Was bringen die neuen Psychotherapie-Richtlinien 2017? Der neue PsychCast PC041 erklärt sie…

In der 41. Folge kämpfen wir uns für Euch durch die neue Psychotherapie-Richtlinie, die ab 01. April 2017 gelten wird. Wenn Ihr keine Lust habt, Euch selber durchzuwühlen, hört einfach mal rein – wir haben zumindest die großen Eckdaten für Euch. Und wenn Ihr Euch einfach so dafür interessiert, sowieso! …
Hier findest Du sie: http://psychcast.de/pc041-psychotherapie-richtlinie-2017-special-interest/.

PC040 Die Erde ist keine Scheibe ist veröffentlicht!

Im 40. PsychCast sprechen wir – inspiriert auch durch die Tweets unserer Schattenredaktion – über die zunehmende Komplexität der Welt und wie man dieser mithilfe von zwei Marshmallows und drei Joghurts entflieht.

Besondere Grüße richten wir an Peter Teuschel für die Einrichtung unseres neuen Gemeinschafts-Blogs www.die-erde-ist-keine-scheibe.deHier entlang zum Artikel von Alexander.

Das Audio zum Podcast findet ihr hier.

Aktualisierung meines Kurzleitfadens zu den Rechtsgrundlagen stationärer psychiatrischer Behandlungen

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Das PsychKG in NRW ist bekanntlich am 1.1.2017 geändert worden. Ich hatte in mehreren Blogposts auf die Änderungen hingewiesen. Auch habe ich in diesem Blog einmal einen Auszug aus unserem klinikinternen Einarbeitungsbuch geteilt, der die verschiedenen Rechtsgrundlagen stationärer Behandlungen (Freiwilligkeit, BtG, PsychKG, Rechtfertigender Notstand) und die jeweils möglichen Maßnahmen (Unterbringung, Fixierung, Zwangsmedikation) sowie deren rechtlichen Rahmenbedingungen genau beschreibt. Ich habe dieses Kapitel nun aktualisiert und stelle es hier wieder gerne zur Verfügung. Wer es für Schulungszwecke oder ähnliches verwenden möchte, darf dies gerne tun. Wenn Ihnen ein Fehler auffällt, schreiben Sie mir bitte, damit ich die Sache prüfen kann und gegebenenfalls korrigieren kann. Das PDF können Sie kostenlos hier laden:

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Die-Erde-ist-keine-Scheibe.de

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In den vergangenen Jahrhunderten wurde ja viel Aufhebens darum gemacht, was nun wirklich wahr ist und was Aberglaube. Scheibe, Kugel, Mittelpunkt des Universums: Was es mit der Wahrheit über die Erde auf sich hat, wurde irgendwie so ernst genommen. Das ist jetzt im Zeitalter des Postfaktischen zunehmend in den Hintergrund geraten. Wichtiger sind die Fragen: Welche Emotion kann ich mit einer Aussage hervorrufen? Was bringt mir das für meine persönliche PR? Und ist es meinen Zwecken dienlich?

Und jetzt mehren sich doch tatsächlich die Stimmen, die sagen, es sei eben doch wichtig, ob etwas wahr oder falsch ist. Amerikanische Wissenschaftler, die bislang eher dafür bekannt waren, würfelförmige Melonen gezüchtet zu haben, wollen jetzt auf die Straße gehen und dafür demonstrieren, die Grundprinzipien der Erkenntnistheorie zu ehren.

Peter Teuschel, den viele Leser hier von seinem Blog Schräglage kennen, hat sich jetzt vorgenommen, eben solchen Stimmen eine deutschsprachige Plattform zu geben und insbesondere aus dem medizinischen Bereich Artikel verschiedener Autoren zusammenzuführen, die sich dem verpflichtet führen, was Natalie Grahms neulich #IntellektuelleRedlichkeit nannte. Um dem ganzen #mirsindfaktennichtsowichtig einen ordentlichen Kontrapunkt zu setzen.

Schaut mal unter www.die-erde-ist-keine-scheibe.de nach, was sich so zu sammeln beginnt. Folgt der Seite auf Twitter (@erdblog), Facebook oder aboniert den feed unter http://www.die-erde-ist-keine-scheibe.de/feed.

