Psychopharmakologie griffbereit in der eRef


Mein Buch Psychopharmakologie griffbereit ist heute in der vierten Auflage im Thieme-Verlag erschienen. Damit steht es jedem Käufer des Buches ohne zusätzliche Kosten auch digital in Thiemes eRef App zur Verfügung. Natürlich ist das Buch auch im eRef Psychiatrie-Paket enthalten, das einige psychiatrische Kliniken haben, und das man auch privat nutzen kann.
Ich habe mir das Buch heute in seiner eRef-Version gründlich angesehen und empfinde die Umsetzung als sehr gelungen. Es ist sowohl am iPhone als auch im Browser sehr gut lesbar, die Such-Funktion ist wirklich praktisch. So hast du dein psychopharmakologisches Wissen immer dabei. Sehr praktisch!
eRef kannst Du hier kostenlos testen. Wenn Du bereits einen Zugang zu eRef hast, findest Du das Buch hier. Bei Amazon findest Du es hier.

Es gibt etwas zu feiern: Die vierte Auflage von Psychopharmakologie griffbereit erscheint am Mittwoch!


In diesem Blog und in meinem Buch möchte ich die Psychopharmakologie so verständlich wie möglich darstellen. Jeder, der sich hier umschaut, soll sich ein eigenes, gut informiertes Bild von der Wirkungsweise, den Nebenwirkungen, den Dosierungen und dem typischen klinischen Einsatz der wichtigsten Psychopharmaka machen können.
Im Buch Psychopharmakologie griffbereit gebe ich eine angeleitete Einführung in die Psychopharmakologie. Man kann praktisch bei Null beginnen und im Laufe des Buches die grundlegenden Prinzipien der Psychopharmakologie sowie eine von mir sorgfältig getroffene Auswahl der wichtigsten Psychopharmaka kennenlernen. Zu jedem Medikament gibt es ein Kapitel, dass nach einer kurzen Einführung die Bereiche Pharmakologie, Klinischer Einsatz, Dosierung und Nebenwirkungen behandelt. Die Kapitel werden jeweils mit meiner persönlichen und bewußt subjektiven Einschätzung abgeschlossen, so dass es einfacher ist, sich ein Bild vom jeweiligen Medikament zu machen. Neben den Hauptgruppen der Psychopharmaka gibt es auch Kapitel zu Genussmitteln und Drogen sowie den entsprechenden medikamentösen Behandlungen dieser Erkrankungen im psychiatrischen Krankenhaus sowie weiterführende Kapitel etwa zu den Themen Gerontopsychiatrie, Medikation in der Schwangerschaft und Medikamenteninteraktionen.
Die Zielgruppe des Buches ist für ein Sachbuch eher breit: Es ist sehr gut geeignet für Ärzt:innen in der Weiterbildung zur Fachärzt:in für Psychiatrie und Psychotherapie, aber auch für Ärzt:innen anderer Fachrichtungen, für Psycholog:innen, Sozialarbeiter:innen, Pflegekräfte und andere in der Psychiatrie tätige. Auch für Betroffene und Angehörige kann das Buch als Orientierungshilfe dienen, sich ein besseres Bild von den Möglichkeiten, Grenzen und Besonderheiten bestimmter Medikationen zu machen.
Die Nachfrage nach dem Buch ist erfreulicherweise kontinuierlich so hoch, dass seit der Erstauflage 2015 jedes Jahr eine neue Auflage erschien. Und so ist es mir eine besondere Freude, zu verkünden, dass am 7.11.2018 die vierte Auflage erscheint!
Die ersten drei Auflagen sind im Schattauer Verlag erschienen, der im letzten Jahr mit dem Thieme-Verlag zusammen gegangen ist, und so erscheint mein Buch ab jetzt bei Thieme. Das hat unter anderem den großen Vorteil, dass mit jedem gedruckten Buch jetzt ein Download-Code vergeben wird, über den der Käufer das Buch ohne zusätzliche Kosten zusätzlich auch in der kostenloses eRef App von Thieme lesen kann. Und hier sind auch wichtige Aktualisierungen möglich, so dass die eRef Version stets aktuell bleibt. So habt ihr das Buch jederzeit auf dem Handy und Tablett dabei!
In der Überarbeitung für die vierte Auflage habe ich alle Kapitel auf Aktualität geprüft und in vielen Details überarbeitet. Das Kapitel über die Rezeptorbindungsprofile habe ich neu geschrieben mit sehr anschaulich gestalteten Grafiken wie diesen hier:

