Benzos niedrigdosiert: Kann ich dabei bleiben ?

Wenn seit vielen Jahren eine Low-Dose-Dependency, eine Niedrig-Dosis-Abhängigkeit von Benzodiazepinen wie Lorazepam (z.B. Tavor), Diazepam, Bromazepam oder ähnlichen Substanzen vorliegt, ist es sehr schwer, davon wieder los zu kommen. Oft führt jeder Absetzversuch zu einer starken Zunahme der Ängste. Wäre es wirklich so schlimm, das Benzodiazepin dann einfach in einer niedrigen und verträglichen Dosis weiter zu nehmen?

Diese Frage beantworte ich in diesem Video. Ich spreche über die Sturzgefahr durch Benzos, die Gefahr kombinierter Süchte mit Opioiden oder Alkohol, die Gefahr der dauerhaften Sucht und ich sage auch, bei welcher sehr eng zu fassenden Kerngruppe eine langfristige Behandlung mit Benzodiazepinen meiner Einschätzung nach doch notwendig ist.

Shownotes:

Umrechnungstabelle für Benzodiazepine

7 Gedanken zu “Benzos niedrigdosiert: Kann ich dabei bleiben ?

  1. Werner Paul 12. September 2021 / 14:25

    gut erklärt! Was mache ich, wenn man Mann zusätzlich einen Zittertremor im Kopf hat und auch keine Medikamente, aussesie raten?r Bromazepan verträgt. Es ist eine Abhängigkeit von Bromazepam entstanden. Was würden

    • 024680 18. September 2021 / 11:33

      Das Problem ist, dass die „Bezos“ tatsächlich so gut wirken bzw. am Anfang eine Erleichterung bringen. Da sich die Kopfchemie aber auf ihre Gabe einstellt, entsteht letztendlich irgendwann doch eine sogenannte Medikamentenabhängigkeit. Nebenwirkungen sind natürlich auch vorhanden, siehe das Video von Herrn Dr. Dreher. Unbedingt mit dem behandelnden Arzt besprechen!

      • 024680 18. September 2021 / 11:35

        Sorry, nicht der US-amerikanische Multimillionär Bezos war gemeint, sondern die Medikamente aus der Klasse der Benzodiazepine.

  2. Traumschaf 19. September 2021 / 00:49

    Ich sehe hier eher ein ganz anderes Problem.
    Ich habe keine Angsterkrankung, aber eine andere schwerwiegende psychische Störung.
    Einmal hatte ich eine Krise und mein Psychiater in der PIA war nicht da, so dass ich zu seiner Vertretung geschickt worden bin. Dieser Arzt hat nicht mal 5 Minuten mit mir gesprochen, aber ich habe die PIA mit einem Rezept über 50 Tabletten a 1 mg Tavor verlassen.
    Diese Packung ist jetzt seit einiger Zeit abgelaufen und die Reste entsorgt.
    Da die Psychiater in der PIA bei mir irgendwann mehrfach im Jahr gewechselt haben, habe ich jetzt eine niedergelassene Psychiaterin. Diese gibt mir für Krisen auch Tavor mit, allerdings verschreibt die keine ganzen Packungen, sondern Sie gibt mir einzelne Tabletten mit.
    Das finde ich deutlich besser.
    Ich möchte eigentlich gar kein Tavor nehmen, da es meine Dissoziationen fördert, aber ein Besuch beim Frauenarzt ist für mich ohne Tavor nicht möglich.
    Ich habe es aber auch schon erlebt, dass ich in der Psychiatrie einfach mal 4x 0,5 mg Tavor fest angesetzt bekommen habe und mir bei Bedarf noch deutlich mehr hätte holen können. Das wurde bei fast allen Patienten so gemacht und einige Mitpatienten mussten danach einen Benzodiazipinentzug machen.
    Ich finde gerade Psychiater müssten mit Benzodiazipinen deutlich verantwortungsvoller umgehen.
    Aber leider scheint in einigen Psychiatrien die Devise zu gelten, lieber den Patienten ganz viel Tavor geben, als mit den Patienten zu reden und sich anzuhören, was gerade eigentlich los ist.
    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man folgende Szene als Sketch aufführen. Mir ging es sehr schlecht und ich wandte mich hilfesuchend ans Pflegepersonal und bekam jedes Mal eine Tablette. Da es mir auch nach 3 Tabletten nicht besser ging, stellte die Pflegerin fest, dass sie mir nicht mehr geben kann, aber sie würde jetzt den Dienstarzt anrufen und mir mehr Bedarfsmedikation verordnen lassen.
    Wie soll ein Patient lernen seine Probleme und Ängste ohne ein Benzodiazipin zu überstehen, wenn beim Pflegepersonal die einzige Strategie, um einen Patienten zu helfen, die Medikamentengabe darstellt?
    Ich habe glücklicherweise auch schon erlebt, dass es anders geht, aber das war leider die Ausnahme und nicht die Regel.

