DocCheck Video: Psychische Erkrankungen: Die Schubladenstrategie

https://tv.doccheck.com/de/movie/78904/warum-schubladen-dem-psychiater-helfen

Zusammen mit DocCheck habe ich ein Video gedreht, in dem ich darauf eingehe, dass in der psychiatrischen Krankheitslehre der Weg in einigen Bereichen weg von den starren Schubladen hin zu dimensionalen Modellen geht, und warum das gut ist. Das Video findet ihr hier.

Wir testen jetzt noch intensiver…

Wir testen jetzt ALLE Mitarbeiter und ALLE Patienten regelmäßig einmal wöchentlich per Corona-Schnelltest

Seit Ende Dezember testen wir in der Klinik Königshof Krefeld alle Mitarbeiter:innen einmal wöchentlich jeweils donnerstags und alle Patient:innen sowohl im stationären Bereich als auch im tagesklinischen Bereich ebenfalls einmal wöchentlich jeweils mittwochs.

Vor stationären Aufnahmen testen wir alle vollstationären Patienten schon seit dem Frühjahr. Mit dieser sehr dichten regelmäßigen Testung hoffen wir, weiterhin einen Corona-Ausbruch in unserem Haus verhindern zu können.

Bleibt gesund!

PC116: Warum schieben wir Dinge auf? Über Prokrastination.

Wir sprechen über das weit verbreitete Aufschieben, die Aufschieberitis, die Prokrastination. Wir klären, warum viele das tun und ob das auch positiv sein kann.

Die Folge findet ihr hier. Oder direkt hier:

Jans Fundsachen: Craft, Things, Gabi Fastner, Ring Fit Adventure
Alex Fundsache: Maja Storch: Das Geheimnis kluger Entscheidungen

Corona Update 16.12.2020

Die Corona-Lage verschärft sich weiter, die Infektionszahlen steigen. Daher haben auch wir unsere Teststrategie aktualisiert. Zuletzt hatten wir das Mitarbeiterscreening auf bestimmte Mitarbeitende, die im Bereich der Gerontopsychiatrie arbeiten, beschränkt. Ab jetzt testen wir alle Mitarbeitenden mindestens einmal pro Woche per Schnelltest, zusätzlich an bestimmten „Prävalenztagen“, und zusätzlich bei auch nur leichten Symptomen. Auch die Patientinnen und Patienten werden an bestimmten Tagen (5 Tage nach Weihnachten und 5 Tage nach Sylvester) vollständig per Schnelltest getestet. Besucher der geschützten gerontopsychiatrischen Station werden mindestens einmal pro Woche per Schnelltest getestet. Besuche erfolgen auf den geschützten Stationen mit Termin. Damit möchten wir verhindern, dass zu viele Besucher gleichzeitig auf der Station sind. Besucher der geschützten gerontopsychiatrischen Station sollen eine FFP-2 Maske mitbringen.

Auch dieses Testkonzept ist nicht der endgültigen Weisheit letzter Schluss, aber wenn Du selbst darüber nachdenkst, wie ihr es in eurer Klinik handhaben wollt, dann kann dies vielleicht eine interessante Information zum Vergleich sein.

Acamprosat

Die Alkoholabhängigkeit ist eine häufige und folgenreiche Erkrankung. Während die Psychopharmakotherapie im Entzug eine feste Rolle hat, werden medikamentöse Maßnahmen bei der Abstinenzerhaltung seltener angewendet, als dies geboten erscheint. Zwar spielen Selbsthilfegruppen und psychosoziale Interventionen hier die Hauptrolle, eine Medikation kann darüber hinaus jedoch hilfreich sein. Zugelassen sind in dieser Indikation in Deutschland gegenwärtig Acamprosat, Naltrexon und Nalmefen. In diesem Kapitel beschreibe ich die abstinenzfördernde Wirkung von Acamprosat.

Pharmakologie

Alkoholkonsum, vor allem jahrelang betriebener täglicher Alkoholkonsum, hemmt den Glutamat-Stoffwechsel und aktiviert (dämpfend wirkende) GABA-Rezeptoren. Nach Beendigung des Alkoholkonsums kehren sich diese Wirkungen um und verursachen Unruhe. Im akuten Entzug zeigen sich ausgeprägte vegetative Symptome, in der fortgesetzten Abstinenz kann diese Unruhe neben psychologischen Faktoren eine Mitursache für das Craving, das Verlangen nach Alkohol sein.

