen Nutzungsrechte liegen beim Verlag. Bitte wenden Sie sich an permissions@thieme.de, sofern Sie den Beitrag weiterverwenden möchten.

Vereinfachte Nebenwirkungsprofile ausgewählter Antipsychotika

Ich habe mich – aus Gründen – hier mal an einer Grafik versucht, die das Nebenwirkungsprofil ausgewählter Antipsychotika vereinfachend aber übersichtlich darstellt. Die Kunst bei dieser Grafik läge darin, zu vermitteln, wo der Hase bei jedem einzelnen Medikament im Pfeffer liegt, wohl wissend, dass dies alles eine Vereinfachung ist.

Wie sieht die Grafik für euch aus? Kann man damit was anfangen? Ist das ganze Konzept zu vereinfachend? Muss ein bestimmtes Medikament in eine Richtung verrückt werden?

Schreibt mir eure Ideen dazu gerne in die Kommentare! #followerpower

Video: Müssen es immer Antidepressiva sein?

In den letzten 10 Jahren hat sich die Verordnung von Antidepressiva verdoppelt. Wenn einfach mehr Depressionen richtig diagnostiziert und behandelt werden würden, wäre das ja ein erfreulicher Trend. Aber ich fürchte, dass das nur der kleinere Teil der Wahrheit ist. Depressive Episoden werden in den letzten Jahren auch länger behandelt und mehr und mehr normale Lebenskrisen wie Trauer oder Belastungsreaktionen werden mit Medikamenten behandelt. Das kann hilfreich sein, aber allenfalls dann, wenn es nicht statt, sondern zusätzlich zu einer Psychotherapie eingesetzt wird. Und vieles gehört einfach zum normalen Auf und Ab des Lebens dazu, und dann soll man in aller Regel die Finger von den Medikamenten lassen.

Mira von DocCheck hat mich hierzu interviewt, das Video findet ihr gleich hier.

Wie rechne ich die Dosis eines Neuroleptikums auf ein anderes um?

Wenn man ein Medikament aus einer bestimmten Gruppe auf ein anderes Medikament aus derselben Gruppe umstellen möchte, dann ist es ganz hilfreich, eine Vorstellung davon zu haben, welche Dosierungen sich in etwa entsprechen. Natürlich kann man die Dosierungen nicht einfach umrechnen, denn jede Substanz hat doch etwas andere Hauptwirkungen und oft erheblich unterschiedliche Nebenwirkungen. Dennoch ist es hilfreich, einen Anhaltspunkt zu haben, in welcher Größenordnung sich die neue Dosis so bewegt.

Es gibt verschiedene Arten, an so eine Umrechnungstabelle zu kommen. Die klassische Variante ist die von Davis 1974 angewendete: Man nimmt sich alle verfügbaren Studien zu Medikamenten einer Gruppe, in der die Studienärzte nicht wussten, welches Medikament sie gaben, aber die Dosis nach der klinischen Wirkstärke anpassen konnten. Dann nimmt man den Mittelwert der jeweils gegebenen Dosierungen und geht davon aus, dass diese Mittelwerte vergleichbar sind. In einer ausgezeichneten Arbeit hat Leucht dieses Vorgehen 2015 für atypische Antipsychotika durchgeführt1. Das PDF der Studie ist kostenlos hier zu laden.

Cariprazin wurde in dieser Studie nicht untersucht. Die Äquivalenzwerte für Cariprazin habe ich daher aus meiner eigenen klinischen Erfahrung geschätzt und mich an dieser Studie2 angelehnt.

Ich habe auf diesem Blog bereits meine eigene Umrechnungstabelle für Opiate und meine eigene Umrechnungstabelle für Antidepressiva veröffentlicht. Das Bild oben zeigt die Tabelle, die sich aus der Studie von Leucht für die Gruppe der Antipsychotika ergeben. Ich habe deutsche Handelsnamen eingesetzt, die resultierenden Dosierungen auf für die nächste für dieses Präparat übliche Dosis gerundet und diejenigen Tabellenfelder leer gelassen, die Dosierungen enthalten hätten, die für dieses Präparat in Deutschland nicht zugelassen sind.

Wer sich ein eigenes Bild über meine Rundungen und Vereinfachungen machen möchte, der findet die Tabelle mit den präzise berechneten Werten, die ich als Ausgangswerte für die Tabelle oben genommen habe, hier:

pracc88zise-werte

Meiner persönlichen Einschätzung nach ist die Tabelle oben realistisch und gut geeignet, einen Anhaltspunkt dafür zu geben, welche Dosis eines Antipsychotikums welcher Dosis eines anderen Antipsychotikums entspricht.

Disclaimer

Auch zu dieser Tabelle möchte ich sagen, dass die hier angegebenen Dosierungen nicht ungeprüft übernommen werden dürfen. Die Verschreibung obliegt der Verantwortung des verschreibenden Arztes, der anhand der Fachinformationen, der individuellen Situation des Patienten und aller anderen relevanten Faktoren eine Wahl treffen muss.

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Dieser Beitrag ist ein Auszug beziehungsweise eine auszugsweise Vorabveröffentlichung des Werks „Psychopharmakotherapie griffbereit“ von Dr. Jan Dreher, © Georg Thieme Verlag KG. Die ausschließlichen Nutzungsrechte liegen beim Verlag. Bitte wenden Sie sich an permissions@thieme.de, sofern Sie den Beitrag weiterverwenden möchten.

  1. 1 Leucht S, Samara M, Heres S, Patel MX, Furukawa T, Cipriani A, Geddes J, Davis JM. Dose Equivalents for Second-Generation Antipsychotic Drugs: The Classical Mean Dose Method. Schizophr Bull 2015; 41: 1397–1402 Im Internet: https://academic.oup.com/schizophreniabulletin/article/41/6/1397/2526028 ↩︎
  2. 1 Németh G, Laszlovszky I, Czobor P, Szalai E, Szatmári B, Harsányi J, Barabássy Á, Debelle M, Durgam S, Bitter I, Marder S, Fleischhacker WW. Cariprazine versus risperidone monotherapy for treatment of predominant negative symptoms in patients with schizophrenia: a randomised, double-blind, controlled trial. Lancet 2017; 389: 1103–1113 Im Internet: https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0140673617300600 ↩︎

Video: Benzos sind schlechte Sandmännchen

Zusammen mit DocCheck habe ich ein Video aufgenommen, in dem ich erkläre, dass kein Mensch dauerhaft Schlafmittel braucht.

Und ich erkläre, wie man Patienten mit einem dauerhaften Schlafmittelgebrauch helfen kann, davon wieder los zu kommen.

Schaut euch hier mal das Video an!