Die vierte Auflage des Buches, jetzt mit kostenloser eRef Anbindung, ist ein guter Einstieg in die Welt der Psychopharmakologie und zugleich ein gut verständliches Nachschlagewerk für Ärzte, in der psychiatrischen Behandlung Tätige und auch für Betroffene und deren Angehörige.
Bei Thieme findet ihr das Buch hier, bei Amazon hier.

Karteikartenlernprogramme

Es heißt ja, Medizinstudenten hätten die geheime Superkraft, alles, aber auch alles auswendig lernen zu können. Gerne wird behauptet, ein strebsamer Medizinstudent lerne für die nächste Prüfung auch ein Telefonbuch auswendig. Natürlich unterscheidet sich das Gehirn eines Medizinstudenten nicht von dem irgend eines anderen Menschen, der wahrscheinlich der Meinung sein wird, er könnte nicht so gut auswendig lernen. Medizinstudenten haben aber folgende heilige Regel verinnerlicht:

Du kannst wirklich alles auswendig lernen, wenn Du es mindestens sieben mal wiederholst.

So einfach ist das. Und daher hat auch praktisch jeder Medizinstudent einen Karteikasten mit sehr vielen zumeist bunten Zetteln drin. Auf der Vorderseite steht eine Frage, auf der Rückseite steht die richtige Antwort. Viele kennen das System vom Vokabellernen, es funktioniert aber auch mit der Frage, welche Medikamente die Protonenpumpe im Magen hemmen.

Das bewährte Lernsystem nach Leitner

Wirklich kraftvoll wird der Zettelkasten, wenn man ihn folgendermaßen benutzt:

  • Zunächst legt man sich hintereinander sieben Fächer an. Alle neuen Karteikarten kommen ins vorderste Fach.
  • Dann geht man Karte für Karte durch. Die Karten, die man sofort kann, kommen ins zweite Fach, die, die man nicht kann, bleiben im ersten Fach.
  • Am nächsten Tag beginnt man mit den Karten im vordersten Fach und verfährt wie zuvor. Danach nimmt man die Karten aus dem zweiten Fach. Die Karten in den hinteren Fächern muss man nicht täglich wiederholen, alle zwei bis drei Tage kann ausreichend sein, je nachdem, wieviel Zeit man hat, bis man alles sehr gut drauf haben muss.
  • Karten, die man wieder richtig hat, legt man zumindest ein Fach weiter nach hinten, wenn man sie sehr gut kann, auch zwei oder drei Fächer weiter nach hinten. Karten, die man gar nicht kann, legt man zurück ins erste Fach, Karten, bei denen man etwas unsicher ist, legt man ein Fach weiter nach vorne.
  • So ergibt es sich, dass man Karten, die man schon drauf hat, jeden Tag ein Fach nach hinten durchreicht, während die Karten, die man nicht drauf hat, in den vorderen Fächern bleiben. Diese Karten wiederholt man entsprechend öfter. Und zwar, bis man sie kann, und sie nach ganz hinten durchgereicht worden sind.
  • Die Karten im siebten und damit letzten Fach kann man guten Gewissens dort liegen lassen und erst kurz vor der tatsächlichen Prüfung noch einmal wiederholen.

Dieses System heißt „Leitner-System“ und wirkt Wunder, wenn man es regelmäßig anwendet.
Ich habe im Studium zum Physikum und zu jeder der drei Staatsexamina mindestens einen Schuhkarton mit kleinen, recycelten Zetteln auf diese Art vollgeschrieben und gelernt. Die Papierform hat einen besonderen Vorteil: Nach bestandenen Staatsexamen kann man alle seine schriftlichen Unterlagen nehmen, auch die Karteikarten, und mit seinen Freunden zusammen feierlich verbrennen. Die Karteikarten funktionieren am Ende ihres Lebens noch sehr gut als Grillanzünder. Das gibt schöne Partys!

