PC043 „Die Zweierbeziehung. Oder: was ist denn ‘ne Paarkollusion?“ ist online

Im dreiundvierzigsten PsychCast sprechen wir über die Paarkollusion, wie sie der bestimmt weltbeste Paartherapeut Jürg Willi beschrieben hat. Wir verwenden dazu die typischen, altmodischen Rollenbilder, die Willi in seiner Erstausgabe 1975 noch verwendet hat… Was denkt Ihr, was sind typische Paarkollusionen (Formen des unbewussten Zusammenspiels zweier Menschen) in Partnerschaften heute, 2017?

Wir sprechen außerdem über die Arzt-Patient-Kollusion bei  Krankheiten ohne organisch greifbaren Befund.

Hier kann man sich das Buch näher ansehen, über das wir sprechen:

Dank unserer Hörerin S. noch der Hinweis: das Zitat “Der Mensch wird am Du zum Ich” ist nicht von Jürg Willi sondern von Martin Buber. Jürg Willi hat es im Jahr 2012 in einem Interview zu seinem Lieblingszitat erklärt – Link dahin folgt noch. Das wurde in der Sendung falsch rübergebracht und soll hiermit korrigiert werden.

 

Die Episode findet ihr hier: http://psychcast.de/pc043-die-zweierbeziehung-oder-was-ist-denn-ne-paarkollusion/

 

Ein frischer PsychCast ist draußen…

Und zwar gleich in mehreren Aspekten.

Zunächst einmal haben wir ein neues Logo:

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Zum zweiten ist eine neue Episode draußen:

PC042 Eifersucht. Zu viel, zu wenig, falsch rübergebracht. Eifersucht hat es heutzutage schwer…

Im 42. PsychCast reden wir über zuviel, zuwenig und falsch rübergebrachte Eifersucht. Großmeister Freud erweist sich als topmodern und wir schauen auf in der Jugend durchlittene Nächte zu düsterer Musik anlässlich des Verlustes unserer damaligen Flamme zurück.

Die aktuelle folge findet ihr hier.

Und zum dritten gibt es jetzt einen Weg, den PsychCast zu unterstützen:

Wer den PsychCast mit einem kleinen Obolus pro Monat unterstützen möchte, findet jetzt eine Plattform dafür: Schaut mal vorbei bei psychcast.steadyhq.com, dort könnt ihr uns mit einem Anteil an den Technikkosten helfen und Karma-Punkte sammeln!

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Neues Neuroleptikum Hariboridol zugelassen

Das BfArM hat nach Antrag von Forschern der Unversität Bonn mit Hariboridol seit langer Zeit einmal wieder ein neues Neuroleptikum zugelassen. Die Substanz hat einen innovativen Wirkmechanismus und gilt als gut verträglich.

Pharmakologie

Hariboridol wirkt agonistisch an Dopamin-Rezeptoren des limbischen Systems. In Studien an gesunden Studenten wurde es innerhalb von wenigen Minuten vollständig resorbiert. Die Substanz ist ausgesprochen lipophil und sucht sich ein großes Verteilungsvolumen.

Klinischer Einsatz

Hariboridol ist indiziert insbesondere bei depressiver Stimmungslage und Derealisationen, wie zum Beispiel dem Gefühl „alles hier erscheint mir wie im Kino“.

Unerwünschte Wirkungen

Nachdem unabhängige Studien zunächst recht deutliche Gewichtszunahmen unter Hariboridol zeigten, legt eine von der Herstellerfirma durchgeführte Studie jetzt nahe, dass das Gewicht unter Hariboridol durchschnittlich um 4,2 Kg sinkt. Eine Bestätigung dieser Studie steht allerdings noch aus.

Dosierung

Die empfohlene Tagesdosis beträgt 0-0-50-100 Gramm mit abendlichem Schwerpunkt.

Mein persönliches Fazit

Hariboridol hat eine gute und sichere stimmungsaufhellende Wirkung und führt zu keinerlei EKG-Veränderungen. Die Gerüchte über mögliche Gewichtszunahmen halte ich für Fake-News.

Hariboridol ist in unterschiedlichen Wirkstärken verfügbar.

Hariboridol ist in unterschiedlichen Wirkstärken verfügbar.

