Können Computerspiele ein Skill gegen Gedankenkreisen sein?

Ist die PlayStation ein guter Skill gegen Gedankenkreisen, Zwangsgedanken oder auch Dissoziationen?
Vielen Patienten helfen Handyspiele, eine Runde Zelda auf der Switch oder ein gutes Playstation Spiel, sich wieder zu erden und zurück in die Realität zu kommen. Warum also die PlayStation nicht in das Arsenal der Skill neben Sport, Eiswürfeln und Hörbüchern einreihen?

Das Video findet ihr hier.

Umgang mit Selbstverletzendem Verhalten im stationären Rahmen

Selbstverletzendes Verhalten im stationären Rahmen kann manchmal ganz schön starke Irritationen auslösen. Ungemein wichtig ist daher, dass das Behandlungsteam und die Patientin / der Patient zu Beginn der Behandlung klare Absprachen getroffen haben, wie mit welchen Formen der Selbstverletzung umzugehen ist. Natürlich gibt es keine für jeden Patienten und jede Situation gültige Regelung, sondern man muss sich immer wieder neu und individuell einigen. Aber es gibt einige häufig angewendete Absprachen, die ich hier mal auflisten möchte, die vielleicht die Diskussion beleben können.

Zunächst einmal möchte ich aber auf ein Video verlinken, dass aus Sicht einer Betroffenen sehr nachvollziehbar beschreibt, was selbstverletzendes Verhalten eigentlich ist:

Und ein Video, das aus Sicht einer Betroffenen beschreibt, welche alternativen Skills für sie hilfreich sind:

Welche Absprachen könnten im Umgang mit Selbstverletzendem Verhalten im stationären Rahmen hilfreich sein? Die Klinik könnte folgende Elemente in einen Behandlungsvertrag mit der Patientin / dem Patienten aufnehmen:

  • Wir verstehen, dass SVV für Sie ein Verhalten ist, große innere Not zu lindern. Wir verurteilen Sie dafür nicht und bestrafen Sie dafür nicht.
  • SVV ist in der Regel kein Grund, auf eine geschlossene Station verlegt zu werden.
  • Ausnahme: Wenn die Selbstverletzung sehr gefährlich wird, also dauerhafte Schädigungen entstehen könnten oder das Leben in Gefahr ist, dann werden sichere Schutzmaßnahmen ergriffen. Eine dieser Schutzmaßnahmen wird in der Regel die Verlegung auf eine geschlossenen Station sein.
  • Eines der Ziele der Behandlung im Krankenhaus ist es, Alternativen zum Selbstverletzenden Verhalten zu erlernen und zu trainieren. Es gehört daher zu den Absprachen, dass Sie in Anspannungssituationen versuchen, Skills anzuwenden. Wenn Sie dauerhaft keine Versuche unternehmen, Skills anzuwenden, sondern immer wieder als einzige Methode der Spannungsreduktion selbstverletzendes Verhalten wählen, kann dies zu einer Therapiepause führen, da ein wesentliches Therapieziel dann nicht erreichbar ist.
  • Zum Schutz der anderen Patientinnen und Patienten vereinbaren wir mit Ihnen, dass Sie, wenn Sie sich schneiden, dies nicht vor den Augen anderer Patienten tun, diesen nicht die noch blutenden Schnitte zeigen und nicht andere Patientinnen um Hilfe bitten, wenn Sie sich geschnitten haben. Statt dessen suchen Sie bitte das Pflegepersonal auf, das darüber entscheidet, ob eine chirurgische Versorgung erforderlich ist. Ist dies nicht der Fall, verbinden Sie die Wunde bitte selber und bedecken Sie zumindest für zwei Stunden.
  • Nach selbstverletzendem Verhalten schreiben Sie bitte eine Verhaltensanalyse, am besten in Form einer Kettenanalyse, um in Zukunft versuchen zu können, in ähnlichen Entwicklungen früher einen anderen Ausweg zu finden.

Welche Absprachen haltet ihr für sinnvoll im Umgang mit selbstschädigendem Verhalten in der stationären Behandlung? Gibt es Musterbeispiele für Behandlungsverträge, die ihr gut findet? Ich freue mich über jeden Kommentar!

Sport hilft gegen alles. Darüber vergißt man leicht, dass es oft wirklich hilft…

Sport hilft ja bekanntlich gegen alles. Arteriosklerose, Demenz, Diabetes, Depressionen; es gibt praktisch keine Volkskrankheit, gegen die Bewegung nicht einen wasserdicht nachgewiesenen prophylaktischen Effekt hat.

Und das stimmt auch, woraus wir als erstes mal für uns selbst folgern sollten, regelmäßig Sport zu treiben, dann können wir auch die Patienten hierzu motivieren. Nun sind die meisten nachgewiesenen positiven Wirkungen des Sports langfristige. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum kaum jemand genug Sport macht.

Aber es gibt zwei Fälle, in denen Sport sofort wirkt, und gerade in diesen Fällen sollten wir ihn im stationären Bereich öfter empfehlen:

  1. Bei akuter Anspannung. Manche Kliniken haben einen Boxsack, manche Kliniken haben einen immer zugänglichen Kraftraum, aber fast alle Kliniken haben irgendeine Möglichkeit, sofort Sport zu machen, zur Not auf einem Fahrradtrainer oder einfach durch joggen. Bei akuten Spannungszuständen raten die Behandler oft zu Entspannungsübungen, wahrscheinlich weil die Worte so gut zueinander passen. Tatsächlich können die meisten Menschen bei starker Anspannung nicht erfolgreich eine Entspannungsübung machen. Wenn ich auf 180 bin kann ich mich nicht mit „meine Füße sind warm und schwer“ beruhigen. Das geht in der Regel nur, wenn ich allenfalls eine Anspannung von vielleicht 5 von 10 habe. Bei mehr wird es oft scheitern. Bei sehr hoher Anspannung kann aber Sport, und zwar richtiger Sport, der einen ins Schwitzen bringt, über ausreichend lange Zeit, sehr wirksam helfen. Die meisten Gesunden kennen den Impuls, Laufen zu gehen oder sich auszupowern, wenn sie unter Dampf sind. Wir sollten das im Rahmen des Skills-Trainings öfter empfehlen. Aber keine Gymnastik, keine milde Bewegung, sondern richtig Sport mit einem Puls von mehr als 130 über mehr als 20 Minuten!
  2. Sport hilft wirksam gegen depressive Zustände, und das auch innerhalb weniger Wochen. Auch hier sollte es einen sehr ernst genommenen Platz in der Therapieempfehlung haben.