Die elektronische Form

Inzwischen gibt es natürlich eine Reihe von Apps, die genau nach diesem System vorgehen. Der Vorteil gegenüber den Karteikarten ist, dass man sie mit seinem Handy immer dabei hat und immer mal wieder hervorziehen kann. So werden die U-Bahn-Fahrt, das Warten an der Kasse und andere Pausen, in denen man sonst nur Instagram gecheckt hätte, unkompliziert zu einer kleinen Lerneinheit.
Ich habe in den letzten Monaten viele verschiedene Karteikarten-Apps getestet, und teile hier jetzt mit, welche ich am Besten finde.
Die Auswahlkriterien waren folgende:

  • Die App muss auf dem Mac verfügbar sein, um dort die Karten zu erstellen, und auf dem iPad und iPhone, um sie damit zu üben.
  • Die App muss nach dem Leitner-System vorgehen, also Karten, die man schon kann, seltener abfragen.

Das schränkt das Feld schon ganz schön ein. Es gibt mehrere gute Apps:

Wokabulary

Mein 10-jähriger Sohn übt seine Englisch-Vokabeln mit Wokabulary. Das erfüllt alle Kriterien, ist wirklich kinderleicht zu bedienen, spricht die englischen Wörter nach jeder Karte selbständig korrekt aus und hat auch die Möglichkeit, dass man die Antwort eintippen muss, was für die Vorbereitung auf schriftliche Tests sehr hilfreich ist. Am iPhone sieht es so aus:

Die Streifen im Kopf unten links an der Karte zeigen, in welchem Fach diese Karte liegt. Mit dem grünen Häkchen oder dem roten X gibt man an, ob man sie richtig hatte. Durch Wiederholung kann man alles lernen!

Studies

Eine lange Zeit habe ich Studies verwendet. Es bietet wirklich sehr viele Möglichkeiten, unter anderem Karten mit mehr als zwei Seiten, Bilder, Multiple-Choice Antworten und einiges mehr. Es ist wahrscheinlich die leistungsfähigste App. Am iPhone sieht der Fragemodus so aus:

Kartenheld

Fast genauso leistungsfähig, aber einfacher in der Anwendung ist Kartenheld. Es sieht am iPhone so aus:

Besonders gut gefällt mir, dass man sich anzeigen lassen kann, wieviele Karten in welchem Fach liegen:

Am Mac kann man die Karten einfach und schön gestalten und hat auch dort alle Optionen der Abfrage:

Mit Kartenheld kann man seine Lernkarten auch beidseitig auf Papier ausdrucken, ausschneiden und dann wie normale Lernkarten verwenden. Sehr praktisch!

Kartenheld gibt es auch für Windows, was mir vollkommen gleichgültig ist.

Mein aktueller Favorit: Kartenheld

Ich verwende aktuell Kartenheld, weil es für mich den besten Kompromiss aus Einfachheit und Anpassungsfähigkeit bietet. Es hat alle Funktionen, die ich brauche und ist völlig intuitiv bedienbar. Es hat seit einiger Zeit Studies für mich ersetzt, das ich früher oft verwendet habe. Bei Studies ist schöner, dass man Karten zu verschiedenen Wissensgebieten in einer Wissensbibliothek verwaltet, und so auch gemischt lernen kann. In Kartenheld kann man verschiedene Kartensätze anlegen, diese dann aber auch nur getrennt lernen. Alternativ kann man allerdings auch einen Kartensatz anlegen, und die verschiedenen Fachgebiete als Kapitel darstellen, dann kann man auch hier alle seine Wissensgebiete durcheinander lernen.

Eine kostenlose Probeversion von Kartenheld für den Mac gibt es hier, für iOS hier.

