PC103 Die größten Psycho-Klischees – aufgeklärt!

Der PsychCast Nr. 103 ist da und wir wünschen Euch viel Spaß beim Hören. Es geht u. a. um die hartnäckigsten Stereotype, um das Älterwerden, Triangulierung, Intuition, Sport, Beschleunigung, Evidenz-basierte Medizin und Psychotherapie und Motivationsversprechen. 

Das angesprochene Buch über das nicht gelebte Leben “Missing Out: In Praise of the Unlived Life” von Adam Phillips findet Ihr hier.

Schreibt uns doch mal in die Kommentare, auf welche Psycho-Klischees Ihr immer wieder stößt!

Die Folge findet ihr hier oder könnt sie direkt auf dieser Seite anhören:

Auf YouTube gibt es das Audio der Folge mit einem Standbild hier:

Vereinfachtes Nebenwirkungsprofil einiger Antipsychotika

Hi R.B., vielen Dank für Deinen Kommentar, das ist eine gute Idee, die Nebenwirkungen jedes einzelnen Antipsychotikums auf so einem Diagramm darzustellen. Ich habe hier jetzt die Prolaktinerhöhung nicht drin, und nur einige gemacht, und die Werte einfach mal so aus dem Bauch gewählt, darüber müsste ich noch mal genau nachdenken, aber das Ergebnis sähe dann ungefähr so aus:






Kann man machen. Ist aber diese Vereinfachung nicht fast so informativ und wesentlich übersichtlicher?

Feedback?

Vereinfachte Nebenwirkungsprofile ausgewählter Antipsychotika

Ich habe mich – aus Gründen – hier mal an einer Grafik versucht, die das Nebenwirkungsprofil ausgewählter Antipsychotika vereinfachend aber übersichtlich darstellt. Die Kunst bei dieser Grafik läge darin, zu vermitteln, wo der Hase bei jedem einzelnen Medikament im Pfeffer liegt, wohl wissend, dass dies alles eine Vereinfachung ist.

Wie sieht die Grafik für euch aus? Kann man damit was anfangen? Ist das ganze Konzept zu vereinfachend? Muss ein bestimmtes Medikament in eine Richtung verrückt werden?

Schreibt mir eure Ideen dazu gerne in die Kommentare! #followerpower

“Der Freitag” über Podcasts

Die Wochenzeitung Der Freitag hat einen sehr interessanten Artikel über Podcasts gebracht. Darin wird auch der PsychCast erwähnt, und zwar in diesem Absatz:

Erfolg ließe sich durch originell aufbereitetes Know-how durchaus erzielen. Der Psychologie-Podcast Psychcast ist deswegen populär, weil die promovierten Moderatoren Jan Dreher und Alexander Kugelstadt eben Ahnung haben. Der Politik-Podcast Die Lage der Nation wäre ohne Ulf Buermeyers juristische Kompetenz wohl kaum so beliebt.

Also, da werden wir doch ganz rot vor Ehre. Mit der Lage der Nation zusammen genannt zu werden, ist schon toll, und die Nennung hat uns wirklich sehr gefreut. 

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen des Artikels und ein schönes Wochenende. Liebe Grüße von Alex und Jan

Video: Müssen es immer Antidepressiva sein?

In den letzten 10 Jahren hat sich die Verordnung von Antidepressiva verdoppelt. Wenn einfach mehr Depressionen richtig diagnostiziert und behandelt werden würden, wäre das ja ein erfreulicher Trend. Aber ich fürchte, dass das nur der kleinere Teil der Wahrheit ist. Depressive Episoden werden in den letzten Jahren auch länger behandelt und mehr und mehr normale Lebenskrisen wie Trauer oder Belastungsreaktionen werden mit Medikamenten behandelt. Das kann hilfreich sein, aber allenfalls dann, wenn es nicht statt, sondern zusätzlich zu einer Psychotherapie eingesetzt wird. Und vieles gehört einfach zum normalen Auf und Ab des Lebens dazu, und dann soll man in aller Regel die Finger von den Medikamenten lassen.

Mira von DocCheck hat mich hierzu interviewt, das Video findet ihr gleich hier.

Wie rechne ich die Dosis eines Neuroleptikums auf ein anderes um?

