Super Übersichtsarbeit „Delir im Krankenhaus“ im Ärzteblatt

In der aktuellen Auflage des Ärzteblatts findet sich ein ausgezeichneter Übersichtsartikel zum Thema Delir im Krankenhaus, online findet ihr ihn zum kostenlosen PDF-Download hier. Wer im Krankenhaus arbeitet, hat mit absoluter Sicherheit immer mal wieder mit Delirien zu tun, und gerade bezüglich dieses Krankheitsbildes gibt es einen reichlich wuchernden Wald an Halbwissen, Fehlannahmen, nicht evidenzbasiertem Handeln und tatsächlich offenen Fragen. Umso erfreulicher ist, dass die Autoren Zoremba und Coburn hier Licht in den Wildwuchs bringen und beschreiben, was man über Diagnostik und Therapie des Delirs im Krankenhaus wissen sollte. Ich empfehle daher jedem Krankenhausarzt, diesen Artikel im Original zu lesen. Als teaser kann ich zur raschen Lektüre hier allerdings auch mal meine take-away-Punkte aufführen:

  • Das Delir hat bei Intensivpatienten eine Inzidenz von 30-80 %.
  • Der früher oft verwendete Begriff „Durchgangssyndrom ist unpassend, vor allem, weil das Delir mit einer erhöhten Letalität verbunden ist und 25 % der Patienten kognitive Funktionsstörungen behalten.
  • Die Diagnostik vor allem des hypoaktiven Delirs gelingt sicherer mit etablierten Testverfahren, wie dem kostenlos in deutscher Sprache erhältlichen CAMICU für Intensivpatienten oder dem CAM-S für Patienten auf Normalstationen.
  • Die Prävention und Therapie erfolgt überwiegend nichtmedikamentös mittels Reorientierung (eigene Brille, eigenes Hörgerät), adäquater Schmerztherapie, Frühmobilisation, Schlafverbesserung und Vermeidung unnötiger Polypharmazie.
  • Man unterscheidet das hypoaktive Delir, das Delir vom Mischtyp und das hyperaktive Delir. Die Extremform des hypoaktiven Delir heißt katatone Variante, die Extremform des hyperaktiven Delirs heißt exzitatorische Variante. Auf einer Abfolge von extrem ruhig bis extrem agitiert ergeben sich also diese 5 Stufen: Katatone Variante des hypoaktives Delir, hypoaktives Delir, Delir vom Mischtyp, hyperaktives Delir und exzitatorische Variante des hyperaktiven Delirs.
  • In der Therapie des Delirs sollten natürlich delirogene Ursachen behandelt werden, insbesondere Infektionen, Elektrolytstörungen, Substanzentzug, Blutzuckerentgleisungen, Schmerzen und Hypoxien.
  • Zur Kontrolle des hyperaktiven Delirs sollten kurzwirksame Benzodiazepine wie Midazolam und Alpha2-Agonisten wie Clonidin eingesetzt werden.
  • Im Medikamenten- und Substanzentzugsdelir sind langwirksame Benzodiazepine wie Lorazepam indiziert.
  • Selbst im hyperaktiven Delir ohne psychotische Symptomatik sind Antipsychotika wie Haloperidol nicht indiziert.
  • Sowohl bei hypoaktiven Delirien als auch bei hyperaktiven Delirien mit psychotischen Symptomen sind Antipsychotika wie niedrigdosiertes Haloperidol oder Risperidon indiziert. Dabei haben die Atypika natürlich weniger Nebenwirkungen als Haloperidol und gelten als ebenso wirksam.
  • Das Delir ist ein medizinischer Notfall, das ein zügig beginnendes und wirksames multifaktorielles Therapiekonzept erfordert.