Vorgefertigte Karteikarten

Um ehrlich zu sein, habe ich überlegt, für das Buch Psychopharmakologie griffbereit Lernkarten zu erstellen und den Lesern zur Verfügung zu stellen. Allerdings bin ich mir nach einigen Versuchen bewußt geworden, dass für jeden Leser andere Informationen relevant sein können und dass man wesentlich mehr lernt, wenn man sich die Mühe macht, seine Karten selbst zu erstellen. Wobei, als kurzes Repetitorium hätte es schon was…

Hier findest Du EbM Lehrstoff

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Die Internationale Gesellschaft für Evidenz-basierte-Medizin hat vor wenigen Tagen eine Webseite veröffentlicht, auf der ihr EbM-Lehrmaterialien, Videos, Artikel und ähnliches findet. Man kann nach verschiedenen Kriterien suchen, auf Deutsch ist allerdings sehr wenig erhältlich. In englischer Sprache finden sich aber viele gute kostenlose Videos und andere Ressourcen, die man in der Ausbildung verwenden kann oder die einfach für einen selbst informativ sind. Surf mal auf https://teachingebhc.org vorbei!

Ein neuer PsychCast ist draußen: PC075 Evidenz basierte Medizin mit Dr. Iris Hinneburg

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In dieser Episode geht es um einige Grundlagen der EbM, Besonderheiten der Psycho-Fächer in diesem Zusammenhang, Implementierungsforschung und einiges mehr. Und wir sprechen über die Demut, die uns EbM lehren darf…

Ihr findet Iris bei Twitter hier: @irishinneburg. Ihre Webseite ist https://medizinjournalistin.blogspot.com

Den Podcast Evidenzbasierte Pharmazie (aktuell mit Journal Club) findet ihr hier: https://medizinjournalistin.blogspot.com/search/label/EbPharmPodcast

Und den Podcast Evidenzgeschichten findet ihr hier: https://evidenzgeschichten.podigee.io/

Neu: #tweetorials zu den Episoden und noch mehr Hintergründe: https://twitter.com/EvidenzG @evidenzg

Im Podcast empfiehlt Iris das EBM Netzwerk: https://www.ebm-netzwerk.de/.

Das im Podcast empfohlene Psychiatrie Lehrbuch von Prof. Berger, dass EbM konsequent in der Darstellung des Wissens verwendet, findet ihr hier.

Die Folge findet ihr hier.

Viel Spaß beim Hören!

Wir suchen zwei Experten zum Interview: Delir und Orthorexie

Das PsychCast-Team sucht zwei Experten, die bereit sind, ihr Wissen in je einer PsychCast Folge zu teilen. Hast Du Erfahrung in der Behandlung:
– des Delirs
– oder der Orthorexie?
Und wärest Du bereit, per Skype ein Interview mit uns zu diesem Thema zu machen, das wir dann als PsychCast senden können? Dann melde Dich bitte an diese email: jan@psychcast.de.

PC074 Psychomedizin in futuro: Was uns die Zukunft bringen wird

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Wir geben im PsychCast 74 unseren subjektiven Blick in die Zukunft der Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie preis. Keine Garantie.

Bitte schreibt uns Eure Zukunftsvisionen in die Kommentare!

Wenn Ihr zum PsychCast-Event am 30.11.2018 um 19 Uhr in Berlin kommen wollt, gebt uns bitte schnell Bescheid: bindabei@psychcast.de oder Facebook.

Links:
Und, wie viele psychische Krankheiten hast du so? auf Perspective Daily
Seneca: Das Leben ist kurz

Die Folge findet ihr hier.

PS: Sorry für die mäßige Aufnahmequalität – wir mussten wegen Hardwareproblem auf einen Sicherungsmitschnitt zurückgreifen.

