„PC060 Borderline – ein erster Überblick“ ist online!

Psych2 in 1400 1400 Pixeln
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung: eine Krankheit, über die es viel zu sprechen, zu diskutieren und zu verstehen gibt. Im 60. PsychCast haben wir uns entschieden, nach der Zwiebel-Taktik beim Äußeren (allgemeinen Teil) zu beginnen und uns dem – durchaus kontroversen – Thema erstmals zu näheren. Wir sprechen kurz über die Diagnostik, die Ursachen und ein paar Behandlungsoptionen. Ganz ganz ausdrücklich: ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Mit der Option auf spätere Vertiefung einzelner Themenbereiche.

Wir erwähnen die häufig nachgewiesene traumatisierende Kindheit mit Formen emotionaler Vernachlässigung, körperlicher oder psychischer Gewalt sowie unbeständiger Bindungen, die in den Betroffenen kein stabiles Bild von sich selbst und ihren Emotionen entstehen lassen konnten. Nach einer Grobaufzählung einiger diagnostischer Optionen besprechen wir nachweislich wirksame Psychotherapie-Methoden, bei denen wir zu wenig hervorheben, wie wichtig die empathische, stabile, vorhersehbare und wertschätzende Arzt-Patienten-Beziehung ist, die in der Vergangenheit vernachlässigende Bindungserfahrungen “überschreiben” und so korrigieren soll (“korrigierende emotionale Erfahrung” als Wirkfaktor). Vielleicht bald mehr dazu…

Viele Grüße vom PsychCast – wir melden uns mit einer Silvester-Folge am 31.12.2017 bei Euch zurück! Frohe Weihnachten!

Die Folge findet ihr hier: http://psychcast.de/pc060-borderline-ein-erster-ueberblick/

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Gründung einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Borderline Patienten in Köln

Der Verein “Grenzgänger” kümmert sich – nun auch in Köln – um die Belange und die Unterstützung von Angehörigen von Borderline-Patienten, und plant für die Zukunft noch einiges mehr.

Eine erste konkrete Maßnahme ist die Gründung einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Borderline-Patienten in Köln, die für Eltern, Partner, Geschwister und alle anderen Angehörigen von Borderline-Patienten offen ist.

Das Gründungstreffen findet am 22.04.2014 um 18.30 Uhr, in den Räumen der Selbsthilfe-Kontaktstelle Köln, Marsilstein 4-6, 50676 Köln, statt. Ein regelmäßiger Termin für weitere Treffen wird dann von den Teilnehmern gemeinsam bestimmt.

Interessierte melden sich bitte beim Organisator, Hrn. Kai Kreutzfeld per mail (info@hp-kreutzfeldt.de) oder telefonisch unter: 0221 – 971 37 356 bzw. 0178 – 411 34 84 an.

Umgang mit Selbstverletzendem Verhalten im stationären Rahmen

Selbstverletzendes Verhalten im stationären Rahmen kann manchmal ganz schön starke Irritationen auslösen. Ungemein wichtig ist daher, dass das Behandlungsteam und die Patientin / der Patient zu Beginn der Behandlung klare Absprachen getroffen haben, wie mit welchen Formen der Selbstverletzung umzugehen ist. Natürlich gibt es keine für jeden Patienten und jede Situation gültige Regelung, sondern man muss sich immer wieder neu und individuell einigen. Aber es gibt einige häufig angewendete Absprachen, die ich hier mal auflisten möchte, die vielleicht die Diskussion beleben können.

Zunächst einmal möchte ich aber auf ein Video verlinken, dass aus Sicht einer Betroffenen sehr nachvollziehbar beschreibt, was selbstverletzendes Verhalten eigentlich ist:

Und ein Video, das aus Sicht einer Betroffenen beschreibt, welche alternativen Skills für sie hilfreich sind:

Welche Absprachen könnten im Umgang mit Selbstverletzendem Verhalten im stationären Rahmen hilfreich sein? Die Klinik könnte folgende Elemente in einen Behandlungsvertrag mit der Patientin / dem Patienten aufnehmen:

  • Wir verstehen, dass SVV für Sie ein Verhalten ist, große innere Not zu lindern. Wir verurteilen Sie dafür nicht und bestrafen Sie dafür nicht.
  • SVV ist in der Regel kein Grund, auf eine geschlossene Station verlegt zu werden.
  • Ausnahme: Wenn die Selbstverletzung sehr gefährlich wird, also dauerhafte Schädigungen entstehen könnten oder das Leben in Gefahr ist, dann werden sichere Schutzmaßnahmen ergriffen. Eine dieser Schutzmaßnahmen wird in der Regel die Verlegung auf eine geschlossenen Station sein.
  • Eines der Ziele der Behandlung im Krankenhaus ist es, Alternativen zum Selbstverletzenden Verhalten zu erlernen und zu trainieren. Es gehört daher zu den Absprachen, dass Sie in Anspannungssituationen versuchen, Skills anzuwenden. Wenn Sie dauerhaft keine Versuche unternehmen, Skills anzuwenden, sondern immer wieder als einzige Methode der Spannungsreduktion selbstverletzendes Verhalten wählen, kann dies zu einer Therapiepause führen, da ein wesentliches Therapieziel dann nicht erreichbar ist.
  • Zum Schutz der anderen Patientinnen und Patienten vereinbaren wir mit Ihnen, dass Sie, wenn Sie sich schneiden, dies nicht vor den Augen anderer Patienten tun, diesen nicht die noch blutenden Schnitte zeigen und nicht andere Patientinnen um Hilfe bitten, wenn Sie sich geschnitten haben. Statt dessen suchen Sie bitte das Pflegepersonal auf, das darüber entscheidet, ob eine chirurgische Versorgung erforderlich ist. Ist dies nicht der Fall, verbinden Sie die Wunde bitte selber und bedecken Sie zumindest für zwei Stunden.
  • Nach selbstverletzendem Verhalten schreiben Sie bitte eine Verhaltensanalyse, am besten in Form einer Kettenanalyse, um in Zukunft versuchen zu können, in ähnlichen Entwicklungen früher einen anderen Ausweg zu finden.

Welche Absprachen haltet ihr für sinnvoll im Umgang mit selbstschädigendem Verhalten in der stationären Behandlung? Gibt es Musterbeispiele für Behandlungsverträge, die ihr gut findet? Ich freue mich über jeden Kommentar!

Leitsymptom Borderlinestörung

Leitsymptom der Borderline Persönlichkeitsstörung

Bei der Diagnostik der Borderline-Persönlichkeitsstörung sind eine Reihe von Symptomen zu beachten und in einen Gesamtkontext zu stellen. Ein Leitsymptom ist folgendes:

“Kennen Sie das, dass Sie plötzlich eine starke innere Anspannung verspüren, eine schwer zu beschreibende Mischung aus verschiedenen Gefühlen, die sehr unangenhem ist, und die Sie unbedingt beenden wollen, ohne genau zu wissen, wie?”

Oder abstrakt formuliert:

Ein Leitsymptom der Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine einschießende, starke Spannung, die als äußerst aversiv erlebt wird und keiner klaren, handlungsweisenden Emotion zugeordnet werden kann.

Menschen mit BPS kennen das in aller Regel und beantworten diese Frage mit “Ja.” Menschen ohne BPS fragen meistens so etwas wie: “Also wie meinen Sie das jetzt genau, also dass ich schon mal wütend war oder was?”

Das Wesen dieses borderlinespezifischen Affektes ist eben, dass er wie eine glühende, zusammengeschmolzene Mischung aus unterschiedlichen Gefühlen wie Angst, Wut, Schmerz, Trauer und eben nicht erkennbaren oder benennbaren Gefühlen besteht. Und dieses Gefühl ist sehr unangenehm.
Patienten mit Narben an den Unterarmen kann man dann noch fragen: “Hilft Schneiden, das Gefühl zu beenden?”
Patienten ohne Narben an den Unterarmen fragt man das besser nicht.