Wenn man ein Medikament aus einer bestimmten Gruppe auf ein anderes Medikament aus derselben Gruppe umstellen möchte, dann ist es ganz hilfreich, eine Vorstellung davon zu haben, welche Dosierungen sich in etwa entsprechen. Natürlich kann man die Dosierungen nicht einfach umrechnen, denn jede Substanz hat doch etwas andere Hauptwirkungen und oft erheblich unterschiedliche Nebenwirkungen. Dennoch ist es hilfreich, einen Anhaltspunkt zu haben, in welcher Größenordnung sich die neue Dosis so bewegt.

Es gibt verschiedene Arten, an so eine Umrechnungstabelle zu kommen. Die klassische Variante ist die von Davis 1974 angewendete: Man nimmt sich alle verfügbaren Studien zu Medikamenten einer Gruppe, in der die Studienärzte nicht wussten, welches Medikament sie gaben, aber die Dosis nach der klinischen Wirkstärke anpassen konnten. Dann nimmt man den Mittelwert der jeweils gegebenen Dosierungen und geht davon aus, dass diese Mittelwerte vergleichbar sind. In einer ausgezeichneten Arbeit hat Leucht dieses Vorgehen 2015 für atypische Antipsychotika durchgeführt1. Das PDF der Studie ist kostenlos hier zu laden.

Cariprazin wurde in dieser Studie nicht untersucht. Die Äquivalenzwerte für Cariprazin habe ich daher aus meiner eigenen klinischen Erfahrung geschätzt und mich an dieser Studie2 angelehnt.

Ich habe auf diesem Blog bereits meine eigene Umrechnungstabelle für Opiate und meine eigene Umrechnungstabelle für Antidepressiva veröffentlicht. Das Bild oben zeigt die Tabelle, die sich aus der Studie von Leucht für die Gruppe der Antipsychotika ergeben. Ich habe deutsche Handelsnamen eingesetzt, die resultierenden Dosierungen auf für die nächste für dieses Präparat übliche Dosis gerundet und diejenigen Tabellenfelder leer gelassen, die Dosierungen enthalten hätten, die für dieses Präparat in Deutschland nicht zugelassen sind.

Wer sich ein eigenes Bild über meine Rundungen und Vereinfachungen machen möchte, der findet die Tabelle mit den präzise berechneten Werten, die ich als Ausgangswerte für die Tabelle oben genommen habe, hier:

pracc88zise-werte

Meiner persönlichen Einschätzung nach ist die Tabelle oben realistisch und gut geeignet, einen Anhaltspunkt dafür zu geben, welche Dosis eines Antipsychotikums welcher Dosis eines anderen Antipsychotikums entspricht.

Disclaimer

Auch zu dieser Tabelle möchte ich sagen, dass die hier angegebenen Dosierungen nicht ungeprüft übernommen werden dürfen. Die Verschreibung obliegt der Verantwortung des verschreibenden Arztes, der anhand der Fachinformationen, der individuellen Situation des Patienten und aller anderen relevanten Faktoren eine Wahl treffen muss.

Copyright

Dieser Beitrag ist ein Auszug beziehungsweise eine auszugsweise Vorabveröffentlichung des Werks „Psychopharmakotherapie griffbereit“ von Dr. Jan Dreher, © Georg Thieme Verlag KG. Die ausschließlichen Nutzungsrechte liegen beim Verlag. Bitte wenden Sie sich an permissions@thieme.de, sofern Sie den Beitrag weiterverwenden möchten.

  1. 1 Leucht S, Samara M, Heres S, Patel MX, Furukawa T, Cipriani A, Geddes J, Davis JM. Dose Equivalents for Second-Generation Antipsychotic Drugs: The Classical Mean Dose Method. Schizophr Bull 2015; 41: 1397–1402 Im Internet: https://academic.oup.com/schizophreniabulletin/article/41/6/1397/2526028 ↩︎
  2. 1 Németh G, Laszlovszky I, Czobor P, Szalai E, Szatmári B, Harsányi J, Barabássy Á, Debelle M, Durgam S, Bitter I, Marder S, Fleischhacker WW. Cariprazine versus risperidone monotherapy for treatment of predominant negative symptoms in patients with schizophrenia: a randomised, double-blind, controlled trial. Lancet 2017; 389: 1103–1113 Im Internet: https://linkinghub.elsevier.com/retrieve/pii/S0140673617300600 ↩︎