 

Indikationen im Notarzteinsatz

Ich bereite gerade eine Fortbildung für den psychiatrischen Teil des Kurses „Arzt im Rettungsdienst“ vor. Ich fürchte, ich habe sehr lange gebraucht, um eine verständliche Übersicht darüber zu gewinnen, welche Indikationen zu Notarzteinsätzen führen und welche psychiatrischen Krankheiten daran wie beteiligt sind. Ganz vielleicht habe ich mich auch ein wenig zu lange mit dem Design beschäftigt. Jedenfalls dachte ich mir, wenn es mich schon 1,5 Stunden gekostet hat, diese eine Folie zu erstellen, dann poste ich sie wenigstens auf dem Blog. Wenn jemand jemals in die Verlegenheit geraten sollte, diese Darstellung verwenden zu wollen, ist sie / er herzlich eingeladen, dies zu tun. Hier das Ergebnis meiner Bemühungen:

2019_02_26 Psychiatrische Notfälle im Rettungsdienst.key 2018-10-18 13-16-28.png

Kurze Frage: Mit wie viel Promille darf man noch in der Psychiatrie aufgenommen werden und ab wann sollte man eher auf eine Intensivstation?


Photo by Karolina Szczur on Unsplash

Antwort: Das kommt drauf an.
Als ich vor zwanzig Jahren angefangen habe, in der Psychiatrie Nachtdienste zu machen, da gab es den Richtwert, dass man bei bis zu 2,5 ‰ noch in der Psychiatrischen Klinik aufgenommen werden durfte und bei höheren Werten auf eine internistische Intensivstation verwiesen werden sollte. Damals nahmen die Intensivstationen alkoholintoxizierte Patienten auch noch ganz gerne auf. Es ist nicht ganz leicht, zu sagen, wo dieser Richtwert von 2,5 ‰ herkam. Am ehesten gibt es eine Entsprechung im Strafrecht. Dort gibt es zwar keine festgeschriebenen Werte, es ist aber eine ungeschriebene Daumenregel, dass bei Angeklagten mit mehr als 2,5 ‰ zum Tatzeitpunkt im Zweifel alle Prozessbeteiligten erwarten, dass eine reduzierte Schuldfähigkeit zumindest nicht ausgeschlossen werden kann. Der Gutachter kann zwar auch argumentieren, es bestehe in diesem Fall eine erhaltene Schuldfähigkeit trotz mehr als 2,5 ‰, er muss das dann aber schon nachvollziehbar begründen. Aber mit der Aufnahme auf eine psychiatrische oder eine internistische Station hat das genauer betrachtet eigentlich nichts zu tun, oder?

Was spricht für eine Intensivstation?

Der Vorteil einer Intensivstation liegt darin, dass die Sicherheit wesentlich höher ist, sofort mitzubekommen, wenn etwas Gefährliches passiert und dann sofort reagieren zu können. Was könnte denn passieren?

  • Der Patient könnte ein Delir entwickeln. Das passiert aber in der Regel erst am dritten bis vierten Tag ohne Alkohol. Das ist sicher kein Grund für eine Intensivstation.
  • Der Patient könnte einen Krampfanfall bekommen. Das passiert allerdings erfahrungsgemäß erst bei weniger als einem Promille, zumeist erst bei Nüchternheit. Und den Krampfanfall bekommt man auch in der Psychiatrischen Klinik mit und kann damit auch problemlos umgehen. Schwierig wäre erst ein status epilepticus, aber den bekommt man auf jeden Fall mit, wenn man 15- minütige Überwachungsintervalle anordnet.
  • Der Patient könnte somnolent bis komatös werden, aspirieren, also sein Erbrochenes einatmen und daran entweder ersticken oder zumindest eine Aspirationspneumonie entwickeln. Das ist eine reale Gefahr, die für eine kontinuierliche Überwachung der Vitalfunktionen spricht.
  • Der Patient könnte eine aus einer anderen begleitenden Erkrankung resultierende medizinische Symptomatik entwickeln, die durch die Alkoholintoxikation verdeckt wird, etwa eine Hypoglykämie oder eine Hypertone Krise. Diese Gefahr ist insbesondere dann gegeben, wenn über den Patienten keine ausreichenden Informationen vorliegen.

Welches Vorgehen ist aktuell üblich?