Zweiter Tag des LVR-Symposiums Köln

Auch heute schreibe ich keine vollständige Zusammenfassung, sondern teile einige Schlaglichter, die ich besonders interessant fand:

Fr. Prof. Herpertz sprach über störungsspezifische Psychotherapieen

  • Sie wirbt für den stationären Rahmen für eine modulare Psychotherapie, bei den jedes Modul einen gemeinsamen Wirkfaktor der verschiedener Psychotherapieverfahren in den Focus nimmt, um Patienten mit verschiedenen Erkrankungen jeweils für sie passende Elemente anbieten zu können. So könnte ein Patient an einer Gruppe zur Unterstützung beim Problemlöseverhalten, einer Gruppe zur Verbesserung der Emotionsregulation und einer Gruppe zur Stärkung des Selbstwertgefühles teilnehmen. In der Einzelpsychotherapie können dann zusätzlich sehr patientenindividuelle Themen besprochen werden.
  • Sie schlägt auch vor, dass jede psychiatrische Oberärzt:in pro Woche 90 Minuten Supervision für die ihr/ihm zugeteilten Assistenz:ärztinnen und PiA´s anbietet. Nicht nur im Weiterbildungsangebot der DGPPN mit dem Thema Supervision für Oberärzte stelle man fest, dass hier ein großer Bedarf bestehe. Externe Ausbildungsinstitute seien zwar gut, aber sie habe an ihrer Klinik festgestellt, dass die Psychotherapeutische Kompetenz der Mitarbeiter:innen ihrer Klinik erheblich von einem Supervisionsprogramm vor Ort mit den eigenen Mitarbeiter:innen profitiert habe.

Prof. Linden sprach über Nebenwirkungen der Psychotherapie

  • Graduierte Konfrontation mit Reaktionsmanagement in der VT ist weit weniger unangenehm als „Flooding“ (Überflutung mit unangenehmen Affekten durch eine extreme Exposition). Sie ist aber gleich wirksam und daher zu bevorzugen. Dies ist ein Beispiel für nebenwirkungsgeleitete Entscheidungen über die Wahl eines Psychotherapieverfahrens.
  • Die Induktion von false memories ist eine typische mögliche Nebenwirkung gerade von imaginativen Psychotherapieverfahren. Diese können erhebliche psychologische und rechtliche Konsequenzen haben. In Amerika, zunehmend auch in Europa, habe es eine Vielzahl von erfolgreichen Klagen gegen Psychotherapeuten aufgrund der Induktion von false memories gegeben.
  • Die Diskussion von Nebenwirkungen der Psychotherapie gehöre in jede PT-Supervision.

Prof. Berger zur Evidenzbasierung der Psychotherapien

  • Problem Soulving Psychotherapy und CBASP sind für die Depressionsbehandlung am besten evidenzbasiert, werden aber nur sehr selten in der freien Wildbahn angewendet. Berger nennt einige Teile der aktuellen Diskussion die Not-State-Of-The-Art-Psychotherapien
  • Der Einfluß von publication bias und von finanziellen Interessen sind bei Psychotherapiestudien genau so ausgeprägt wie bei Medikamentenstudien.
  • Um einen Wirksamkeitsunterschied zwischen zwei Psychotherapieverfahren mit einer Effektstärke von 0,24 (das ist gerade klinisch relevant) aufzudecken, braucht jeder Therapiearm 550 Patienten. Das heißt, dass einzelne Studien mit einer Probandenanzahl von weniger als 1100 Probanden keine Aussagekraft haben können, ob eine Psychotherapieform der anderen überlegen ist. Diese Aussage kann erst in Metaanalysen sehr vieler Studien mit insgesamt mehr als 1100 Probanden getroffen werden. Diese zusammengefassten Studien müssten alle von guter Qualität sein, also als Kontrollgruppe keine Wartelistenbedingung haben, randomisiert sein und noch eine Reihe weiterer Bedingungen erfüllen. Ich sagˋ mal so: Es gibt in der Tat noch viel Forschungsbedarf.
  • Manchmal ist der Begriff Mißhandlung passender als der Begriff Traumatisierung.
  • Die biologische Psychiatrie hat bislang leider keinen Beitrag zu einer Unterscheidung innerhalb der Gruppe der Depressionen beigetragen.😒

Fr. Prof. Gouzoulis-Mayfrank sprach über aktuelle Herausforderungen in der psychiatrischen Versorgung