Mein letztes Gruppen-Psychotherapie-Seminar oder „Eine Geisterbahnfahrt durch die Klischees der Psychotherapie“

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Bild: Historischer Jahrmarkt Pützchen. © Axel Kirch / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Learning by doing klappt in der Psychotherapie meistens ganz gut. Wenn ich eine Psychotherapiemethode lernen will, ist es in aller Regel das Beste, mal ein Seminar zu belegen, in dem diese Technik angewendet wird. Insofern ist es eigentlich ganz gut, hin und wieder auf ein Seminar zu gehen, um was zu lernen. Allerdings gibt es im großen Wald der Psycho-Seminare ein mehr als buntes Angebot, und nicht alle sind gut. Ich hatte vor ein paar Wochen Pech. Ich habe mich in ein Coaching-Seminar eingebuchtet, über das ich von Freunden nur das Beste gehört hatte. Total intensiv sei das, bringe echt viel, sei super inspirierend. Ich also mal gebucht.

Auftakt

In der ersten Stunde wußte ich zunächst nicht, ob ich in einer amerikanischen Erleuchtungs-Show vom örtlichen Fernsehprediger oder in einer Psycho-Sache gelandet war. Im Raum fanden sich zwei „Trainer“, ungefähr vier vom „Management“, gut acht „Assistenten“, ungefähr zehn „Gäste“ und die schätzungsweise 100 zahlenden Teilnehmer.

Der Einzug der Trainer erfolgte unter frenetischem Beifall der zehn „Gäste“, die die Sache schon mal gemacht hatten und jetzt dabei waren, ohne sich beteiligen zu dürfen, die aber bestimmte choreografische Aufgaben zu erfüllen hatten; insbesondere hatten sie Jubel und Begeisterung zu verströmen. Ich hab wie alle anderen mal verhalten mitgeklatscht, hätte mich aber auch nicht beschwert, wenn ich zuerst gesehen hätte, was denn hier zu beklatschen ist.

Einheizen

In den folgenden Stunden am Freitag zwischen 17:00 und 23:50 wurde uns erklärt, dass wir alle eine schlimme Erfahrung in der Kindheit gemacht hätten, aus der wir uns ein falsches Selbstbild mit Vorwürfen gegen uns und andere gemacht hätten. Der erste Teilnehmer erzählte seine Geschichte. Die „Trainer“ fragten mit „Ja/Nein“-Fragen einige Minuten nach, dann war klar, was bei diesem Teilnehmer falsch lief. Der Abend endete mit einer halbstündigen Diskussion, ob man seine Wasserflaschen mit an seinen Platz nehmen dürfe. Die Trainer luden uns ein, dies nicht zu tun. Großer Protest bei einigen Teilnehmern. Wurde von den Trainern analysiert: „Kennst Du das, dass Du so voll in den Widerstand gehst? Ja, und wer zahlt den Preis? Du!

Wir sollten über Nacht schon mal überlegen, was uns in der Kindheit aus der Bahn gebracht hatte, würden wir noch brauchen.

Samstag morgen

Am nächsten Tag durften einzelne aufstehen, bekamen ein Mikro, erzählten ihre Geschichte und die Trainer teilten sie in kurzen Gesprächen auf Teufel-komm-raus in eine von sieben Kategorien ein: „Ich bin nicht liebenswert„, „Ich kann nichts„, „Ich bin anders als die anderen„, so Sachen.

Man merkte schon, dass unter den Teilnehmern Persönlichkeitsstrukturen in allen Varianten, Farben und Ausprägungen vertreten waren. Auch merkte man, dass nicht alle gleich stabil waren.

Nach der Mittagspause würden wir dann die falschen Vorwürfe von uns werfen und dann stünde einem „Leben in Fülle, Liebe und Ekstase“ nichts mehr im Wege. Also für Ekstase am Samstag Nachmittag bin ich eigentlich immer zu haben.

Zum Mittagessen gab es schon mal Salat in Fülle, ich wußte bislang gar nicht, was man aus Kürbis alles machen kann.

