Nina Hagen macht verrückte Dinge

Hier das Video:

Die Fehlersuche ergibt:

  • Ein Paar tanzt ganz friedlich und geordnet nackt auf der Straße. Es gefährdet weder sich noch andere. Dennoch kommt es zwangsweise in die Psychiatrie. (Nein, man kann nur dann zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen werden, wenn eine bedeutende Eigen- oder Fremdgefährdung sowie eine schwere psychiatrische Erkrankung vorliegen. Anders sein ist kein Grund. Nackt sein auch nicht. Tanzen auch nicht.)
  • Ein Psychiater erklärt, er möchte die beiden gerne da behalten. (Nein, das macht der Psychiater nur bei der eben genannten konkreten Gefährdung in Verbindung mit einer schweren psychischen Erkrankung. Und dann muss es ein unabhängiger Richter entscheiden. Der Psychiater kann nur eine Unterbringung vorbereiten, bis nach spätestens 24 Stunden der Richter kommt und tatsächlich entscheidet)
  • Die beiden werden fixiert und zwangsmediziert. (Obwohl genau gar keine Gefahr von ihnen ausgeht. Fixierung und Zwangsmedikation sind nur dann angezeigt, wenn eine erhebliche Gefahr nicht anders abgewendet werden kann.)
  • Dies alles könne man durch die „Patverfü“ verhindern. In dieser steht, dass kein Psychiater einen untersuchen darf und schon gar keine Diagnose aus dem Kapitel F der ICD-10 stellen darf. Und so könne eine Zwangsbehandlung also vermieden werden. (Was natürlich nicht Teil einer Patientenverfügung sein kann. Es wäre auch schlimm, wenn ein kranker Mensch nicht von einem Arzt untersucht werden dürfte, und also nicht behandelt werden könnte. Das geht natürlich nicht.)

Diese Vorurteile und diese 70`er Jahre Ansichten sind es, die sehr viele Menschen immer noch daran hindern, eine psychiatrische Behandlung wahrzunehmen; auch Menschen, denen die Behandlung sehr helfen könnte. Und deshalb ist die Verunglimpfung der Psychiatrie nichts, was man stillschweigend hinnehmen kann; es schadet unseren Patienten und es schadet denen, die aufgrund eines solchen abschreckenden Bildes eine hilfreiche Behandlung nicht aufsuchen.