  • Das Ziel der möglichst weitgehenden gemeindenahen Versorgung steht in einem Spannungsverhältnis mit dem Ziel, spezialisierte somatische und psychotherapeutische Behandlungsformen anbieten zu können. Möglicherweise führt uns der Weg, wie in der Somatik, zu einem Nebeneinander von gemeindenaher Grundversorgung und spezialisierteren Angeboten in größeren Zentren. Es gäbe dann auch in der Psychiatrie Kliniken und Tageskliniken der Grund- und Regelversorgung, Spezialisierte Angebote und Maximalversorger.
  • Auf dem Weg zu weniger Zwangsmaßnahmen profitieren Stationen von einem vielseitigen Angebot. In einem Projekt der LVR-Klinik Köln auf einer allgemeinpsychiatrischen Akutstation hat es sich bewährt, die Stationsregeln kritisch zu überprüfen und zu liberalisieren, die freie Nutzung von Mobiltelefonen zu erlauben, einen Zugang zu einem geschützten Garten zu schaffen, das Personal in Deeskalation zu schulen und auch die Stationstür zeitweise zu öffnen.

eMental Health

  • Moodgym Kostenloses Online Programm, um selbst mit Depressionen besser umgehen zu können. Bausteine: Gefühle, Gedanken, Stress, Beziehungen, Alternative Gedanken entwickeln, Arbeitsbuch. Ist gedacht als Zusätzlicher Therapiebaustein zur üblichen Offline-Therapie. In einer wissenschaftlichen Studie verbesserte es depressive Symptome bei leicht- und mittelgradig depressiven Patienten aus der Hausarztpraxis. Hier kann es als komplementäres Programm empfohlen werden. Auch in Kliniken könne es als komplementäres Angebot eingesetzt werden.
  • Selfapy Teilweise krankenkassenerstattungsfähiges psychologisches Online-Angebot.
  • deprexis Schon länger auf dem Markt, kostenpflichtig, auch als komplementäres Angebot konzipiert.
  • Freunde fürs Leben ist ein Verein, in dem sich Prominente, die einen nahestehenden Menschen durch Suizid verloren haben, über soziale Medien an die Öffentlichkeit wenden und Aufklärung betreiben.
  • Gatekeeping-Projekt: Auf Webseiten mit suizidtypischen Schlagworten wird Werbung für emailgestützte Krisenberatung geschaltet
  • jugendnotmail.de: Vertrauliche und kostenlose Beratung durch Fachkräfte.
  • neuhland.net Beratungsangebot einschließlich 1on1 Chat für Jugendliche und junge Erwachsene.
  • netstep Online Programm zur Psychotherapie mit menschlichen Psychotherapeuten. Ein Projekt des AJK Neuss.

Genetik:

  • „Wenn sie schon mal in einen Eineiigen Zwilling verliebt waren, dann wissen sie, dass es extrem unwahrscheinlich ist, dass sie auch in den anderen Eineiigen Zwilling verliebt sind.“

Impressionen vom LVR-Symposium 2019 in Köln „Psychiatrie als therapeutische Disziplin“

Alle zwei Jahre veranstalten die LVR-Kliniken und das LVR-Institut für Versorgungsforschung ein state-of-the-art Symposium zu einem ausgewählten Thema. Heute und morgen lautet das Thema „Psychiatrie als therapeutische Disziplin” Die Vorträge sind gut zusammengestellt. Am Ende des heutigen Tages gab es eine Plenardiskussion (im ersten Foto zu sehen), in der ein Betroffener, eine Angehörige und einige Psychiater:innen den Nutzen und die Nebenwirkungen psychiatrischer Behandlungen besprachen. Gut moderiert vom WDR-Moderator Ralph Erdenberger und tatsächlich aufschlußreich. Was ich heute gehört habe? Ich stelle jetzt mal nicht alle interessanten Gedanken hier zusammen, aber einige unsortierte Schlaglichter, die mir in Erinnerung geblieben sind:

  • Es sterben mehr Patienten an einer Clozapin-induzierten Obstipation, als an einer Clozapin-induzierten Agranulozytose.
  • In der nächsten, aktuell fast fertigen Version der Leitlinie Schizophrenie wird nicht mehr davon gesprochen, einem Patienten in einer bestimmten Situation ein bestimmtes Medikament zu verordnen, sonder immer geschrieben, dass man es ihm anbieten kann. Das ist das korrekte wording. Nicht der Arzt entscheidet, was der Patient nimmt, sondern der Patient. Die Rolle des Arztes ist es, sie / ihn zu informieren und ihm dann eine oder mehrere Therapieoptionen anzubieten. Gut so.
  • Es bleibt dabei: Die Evidenz für die Wirksamkeit von Antidepressiva bei leichten Depressionen ist nicht vorhanden, es gibt erst Evidenz ab mittleren Schweregraden der Depression. Die allerdings gibt es und dazu kann man auch stehen. Die neue Metaanalyse von Cipriani 2018, die ihr hier im Open Access kostenlos laden könnt, ist wirklich eindeutig und zeigt, dass die Wirksamkeitsnachweise antidepressiver Medikamente bei mittelschweren und schweren depressiven Episoden auf einer robusten Datengrundlage basieren. Cipriani et al. (2018). Comparative efficacy and acceptability of 21 antidepressant drugs for the acute treatment of adults with major depressive disorder: a systematic review and network meta-analysis. The Lancet, 391(10128), 1357–1366. http://doi.org/10.1016/S0140-6736(17)32802-7
  • Es gibt Forschungen, die untersuchen, ob eine sehr lange Gabe von SSRI zu einer Veränderung des Hirnstoffwechselgleichgewichts führen, die nach dem Absetzen von Antidepressiva die Anfälligkeit des Gehirns für eine erneute depressive Episode erhöht. Die aktuellen Daten dazu sind aber sehr spärlich, die untersuchten Gruppen super klein, eine Aussage dazu ist noch nicht möglich.
  • Wenn man eine Studie zur Wirksamkeit von Antidepressiva mit einer „wash-out-Phase“ beginnt, dann entzieht man den antidepressiv vorbehandelten Patienten das Medikament. Es entstehen Absetzsymptome, die durch die Gabe des Studien-Antidepressivums abklingen, nicht aber unter Placebo. Das ist ein systematischer Fehler zugunsten der Antidepressiven Studienmedikation.

Morgen beginnt es mit einem Vortrag zu den Nebenwirkungen von Psychotherapie, das ist eines meiner Lieblingsthemen, ich freue mich schon darauf!

Neu: Ein Verzeichnis guter kostenloser deutschsprachiger Blogs, Video-Kanäle, Podcasts und Fortbildungsangebote für alle Fachbereiche der Medizin

FOAM, oder Free Online Medical Education ist im englischsprachigen Raum ein bekannter Begriff, und es gibt auch Seiten, die auf Blogs, YouTube-Channel oder Podcasts verweisen.

Im deutschsprachigen Raum finden sich ebenfalls eine Reihe von guten Seiten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, medizinisches Wissen für alle Interessierten zugänglich zu machen. Aber ein Verzeichnis solcher Seiten, das nicht nur über eine medizinische Fachrichtung informiert, sondern Ressourcen zu allen Fachrichtungen zusammenstellen möchte, gab es bislang noch nicht.

Das ist ab heute anders! Die Seite https://psychiatrietogo.de/foam/ sammelt ab nun links auf gute deutschsprachige Blogs, Videos und Podcasts, die sich der medizinischen Ausbildung verschrieben haben!

Für jedes Fachgebiet bestimmen wir einen oder einige Redakteure, die Vorschläge für neue Seiten sichten und gegebenenfalls aufnehmen. Wie bei einem Wiki soll sie so aktuell bleiben und nicht den Interessen eines Einzelnen folgen, sondern einen tatsächlichen Überblick über gute Seiten wiedergeben. Philipp von Nerdfallmedizin, der Kinderdok von Kids and me 2.0, Pharmama und ich haben schon mal begonnen, für jeweils unsere Fachgebiete gute links zu sammeln.

Wir haben Seiten von Medizinern, Psychologen, Mitarbeitern im Rettungsdienst, Pflegekräften und auch Patienten und Angehörigen aufgenommen, um einen möglichst vollständigen Überblick zu ermöglichen.

Die Seite befindet sich natürlich noch im Aufbau, und viele Fachrichtungen sind noch gar nicht vertreten. Auch sind noch bei weitem nicht alle interessanten Seiten zu den Fachrichtungen, die wir schon mit einigem Leben gefüllt haben, zu sehen.

Wenn ihr interessante Links kennt, dann schlagt sie den Redakteuren der jeweiligen Fachrichtung vor! Gibt es die Fachrichtung noch nicht, dann schickt die Vorschläge erst mal an psychiatrietogo2012@gmail.com.

