Herzlichen Glückwunsch zum ersten Geburtstag: PsychCast!

Am 5. März 2016 wird der PsychCast ein Jahr alt! Zum spontanen Geburtstags-Torten-mit-Sahne-essen durften wir eine Gästin begrüßen, die sympathischer nicht sein könnte: Dr. Nadja Hermann, bekannt als Fettlogik-überwinden-Bestseller-Autorin und Erzählmirnix-Comics-in-Microsoft-Paint-Zeichnerin. “Von Haus aus”, wie man so schön sagt, ist Nadja eigentlich Verhaltenstherapeutin in eigener Praxis. Im Netz findest Du Nadja hier: ERZÄHLMIRNIX und FETTLOGIK ÜBERWINDEN.

Die Geburtstags-PsychCast-Folge findest Du hier.

Buchempfehlung: Fettlogik überwinden

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Gerade gelesen: Fettlogik überwinden, von der Psychotherapeutin Dr. Nadja Hermann.

Das Buch räumt auf mit allen möglichen Fehlannahmen über das Abnehmen, was den Weg frei macht, (etwas verspätet in diesem Jahr) an die Bikini-Figur zu kommen.

Meine Lieblings Irrtümer:

  • Der Körper geht bei jeder Diät erst mal in einen „Hungermodus“. Tut er nicht. Nach einigen Tagen reduziert er den Grundumsatz um etwa 50 kcal pro Tag, aber das ist echt zu vernachlässigen.
  • Nur durch Sport nimmt man ab“. Nö. Durch weniger Essen als Verbrauchen nimmt man ab. Sport ist zwar gut für die Fitness, kann man aber komplett unabhängig vom Abnehmen betrachten. Die Autorin berichtet, sie habe mit 150 Kg angefangen, und im ersten halben Jahr nur 500 kcal pro Tag gegessen, und keinen Sport gemacht. Sie hat prima abgenommen. Danach hat sie mit Sport weiter gemacht… Merke: Das Six-Pack macht man in der Küche, nicht im Fitness-Studio.
  • Man muss wenigsten 1XXX kcal pro Tag essen, sonst yyyy“. Nein, muss man nicht. Man muss ein paar Proteine und ein paar Nährstoffe essen. Aber das ist kein Problem. Schon gar nicht oberhalb von 500 kcal pro Tag mit ein zwei ordentlichen Zutaten.
  • „Obst hilft beim Abnehmen“. Na ja, so wie 120 kcal für eine Banane und 80 kcal für einen Apfel halt helfen. Genau so viel wie ein Cornetto Nuss mit 200 kcal.
  • Heute hab ich eh schon gesündigt, da kommt es auf den Schoko-Pudding auch nicht mehr an“ ist genau so logisch wie: „Heute habe ich meinen Dispo eh schon mit den beiden Paar Schuhen ruiniert, da kommt es auf den Flachbild-Fernseher auch nicht mehr an. Kauf ich den auch noch.“
  • Ich fange morgen mit der Diät an, wenn ich alle Schokokekse vernichtet habe. Dann sind die Ausgangsbedingungen besser…“. …

Wer mehr über die Irrationalität unserer typischen Denkmuster lesen möchte und wem das Konzept des Abnehmens durch konsequentes Kalorien-Zählens nicht zuwider läuft, kauft das eBook hier:

http://www.amazon.de/dp/B00X01CRY8

Der Zweck des Sports liegt im Sport, nicht im Abnehmen

Sport macht Spaß und ist gesund. Der menschliche Körper ist schlicht und ergreifend darauf angelegt, sich zu bewegen. Setzt man so einen Körper den ganzen Tag auf einen Stuhl, fehlt ihm was. Das ist dann keine artgerechte Haltung, das ist weder gesund noch schön.
Bewegung führt dazu, dass ich meinen Körper auf eine ganz andere Art spüre, als ohne Bewegung. Ich nehme ihn viel intensiver wahr und habe einen unmittelbareren Kontakt zu meinem Körper.

Zusätzlich passieren bei fast allen Sportarten eine Reihe von zusätzlichen Dingen. Ich selbst laufe am liebsten. Ich berichte daher über meine Wahrnehmungen beim Laufen.

Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Wenn ich laufe, durchlebe ich auf den unterschiedlichen Streckenabschnitten unterschiedliche Phasen.

