Kernberg war da…

Also ich kann jetzt nicht ALLES widergeben, was Prof. Otto Kernberg, New York, bei seinem Workshop im Rahmen des Alexianer Therapieforums gesagt hat. Aber eine seiner Lehren fand ich bemerkenswert:

„Der Sinn einer Paarbeziehung liegt darin, miteinander Spaß zu haben…“

Also wenn einer der berühmtesten Psychoanalytiker der Welt das sagt, muss etwas dran sein…

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Postmortale ichtyologische Kognition: Neue Erkenntnisse aus dem fMRI

Dieses Bild zeigt einen toten Lachs im fMRI. Dem Lachs wurden Bilder von unterschiedlichen sozialen Situationen gezeigt, zur Hälfte wurden Situationen sozialer Ausgrenzung gezeigt, zur anderen Hälfte sozialer Einschluss. Der tote Lachs hatte die Aufgabe, die Bilder den richtigen sozialen Kategorien (Ausgrenzung / keine Ausgrenzung) zuzuordnen. Derweil wurde ein fMRI gemacht.

Der Lachs hat nicht geantwortet, was mit seinem postmortalen Zustand zusammenhängen kann. Das fMRI zeigte dennoch signifikante Veränderung im Gehirn bei Präsentation der sozialen Bilder relativ zur Ruhebedingung (keine Bilder gezeigt). Die roten Punkte oben zeigen dieses Ergebnis.

Natürlich regt sich im toten Lachs nicht wirklich was. Aber bei mehreren tausend Untersuchungspunkten, die auf eine relevante Änderung hin untersucht werden, gibt es allein schon aus statistischen Gründen immer wieder einige Untersuchungsbereiche, in denen bei der gegebenen Meßungenauigkeit ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Bedingungen Bild sehen / kein Bild sehen ausgerechnet wird.

Aus diesem Grunde müssen Untersuchungen, die sehr viele Datenpaare auf signifikante Unterschiede untersuchen, immer eine statistische Korrektur auf multiple Testungen durchführen. Genau das aber geschieht selbst bei ausgewiesenen Experten der fMRI Technik nach Aussage der Autoren dieser Studie in 25-40% der Fälle gerade nicht. Dann entstehen Pixel wie die oben dargestellten. Mit einer Korrektur auf multiple Testungen hätte der Lachs übrigens keine Hinweise auf postmortale Cognition gezeigt.

Die Studie weist uns darauf hin, dass gerade die verführerischen fMRI Studien mit sehr viel Vorsicht zu genießen sind. Sie erhielt völlig zu Recht den Alternativen IgNobelpreis 2012 für Neurowissenschaften, der stets lustige und skurrile Entdeckungen auszeichnet. Der Artikel als pdf ist hier zu finden, ein Spiegel Artikel, der darüber berichtet hier.

Diese Studie ist wirklich großartig. Man möchte KREISCHEN vor Glück. Der Trend, für jedes Gefühl einen roten Punkt im fMRI zu suchen und zu finden, ist einfach nicht der Weisheit letzter Schluss. Mehr kritische Distanz ist wirklich sinnvoll.

Kernberg kommt nach Köln!

Otto Kernberg ist wahrscheinlich der berühmteste lebende Psychoanalytiker. Er hat grundlegende Werke insbesondere zur Psychotherapie bei Persönlichkeitsstörungen geschaffen, es gibt praktisch keine relevante psychoanalytische Diskussion, in die er nicht in den letzten Jahrzehnten involviert war.

Und nun ist er zu Gast im Alexianer Krankenhaus Köln!

Im Rahmen des Alexianer Therapieforums hält Kernberg einen Vortrag zum Thema: „Therapie schwerer narzisstischer Störungen“. Der Vortrag findet am Mittwoch, den 21.11.2012 von 14:00-16:00 statt und ist kostenlos. Unzweifelhaft ist Prof. Kernberg sowohl ein ausgewiesener wissenschaftlicher Experte als auch ein erfahrener Therapeut auf dem Gebiet der Psychotherapie bei schweren narzisstischen Störungen. Ich bin sehr gespannt auf seine Typologie der verschiedenen Ausprägungen der narzisstischen Störungen sowie seine Ausführungen zur Therapie!

Zusätzlich bietet er einen workshop zum Thema „Diagnose und Behandlung suizidalen Verhaltens“ an, und zwar am 20.11.2012 von 09:00 bis 17:00 Uhr und am 21.11.2012 von 9:00-13:00. Der Workshop ist kostenpflichtig. Anmeldungen sind hier möglich.