Der Nachmittag…

Danach wurden wir „eingeladen„, eine Meditation zu machen. Es fing ganz normal an mit Zimmerspringbrunnenmusik, atmen, in die Zehen reinfühlen, ich war ganz entspannt. Und dann, ohne weitere Vorwarnung, wechselte die Musik auf eine finstere Orgelmusik in Moll und wir sollten uns vorstellen, wir seien wieder Kind und sollten mal die Kellertreppe hinuntergehen. Was war noch mal diese schlimme Kindheitserinnerung, die uns so tief getroffen hatte, dass unser ganzes Leben sich daraus schlecht entwickelt hatte? Die ersten Teilnehmer fingen an zu weinen. „Bitte jetzt ganz bildhaft vorstellen!“ Eine Teilnehmerin schrie an dieser Stelle über eine Minute lang so laut, dass drei Assistenten sie rausbringen mussten. Die anderen sollten aber ganz entspannt weitermachen. Ach ja, jetzt sollte man das alles hinter sich im Keller lassen und befreit rauskommen. Füße kreisen, aufwachen. Das war dann auch der Moment, in dem ich aufgestanden bin, mein Namensschild abgegeben habe und das Seminar endgültig verlassen habe.

Was in dieser Gruppen-Chause unter anderem ganz falsch gelaufen ist

  • Erfreulicherweise funktionieren nicht alle Menschen nach dem gleichen Schema. Es gibt unzweifelhaft Menschen, auf die das Schema: „Traumatische Kindheitserinnerung – dysfunktionales Selbstbild – dysfunktionale Beziehungen heute – reduzierte Lebensfreude“ zutrifft. Und die können möglicherweise nach angemessener Vorbereitung die dysfunktionalen Fehlannahmen über Bord werfen und dann wieder glücklicher werden. Aber das gilt halt nicht für jeden.
  • Erlebnis-aktivierende Übungen, wie meinem Gegenüber 5 Minuten unverwandt in die Augen zu gucken (gleich zum Warmwerden am ersten Tag), schwierige Konflikte zu erzählen (erster und zweiter Tag), kann man machen, muss aber wissen, dass das für manche auch zu viel sein kann. Daher muss man es dosieren. Das geht aber nicht, wenn man mit 100 Leuten zu tun hat, die man kaum kennt.
  • Unvorbereitet in einer auch mir harmlos erscheinenden Meditation dann plötzlich das große „Jetzt konfrontiere Dich mit dem Schlimmsten, was dir je passiert ist, wirf dann alles über Bord und sei erlöst“ durchziehen zu wollen, liegt auf der Grenze zwischen fahrlässig und bösartig. Kein Wunder, dass das einige völlig überfordert hat, und den anderen wahrscheinlich kaum geholfen hat.
  • Ach und der ganze Rest…

Meine Beurteilung

Insgesamt habe ich mich wie auf einer Geisterbahn der Psychotherapie gefühlt. 100 Leute (die jeweils 600 € gezahlt hatten, macht also schon mal 60.000 €), wurden in eine Gondel gesetzt und an klassischen Therapieelementen vorbeigefahren, ob das jetzt auch nur im geringsten passte oder nicht. Die wirkstärksten Elemente wurden besonders falsch und alle ohne angemessene Vorbereitung oder passendes Ziel eingesetzt. Hauptsache „intensiv„. Fahrtrichtung: Einmal durchs dunkle Tal, alles von sich werfen, dann für immer frei und Ekstase.

Dieses Gruppen-Seminar war eine Geisterbahn-Fahrt. Es gibt auch gute Seminare; dies war schlecht. Aber wenn Du meine Meinung hören willst: Buch im Zweifel kein Großgruppen-Seminar. Es ist zu wahrscheinlich, dass das eine Geisterbahnfahrt wird. Buch dir lieber mit dem gleichen Geld sechs Stunden Einzel-Coaching. Dann fährst du praktisch mit dem Taxi, ganz individuell, von da, wo du stehst, dahin, wo du hinwillst.

Ich hatte von Samstag Abend bis Sonntag dann ja frei. So bin ich einfach in die Hotel-Sauna gegangen. Das war mit Sicherheit wesentlich besser und gesünder für meine Psyche…