  3. Klaus 21. September 2021 / 21:54

    Danke für diesen differenzierten Beitrag.
    Ein paar Gedanken dazu hätte ich noch.
    Ich finde Benzos akut nicht ganz so böse, da sie ein paar Nebenwirkungen nicht haben, die die genannten Alternativen mit sich bringen:
    – Verglichen mit Antidepressiva keine kardialen Nebenwirkungen im Sinne einer QTc-Zeit-Verlängerung
    – Keine sexuellen Nebenwirkungen – Libidoverlust ist für viele jüngere Patientinnen und Patienten ein Grund, Abstand von Venlafaxin etc. zu nehmen.
    – Auch keine Übelkeit / kein Durchfall, was Sertralin, Milnacipran und Citalopram gerne mal machen, und wenn zu der Panik noch eine Durchfall-Neurose dazu kommt, wird es irgendwann schwer, das Haus zu verlassen 😉

    Als Alternative zu Benzos gibt es ja auch noch das Pregabalin, was man ganz gut überlappend mit Lorazepam eindosieren kann.

    Es gibt halt Angststörungen, die so ausgeprägt sind, dass die Betreffenden nicht aus dem Haus können. Somit ist dann die heilungbringende Psychotherapie auch nicht mehr erreichbar…

    Auf der anderen Seite habe ich auch schon gesehen, wie alte Damen unter langsamem (!) Benzo-Entzug, auch mit zeitlicher Verzögerung delirant geworden sind, was dann nicht mehr bzw. sehr prolongiert wegging.

  4. Heiko 7. Oktober 2021 / 00:04

    Ich nehme ziemlich genau seit 20 Jahren Diazepam 10mg. (Generalisierte Angststörung) Citalopram 40 mg, vorübergehend auch mal 60mg für ein paar Tage.(Verhaltenstherapie gemacht) Nun ist es aber so, dass ich auch mal 3-4 Tage ohne Diazepam auskomme. Ich nehme es regelmäßig aber nicht durchgehend. In ganz besonders Belastenden Situationen (Todesfall z.B) habe ich auch schon 30mg tgl. genommen. Vorbestehende Abhängigkeiten gibt es nicht. Familiär auch keine Affinität. Wie nennt man denn sowas bitte? Verordnet wird es als Bedarfsmedikation. Ich kann aber durchaus ohne und oft dient es als Schlafmittel. Der Bedarf ist ganz unterschiedlich. Sucht?

    • 024680 13. Oktober 2021 / 11:20

      Auch die Z-Drugs (als Schlafmittel) bergen Abhängigkeitspotential. Irgendwann würde ich an Ihrer Stelle auch den Menschen, der mir diese Substanzen aufschreibt, zumindest verdächtigen, dass er nicht ganz ordentliche Arbeit macht. In der Stadt, in der ich lebe, ist der Sozialpsychiatrische Dienst, der nicht der Caritas, sondern direkt der Stadtverwaltung unterstellt ist, auf die (Sucht-) Behandlung bei Problemen mit Abhängigkeit erzeugenden Substanzen auch aus dem Bereich der Medikamente spezialisiert, da habe ich mir schon etwas dazu gedacht, als ich davon erfuhr…

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