Mein post heute morgen war falsch…

Heute morgen habe ich einen post zu ungünstigen Interaktionen geschrieben. Ich hatte als Beispiel gewählt, dass Propafenon ebenso wie Citalopram die QTc-Zeit verlängert und die Kombination daher kontraindiziert sei. Nun hat mich Peter dankenswerterweise darauf hingewiesen, dass gerade Propafenon die QTc-Zeit typischerweise eben gerade nicht verlängert. Ich habe das nun noch einmal gründlich recherchiert, und die weit überwiegende Anzahl der Quellen ist sich einig: Propafenon verlängert die QTc-Zeit normalerweise nicht bis kaum. In Einzelfällen kann das natürlich so sein, aber häufig ist es nicht. Ich habe mich also geirrt.

Ich habe den Post daher nun geändert und Amiodaron statt Propafenon in meinem Beispiel gewählt. Das verursacht an sich zwar selten Rhythmusstörungen, ist aber ein verlässlicher Kandidat, die QTc-Zeit zu verlängern.

Danke Peter für den Hinweis!

Was ist hier falsch?

Aktuelle Medikation

  • Amiodaron
  • Citalopram 20-0-0-0 mg

Was ist hier falsch?

Amiodaron ist ein Antiarrhythmikum. Es kann eine deutliche Verlängerung der QTc-Zeit verursachen. Auch Citalopram kann die QTc-Zeit verlängern. Die Kombination beider Substanzen ist daher kritisch, da die Wahrscheinlichkeit einer deutlichen QTc-Zeit Verlängerung mit der Gefahr einer lebensbedrohlichen Torsade-de-point-Tachycardie erhöht ist.

Welche Alternative besteht?

In diesem Fall könnte man Amiodaron beibehalten, aber Citalopram auf beispielsweise Sertralin umstellen. Sertralin ist nicht dafür bekannt, die QTc-Zeit zu verlängern. Natürlich soll man zusätzlich in regelmäßigen Abständen ein EKG durchführen und die Elektrolyte bestimmen, da auch Hypokaliämien Rhythmusstörungen begünstigen können.

Welches Benzodiazepin gibt man im Delir am besten?

Im Alkoholentzugsdelir gibt man in der Regel ein Benzodiazepin (oder Clomethiazol) und ein Neuroleptikum. Auch bei anderen Delirursachen ist die Gabe eines Benzodiazepins oft hilfreich.

Allerdings sind nicht alle Benzodiazepine gleich geschaffen.

Gerade das früher sehr häufig eingesetzte Diazepam ist im Delir aus drei Gründen nicht die beste Wahl:

1.) Diazepam hat eine relevante anticholinerge Wirkung. Anticholinerge Wirkungen verstärken in aller Regel die delirante Symptomatik. Im Delirmanagement ist neben dem Grundsatz, die Ursache zu beheben, wahrscheinlich der zweitwichtigste Grundsatz, die Gesamtlast der anticholinergen Wirkung der verwendeten Medikamente zu reduzieren. Hier ist Diazepam ein Kandidat auf eine Umstellung auf ein anderes Benzodiazepin mit geringerer anticholinerger Komponente.

2.) Diazepam ist aufgrund seiner langen Halbwertszeit schlecht steuerbar.

3.) Diazepam wird über die Leber eliminiert, was bei Leberfunktionsstörungen zu einer noch einmal verzögerten Elimination führen kann.

Welches Benzodiazepin ist besser geeignet?

Lorazepam (z.B. Tavor®) ist besser steuerbar, wird kaum über die Leber abgebaut und ist daher problemlos auch für leberkranke Patienten eliminierbar und hat kaum anticholinerge Nebenwirkungen. Daher ist Lorazepam im Delir besser geeignet als Diazepam. Auch Clonazepam (z.B. Rivotril®) ist gut geeignet.

 

P.S.: Mit bestem Dank an die Pharmakologin Fr. Prof. Martina Hahn, in deren Workshop ich das gelernt habe. Merke: Klinische Pharmakologen gehören zu einer qualitätsgesicherten Pharmakotherapie im Krankenhaus einfach dazu…

„Psychotraumatologie“ von Dr. Thorsten Heedt

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Ich bin ein bekennender Freund der „griffbereit“-Reihe des Schattauer-Verlages. Die „griffbereit“-Bücher stellen den klinisch relevanten Teil eines medizinischen Wissensgebietes so dar, dass man ihn praktisch wirklich anwenden kann. Die Bücher sind kompakt, so dass sie nicht nur theoretisch, sondern wirklich in die Kitteltasche passen und die Erklärungen sind jeweils gut verständlich.

