Wie heißen PiA´s eigentlich richtig?

Psychologen, die mal psychotherapeutisch tätig werden wollen, müssen eine 3-5 jährige theoretische Ausbildung und praktische Tätigkeit absolvieren, in denen sie landläufig PiP´ler oder PiA genannt werden. Aber wie heißt eigentlich der offizielle Titel in dieser Zeit?

Vor der Weiterbildung ist es einfach: Nach dem abgeschlossenen Hochschulstudium, vor der Weiterbildung heißen sie ganz einfach Diplom-Psychologen.

Nach Abschluss der Weiterbildung ist es auch klar. Da heißen sie Psychologischer Psychotherapeut.

Aber wie lautet nun die korrekte Bezeichnung während der Weiterbildung? Traditionell gibt es da einige unterschiedliche Bezeichnungen, als da wären:

  • PIP: Psychologe im Praktikum
  • PiA: Psychologe in Ausbildung
  • PPiA: Psychologischer Psychotherapeut in Ausbildung.
  • Diplom-Psychologe
  • Psychologischer Psychotherapeut in Ausbildung.

Und wahrscheinlich noch einige mehr.

In unserer Klinik haben wir nun mal herausfinden wollen, wie der Titel eigentlich richtig lautet, und wie wir ihn also unter die Arztbriefe schreiben sollen. Die Bundespsychotherapeutenkammer als offizielle Stelle der Oscar-Verleihung für den besten Titel hat nun auf unsere Anfrage hin einen Umschlag aus der Tasche gezogen und folgende Nominierung prämiert:

And the winner is:

“Psychologe in psychotherapeutischer Ausbildung“

Also, wenn ihr überlegt, wie PiA´s Briefe unterschreiben sollten, lautet das Ergebnis der Kammer:

Markus Müller

Diplom-Psychologe

Psychologe in psychotherapeutischer Ausbildung

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Einigung bei der Frage der PiA-Vergütung in Sicht

PsychologInnen in Ausbildung (PiA) müssen im Anschluss an ihr Hochschulstudium der Psychologie ein Praktikum über 1200 Stunden in einer psychiatrischen Klinik und über weitere 600 Stunden in einer psychotherapeutischen Praxis machen, um den Zusatztitel „Psychologischer Psychotherapeut“ zu bekommen, der die Voraussetzung zur Niederlassung in eigener Praxis ist. Dieses Pflicht-Praktikum war bislang entweder gar nicht oder viel zu niedrig bezahlt. In einigen ländlichen Regionen war es angemessen bezahlt. Verlassen konnte man sich aber auf gar nichts, da es keine gesetzliche Regelung und bislang auch keine Tarifregelung gab. PiA´s kamen in den Tarifverträgen einfach nicht vor.

Die Dreiviertelpsychologin hat PiA´s in ihrem letzten Beitrag daher schon Praktikanten in Ausbeutung genannt.

Erstmalig hat es in Baden-Württemberg nun eine Tarifeinigung mit den Uni-Kliniken gegeben, in der die PiA´s explizit berücksichtigt werden. Es wurde vereinbart, dass PiA´s „mehr als 1000 € verdienen“. Quelle: Pia-im Streik.de .

Das ist eine sehr gute Nachricht, denn durch diese Einigung zeichnet sich ab, dass es in Zukunft mal endlich Rechtssicherheit für beide Seiten geben könnte, und die unseligen Klagen vor dem Arbeitsgericht nicht mehr erforderlich sein würden.

Man kann nun hoffen, dass ab jetzt alle Kliniken „mehr als 1000 €“ pro Monat für eine volle Stelle (40 Stunden pro Woche) zahlen. Wenn man einen Einsatz über 600 Stunden in der Ambulanz vereinbart, können die PiA´s 1800 Stunden ab Stück im gleichen psychiatrischen Krankenhaus bleiben, mit Urlaub ist das knapp ein Jahr.

Ein Einsatz über so lange Zeit ist für beide Seiten ein Gewinn: Die PiA´s lernen wirklich viel, weil sie – natürlich unter Supervision – wirklich sinnvoll eingesetzt werden können. Und für die Kliniken entsteht ein kalkulierbarer Nutzen, der über den Verlauf eines Jahres 1000 € pro Monat wert ist.