  • Wenn ich plane, am nächsten Tag oder am Abend zu laufen, kann ich schon die Vorfreude genießen. Ich weiß dann, dass es nicht mehr lange dauert, bis ich die U-Bahnen, Arbeitstische und Bürostühle verlassen und frei durch die Gegend laufen darf. Das macht das unbewegte Leben sehr viel besser aushaltbar.
  • Laufe ich dann endlich los, fühle ich mich auf den ersten Kilometern, als ob ich über den Asphalt fliegen würde. Ich freue mich, frei zu sein, laufen zu dürfen und nichts anderes zu tun zu haben, als mir die Landschaft anzuschauen und immer wieder einen Schritt vor den anderen zu setzen.
  • Nach ein paar Kilometern berühren meine Füße dann auch gefühlt den Boden. Es geht nicht mehr ganz so leicht, dafür auf eine ganz besondere Art scheinbar automatisch. Wie eine gut geölte Maschine laufe ich weitere Kilometer. Meine Gedanken sind noch ganz frei, ich denke meist an nichts bestimmtes, höre Musik oder einen podcast, nur manchmal denke ich in Ruhe über etwas nach, was sonst in der Enge des Alltags nicht gut überlegt werden kann. Zumeist komme ich beim Laufen auf andere, weitreichendere Gedanken, als wenn ich irgendwo sitze.
  • Nach etwa 15 Kilometern fängt das Laufen an, mir mehr abzuverlangen. Ich beginne dann, an das Laufen selbst zu denken. Ich nehme viel stärker als zuvor wahr, wie kalt es ist, ob es regnet, wie heiß mein Körper ist, ob es irgendwo zwickt oder schmerzt. Wenn ich auf dem Laufband laufe, sehe ich mehr auf die Uhr, den Entfernungsmesser und laufe oft von einem Kilometer zum nächsten, von einer Minute zur nächsten. Zu dieser Zeit höre ich keine podcasts mehr, nur noch Musik, und zwar immer die gleichen paar Alben… (Gegenwärtig höre ich oft die Game of Thrones Filmmusik, funktioniert für mich sehr gut beim Langstreckenlauf…)
  • Wenn ich diese Phase einige Zeit durchhalte, kommt bei mir zuverlässig das „runners high“. Ich fange an zu lächeln, habe keine Schmerzen, beschleunige über etwa einen Kilometer, fühle mich absolut frei, glücklich und gut und könnte die ganze Welt umarmen. Das sind die gesündesten und billigsten Opioide, die man kriegen kann. Es geht nichts über so eine gute, selbst erarbeitete Endorphindusche.
  • Danach kann es wieder etwas härter werden, weiter zu laufen, aber im Training sind es dann meist nur noch wenige Kilometer, bis ich ohnehin an meinem Ziel bin.
  • Im Marathon kommen dann noch einige weitere Kilometer, in denen ich gegen den inneren Schweinehund kämpfen muss, als hinge mein ganzes weiteres Schicksal davon ab. Die letzten 8 Kilometer eines Marathons machen mich nicht glücklich, sie sind nicht angenehm, sie schmerzen, quälen und zermürben. Aber sie machen stolz.
  • Wenn ich schließlich das Ziel, das ich mir zuvor vorgenommen hatte, erreicht habe, auch wenn es nur 10 Kilometer waren, erlebe ich ein ganz unmittelbares Erfolgserlebnis; ich bin stolz, glücklich und immer angenehm entspannt.

Ein wunderbares Buch, indem der berühmte Autor Haruki Murakami über seine Erlebnisse beim Laufen berichtet, ist dieses hier: „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede.“ Ich kann es sehr empfehlen.

In unserer auf´s Körpergewicht fixierten Gesellschaft gibt es ja oft den irrigen Gedanken, Sport sei die notwendige Geißel, um das stets als zu hoch empfundene Körpergewicht zu reduzieren. Ende des Sinns, Zwecks und Nutzens des Sportes.

Das ist in zweierlei Hinsicht falsch.

  • Zum einen nimmt man nicht ab, wenn man mehr Sport macht. Man hat dann einfach mehr Hunger und isst mehr. Erst wenn man bei mehr Sport trotz mehr Hunger nicht mehr isst, nimmt man vorübergehend ab.
  • Zum zweiten hat man dann all das nicht auf der Rechnung, was Sport sonst noch bringt. Auch wenn man kein einziges Gramm abnimmt, ist es äußerst belohnend, regelmäßig Sport zu treiben.

In dem sehr sehenswerten TED-Talk: „Why dieting doesn´t usually work“ (ich darf den empfehlen, ich mache gerade eine Diät…), zeigt Neurobiologin Sandra Aamodt eine Studie, die belegt, dass Übergewichtige den gleichen Nutzen für ihre Gesundheit haben, wie Normalgewichtige, wenn sie

  • nicht Rauchen
  • sich regelmäßig bewegen
  • sich ausgewogen ernähren und
  • Alkohol nur maßvoll trinken

Der Nutzen der Einhaltung dieser einfachen Regeln tritt völlig unabhängig vom Gewicht ein, auch bei verbleibendem Übergewicht.

Mein Fazit:

Der Zweck des Sports liegt im Sport, nicht im Abnehmen.