Blick in die Zukunft: So könnte die neue ICD-11 aussehen

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Wer schon mal einen Blick in die gegenwärtigen Planungen zur neuen ICD-11 nehmen möchte, der kann das unter folgendem link tun:

http://apps.who.int/classifications/icd11/browse/l-m/en

Dort hat die WHO eine Vorschau auf den aktuellen Stand der Überlegungen veröffentlicht. Es gibt eine Reihe von Änderungen, im Bildschirmfoto habe ich beispielsweise mal das neue Krankheitsbild „Avoidant-restrictive food intake disorder“ aufgenommen. Es gibt neben dieser aus meiner Sicht zwar etwas skurril anmutenden, aber letztlich wohl berechtigten Neuaufnahme in den Krankheitenkatalog auch einige sehr kontroverse Planungen. So wird am lautesten in den USA diskutiert, ob in der ICD-11 die Einschlusskriterien für die bipolare Erkrankung, Depressionen oder bestimmte Verhaltensauffälligkeiten in der Kindheit so weit gefasst werden, dass eigentlich nicht behandlungsbedürftige Menschen nun eine Indikation für Medikamente mit einem zweifelhaften Nutzen erfüllen würden. Und das ist in meinen Augen eine wirkliche, reale Gefahr, der man entschieden entgegentreten muss. Ein äußerst vernünftiges und sehr lesenswertes Buch genau zu dieser Thematik hat einer der Väter des amerikanischen Diagnosesystems DSM, Allen Francis, geschrieben: „NORMAL: Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen„.

Wenn ihr euch ein eigenes Bild von den aktuellen Planungen für die ICD-11 machen wollt: Guckt in die Dokumentation der WHO mal rein und berichtet hier auf den Kommentaren, wie ihr über die Neuerungen denkt!

Was bringen die neuen Psychotherapie-Richtlinien 2017? Der neue PsychCast PC041 erklärt sie…

In der 41. Folge kämpfen wir uns für Euch durch die neue Psychotherapie-Richtlinie, die ab 01. April 2017 gelten wird. Wenn Ihr keine Lust habt, Euch selber durchzuwühlen, hört einfach mal rein – wir haben zumindest die großen Eckdaten für Euch. Und wenn Ihr Euch einfach so dafür interessiert, sowieso! …
Hier findest Du sie: http://psychcast.de/pc041-psychotherapie-richtlinie-2017-special-interest/.

PC040 Die Erde ist keine Scheibe ist veröffentlicht!

Im 40. PsychCast sprechen wir – inspiriert auch durch die Tweets unserer Schattenredaktion – über die zunehmende Komplexität der Welt und wie man dieser mithilfe von zwei Marshmallows und drei Joghurts entflieht.

Besondere Grüße richten wir an Peter Teuschel für die Einrichtung unseres neuen Gemeinschafts-Blogs www.die-erde-ist-keine-scheibe.deHier entlang zum Artikel von Alexander.

Das Audio zum Podcast findet ihr hier.

Aktualisierung meines Kurzleitfadens zu den Rechtsgrundlagen stationärer psychiatrischer Behandlungen

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Das PsychKG in NRW ist bekanntlich am 1.1.2017 geändert worden. Ich hatte in mehreren Blogposts auf die Änderungen hingewiesen. Auch habe ich in diesem Blog einmal einen Auszug aus unserem klinikinternen Einarbeitungsbuch geteilt, der die verschiedenen Rechtsgrundlagen stationärer Behandlungen (Freiwilligkeit, BtG, PsychKG, Rechtfertigender Notstand) und die jeweils möglichen Maßnahmen (Unterbringung, Fixierung, Zwangsmedikation) sowie deren rechtlichen Rahmenbedingungen genau beschreibt. Ich habe dieses Kapitel nun aktualisiert und stelle es hier wieder gerne zur Verfügung. Wer es für Schulungszwecke oder ähnliches verwenden möchte, darf dies gerne tun. Wenn Ihnen ein Fehler auffällt, schreiben Sie mir bitte, damit ich die Sache prüfen kann und gegebenenfalls korrigieren kann. Das PDF können Sie kostenlos hier laden:

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Die-Erde-ist-keine-Scheibe.de

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In den vergangenen Jahrhunderten wurde ja viel Aufhebens darum gemacht, was nun wirklich wahr ist und was Aberglaube. Scheibe, Kugel, Mittelpunkt des Universums: Was es mit der Wahrheit über die Erde auf sich hat, wurde irgendwie so ernst genommen. Das ist jetzt im Zeitalter des Postfaktischen zunehmend in den Hintergrund geraten. Wichtiger sind die Fragen: Welche Emotion kann ich mit einer Aussage hervorrufen? Was bringt mir das für meine persönliche PR? Und ist es meinen Zwecken dienlich?

