Der neue PsychCast zum Thema „Psyche und Ernährung“ ist online!

Pünktlich zum Weihnachtsfest haben wir uns das Thema „Psyche und Ernährung“ vorgeknöpft. Die Folge ist ideal geeignet, um sie mit weihnachtsgefülltem Baum zu hören und zu geniessen…

Im 36. PsychCast, den wir Euch zu Weihnachten servieren, besprechen wir zunächst Eure Fragen und Kommentare zum Thema Neuroleptika. Dann steigen wir in die Tiefen der psychoanalytisch-psychosomatischen Ebene von Ernährung hinab: Mutter-Imago, Nabelschnuren, Belohungssystem, Sättigung…

Schließlich sprechen wir auch über endokrinologische Aspekte, Weihnachtsbräuche mit Traditionsessen, Kaffee, Oralität, Essstörungen wie Anorexie und Bulimie, streifen die Adipositas und landen immer wieder bei Mutter Natur und ihrer spendablen Brust… Wie versuchen auch spontan, die Fragen von Euch Hörerinnen und Hörern auf Facebook und Twitter zu beantworten.

Außerdem: Macht essen glücklich? Warum ist es so schwer, das eigene Essverhalten zu ändern?

Die Folge findet ihr hier: http://psychcast.de/pc036-psyche-und-ernaehrung-oder-an-der-brust-von-mutter-natur/

Viel Spaß und guten Rutsch wünschen Eure Psychonauten Alexander und Jan!

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Herzlichen Glückwunsch zum ersten Geburtstag: PsychCast!

Am 5. März 2016 wird der PsychCast ein Jahr alt! Zum spontanen Geburtstags-Torten-mit-Sahne-essen durften wir eine Gästin begrüßen, die sympathischer nicht sein könnte: Dr. Nadja Hermann, bekannt als Fettlogik-überwinden-Bestseller-Autorin und Erzählmirnix-Comics-in-Microsoft-Paint-Zeichnerin. “Von Haus aus”, wie man so schön sagt, ist Nadja eigentlich Verhaltenstherapeutin in eigener Praxis. Im Netz findest Du Nadja hier: ERZÄHLMIRNIX und FETTLOGIK ÜBERWINDEN.

Die Geburtstags-PsychCast-Folge findest Du hier.

Der Zweck des Sports liegt im Sport, nicht im Abnehmen

Sport macht Spaß und ist gesund. Der menschliche Körper ist schlicht und ergreifend darauf angelegt, sich zu bewegen. Setzt man so einen Körper den ganzen Tag auf einen Stuhl, fehlt ihm was. Das ist dann keine artgerechte Haltung, das ist weder gesund noch schön.
Bewegung führt dazu, dass ich meinen Körper auf eine ganz andere Art spüre, als ohne Bewegung. Ich nehme ihn viel intensiver wahr und habe einen unmittelbareren Kontakt zu meinem Körper.

Zusätzlich passieren bei fast allen Sportarten eine Reihe von zusätzlichen Dingen. Ich selbst laufe am liebsten. Ich berichte daher über meine Wahrnehmungen beim Laufen.

Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Wenn ich laufe, durchlebe ich auf den unterschiedlichen Streckenabschnitten unterschiedliche Phasen.

