Neues Video: Drei Typen von Psychiatern

Die Psychiaterinnen und Psychiater unterscheiden sich schon stark darin, wie gerne sie Psychopharmaka verordnen. Ich unterscheide drei Typen:

1) Psychiater:innen, die eigentlich nichts von Psychopharmaka halten.

2) Psychiater:innen, die am liebsten immer und jedem Psychopharmaka verordnen.

3) Psychiater:innen, die Psychopharmaka recht leidenschaftslos als Instrument wahrnehmen.

Zu welcher Gruppe gehörst Du / Deine Psychiater:in?

7 Gedanken zu “

  1. Thomas Z. 6. Juni 2021 / 12:24

    Ich bin irgendwas zwischen 1 und 3. Vor allem bei mittelgradigen Depressionen bin ich sehr zurückhaltend mit Medikamenten. Außer es bestehen zusätzlich starke Schlafstörungen. Da bin ich gerne dabei mit einem schlafregulierenden Mittel. Bei Schmerzsyndromen sind die Medikamente auch sehr hilfreich.
    Vielleicht ist es meiner Angst um den Patienten verursacht, aber wenn es um psychotische Symptome geht, bin ich vielleicht zu schnell mit einem Antipsychotikum.

  2. grmblfx 7. Juni 2021 / 09:24

    Bin zwar kein Psychiater, sondern FA Psychosomatik/Psychotherapie, aber würde mich auch zwischen 1 und 3 einordnen. Ich halte das Nutzen/Risiko-Verhältnis von Antidepressiva für fraglich, empfehle sie aber bei schweren und rez. Depression oder wenn der Pat. es wünscht. Auch bei schweren Zwängen verordne ich SSRI, bei Ängsten empfehle ich primär immer Psychotherapie. Wo ich großzügig bin, sind schlafanstoßende Medikamente, da anhaltende Schlafstörungen per se extrem belastend und ein Risikofaktor sind und man da gut und schnell helfen kann, was die Pat. oft entlastet.

  3. A_B__E__L 9. Juni 2021 / 17:25

    Ich bin in meiner jetztigen Therapieklitsche eigentlich ganz zufrieden. Mit der Diagnose ICD 10 F20.0 werden mir 15mg Aripiprazol empfohlen. Über eine Dosireduzierung auf 11,xx mg (ED95 laut Publikation von Alkomiet Hasan, Uni Augsburg) ist es möglich zu diskutieren. Ich mache das derzeit aber noch nicht. Ich werde mit Psychotherapie in Ruhe gelassen, nachdem ich vorher bei einem Psychoanalytiker in Behandlung war, der sich aber trotz seiner Ausrichtung keine Zeit für mich nahm und auch nur Medikamente verordnete&anpries. Die mir freilich derzeit zumindest am meisten helfen.

  4. PETE 12. Juni 2021 / 07:39

    Ehrlicherweise bewege ich mich aktuell von einem abgemilderten Typ 2 zu Typ 3.
    Da ich in einer Akutpsychiatrie arbeite & meine Oberärzte in einer abgemilderten Form dem Typ 2 entsprechen, bin ich oft unter starkem Rechtfertigungszwang.
    Mittlerweile kann ich mich jedoch immer mehr durchsetzen, sodass insbesondere leichtere erlebnisreaktiv-depressive Symptome im Rahmen einer Anpassungsstörung bspsws bei familiären Konflikten nicht mehr zwingend mit Psychopharmaka behandelt werden.

    Ein weiteres Themenfeld wäre die Frage nach der zwangsläufigen Diagnosevergabe bei psychiatrischem Kontakt (insb. auch konsiliarischem).
    Wenn ein Pat. aus ihrer Sicht keine psychische Erkrankung hat, wie gehen Sie liebe ärztliche KollegInnen damit organisatorisch um?
    Bei uns wird oftmals ein Z03.8
    „Beobachtung bei sonstigen Verdachtsfälle“ codiert.

  5. Klaus 13. Juni 2021 / 23:13

    Schwieriges Thema. Wieviel Zeit hat man als niedergelassener Psychiater pro Patient? Ich hörte mal etwa 7 Minuten.
    Wie lange wartet ein Patient auf Psychotherapie? 1 Jahr? 2 Jahre? Manche kriegen auch gar keine (F6x.x).
    Die Einsortierung in o.g. Gruppen hinkt auch bei Psychosen oder bipolaren Erkrankungen, da sollte man eher noch den Typus „Polypharmazie“ einführen.
    Und bei Depressionen o.ä. im stationären Bereich macht es einem der MDK schwer. Leichte und mittelschwere geraten schnell in Verdacht der primären oder auch sekundären Fehlbelegung, und wenn man dann nichtmal ein Antidepressivum verordnet hat, hat man – zumindest bei uns – bei MDK-Beurteilungen ganz schlechte Karten. Bei schweren Depressionen natürlich sowieso.

  6. Susanne_Meyer 17. Juni 2021 / 01:34

    Ich halte meinen niedergelassenen Psychiater für Typ 3.

    Ganz sicher bin ich mir aber nicht, er hält meinem Eindruck nach schon viel von Psychopharmaka, ist sich aber deren Nebenwirkungen und deren oft begrenzten Möglichkeiten durchaus sehr bewusst, meinem Eindruck nach.

  7. Nadja 17. Juni 2021 / 10:16

    Meinen Psychiater würde ich unter 1 mit einem Hauch von 3 einsortieren. Sprich – wenn alles andere nicht so ganz den kompletten Erfolg bringt/funktioniert, dann auch mal einen Versuch mit Medis… und wenn die in einem ungünstigen Wirkung-/Nebenwirkung Verhältnis stehen, dann halt auch wieder ohne. Für mich passt das ganz gut, weil ich bin aus langjähriger Erfahrung mit einigem experimentieren nicht so besondersüberzeugt von der Wirkung von Psychopharmaka bei mir – das muss halt jeder selbst herausfinden und soll nicht heißen, dass Medikamente nicht hilfreich/notwendig sein können. Eine Bekannten von mir verflucht den gleichen Psychiater dafür, dass er ihr nichts verschrieben hat, weil in ihren Augen Antidepressiva die Lösung sind/waren – hat sie halt dafür den Arzt wechseln müssen. Ich denke, dass muss halt immer auch ein Stück weit zwischen Arzt und Patient mit der Einstellung passen… mit einer 2 hätte ich persönlich Probleme.

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