Helft uns, eine Übersichtsseite zu schaffen, die allen Interessierten hilft, die guten Seiten im Netz zu finden!

Und jetzt mal los zu https://psychiatrietogo.de/foam/

Innerview: Online-Magazin für psychische Gesundheit

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In diesem Monat ist ein neues Online-Magazin für Psychische Gesundheit gestartet: „Innerview“. Innerview interviewt psychisch erkrankte Menschen, Angehörige und Ärzte. Die Interviews geben damit einen vielseitigen Einblick in die tatsächliche Welt der Psychiatrie, ohne von Marketing-Interessen oder Ideologie überlagert zu sein. Das Magazin findet ihr hier: http://innerview-mag.de. Für die erste Ausgabe bin auch ich interviewt worden, dieses Interview findet ihr hier.

PC076 Salutogenese mit unseren HörerInnen LIVE aus Berlin

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Zur 76. Folge unseres Podcastes haben wir Euch eingeladen, mit uns am 30. November 2018 in Berlin eine Folge aufzuzeichnen und über die Frage zu sprechen, wie Gesundheit entsteht. Die Antwort waren wir selber, da wir einen unheimlich tollen und witzigen Abend zusammen hatten. Wir haben darüber gesprochen, dass gesund und krank kein Entweder-oder ist, sondern eine ständiges Gleich- oder Ungleichgewicht von den beiden. Eine Befreiung kann es sein, eine Krankheit anzuerkennen, und sich auf ein Leben mit ihr einzustellen statt sie löschen zu wollen.

Es war unfassbar, Euch plötzlich analog vor uns zu sehen und wir danken Euch sehr für Euer Kommen und Eure spannenden Beiträge im (aber auch nach dem) Podcast!
Für alle zuhause Gebliebenen gibt es eine spannende Folge mit ganz verschiedenen, persönlichen Blickweisen auf die Salutogenese – herzliche Grüße an Euch!

Die Macher des Podcastes Jung und Freudlos waren auch dabei – hört doch mal rein.

Wir hoffen auf ein Wiedersehen und danken sehr herzlich den Finanziers unseres Treffens, dem PsychCast-Freudeskreis!

Diese sehr fröhliche, vitale und positive Episode und noch ein paar Fotos findet ihr hier. Hört unbedingt mal rein!

LSD in der Psychotherapie? Ein Streitgespräch mit Peter Gasser und mir in der neuen „Gehirn und Geist“

Die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft begleitet mich schon seit dem Teenageralter durchs Leben. Als Student freute ich mich immer auf die neue Ausgabe, machte es mir gleich am Erscheinungstag mit einem schönen heißen Automaten-Kakao in der Uni-Bibliothek gemütlich und verlor mich in Artikeln über Zellbiologie, Primatenforschung und Milchstraßen. In den letzten Jahren las ich vor allem Magazine zu medizinischen und psychologischen Themen. Die Stärke der Hefte ist es, aktuelles Wissen spannend und wirklich gut lesbar zu präsentieren. Ich bin daher ein bisschen stolz, dass in der aktuellen Ausgabe der Gehirn & Geist der Spektrum-Reihe ein mehrseitiges Streitgespräch zwischen dem Berner Psychiater Peter Gasser und mir erschienen ist. Wir diskutieren über die Chancen und Risiken des Einsatzes von Halluzinogenen wie LSD in der Psychotherapie. Gasser setzt bei ausgewählten Patienten LSD im Rahmen einer  tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie als “Psycholytische Therapie” ein.  Er argumentiert, dass das Halluzinogen einen tieferen Einblick in unterbewußte Ängste ermöglicht. Ich halte entgegen, dass dieser fragwürdigen und mystisch verklärten Idee eines Nutzens handfeste Risiken gegenüberstehen, die den Einsatz von LSD bei Psychotherapiepatienten nicht angemessen erscheinen lassen. Verdeckte Ängste kann man meiner Meinung nach mit etablierten Psychotherapieverfahren dosierter, sicherer und weniger dramatisch aufdecken und dann auch vernünftig bearbeiten. Das Heft könnt ihr am gut sortierten Späti-Kiosk kaufen, in der Gehirn & Geist iPad App oder online hier