Mir wäre eine Welt, in der die Prinzipien der Erkenntnistheorie und der Gewaltenteilung flächendeckend respektiert werden würden, noch mal noch lieber als die aktuelle RealDonaldDuck-Welt.

PC039 Natalie Grams Homöopathie neu gedacht ist online

Was bleibt eigentlich von der Homöopathie übrig, wenn man die Globuli weglässt?

Ja gut, wir Schulmediziner haben es schon immer gewusst:

– In den homöopathischen Globuli ist kein Wirkstoff, alles viel zu verdünnt, da ist gar nichts mehr drin.
– Homöopathika sind teuer verbrämte Placebos.
– Homöopathen sind Quacksalber, die wirksamen Therapien im Weg stehen.
– Homöopathen schlagen aus der irrationalen Angst ihrer Patienten vor richtigen Medikamenten Profit.

So weit, so einfach. Aber warum sind die Patienten dann eigentlich so verrückt nach Homöopathie? Warum vertrauen viele sehr viel mehr auf ihren Homöopathen als auf ihren Allgemeinarzt, Psychiater oder Psychotherapeuten?
Im aktuellen PsychCast unterhalte ich mich mit der Ärztin Dr. Natalie Grams, die bis vor kurzem in Heidelberg eine sehr erfolgreiche eigene Praxis für Homöopathie betrieben hat. Doch mit den Jahren ging ihr die Frage, welches Wirkprinzip nun wirklich hinter der Homöopathie steht, nicht mehr aus dem Kopf. Um der eigenen „intellektuelle Redlichkeit“ willen machte sie sich daran, dem Wesen der Homöopathie auf den Grund zu gehen.

In unserem Gespräch beschreibt Natalie Grams, wie eine homöopathische Anamnese abläuft, wie das passend scheinende Präparat ausgesucht wird und wie der Ablauf der homöopathsichen Behandlung aussieht. Dabei geht es nicht darum, Werbung für eine unwissenschaftliche Methode zu machen. Aber es ist doch interessant, zu verfolgen, welche psychologischen Wirkfaktoren vielleicht dazu beitragen könnten, dass so viele Patienten sich so gut aufgehoben fühlen bei einem Homöopathen und letztlich auch häufig über Verbesserungen berichten. Auch sprechen wir über die Gefahren der Homöopathie, insbesondere die Gefahr, wirksame Methoden nicht anzuwenden und eine falsche Heilserwartung an den Homöopathen aufzubauen.

Natalie Grams hat ihren Weg von der überzeugten Homöopathin zur kritischen Zweiflerin in ihrem sehr lesenswerten Buch “Homöopathie neu gedacht” beschrieben. Wer sich für das Thema Homöopathie interessiert oder wer mitverfolgen will, wie Natalie Grams ihr eigenes Paradigma verändert, sollte es unbedingt lesen.

Ihr könnt das Gespräch entweder wie üblich beim PsychCast als Audio-Datei anhören, oder einen Mitschnitt des Skype-Telefonats hier als Video sehen. Viel Spaß dabei!

Welches Psychiatrie-Lehrbuch empfehle ich Ärzten in Weiterbildung zum Psychiater?

Es gibt einige gute Psychiatrie Lehrbücher auf dem Markt, und jeder muss für sich selbst dasjenige finden, das ihm nach Umfang, Aufmachung und Art am besten liegt. Für viele, die sich erst im Gebiet der Psychiatrie orientieren wollen, kann das auch ein gutes Kurzlehrbuch sein. Aber diejenigen, die Fachärztin / Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie werden wollen, sollten schon ein etwas ausführlicheres Buch lesen. Nun kenne ich auch nicht alle in Frage kommenden Psychiatrie Lehrbücher ganz genau, möchte aber gerne hier mal meine Top drei vorstellen:

Mein Platz 1: Psychische Erkrankungen: Klinik und Therapie von Mathias Berger

Den Berger habe ich nachweislich hier auf dem Blog schon 2012 als das lesenswerteste Psychiatrie Lehrbuch für Weiterbildungsassistenten empfohlen. Das hat sich seither nicht geändert, das Buch ist nur weiter besser geworden.