In dieser Reihe ist nun das Buch „Psychotraumatologie: Traumafolgestörungen und ihre Behandlungen“ von Dr. Thorsten Heedt erschienen. Gerade dem Thema Psychotraumatologie tut der Ansatz gut, das Gebiet aus der Sicht des Praktikers darzustellen und konkrete Handlungsempfehlungen zu geben. Dabei ist das Buch von Dr. Heedt theoretisch sehr gut fundiert und stellt am Ende des Kapitels jeweils ausführliche Quellenangaben zur Vertiefung der dargestellten Inhalte zur Verfügung.

Das Buch schafft es hervorragend, den ja wirklich komplexen Stoff des Bereiches Psychotraumatologie mithilfe klarer Sprache und anschaulicher Bilder („Dissoziation ist gewissermaßen die krankhafte Variante des Tagträumens…„) sehr eindrucksvoll zu vermitteln. Ich kann es jedem Interessierten wirklich sehr empfehlen.

Das Buch findet ihr bei Amazon hier.

PC045: Eure TOP10 Fragen zum Thema Sex ist draußen

Im 45. PsychCast sprechen wir über Eure TOP10 Fragen zum Thema Sex.

Wenn euer Podplayer chapter-marks unterstützt (Overcast macht das zum Beispiel), dann habt ihr mit dieser Folge Stoff dafür!

Hier ist der Welt-Artikel über Stealthing. Zum Bestseller “Die Psychologie sexueller Leidenschaft” vom Sexualpsycholgen David Schnarch geht es hier.

Aufgenommen mit Zencastr. Cooles tool!

Gefällt Euch diese Folge? Wir bitten Euch sehr um eine Rezension bei iTunes. An dieser Stellen einen herzlichen Dank unseren PsychCast-FREUNDEN!

Die Folge findet ihr hier: http://psychcast.de/pc045-eure-top10-fragen-zum-thema-sex/

Valbenazin: Wirksam gegen Spätdyskinesien

Wie das Deutsche Ärzteblatt hier berichtet, hat die FDA mit Valbenazin erstmalig ein Medikament zugelassen, dass gegen tardive Dyskinesien wirksam sein soll. Unter tardiven Dyskinesien versteht man eine seltene, aber sehr beeinträchtigende Nebenwirkung, die vor allem klassische Neuroleptika wie Haloperidol verursachen können. Nach jahrelanger Medikation vor allem hochdosierter hochpotenter klassischer Neuroleptika entwickeln einige Patienten unwillkürliche Bewegungen vor allem im Gesichtsbereich, zum Beispiel Zuckungen, Schmatz- und Kaubewegungen. Wer so etwas noch nicht selbst bei einem Patienten beobachtet hat, kann hier ein Video auf Youtube finden, das einen ausgeprägten Fall von tardiver Dyskinesie dokumentiert. Das tückische an Spätdyskinesien ist, dass sie oft dauerhaft bestehen bleiben, auch wenn man das verursachende Medikament längst abgesetzt hat.

Pharmakologie

Man weiß schon lange, dass ein dopaminantagonistisches Neuroleptikum wie Haloperidol die Symptomatik reduzieren kann, aber bislang hat sich wohl niemand wirklich wohl damit gefühlt, genau das Medikament zur Therapie der Spätdyskinesie einzusetzen, dass sie ursächlich auslöst.

Valbenazin hemmt die Funktion des VMAT2 (Vesicular monoamine transporter 2), der in den Zellen Monoamine wie Dopamin vom Zytosol an die präsynaptischen Vesikel transportiert und reduziert somit die Verfügbarkeit von Dopamin im synaptischen Spalt. Kritisch betrachtet hat es also im Ergebnis einen vergleichbaren Wirkmechanismus wie Neuroleptika. Es ist zu hoffen, dass es selbst keine Spätdyskinesien auslöst.

Klinische Wirkung

Die Wirkung von Valbenazin wurde in der Zulassungsstudie Kinect 3 (Abstract hier) untersucht. Es wurden 234 von Spätdyskinesien betroffene Patienten über 6 Wochen in einer randomisierten, doppelblinden Studie untersucht. Es gab drei Gruppen: Placebo, Valbenazin 40 mg / Tag oder Valbenazin 80 mg pro Tag. Die Gruppe, die mit 80 mg Valbenazin behandelt wurde, habe eine signifikante und klinisch relevante Abnahme der unwillkürlichen Bewegungen gegenüber der Placebogruppe erlebt. Daher hat die FDA das Medikament nun in den USA zugelassen.

Unerwünschte Wirkungen

Unter Valbenazin trete bei mehr als 5 Prozent der Patienten Schläfrigkeit auf. QTc-Zeit Verlängerungen sind möglich. Daher dürfen die Patienten zu Beginn der Behandlung keine Fahrzeuge führen oder gefährliche Maschinen bedienen.

Dosierung

  • In der ersten Woche 40 mg pro Tag
  • Ab der zweiten Woche 80 mg pro Tag
  • Patienten mit Leberfunktionsstörungen: 40 mg pro Tag

Verfügbarkeit

Valbenazin ist in den USA seit April 2017 unter dem Handelsnamen INGREZZA® verfügbar (Pressemitteilung der Herstellerfirma Neurocrine Biociences hier). Informationen für Patieten und Ärzte finden sich auf der Webseite www.ingrezza.com.

In Deutschland ist es noch nicht zugelassen und noch nicht verfügbar. Es müsste aber eigentlich im Einzelfall über die internationale Apotheke bestellbar sein.

Mein Fazit

Es wäre sehr erfreulich, wenn Valbenazin in der Praxis die Wirksamkeit zeigt, die die Zulassungsstudie vermuten lässt. Wenn einer der Leser dieses Blogs Erfahrungen mit dem Medikament gemacht hat, etwa nach Bestellung über eine internationale Apotheke, wäre ich sehr dankbar, wenn er hier in den Kommentaren darüber berichtet.

„Psychofarmakoterapie“ jetzt auch in tschechisch!

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Psychopharmakoterapie

  • stručnê
  • jasnê
  • prehlednê

Was der Paketbote immer so bringt… Eben hat er mir vier Belegexemplare von Psychopharmakotherapie griffbereit auf tschechisch gebracht. Ich hab mal ein bisschen drin geschmökert, erscheint mir alles ganz plausibel… Zumindest die Medikamentennamen und die Diagramme… 🙂

Der neue PsychCast „PC044 Wie erreiche ich meine Ziele – und wenn ja, warum nicht?“ ist online!

Über die Kunst, von der Vision über einen 12-Wochen-Plan konkret in die Laufschuhe zu kommen und was das alles mit Psychotherapie zu tun hat.

Im 44. PsychCast unterhalten sich Jan und Alex darüber, wie man sich über seine Ziele klar wird und was man tun kann, um sie effektiv zu verfolgen. Dabei stellt Jan sein über einige Jahre ausgetüfteltes Verfahren im Detail vor.
Interessante Podcasts zum Thema Produktivität sind unter anderem:

Hier findet ihr den OmniOutliner und hier das Buch Thinking Big.

Wie geht Ihr mit Zielen um? Schreibt ihr sie auf? Wie macht ihr das? Schreibt eure Gewohnheiten in die Kommentare!

Die Folge findet ihr hier: http://psychcast.de/pc044-wie-erreiche-ich-meine-ziele-und-wenn-ja-warum-nicht/

PC043 „Die Zweierbeziehung. Oder: was ist denn ‘ne Paarkollusion?“ ist online

Im dreiundvierzigsten PsychCast sprechen wir über die Paarkollusion, wie sie der bestimmt weltbeste Paartherapeut Jürg Willi beschrieben hat. Wir verwenden dazu die typischen, altmodischen Rollenbilder, die Willi in seiner Erstausgabe 1975 noch verwendet hat… Was denkt Ihr, was sind typische Paarkollusionen (Formen des unbewussten Zusammenspiels zweier Menschen) in Partnerschaften heute, 2017?

Wir sprechen außerdem über die Arzt-Patient-Kollusion bei  Krankheiten ohne organisch greifbaren Befund.

Hier kann man sich das Buch näher ansehen, über das wir sprechen:

Dank unserer Hörerin S. noch der Hinweis: das Zitat “Der Mensch wird am Du zum Ich” ist nicht von Jürg Willi sondern von Martin Buber. Jürg Willi hat es im Jahr 2012 in einem Interview zu seinem Lieblingszitat erklärt – Link dahin folgt noch. Das wurde in der Sendung falsch rübergebracht und soll hiermit korrigiert werden.

 

Die Episode findet ihr hier: http://psychcast.de/pc043-die-zweierbeziehung-oder-was-ist-denn-ne-paarkollusion/

 

Ein frischer PsychCast ist draußen…

Und zwar gleich in mehreren Aspekten.

Zunächst einmal haben wir ein neues Logo:

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Zum zweiten ist eine neue Episode draußen:

PC042 Eifersucht. Zu viel, zu wenig, falsch rübergebracht. Eifersucht hat es heutzutage schwer…

Im 42. PsychCast reden wir über zuviel, zuwenig und falsch rübergebrachte Eifersucht. Großmeister Freud erweist sich als topmodern und wir schauen auf in der Jugend durchlittene Nächte zu düsterer Musik anlässlich des Verlustes unserer damaligen Flamme zurück.

Die aktuelle folge findet ihr hier.

Und zum dritten gibt es jetzt einen Weg, den PsychCast zu unterstützen:

Wer den PsychCast mit einem kleinen Obolus pro Monat unterstützen möchte, findet jetzt eine Plattform dafür: Schaut mal vorbei bei psychcast.steadyhq.com, dort könnt ihr uns mit einem Anteil an den Technikkosten helfen und Karma-Punkte sammeln!

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