Opipramol (Insidon®): Ein stumpfes Schweizer Messer

Opipramol

Opipramol (Insidon®) belegt auf der Rangliste der am häufigsten verordneten Psychopharmaka den stolzen Platz 5 (Verordnungshäufigkeit siehe diesen blogpost). Es ist ein im stationären Bereich eher selten verordnetes Medikament, dass sich aber bei niedergelassenen Hausärzten, Internisten und auch bei niedergelassenen Psychiatern großer Beliebtheit erfreut. Opipramol hemmt weder die Wiederaufnahme von Serotonin noch die Wiederaufnahme von Noradrenalin. Mutmaßlich aufgrund der Hemmung von Sigma-1-Rezeptoren entwickelt es eine milde antidepressive und angstlösende Wirkung. Wahrscheinlich aufgrund der Histamin-Blockade wirkt es sedierend. Angewendet wird es für ein breites Indikationsgebiet, das von Depressionen über Angststörungen, Anspannungszustände, Schlafstörungen bis hin zu Zwangsstörungen reicht. Und vielen Patienten hilft es auch sehr gut und erweist sich gleichzeitig als gut verträglich. Dann ist es ein gutes Medikament für diesen Patienten.

Ich selbst verschreibe es praktisch nur dann, wenn es eine erfolgreiche Vorbehandlung mit Opipramol gibt. Ansonsten bevorzuge ich die Kombination aus einem modernen Antidepressivum mit einem niederpotenten Neuroleptikum. Das Antidepressivum wirkt stimmungsaufhellend und lindert Ängste, das niedrig dosierte niederpotente Neuroleptikum wirkt sedierend und ebenfalls angstlindernd (Neuroleptanxiolyse).

Insofern erscheint mir Opipramol wie ein Schweizer Messer oder wie ein Universalmesser, das aber in Konkurrenz steht zu mehreren schärferen spezialisierten Klingen für jeweils bestimmte Aufgaben.