Inzwischen ist es üblich, die Entscheidung, auf welche Station ein alkoholintoxizierter Patient aufgenommen werden soll, vom klinischen Zustand des Patienten abhängig zu machen. Wenn ein junger, den Alkohol nicht gewohnter Patient mit 2 ‰ nicht mehr stand- und gangsicher ist, immer wieder einschläft, dann kaum erweckbar ist und das Vertrauen in dessen Schutzreflexe nachvollziehbar erschüttert ist, dann ist dieser Patient auf einer Station mit kontinuierlicher Überwachung wie einer Intermediate-Care-Station mit Monitorüberwachung oder einer Intensivstation sicher besser aufgehoben als auf einer geschützten psychiatrischen Station, auf der kein Monitor zur Verfügung steht und die Beobachtung nicht kontinuierlich erfolgt.
Wenn andererseits ein bekannter Patient mit 4 ‰ noch gang- und standsicher ist und er in der Vergangenheit schon wiederholt seien Rausch komplikationslos auch von solchen Ausgangswerten aus ausgeschlafen hat, kann man ihn sicher bedenkenlos in einer psychiatrischen Klinik aufnehmen und angemessene Überwachungsintervalle festlegen.
Es gibt irgendwann in den ganz hohen Bereichen, vielleicht ab 4 ‰, sicher ab 5 ‰ Werte, die dazu führen sollten, dass man den Patienten kontinuierlich überwacht, einfach weil die Vorhersagbarkeit der Vigilanz und die Verlässlichkeit der Schutzreflexe bei so hohen Intoxikationen stark abnimmt. Einen gang- und standsicheren, wachen Patienten mit 5 ‰ würde ich auf eine Intensivstation vermitteln, um sicherzustellen, dass er nicht plötzlich eintrübt, aspiriert und daran letztlich stirbt. Nach teilweiser Detoxikation, am nächsten Morgen, nach 12 Stunden, bei weniger als 1,5 ‰ oder was immer angemessen erscheint, kann dieser Patient dann zurück in die Psychiatrie übernommen werden.

Für eine Intensivstation sprechen also folgende Punkte:

  • Erhebliche Vigilanzminderung
  • Unzuverlässige Schutzreflexe
  • Unbekannter Patient mit hoher Intoxikation
  • Potenziell gefährliche Begleiterkrankungen
  • Sehr hohe Alkoholintoxikation mit Werten über 4 bis 5 ‰
  • Nicht ausgeschlossene Mischintoxikation (z.B. mit trizyklischen Antidepressiva…)

Euer Vorgehen?

Ich weiß, „Kommt drauf an“ ist nicht die einfachste, aber in diesem Fall wohl die richtige Antwort.
Wie handhabt ihr das bei euch? Gibt es feste Promillewerte, habt ihr in eurem Krankenhaus operationalisiert, wonach entschieden wird, wer auf welche Station aufgenommen wird? Schreibt euer Vorgehen gerne hier in die Kommentare!

Zusatznutzen von Cariprazin festgestellt

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat in einer Sitzung am 4.10.18 entschieden, dass Cariprazin einen geringen Zusatznutzen für Patienten mit Schizophrenie und überwiegender Negativsymptomatik in Langzeittherapie gegenüber der bisherigen Vergleichstherapie hat. Der Beschluss sowie die Begründung finden sich hier. Damit folgt der GB-A einer Einschätzung des IQWiG, die ich hier berichtet hatte.

Im nächsten Schritt wird nun eine Festlegung des Preises erfolgen, zu dem Cariprazin vertrieben werden darf. Die Feststellung des Zusatznutzens, auch des geringen Zusatznutzens, wird dazu führen, dass das Medikament nicht zum Preis der generisch erhältlichen Vergleichssubstanzen verkauft werden wird, sondern zu einem höheren Preis, so dass davon auszugehen ist, dass Cariprazin im Handel bleibt.

Ich habe hier ausführlich über Cariprazin berichtet. Ich persönlich halte es aus pharmakologischer Sicht und auch nach meinen bisherigen persönlichen Beobachtungen für ein gut wirksames und gut verträgliches Neuroleptikum, das tatsächlich besonders gut gegen Negativsymptomatik zu wirken scheint.

Es ist auch erfreulich, dass nach den komplizierten Regularien des AMNOK nicht alle Innovationen aus dem Markt fliegen. Anders als bei Vortioxetin ist es bei Cariprazin gelungen, den Zusatznutzen nachzuweisen. Sehr erfreulich!