In dem Krankenhaus, in dem ich arbeite, werden PiA´s bereits in diesem Sinne bezahlt und haben sich sehr bewährt. Sie sind wichtige Ansprechpartner für ihre Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung, einschließlich Aufnahmebrief, Psychotherapiegesprächen, Abstimmungsgesprächen mit Angehörigen, Betreuern und so und schließlich dem Verfassen des Entlassungsbriefes. Das alles geschieht natürlich unter engmaschiger Supervision eines erfahrenen Psychologen sowie in Zusammenarbeit mit dem Stationsarzt und dem Oberarzt. So ein Einsatz ist für alle sinnvoll: Für das Krankenhaus, für die PiA´s und für die von ihnen mitbetreuten Patienten.

Raider. Twix. Psychologen in Weiterbildung

Raider heißt jetzt Twix, müßte aber PIW heißen

Der Lebensweg des Psychologen sieht so aus, dass er zunächst einmal ein Hochschulstudium der Psychologie macht und dann mit einem Bachelor oder Master abschließt. Dann hat er ein abgeschlossenes Hochschulstudium und kann sich irgendwo einstellen lassen und sich Master nennen und auch so bezahlen lassen, wie sich Menschen mit abgeschlossenem Studium eben bezahlen lassen. Er kann auch sagen, dass er noch eine Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten machen will. Dann muss er eine umfangreiche theoretische und praktische Weiterbildung machen, ein 12 Monate langes Pflichtpraktikum in einer Psychiatrischen Klinik und ein 6 Monate langes Pflichtpraktikum in einer Psychologischen Praxis machen. Wie heißt er in dieser Zeit?

Raider-Phase: Früher hieß er in dieser Zeit PIP´ler, was Psychologe im Praktikum bedeutete. Das lehnte sich sicher an den früher benutzten Begriff Arzt im Praktikum an, der aber inzwischen abgeschafft ist.

Twix-Phase: Aktuell heißt er politisch korrekt PIA, was Psychologe in Ausbildung bedeutet. Ausbildung ist aber leider auch falsch, denn eine Ausbildung ist eine erste Berufsausbildung, während eine Weiterqualifikation nach abgeschlossener erster Ausbildung Weiterbildung heißt. Korrekt müssten PIA´s also

PIW-Phase: PIW´s heißen: Psychologe in Weiterbildung.

Lebenszyklus Arzt in Weiterbildung zum Facharzt PIA
Abgeschlossenes Hochschulstudium Ja Ja
Weiterbildung, um eine Anwartschaft auf eine Kassenzulassung zu haben Ja Ja
Approbation Ja Nein
Bezahlung tariflich mau bis mager

Nachdem das Landesarbeitsgericht Hamm ja unlängst entschieden hatte, dass es sittenwidrig ist, PIA’s kein Gehalt zu zahlen, hat es sich durchgesetzt, in städtischen Gegenden zwischen 0 und 1000 € und in ländlichen Gegenden zwischen 800 und 3000 € für PIP’ler brutto monatlich zu zahlen.

Merke: PIA´s sind in einem Ausbildungsabschnitt, der im wesentlichen der Weiterbildung eines Arztes zum Facharzt entspricht.

Psychotherapeuten in Ausbildung haben Recht auf Vergütung

Landesarbeitsgericht Hamm

Das Landesarbeitsgericht Hamm

Psychotherapeuten in Ausbildung (PIA) sind Psychologen, die ihren Hochschulabschluss in Psychologie in der Tasche haben und nun eine Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten machen. Diese Weiterbildung enthält neben theoretischer und praktischer Ausbildung zwei Pflichtpraktika über insgesamt 18 Monate in psychiatrischen Kliniken und psychotherapeutischen Praxen. Die Vergütung ist nicht tariflich geregelt. Es ist in den attraktiven Großstädten gängige Praxis, den PIAs wenig bis gar nichts zu bezahlen. Lediglich auf dem Lande wird oft eine Vergütung bezahlt, die bis zum regulären Gehalt eines Psychologen geht, weil die Stellen dort nicht anders zu besetzen sind.

Das Oberlandesgericht Hamm hat am 29.11.2012 für Recht erkannt, dass es sittenwidrig ist, PIAs unentgeltlich anzustellen. Im konkreten Fall wurde einer Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeutin zugesprochen, dass die Klinik ihr rückwirkend für ihren Einsatz 1000€ pro Monat zu zahlen hat. Die Klinik darf noch in Revision gehen.

LAG Hamm, Urteil vom 29.11.2012. Aktenzeichen: 11 Sa 74/12

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