Vorteile: Es ist ein dickes Buch; 936 Seiten ungefähr im DIN A4 Format, da braucht man schon die fünfjährige Weiterbildungszeit, um es halbwegs durchzuarbeiten. Aber man muss ja auch nicht wirklich jedes Kapitel lesen…

Die Texte sind durchgehend gut lesbar gechrieben, ohne verschwurbelten Fachjargon, ohne übertriebene Faktenhorderei, Tabellenexzesse oder kursivfettfarbige Texteskapaden. Die Inhalte werden einfach verdammt gut erklärt. Und sie werden durchgehend im gesamten Buch darauf hin überprüft, in welchem Maße sie evidence-based sind. Gibt es ordentliche Studien, die eine Aussage stützen, wenn ja, welche, oder ist es einfach Herrschende Meinung? Das kann ja auch berechtigt sein, dann will ich es aber wissen.

Nachteile: Wenn man es liest, kann man fünf Jahre lang seinen Netflix-Zugang abschalten.

Online Zugang: Man erhält einen zeitlich begrenzten Zugang zu Elseviers Onlineportal Psychiatriewelt. Dort kann man auf das vollständige Buch sowie einige zusätzliche Materialien (Videos, neue Kapitel, etc.) zugreifen.

Seitenzahl: 936 Seiten

Auto-Vergleich: Jaguar XF

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Mein persönliches Fazit: Wenn ich mich auf ein Thema vorbereite, nehme ich mir gerne den Berger zur Hand. Dann bin ich gut im Bilde, weiß, woher die aktuellen Therapieeinschätzungen kommen und weiß, wo ich weiterlesen müsste, um mehr zu erfahren. Für Ärzte in Weiterbildung zum Psychiater bleibt der Berger meine Empfehlung.

Mein Platz 2: Therapie psychischer Erkrankungen von Ulrich Voderholzer und Fritz Hohagen

Wir Psychiater haben die Internisten lange um ihren “Herold-Innere Medizin“ beneidet, der verlässlich wie ein schweizer Uhrwerk jährlich aktualisiert wird und stets den neusten Stand der Technik widergibt. Allerdings ist der Herold ungefähr so gut lesbar wie ein Telefonbuch, pro Quadratzentimeter Papier stehen da ungefähr 92 Fakten; niemand liest das, man schlägt nur was nach.

Vorteile: Der Voderholzer vereint praktisch das beste aus beiden Welten: Er kombiniert die gute Lesbarkeit eines Berger mit der Aktualität eines Herold. Und das geht so: Voderholzer und Hohagen sind die Herausgeber; die einzelnen Kapitel werden jeweils von echten Spitzenautoren für ihr Gebiet geschrieben, und zwar jährlich aktualisiert. Pünktlich zum DGPPN-Kongress im November (dieses Jahr als Weltkongress schon im Oktober…) erscheint die aktuelle Auflage. Die Texte sind gut lesbar, evidenzbasiert, leitlinienorientiert. Das Buch ist mit 585 Seiten auch nicht gerade dünn, aber immerhin fast halb so dick wie der Berger.

Nachteile: Einen Text im Berger zu lesen macht etwas mehr Spaß.

Online Zugang: Zeitlich begrenzter Zugang zu Elseviers Psychiatriewelt. Dort kann man auf das vollständige Buch sowie einige Zusatzinhalte zugreifen.

Seitenzahl: 585 Seiten

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Mein persönliches Fazit: Wenn jeder Weiterbildungsassistent 300 der 585 Seiten im Voderhölzer gelesen hätte, wären die Facharztprüfungen ein Traum…

Mein Platz drei: Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie von Möller, Laux, Deister

Vorteile: Unter Studenten ist die Duale Reihe sehr beliebt. Das Konzept ist, im inneren Teil der Seiten jeweils einen ausführlichen Fließtext zu haben, und am Außenrand jeweils Stichworte und sehr knappe Zusammenfassungen. So kann man Teile, die man zu kennen glaubt, querlesen, indem man sich einfach die Stichworte am Rand ansieht. Das verleitet etwas zum Geschwindigkeitsrausch, kurz vor der Prüfung ist das aber oft hilfreich. Insgesamt also ein mittellanges Lehrbuch auf Speed. Design und Layout sind modern.