Acamprosat hat eine ähnliche chemische Struktur wie die Neurotransmitter GABA, Glutamat und Taurin und wirkt als synthetischer Glutamat-Antagonist („wie synthetischer Alkohol“), indem es die NMDA-Rezeptoraktivität moduliert. Dies kann das Craving reduzieren und die Abstinenz unterstützen (Mann, Kiefer, Spanagel et al., 2008[1]).

Klinischer Einsatz

Die Behandlung mit Acamprosat kann man beginnen, sobald der Alkoholentzug beendet ist. Gerade in der ersten Zeit der Abstinenz kann Acamprosat gut unterstützend wirken. Die Medikation soll auch fortgesetzt werden, wenn es zu einem Rückfall gekommen ist.

Eine Cochrane-Analyse von 24 kontrollierten, randomisierten Studien mit insgesamt 6915 Teilnehmer:innen im Jahr 2010 kam zu dem Ergebnis, dass die Behandlung mit Acamprosat sicher und wirksam sei. Immer in Kombination mit psychosozialen Interventionen schnitten die Acamprosat-Gruppen besser ab als die Placebogruppen. Die NNT (number needed to treat, die Anzahl der Patienten, die behandelt werden müssen, damit einer von der Behandlung einen klaren Vorteil hat), lag bei 9. Auch die Anzahl der abstinenten Tage war in den Acamprosat-Gruppen um 11 Prozent höher als in den Placebogruppen (Rösner, Hackl-Herrwerth, Leucht et al., 2010[^2]).

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Rösner et al. 2010

Das Risiko, einen schweren Alkoholrückfall zu erleiden, war allerdings in den Acamprosat-Gruppen nicht niedriger als in den Placebo-Gruppen.

Patienten, die trotz einer Monotherapie mit Acamprosat immer wieder rückfällig werden, können die Behandlung mit Naltrexon kombinieren (Gahr, Kölle, Schönfeldt-Lecuona, 2013[^3]).

Es wird eine Behandlungsdauer von einem Jahr empfohlen.

Dosierung

Eine Tablette enthält 333 mg. Die empfohlene Dosierung lautet:

  • Menschen unter 60 Kg: 2 – 1 – 1 Tabletten
  • Menschen über 60 Kg: 2 – 2- 2 Tabletten.
  • Acamprosat möglichst frühzeitig nach Erreichen der Abstinenz geben.
  • Eindosieren ist nicht nötig, man beginnt sofort mit der vollen Dosis.
  • Auch bei einem Rückfall soll die Medikation weiter eingenommen werden, mit dem Ziel, den Rückfall so schnell wie möglich zu beenden.
  • Behandlungsdauer: 1 Jahr.
  • Acamprosat wird unverändert über die Niere ausgeschieden. Bei schwerer Niereninsuffizienz nicht einsetzen.

Nebenwirkungen

Die am häufigsten genannte Nebenwirkung von Acamprosat ist Diarrhö, ohne dass dies üblicherweise zu einem Abbruch der Behandlung führt.

In tierexperimentellen Untersuchungen ist kein Hinweis auf eine erhöhte Fehlbildungsrate von Acamprosat gefunden worden (lt. Fachinformation Campral®), Untersuchungen an schwangeren Frauen gibt es aber nicht. Daher sollte im Einzelfall abgewogen werden, ob Acamprosat in der Schwangerschaft eingesetzt werden soll. Alkohol verursacht sehr häufig eine Fetales Alkoholsyndrom; wenn Acamprosat die Rückfallgefahr senkt, kann es in vielen Fällen mehr Nutzen als Schäden verursachen.

Mein persönliches Fazit

Natürlich sind Selbsthilfegruppen, Psychotherapie und psychosoziale Interventionen die wichtigsten Maßnahmen in der Abstinenzerhaltung. Aber trotz dieser Maßnahmen sind die Rückfallraten hoch. Acamprosat ist ein gut verträgliches Medikament, das mit einer NNT von 9 eine gute Wirksamkeit zeigt, die Abstinenz zu unterstützen. Der pharmakologische Mechanismus ist plausibel. Daher sollte jeder Patientin und jedem Patienten direkt nach Abklingen des körperlichen Entzugssyndroms eine Behandlung mit Acamprosat angeboten werden. Besonders wirksam ist es bei Patienten, die täglich getrunken haben, weniger passend scheint es bei Patienten mit sporadischem Trinkmuster zu sein.