  • Wenn ich plane, am nächsten Tag oder am Abend zu laufen, kann ich schon die Vorfreude genießen. Ich weiß dann, dass es nicht mehr lange dauert, bis ich die U-Bahnen, Arbeitstische und Bürostühle verlassen und frei durch die Gegend laufen darf. Das macht das unbewegte Leben sehr viel besser aushaltbar.
  • Laufe ich dann endlich los, fühle ich mich auf den ersten Kilometern, als ob ich über den Asphalt fliegen würde. Ich freue mich, frei zu sein, laufen zu dürfen und nichts anderes zu tun zu haben, als mir die Landschaft anzuschauen und immer wieder einen Schritt vor den anderen zu setzen.
  • Nach ein paar Kilometern berühren meine Füße dann auch gefühlt den Boden. Es geht nicht mehr ganz so leicht, dafür auf eine ganz besondere Art scheinbar automatisch. Wie eine gut geölte Maschine laufe ich weitere Kilometer. Meine Gedanken sind noch ganz frei, ich denke meist an nichts bestimmtes, höre Musik oder einen podcast, nur manchmal denke ich in Ruhe über etwas nach, was sonst in der Enge des Alltags nicht gut überlegt werden kann. Zumeist komme ich beim Laufen auf andere, weitreichendere Gedanken, als wenn ich irgendwo sitze.
  • Nach etwa 15 Kilometern fängt das Laufen an, mir mehr abzuverlangen. Ich beginne dann, an das Laufen selbst zu denken. Ich nehme viel stärker als zuvor wahr, wie kalt es ist, ob es regnet, wie heiß mein Körper ist, ob es irgendwo zwickt oder schmerzt. Wenn ich auf dem Laufband laufe, sehe ich mehr auf die Uhr, den Entfernungsmesser und laufe oft von einem Kilometer zum nächsten, von einer Minute zur nächsten. Zu dieser Zeit höre ich keine podcasts mehr, nur noch Musik, und zwar immer die gleichen paar Alben… (Gegenwärtig höre ich oft die Game of Thrones Filmmusik, funktioniert für mich sehr gut beim Langstreckenlauf…)
  • Wenn ich diese Phase einige Zeit durchhalte, kommt bei mir zuverlässig das „runners high“. Ich fange an zu lächeln, habe keine Schmerzen, beschleunige über etwa einen Kilometer, fühle mich absolut frei, glücklich und gut und könnte die ganze Welt umarmen. Das sind die gesündesten und billigsten Opioide, die man kriegen kann. Es geht nichts über so eine gute, selbst erarbeitete Endorphindusche.
  • Danach kann es wieder etwas härter werden, weiter zu laufen, aber im Training sind es dann meist nur noch wenige Kilometer, bis ich ohnehin an meinem Ziel bin.
  • Im Marathon kommen dann noch einige weitere Kilometer, in denen ich gegen den inneren Schweinehund kämpfen muss, als hinge mein ganzes weiteres Schicksal davon ab. Die letzten 8 Kilometer eines Marathons machen mich nicht glücklich, sie sind nicht angenehm, sie schmerzen, quälen und zermürben. Aber sie machen stolz.
  • Wenn ich schließlich das Ziel, das ich mir zuvor vorgenommen hatte, erreicht habe, auch wenn es nur 10 Kilometer waren, erlebe ich ein ganz unmittelbares Erfolgserlebnis; ich bin stolz, glücklich und immer angenehm entspannt.

Ein wunderbares Buch, indem der berühmte Autor Haruki Murakami über seine Erlebnisse beim Laufen berichtet, ist dieses hier: „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede.“ Ich kann es sehr empfehlen.

In unserer auf´s Körpergewicht fixierten Gesellschaft gibt es ja oft den irrigen Gedanken, Sport sei die notwendige Geißel, um das stets als zu hoch empfundene Körpergewicht zu reduzieren. Ende des Sinns, Zwecks und Nutzens des Sportes.

Das ist in zweierlei Hinsicht falsch.

  • Zum einen nimmt man nicht ab, wenn man mehr Sport macht. Man hat dann einfach mehr Hunger und isst mehr. Erst wenn man bei mehr Sport trotz mehr Hunger nicht mehr isst, nimmt man vorübergehend ab.
  • Zum zweiten hat man dann all das nicht auf der Rechnung, was Sport sonst noch bringt. Auch wenn man kein einziges Gramm abnimmt, ist es äußerst belohnend, regelmäßig Sport zu treiben.

In dem sehr sehenswerten TED-Talk: „Why dieting doesn´t usually work“ (ich darf den empfehlen, ich mache gerade eine Diät…), zeigt Neurobiologin Sandra Aamodt eine Studie, die belegt, dass Übergewichtige den gleichen Nutzen für ihre Gesundheit haben, wie Normalgewichtige, wenn sie

  • nicht Rauchen
  • sich regelmäßig bewegen
  • sich ausgewogen ernähren und
  • Alkohol nur maßvoll trinken

Der Nutzen der Einhaltung dieser einfachen Regeln tritt völlig unabhängig vom Gewicht ein, auch bei verbleibendem Übergewicht.

Mein Fazit:

Der Zweck des Sports liegt im Sport, nicht im Abnehmen.

Während einer Diät hat der Mensch Hunger

Über Diäten ist schon mehr als genug geschrieben worden. Mich fasziniert dennoch, warum sie so schwierig sind. Ich selbst frage mich regelmäßig, warum ich mich nicht einfach entscheiden kann, weniger zu essen und mehr zu verbrauchen. Aber das gelingt nur mit größter Mühe.