Gerd Postel im Interview auf viertausendherz

Der Podcast „Elementarfragen“ von Viertausendherz ist immer gut; gut recherchiert, gute Technik, guter Journalismus. In der aktuellen Episode geht es um ein psychiatrisches Thema: Gerd Postel wird interviewt. Für die jüngeren unter uns: Gerd Postel ist ein verurteilter Straftäter, der das Vertrauen vieler Patienten und Mitarbeiter in psychiatrischen Kliniken mißbraucht hat, indem er sich, ohne Arzt zu sein, als Arzt in mehreren psychiatrischen Kliniken betätigt hat. Ein Hochstapler und Dokumentenfälscher.

Er hat aber Eingang in die psychiatrische Popkultur gefunden, weil er auf intelligente Art beschreibt, wie es ihm möglich war, sich in der Psychiatrie ohne fundierte medizinische Kenntnisse durchzuwurschteln. Und natürlich kann man gerade in der Psychiatrie vieles auch ohne ein Medizinstudium lernen, so dass es in weiten Bereichen gar nicht auffällt, wenn man nicht studiert hat. Gut ist das darum nicht.

Ich finde ja, dass die Auseinandersetzung mit dem Fall Postel lehrreiche Elemente enthält. Ein recht aufschlussreiches Interview findet ihr also hier: http://viertausendhertz.de/ef16/

PC066 Suizidalität ist online

In der 66. Ausgabe des PsychCast sprechen wir über Suizidalität und versuchen dabei, Behandlern wie Ärztinnen und Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Krankenpflege und vielen anderen mehr nützlich zu sein.

Im Rahmen eines Podcasts kann leider Betroffenen nicht geholfen werden – sehr wohl aber durch persönliche, individuelle Hilfe. Bist Du betroffen von Depression und Lebensüberdruss oder einer Krise? Unter der kostenfreien Rufnummer 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222 bekommst Du schnell und anonym professionelle Hilfe. Ebenso ist eine anonyme Chatberatung oder eine Mailberatung sowie auch eine Vor-Ort-Beratung möglich.

Die Folge findest Du hier: http://psychcast.de/pc066-suizidalitaet/

How to gender in 2018

Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,

Sprache schafft Realität, da sind wir uns ja einig. Und daher ist es richtig, immer zumindest zwei der vielen möglichen Geschlechter auszuschreiben, also zum Beispiel „Die Busfahrerin / Der Busfahrer öffnet der Fahrgastin / dem Fahrgast die Tür / der Tür.“
Aber das liest sich etwas sperrig, da sind wir uns auch einig.
Daher gibt es auch die Schreibweisen

  • BusfahrerInnen
  • Busfahrer*innen
  • Busfahrer_innen
  • Busfahrer/-innen

und sicher noch einige andere. Liest sich auch nicht so doll.
Die Zeit hat jetzt hier beschrieben, wie sie es in Hinkunft halten wird: Bei der ersten Erwähnung einer Bezeichnung, die in verschiedenen Geschlechtern möglich ist, werden beide Geschlechter ausgeschrieben, danach wechselnd entweder die weibliche oder die männliche Form. Damit ist klar, dass die Autorin / der Autor an alle Geschlechter gedacht hat, dies respektiert und würdigt, und danach kann der Autor einfach so schreiben, wie es sich besser liest. Die Redaktion von ze.tt, dem jungen Onlineangebot des Zeitverlags, macht es anders, die schreiben immer beide Formen aus.
Ich emfinde das Vorgehen der Zeit als einen guten Kompromiss aus Korrektheit und Lesbarkeit.
Gerade auf einem Blog, der sich mit der Psyche beschäftigt, möchte ich mich hier wirklich vernünftig verhalten, bin zuletzt aber auch immer daran gescheitert, dass eine konsequente Verwendung der Doppelform wirklich schlecht lesbar ist.
Wenn ihr in Zukunft also hier auf dem Blog zu Beginn einmal beide Geschlechter erwähnt findet, und danach nur noch eines, wisst ihr, dass ich durchgehend alle Geschlechter meine, auch die über männlich und weiblich hinausgehenden.
Wie haltet ihr es in euren Texten mit dem gendern 2018? Schreibt euer Vorgehen mal in die Kommentare!