Literaturverzeichnis

[^1] Mann K, Kiefer F, Spanagel R, Littleton J. Acamprosate: recent findings and future research directions. Alcohol Clin Exp Res. 2008; 32:1105-1110. DOI: 10.1111/j.1530-0277.2008.00690.x. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18540918

[^2] Rösner S, Hackl-Herrwerth A, Leucht S, Lehert P, Vecchi S, Soyka M. Acamprosate for alcohol dependence. Cochrane Database Syst Rev. 2010; CD004332. DOI: 10.1002/14651858.CD004332.pub2. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20824837

[^3] Gahr M, Kölle MA, Schönfeldt-Lecuona C. Relapse prevention in alcohol dependence: acamprosate and naltrexone as a combined pharmacological strategy. Nervenarzt. 2013; 84:584-589. DOI: 10.1007/s00115-012-3633-3. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22892944

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Copyright

Dieser Beitrag ist ein Auszug beziehungsweise eine auszugsweise Vorabveröffentlichung des Werks „Psychopharmakotherapie griffbereit“ von Dr. Jan Dreher, © Georg Thieme Verlag KG. Die ausschließlichen Nutzungsrechte liegen beim Verlag. Bitte wenden Sie sich an permissions@thieme.de, sofern Sie den Beitrag weiterverwenden möchten.

Arztberuf: Aus dem richtigen Holz geschnitzt?

Gibt es Ärzte, die zu sensibel für den Arztberuf sind? Psychiater Jan Dreher sieht das nicht so und spricht mit Redakteurin Mira Knauf über seine Strategien im Umgang mit der beruflichen Belastung.

Ich habe mit Mira von DocCheck hier einen kurzen Podcast aufgenommen, den ihr hier findet: https://www.doccheck.com/de/detail/articles/30290-arztberuf-aus-dem-richtigen-holz-geschnitzt.

Hört mal rein!

Unsere aktuelle Teststrategie

Das Bundesgesundheitsministerium hat vor kurzem die Nationale Teststrategie veröffentlicht. Nach der Coronavirus-Testverordnung (TestV) NRW sind unter anderem Krankenhäuser verpflichtet, ihre für die eigene Einrichtung angepasste Teststrategie dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Dies ist auch eine Voraussetzung dafür, dass die Einrichtung Antigen-Schnelltests einsetzen kann.
Wir haben für unsere Klinik nun unsere Teststrategie formuliert und dem Gesundheitsamt gemailt. Wir hoffen, in der nächsten oder übernächsten Woche über die bereits bestellten Schnelltests zu verfügen und diese dann auch einsetzen zu können. Unsere aktuelle Teststrategie als PDF findet ihr hier: Teststrategie Königshof.

Die ELA-Studie

Die Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg führt gegenwärtig eine Studie zum Absetzen von Antidepressiva durch. Ziel der Studie ist es, die Gründe für eine langfristige Einnahme von Antidepressiva zu erheben; mögliche Sorgen vor dem Absetzen zu untersuchen und langfristig ein Programm zu entwickeln, das Patientinnen und Patienten beim Absetzen von nicht mehr indizierten Antidepressiva unterstützen soll. Im Verlauf der Studie erhalten die Teilnehmer:innen auch eine wissenschaftliche Einschätzung, ob es im jeweiligen Fall ratsam erscheint, das Antidepressivum wirklich abzusetzen.

Wenn Du an der Studie teilnimmst, erwartet Dich ein Online-Fragebogen, der bei Studieneignung circa 50 min in Anspruch nimmt. Die Studienergebnisse und die klinische Einschätzung kriegst du auf Wunsch per Email!

Hier findest Du die Webseite der Studie

Die Studie wird geleitet durch Prof. Dr. Yvonne Nestoriuc im Arbeitsbereich Klinische Psychologie der HSU in in Kooperation mit Univ.-Prof. Dr. Jürgen Gallinat, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Univ.-Prof. Dr. Tilo Kircher, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg.