Video: Müssen es immer Antidepressiva sein?

In den letzten 10 Jahren hat sich die Verordnung von Antidepressiva verdoppelt. Wenn einfach mehr Depressionen richtig diagnostiziert und behandelt werden würden, wäre das ja ein erfreulicher Trend. Aber ich fürchte, dass das nur der kleinere Teil der Wahrheit ist. Depressive Episoden werden in den letzten Jahren auch länger behandelt und mehr und mehr normale Lebenskrisen wie Trauer oder Belastungsreaktionen werden mit Medikamenten behandelt. Das kann hilfreich sein, aber allenfalls dann, wenn es nicht statt, sondern zusätzlich zu einer Psychotherapie eingesetzt wird. Und vieles gehört einfach zum normalen Auf und Ab des Lebens dazu, und dann soll man in aller Regel die Finger von den Medikamenten lassen.

Mira von DocCheck hat mich hierzu interviewt, das Video findet ihr gleich hier.

Wie frage ich richtig nach Suizidalität? Video

Suizidalität Wie fragt der Arzt richtig nach  DocCheck 2019 12 11 17 06 55

Ich habe mit Mira Knauf und dem Team von DocCheck über das Thema Suizidalität gesprochen. Im Video erkläre ich, wie HausärztInnen, PsychotherapeutInnen, PsychiaterInnen und andere am besten abklären können, inwieweit eine Gefahr durch Suizidalität besteht. Dabei erläutere ich ein bewährtes Stadienmodell der Suizidalität und nenne Beispiele für konkrete Fragen. Das sechs-minütige Video findet ihr hier.

Etwas ausführlicher gehe ich im DocCheck-Podcast „Auskultiert“ auf das Thema Suizidalität ein. Den Podcast findet ihr hier.

 

Diese Berichterstattung richtet sich an Behandler. Betroffenen kann an dieser Stelle nicht geholfen werden. Schnelle, anonyme und kompetente Hilfe findest du aber unter der kostenfreien Rufnummer der Telefonseelsorge 0800 / 111 0 111 oder 0 800 / 111 0 222. Die Deutsche Depressions Hilfe kannst du unter 0800 / 33 44 533 erreichen. 

PC097 Babyblues, Coaching, Umwelt, Yoga – der Hörer-Call-In #1

Wir sprechen im großen PsychCast Call-In mit Kathrin, Judith, Verena und Nicola. Es geht um Babyblues, Wochenbettdepression, Altersdepression, schwangere Männer und Erwartungen, Kreißsaal-Traumata, LifeCoaching, Podcasting, Psychotherapie, SUVs, Umweltschutz, ForFuture, Moral, Gewohnheiten, Destruktivität, Teams, Zusammenhalt, Yoga, Sport und Selbstbeobachtung sowie vieles andere mehr.

Hier findet Ihr die Podcast-Folge incl. Video: https://youtu.be/f0bjr5uwHDs

Hier die Links zur Show:
https://psychotrifftcoach.de/
https://psychologistsforfuture.org/de/
https://www.facebook.com/pg/www.handsOM.de/

Unsere Lieblings-App und unseren Partner Blinkist findet Ihr hier:
https://www.blinkist.com/de/nc/partners/psychcast

Wir danken dem PsychCast-Freundeskreis, der die Produktionskosten unseres Podcasts auch diesmal übernommen hat, DANKE! https://steadyhq.com/de/psychcast

Können Computerspiele ein Skill gegen Gedankenkreisen sein?

Ist die PlayStation ein guter Skill gegen Gedankenkreisen, Zwangsgedanken oder auch Dissoziationen?
Vielen Patienten helfen Handyspiele, eine Runde Zelda auf der Switch oder ein gutes Playstation Spiel, sich wieder zu erden und zurück in die Realität zu kommen. Warum also die PlayStation nicht in das Arsenal der Skill neben Sport, Eiswürfeln und Hörbüchern einreihen?

Das Video findet ihr hier.

Es lebe die Traurigkeit!

In unserer psychologievernarrten Welt gibt es den verhängnisvollen Trend, völlig normale psychologische Vorgänge mit Begriffen zu belegen, die gar nicht für das normalpsychologische Erleben gemacht sind. Ich nenne mal ein paar Beispiele:

  • Jeder, der mal ein wenig ordentlich ist, wird gleich zwanghaft geschimpft.
  • Statt misstrauisch zu sein, sollen alle plötzlich paranoid sein.
  • Und eitel darf niemand mehr sein, das Wort ist aus dem kollektiven Wortschatz ganz verschwunden, heute sind alle eitlen Menschen gleich narzisstisch

Mit der gleichen überschießenden Leidenschaft werden traurige Menschen, die einfach mal ganz normal und ohne Krankheitswert traurig sein wollen, in unverrückbarer Falschheit immer und von jedem depressiv genannt. 

Aber das ist falsch. Denn traurig sein, heißt eben gerade nicht, dass man depressiv ist. Die Depression ist eine Krankheit, und eine depressive Stimmungslage ist ihr Kernsymptom. Wer aber keine Depression hat, der ist einfach traurig, niedergeschlagen, besorgt, verzweifelt, down, aber eben nicht depressiv. Den Begriff sollten wir ausschließlich für die Kranken reservieren. 

Super Übersichtsarbeit „Delir im Krankenhaus“ im Ärzteblatt

In der aktuellen Auflage des Ärzteblatts findet sich ein ausgezeichneter Übersichtsartikel zum Thema Delir im Krankenhaus, online findet ihr ihn zum kostenlosen PDF-Download hier. Wer im Krankenhaus arbeitet, hat mit absoluter Sicherheit immer mal wieder mit Delirien zu tun, und gerade bezüglich dieses Krankheitsbildes gibt es einen reichlich wuchernden Wald an Halbwissen, Fehlannahmen, nicht evidenzbasiertem Handeln und tatsächlich offenen Fragen. Umso erfreulicher ist, dass die Autoren Zoremba und Coburn hier Licht in den Wildwuchs bringen und beschreiben, was man über Diagnostik und Therapie des Delirs im Krankenhaus wissen sollte. Ich empfehle daher jedem Krankenhausarzt, diesen Artikel im Original zu lesen. Als teaser kann ich zur raschen Lektüre hier allerdings auch mal meine take-away-Punkte aufführen:

  • Das Delir hat bei Intensivpatienten eine Inzidenz von 30-80 %.
  • Der früher oft verwendete Begriff „Durchgangssyndrom ist unpassend, vor allem, weil das Delir mit einer erhöhten Letalität verbunden ist und 25 % der Patienten kognitive Funktionsstörungen behalten.
  • Die Diagnostik vor allem des hypoaktiven Delirs gelingt sicherer mit etablierten Testverfahren, wie dem kostenlos in deutscher Sprache erhältlichen CAMICU für Intensivpatienten oder dem CAM-S für Patienten auf Normalstationen.
  • Die Prävention und Therapie erfolgt überwiegend nichtmedikamentös mittels Reorientierung (eigene Brille, eigenes Hörgerät), adäquater Schmerztherapie, Frühmobilisation, Schlafverbesserung und Vermeidung unnötiger Polypharmazie.
  • Man unterscheidet das hypoaktive Delir, das Delir vom Mischtyp und das hyperaktive Delir. Die Extremform des hypoaktiven Delir heißt katatone Variante, die Extremform des hyperaktiven Delirs heißt exzitatorische Variante. Auf einer Abfolge von extrem ruhig bis extrem agitiert ergeben sich also diese 5 Stufen: Katatone Variante des hypoaktives Delir, hypoaktives Delir, Delir vom Mischtyp, hyperaktives Delir und exzitatorische Variante des hyperaktiven Delirs.
  • In der Therapie des Delirs sollten natürlich delirogene Ursachen behandelt werden, insbesondere Infektionen, Elektrolytstörungen, Substanzentzug, Blutzuckerentgleisungen, Schmerzen und Hypoxien.
  • Zur Kontrolle des hyperaktiven Delirs sollten kurzwirksame Benzodiazepine wie Midazolam und Alpha2-Agonisten wie Clonidin eingesetzt werden.
  • Im Medikamenten- und Substanzentzugsdelir sind langwirksame Benzodiazepine wie Lorazepam indiziert.
  • Selbst im hyperaktiven Delir ohne psychotische Symptomatik sind Antipsychotika wie Haloperidol nicht indiziert.
  • Sowohl bei hypoaktiven Delirien als auch bei hyperaktiven Delirien mit psychotischen Symptomen sind Antipsychotika wie niedrigdosiertes Haloperidol oder Risperidon indiziert. Dabei haben die Atypika natürlich weniger Nebenwirkungen als Haloperidol und gelten als ebenso wirksam.
  • Das Delir ist ein medizinischer Notfall, das ein zügig beginnendes und wirksames multifaktorielles Therapiekonzept erfordert.