PEPP Optionsphase verlängert

Die DGPPN teilt in ihrem newsletter folgendes mit:

In die Debatte um das neue PAUSCHALIERENDE ENTGELTSYSTEM PSYCHIATRIE UND PSYCHOSOMATIK (PEPP) ist Bewegung gekommen: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat in der letzten Woche in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Gesundheitsausschusses angekündigt, die budgetneutrale Optionsphase bis 2017 zu verlängern. Bisher war vorgesehen, dass alle psychiatrischen psychosomatischen Kliniken PEPP ab 2015 verpflichtend einführen. Der massive Widerstand, den die DGPPN gemeinsam mit Fach-, Angehörigen- und Betroffenenverbänden seit Monaten übt, ist endlich in der Politik angekommen. Für die nächsten Wochen und Monate wird es aber wesentlich sein, die Organe der Selbstverwaltung und die verantwortlichen Politiker aus Gesundheitsausschuss und Bundesministerium für Gesundheit weiterhin davon zu überzeugen, das Kalkulationsverfahren zu modifizieren und eine sachgerechte Weiterentwicklung zu garantieren.

Das ist wirklich ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass die Verantwortlichen in der Politik sehen, dass es einen fundamentalen Verbesserungsbedarf gibt. Sonst müsste die Optionsphase nicht verlängert werden. Die degressive Bezahlung (die erste Behandlungswoche gibt viel Geld, jede weitere Woche schrittweise immer weniger), die nicht angemessen berücksichtigte Unterscheidung zwischen Kliniken mit Sektorversorgungsauftrag und solchen ohne Sektorversorgungsauftrag und viele weitere Punkte werden nun offenbar neu verhandelt.

Und es gibt auch einige optimistische Stimmen, die sagen: „Wenn das Projekt PEPP erst mal verschoben ist, dann kommt es in der geplanten Form überhaupt nicht mehr.“ Das wäre erfreulich. Eine angemessene Entlohnung stationärer psychiatrischer Behandlungen ist mit wesentlich weniger Bürokratie und mit Anreizsystemen, die für die Patienten hilfreicher sind, problemlos möglich.

Petition beim Deutschen Bundestag zur Verschiebung der Einführung des neuen Vergütungssystems in der Psychiatrie

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Für die Vergütung stationärer Leistungen in der Psychiatrie ist ab nächstem Jahr ein neues Vergütungsmodel geplant. Bis jetzt ist es so, dass jedes psychiatrische Krankenhaus für jeden Patienten einen bestimmten Tagessatz erhält. Dieser Tagessatz ist unabhängig von der Diagnose, der Schwere der Krankheit und der Dauer der Behandlung. Die Tagessätze unterscheiden sich je nach Krankenhaus, so ist es möglich, dass ein Krankenhaus, das die regionale Pflichtversorgung übernimmt, einen höheren Tagessatz erhält, als ein Psychiatrisches Krankenhaus, das sich auf geplante Aufnahmen spezialisiert.

Ab dem 1.1.2015 soll nun – nach einem Stufenplan mit zunehmender Verbindlichkeit schrittweise eingeführt – ein neues Vergütungssystem gelten, dass sich an die DRG´s der somatischen Medizin anlehnt. Nach diesem System erhält das Psychiatrische Krankenhaus eine Vergütung, die je nach Hauptdiagnose, Nebendiagnosen, Betreuungsaufwand und Behandlungsdauer für jeden Tag einer Behandlung unterschiedlich sein kann. Allen Diagnosegruppen gemeinsam ist allerdings, dass die erste Woche noch relativ viel Geld gibt, mit jeder weiteren Behandlungswoche allerdings der Tagessatz immer weiter reduziert wird.

Das neue System hat einige Vorteile. So gleicht es nicht begründete Unterschiede in den Tagessätzen unterschiedlicher Krankenhäuser aus. Auch kann man einen erhöhten Betreuungsaufwand durch eine erhöhte Vergütung abbilden.

Es ist aber an sehr vielen Stellen noch unausgereift und teilweise mit potentiell für die Patientenversorgung nachteilhaften Effekten versehen:

  • Die von Woche zu Woche niedrigeren Tagessätze vermitteln einen Anreiz zu noch kürzeren Behandlungszeiten, was angesichts einer durchschnittlichen Behandlungszeit von etwa 21 Tagen nicht mehr angemessen erscheint.
  • Die Vergütung hängt mehr von der Diagnose ab als von der Schwere der Erkrankung. Das mag in der somatischen Medizin meist im Durchschnitt angemessen sein (die operative Behandlung eines nicht durchgebrochenen entzündeten Blinddarms kostet immer etwa gleich viel). In der Psychiatrie sagt aber beispielsweise die sehr häufige Diagnose „Schizophrenie“ genau gar nichts über die Schwere der aktuellen Krankheitsepisode aus. Auch nichts über die sinnvolle Dauer der Behandlung.
  • Die Psychiatriepersonalverordnung (PsychPV) soll abgeschafft werden. Dadurch droht ein Abbau des Personals.
  • Das PEPP System berücksichtigt nicht die Kosten der regionalen Pflichtversorgung.

Es gibt nun eine Online-Petition beim Deutschen Bundestag, die Einführung des PEPP-Systems zumindest bis 2017 zu verschieben, um die aktuellen Probleme und möglichen Systemfehler zu korrigieren. Hier geht´s zur Petition:

https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2013/_10/_25/Petition_46537.html