Nachteile: Die Texte lesen sich manchmal schon etwas komprimiert. Die Darstellung erschient mir manchmal etwas unruhig und überladen.

Online Zugang: Über die Thieme eRef-App kann das ganze Buch online oder auf dem iPhone, iPad oder was auch immer gelesen werden. Auf der begleitenden CD gibt es Patientenvideos, allerdings unter einer etwas umständlichen Benutzer-Oberfläche.

Seitenzahl: 672 Seiten

Auto-Vergleich: Ford Fokus Turbo

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Mein persönliches Fazit: Für Studenten fünf Tage vor dem Examen, Weiterbildungsassistenten, die noch ein Leben außerhalb der Medizin haben und Angehörige anderer Berufsgruppen, die ein vollständiges, modernes Buch suchen, das eine schnelle Orientierung bietet, ist es sehr gut geeignet. Zum abendlichen Schmökern mit einem Glas Rotwein ist es ungeeignet. Aber so ließt ja eh niemand mehr Lehrbücher…

Welches Lehrbuch lest ihr?

Schreibt doch bitte mal in die Kommentare, welches Buch ihr lest und warum!

Grenzwerte der QTc-Zeit

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Inzwischen weiß wohl jeder Psychiater, dass er auf die QTc-Zeit im EKG achten muss. Es gibt Medikamente, die die Erregungsausbreitung im Herzen verlangsamen können und im schlimmsten Fall eine tödliche Herzrhythmusstörung auslösen können. Ob und in welchem Maße dieses Problem auftritt, kann man im EKG anhand der QTc-Zeit ablesen. Einen ausführlichen post dazu habe ich hier geschrieben.

Ich bereite gerade einen Vortrag für das Forum für medizinische Fortbildungen im Sommer vor, und habe die wichtigsten take-home-messages zur QTc-Zeit auf Folien zusammengestellt.

Die QTc- Zeit ist kritisch, wenn sie

  • bei Männern > 450 ms beträgt
  • bei Frauen > 470 ms beträgt
  • unter der Medikation um 60 ms oder mehr angestiegen ist.

Ich habe auch noch zwei Folien erstellt, die für die Gruppe der Antidepressiva und der Antipsychotika jeweils drei unkritische, mittelmäßig verdächtige und kritische Medikamente nennt.

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Ich habe die Folien hier hochgeladen; wer sie für Fortbildungsveranstaltungen verwenden will, darf das gerne tun, unter Hinweis auf die Quelle.

Crystal Meth ist inzwischen auch in ostdeutschen Abwässern nachweisbar

Drogenkonsumenten nach ihrem Konsum zu befragen geht naturgemäß mit einer gewissen Unschärfe in den Antworten einher. Das denkt sich offenbar auch das „European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction“ und untersuchte einfach eine Woche lang in über 60 europäischen Städten das Abwasser auf die Reste typischer Drogen.

Wie das Deutschen Ärzteblatt hier berichtete, ergab die Untersuchung unter anderem interessante Hinweise auf die Verbreitung von Crystal Meth. Relevante Spuren hiervon hätten sich früher lediglich im Abwasser einiger osteuropäischer Ländern wie der Slowakei gezeigt. Bei der aktuellen Messung fanden sich erstmalig auch ostdeutsche Städte mit relevanten Werten, so wurden in Dresden täglich im Schnitt 136,7 Milligramm pro 1.000 Men­schen gemessen. In München waren es nur knapp 25 Milligramm und in Dortmund 3,7 Milligramm.

Interessant auch der Kokain-Konsum: Von Montag bis Samstag heißt die Kokain-Hochburg London. Sonntags wechselt der fragwürdige Pokal dann jeweils nach Amsterdam…

Die Untersuchung selbst findet ihr im kostenlos downloadbaren PDF-Format hier.