Und jetzt mehren sich doch tatsächlich die Stimmen, die sagen, es sei eben doch wichtig, ob etwas wahr oder falsch ist. Amerikanische Wissenschaftler, die bislang eher dafür bekannt waren, würfelförmige Melonen gezüchtet zu haben, wollen jetzt auf die Straße gehen und dafür demonstrieren, die Grundprinzipien der Erkenntnistheorie zu ehren.

Peter Teuschel, den viele Leser hier von seinem Blog Schräglage kennen, hat sich jetzt vorgenommen, eben solchen Stimmen eine deutschsprachige Plattform zu geben und insbesondere aus dem medizinischen Bereich Artikel verschiedener Autoren zusammenzuführen, die sich dem verpflichtet führen, was Natalie Grahms neulich #IntellektuelleRedlichkeit nannte. Um dem ganzen #mirsindfaktennichtsowichtig einen ordentlichen Kontrapunkt zu setzen.

Schaut mal unter www.die-erde-ist-keine-scheibe.de nach, was sich so zu sammeln beginnt. Folgt der Seite auf Twitter (@erdblog), Facebook oder aboniert den feed unter http://www.die-erde-ist-keine-scheibe.de/feed.

Mir wäre eine Welt, in der die Prinzipien der Erkenntnistheorie und der Gewaltenteilung flächendeckend respektiert werden würden, noch mal noch lieber als die aktuelle RealDonaldDuck-Welt.

PC039 Natalie Grams Homöopathie neu gedacht ist online

Was bleibt eigentlich von der Homöopathie übrig, wenn man die Globuli weglässt?

Ja gut, wir Schulmediziner haben es schon immer gewusst:

– In den homöopathischen Globuli ist kein Wirkstoff, alles viel zu verdünnt, da ist gar nichts mehr drin.
– Homöopathika sind teuer verbrämte Placebos.
– Homöopathen sind Quacksalber, die wirksamen Therapien im Weg stehen.
– Homöopathen schlagen aus der irrationalen Angst ihrer Patienten vor richtigen Medikamenten Profit.

So weit, so einfach. Aber warum sind die Patienten dann eigentlich so verrückt nach Homöopathie? Warum vertrauen viele sehr viel mehr auf ihren Homöopathen als auf ihren Allgemeinarzt, Psychiater oder Psychotherapeuten?
Im aktuellen PsychCast unterhalte ich mich mit der Ärztin Dr. Natalie Grams, die bis vor kurzem in Heidelberg eine sehr erfolgreiche eigene Praxis für Homöopathie betrieben hat. Doch mit den Jahren ging ihr die Frage, welches Wirkprinzip nun wirklich hinter der Homöopathie steht, nicht mehr aus dem Kopf. Um der eigenen „intellektuelle Redlichkeit“ willen machte sie sich daran, dem Wesen der Homöopathie auf den Grund zu gehen.

In unserem Gespräch beschreibt Natalie Grams, wie eine homöopathische Anamnese abläuft, wie das passend scheinende Präparat ausgesucht wird und wie der Ablauf der homöopathsichen Behandlung aussieht. Dabei geht es nicht darum, Werbung für eine unwissenschaftliche Methode zu machen. Aber es ist doch interessant, zu verfolgen, welche psychologischen Wirkfaktoren vielleicht dazu beitragen könnten, dass so viele Patienten sich so gut aufgehoben fühlen bei einem Homöopathen und letztlich auch häufig über Verbesserungen berichten. Auch sprechen wir über die Gefahren der Homöopathie, insbesondere die Gefahr, wirksame Methoden nicht anzuwenden und eine falsche Heilserwartung an den Homöopathen aufzubauen.

Natalie Grams hat ihren Weg von der überzeugten Homöopathin zur kritischen Zweiflerin in ihrem sehr lesenswerten Buch “Homöopathie neu gedacht” beschrieben. Wer sich für das Thema Homöopathie interessiert oder wer mitverfolgen will, wie Natalie Grams ihr eigenes Paradigma verändert, sollte es unbedingt lesen.

Ihr könnt das Gespräch entweder wie üblich beim PsychCast als Audio-Datei anhören, oder einen Mitschnitt des Skype-Telefonats hier als Video sehen. Viel Spaß dabei!