Es gibt ja die vereinfachende, mechanistische Vorstellung, man müsse einfach nur mehr verbrauchen, als man zu sich nimmt, und dann nimmt man ab. Wie praktisch alle mechanistischen Vorstellungen vom menschlichen Körper oder der Psyche greift auch diese Vorstellung zu kurz. Sie stimmt zwar, aber sie läßt Folgendes unberücksichtigt: Der menschliche Körper reduziert in Hungerszeiten – also in der Diät – den Grundumsatz. Diese Erkenntnis ist gemeinhin akzeptiert, sie wird nur leider in ihrer Auswirkung auf die Planung einer Diät nicht immer konsequent angewendet. Das bedeutet nämlich, dass man während einer Diät die Kalorienzufuhr sehr weit unter den bisherigen Verbrauch senken muss. Nämlich um die geschätzten 500 Kcal pro Tag, die der Körper einfach so den Grundumsatz kürzt plus die Kalorien, die ich jeden Tag abnehmen will. Und dass man nicht allzu oft Pausen machen darf. Tut man aber genau das, die Kalorienzufuhr sehr weit unter den Verbrauch senken, dann entsteht Hunger. Ich verstehe nicht, wieso das alle immer leugnen wollen. Der Körper wäre ja schön doof, wenn er in einer solchen Situation keinen Hunger signalisieren würde. Ich selbst halte von allen Ideen, man könne ohne Hunger abnehmen, einfach gar nichts. Ich würde meinem Körper auch misstrauen, wenn er sich von irgendeiner Quark-Protein-Diät-Trennkost-Masche so an der Nase herumführen ließe, dass er abnimmt, ohne Hunger zu zeigen. Der Mensch hat diese evolutiv sinnvolle Möglichkeit, Fett anzusammeln. Er hat auch die Möglichkeit, Hungersphasen mit dem Abbau von Fett zu überstehen. Aber er konzentriert sich in diesen Hungerphasen auf eine Sache: Essen finden und aufessen. Und er signalisiert: HUNGER!!! Er nimmt keinen Schaden am Fasten, aber er mag es gar nicht. Er zeigt es mir mit

  • Hunger
  • Schlafstörungen
  • Abgeschlagenheit
  • Dysphorie
  • Reizbarkeit und
  • einer ziemlichen Einengung des Denkens an Essen.

Wenn ich während einer Diät jogge, kann ich deutlich weniger schnell und weniger lange laufen, als wenn ich keine Diät mache. Der Körper läuft auf Sparflamme und das zeigt er auch unmissverständlich.

Hunger ist ebenso wie die anderen basalen menschlichen Gefühle wie Angst, Freude, Müdigkeit, etc. ein Gefühl, dass einen starken Handlungsimpuls auslöst. Wer Angst empfindet, hat einen starken Impuls, entweder die Flucht zu ergreifen oder anzugreifen. Wer müde ist, will schlafen. Und wer Hunger hat, will etwas essen, wenn es verfügbar ist. Aber anders als beim Schlafenden unterstellt man demjenigen, der während einer Diät ißt, Willensschwäche. Man kann dem Hungergefühl auch widerstehen, es ist aber nicht leicht, vor allem, wenn Essen in Reichweite und sichtbar ist.

Ich ärgere mich oft, wenn ich immer wieder von allen Seiten höre: “Du musst nur so oder so essen, dann nimmst Du ab, ohne Hunger zu haben.” Also Du vielleicht. Ich nicht.

Wie ergeht es Dir? Hast Du während einer Diät Hunger? Bist Du während einer Diät abgeschlagen, reizbar, reduziert belastbar? Oder bist Du so wie die jungen Damen in der Abnehm-Shake Werbung? Ab mit Euch ins Kommentar-Feld!

P.S.: Inzwischen habe ich im Buch „Fettlogik“ gelesen, dass der Körper erst so nach zwei bis drei Tagen seinen Grundumsatz reduziert, und das auch nur um 50-100 kcal, was ja eigentlich zu vernachlässigen wäre. Allerdings sehe ich in den Kommentare zu diesem Blogpost auch, dass diese Aussage nicht unumstritten ist. Wie seht ihr die Sache?