Wirklich schön ist auch die interaktive Karte, auf der ihr das Drogenkonsummuster nach Jahr, Droge und Wochentag selbst untersuchen könnt. Das sieht so aus und ihr findet es hier:

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Die Verzweiflung des Therapeuten ist keine Indikation für ein Neuroleptikum

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Damit wir uns nicht falsch verstehen: Psychotische Zustände aller Art sind natürlich eine klare Indikation für ein Neuroleptikum, und ich bin froh und dankbar, dass es zur Behandlung von Psychosen, von wahnhaften Depressionen, Delirien und anderen Erkrankungen mit psychotischen Symptomen Neuroleptika gibt und ich verschreibe Neuroleptika in dieser Indikation natürlich.
Und es gibt auch Indikationen jenseits eindeutig psychotischer Symptome für den Einsatz von Neuroleptika. So haben sie ihre Existenzberechtigung in der Therapie von ganz bestimmten Impulskontrollstörungen. Und ja, sie können bei Gedankengrübeln im Rahmen schwerer Depressionen eine auflockernde Wirkung haben.
Aber so wirksam sie bei psychotischen Erkrankungen sind; Wundermittel sind die Neuroleptika nun unzweifelhaft auch nicht. Es gibt viele Situationen, in denen man sich ein wirkstarkes Medikament wünscht, aber keines zur Verfügung hat. Dann hilft aber auch der Griff zum Neuroleptikum nichts.

Typische Beispiele sind:

  • Borderline-PatientInnen ohne psychotische Symptome erhalten oft ein mittelpotentes Neuroleptikum. Dies sediert und wird daher von den PatientInnen selbst nicht selten als angenehm empfunden. Für die über die Sedierung hinausgehende neuroleptische Komponente gibt es aber keine Indikation und meiner Einschätzung nach bewirkt sie auch keine Abnahme von Anspannung, Dissoziation, selbstverletzendem Verhalten oder anderen Borderline-typischen Symptomen. So schön das auch wäre.
  • Neuroleptika bewirken auch keine Stabilisierung der Stimmung über den Verlauf eines Tages. Das können nicht einmal die irreführend als „Stimmungsstabiliserer“ benannten Phasenprophylaktika. Und Neuroleptika schon gar nicht.
  • Ich weiß, dass Quetiapin Zulassungen als Phasenprophylaktikum und zur Augmentation (Unterstützung, Verstärkung) in der Behandlung von Depressionen hat. Ich halte die Studienlage, die zu diesen Zulassungen geführt hat, für nicht gerade überwältigend. Jeder sollte sich selbst ein gut informiertes Bild darüber machen, für wie wirkstark er Quetiapin in diesen Indikationen hält. Ich halte es hier nicht für sehr wirkstark. Dasselbe gilt für die Zulassung von Aripiprazol in der Indikation als Phasenprophylaktikum.
  • Und noch weniger helfen Neuroleptika bei gewünschten Verhaltensänderungen aus dem Bereich der Pädagogik. Das Behandlungsziel, jemand möge sich in irgend einer Form sozial adäquater verhalten oder sei irgendwie „nicht mehr führbar“ oder „nicht mehr haltbar“ ist immer dann, wenn diese Verhaltensänderung nicht psychotisch bedingt ist, keine Indikation für ein Neuroleptikum.

Neuroleptika bremsen die dopaminerge Neurotransmission. Dopamin aber ist unerläßlich für Antrieb, Motivation und Freude. Daher darf ein Eingriff in diesen Transmitterhaushalt nur erfolgen, wenn eben dieser Transmitterhaushalt krankheitsbedingt überaktiv ist. Und sonst nicht. Egal, wie verzweifelt der Behandler ist.

PC038 zur Schematherapie ist online

In unserer Trilogie zu aktuellen Psychotherapiemethoden erklären wir in dieser Folge die Schematherapie. Im Überblick, praktisch, hemdsärmelig. Und damit gut verständlich. Hört mal rein!

Die Folge findet ihr hier.

Links

International Society of Schema Therapy

Jeffrey Young: Schematherapie: Ein praxisorientiertes Handbuch

Roediger: Was ist Schematherapie?

Scherbaum: Das Drogentaschenbuch. Taschenbuch plus eRef Zugang