Das IQWiG bescheinigt Cariprazin einen Zusatznutzen

Ich habe hier bereits über das neu in Deutschland zugelassene Antipsychotikum Cariprazin berichtet.

Den bisher vorliegenden Studien nach wirkt es vergleichbar gut gegen die Positivsymptomatik wie Risperidon oder Aripiprazol, ist diesen Substanzen aber überlegen in der Wirksamkeit gegen Negativsymptome.

Am 16.7.18 hat das IQWiG nun seine Nutzenbewertung von Cariprazin veröffentlicht, und darin einen nicht quantifizierbaren, aber erkennbaren Zusatznutzen in der Behandlung von Patienten mit Schizophrenie, die vorwiegend unter Negativsymptomen leiden, festgestellt (Bericht des IQWiG hier, Kommentar von Prof. Gründer hier). Dies ist die Grundlage für die Bewertung durch den GBA, die noch aussteht. Es ist aber zu hoffen, dass auch der GBA diesen in Studien ja nachgewiesenen Zusatznutzen anerkennt und entsprechend eine Vergütung vereinbart, die mit einem weiteren Vertrieb der Substanz in Deutschland vereinbar ist.

Es wäre ein gutes Zeichen für die Psychopharmakologie in Deutschland, dass innovative Substanzen, die ihren Vorteil in Studien nachweisen können, auch angemessen finanziert werden können.

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Das IQWiG hat die Vorträge seiner Herbsttagung zum Thema „Zukunft der Evidence based medicine“ online gestellt.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) spielt eine größere Rolle für unser Medizinsystem, als seine relative Unbekanntheit vermuten lassen würde. Seine aktuelle Herbsttagung war offenkundig sehr interessant, da sie sich mit den zukünftigen Herausforderungen der Evidence based medicine beschäftigt hat. Die Vorträge sind inzwischen hier online gestellt, so dass man sie nachhören kann. 
Ich fand den Vortrag des Chefs des britischen NICE Instituts, Prof. Haslam sehr interessant. Er problematisiert, dass fast alle randomisierten Studien und damit fast alle evidenzbasierten Empfehlungen sich auf Patienten beschränken, die genau eine Krankheit haben. In der Realität haben die Menschen aber mit zunehmendem Alter kaum noch nur eine akute oder chronische Krankheit, sondern zwei, vier oder acht akute oder chronische Krankheiten gleichzeitig. Im heutigen Versorgungssystem liegt die Behandlung dann in den Händen von ebensovielen Spezialisten gleichzeitig, die sich ihrerseits dann auch noch auf Empfehlungen stützen, die an Patienten erarbeitet worden sind, die in aller Regel jung sind und nur eine Krankheit haben.
Gegenwärtig gibt es im ambulanten Bereich wenigstens noch den Hausarzt, der sich darin auskennt, multimorbide Patienten zu behandeln. Im stationären Bereich gibt es diese Spezialisierung bei Geriatern, sie ist aber insgesamt viel zu wenig vertreten.
Damit die Evidence-based-medicine nicht den Anschluss an die Versorgungsrealität verpasst, muss sie sich diesen Herausforderungen stellen. Damit, wie Prof. Haslam sagt, auch in Zukunft sicher gestellt ist, dass eine empfohlene medizinische Maßnahme, etwa eine Medikation, auch wirklich mehr nützt als schadet. 
Hiervon unter anderem handeln die Vorträge der Herbsttagung. Schaut doch hier mal rein.