Die Grammy Verleihung der Psychopharmaka 2009

Der Arzneiverordnungsreport 2010 (Schwabe, Paffrath) berichtet über die Verordnungen von Medikamenten im Jahr 2009 durch die niedergelassenen Ärzte der GKV (neuere Daten liegen noch nicht vor…). Hier sind die am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka aufgelistet. Die Tabelle gibt zu den genannten Substanzen die Anzahl der verordneten definierten Tagesdosen (defined daily dose, DDD) in Millionen wieder. Die defined daily dose für Citalopram ist beispielsweise mit 20 mg festgelegt. Die Tabelle gibt an, dass von Cipramil 241,7 Millionen Tagesdosen verschrieben worden sind. Legt man zugrunde, dass jeder Patient, der Citalopram erhalten hat, dies das ganze Jahr, also 365 Tage lang erhalten hat, ergibt sich, dass 241,7/365=0,66 Millionen Menschen damit ein Jahr lang behandelt worden wären. Nimmt man an, dass die mittlere Verordnungsdauer 4 Monate betrug, was sehr viel realistischer ist, wären in Deutschland zu Lasten der GKV im Jahre 2009 3*0,66=knapp zwei Millionen Menschen mit Citalopram behandelt worden.

Die ersten 4 Plätze der Tabelle überraschen nicht. Antidepressiva sind die mit Abstand am häufigsten verordneten Psychopharmaka, weil Depressionen und Angsterkrankungen die häufigsten psychischen Erkrankungen sind. Platz 5 und 6 überraschen. Opipramol habe ich daher einen eigenen Artikel gewidmet, zu Metylphenidat will ich noch einen schreiben.

Doch hier nun erst einmal zwei Tabellen, die erste zeigt die Verordnungshäufigkeit, die zweite auszugsweise die Kosten:

Substanz Mio. DDD
Citalopram 241,7
Mirtazapin 123,1
Amitriptylin 94,5
Venlafaxin 75,1
Opipramol 74
Methylphenidat 55,3
Sertralin 55,1
Doxepin 54,2
Escitalopram 47,5
Zopiclon 47,3
Fluoxetin 43,3
Paroxetin 42,3
Lorazepam 36,8
Duloxetin 34,7
Quetiapin 33,3
Olanzapin 32,7
Zolpidem 32,5
Trimipramin 31,6
Diazepam 31
Risperidon 29
Johanniskraut 27,7
Lithiumsalze 20,3
Haloperidol 18,4
Lormetazepam 15,3
Perazin 15,2
Oxazepam 14,1
Clozapin 13,3

Für die Kosten ergibt sich eine ganz andere Tabelle (Auszug, nach Verordnungshäufigkeit sortiert):

Name Rang Verordnungen Kosten
Seroquel 83 1,17 Mio 259 Mio €
Amitriptylin-neurax 105 0,98 Mio. 18 Mio. €
Tavor 130 0,85 Mio. 12 Mio. €
Diazepam-ratiopharm 154 0,76 Mio. 8 Mio. €
Trevilor 367 0,38 Mio. 69 Mio. €

Quelle für beide Tabellen: http://www.psywiki.org/index.php?title=Psychopharmaka_Verordnungen_2009

Advertisements

5 Gedanken zu “Die Grammy Verleihung der Psychopharmaka 2009

  1. Interessant finde ich dass du als Dosis bei Zwangserkrankungen am ehesten 60mg und bei Depressionen 40mg Citalopram verwendest. Entweder verordnest du ungewöhnlich hoch oder die DDD ist mit 20mg relativ niedrig angesetzt. Es dürfte einige Menschen geben die gleich 2-3 mal die Tagesdosis nehmen.

  2. Wie beurteilen Sie das Seroquel, das ja doch beträchtliche Kosten verursacht und dessen Verordnungszahlen nach meiner Erfahrung deutlich gestiegen sind (evtl. auch durch off-label use) ?

      • Also, ich als Patientin,

        die auch viele andere Patienten persönlich kennt, (Selbsthilfegruppen)

        muss dazu sagen: Es ist gut, dass es Seroquel gibt, es ist eine echt gute Erfindung.
        Es ist das Antipsychotikum/Neuroleptikum mit den wenigsten Nebenwirkungen.

        Es macht am Anfang sehr müde. Aber bei den allermeisten Leuten geht die Müdigkeit innerhalt der ersten 3-4 Wochen weg und sie haben dann wieder ein normales Schlafbedürfnis.

        Bei mir persönlich warens nur 10 Tage, dann habe ich wieder 9 Stunden am Tag geschlafen und war tagsüber nicht müde, also in Sachen Schlaf und Müdigkeit wieder alles normal. Bei den meisten anderen Patienten dauert es 3-4 Wochen, aber dann ist auch bei ihnen wieder alles normal in Sachen Schlaf und Wachsein.

        Es ist wirklich das Neuroleptikum mit den wenigsten Nebenwirkungen, die anderen sind schlimmer.

        Ich wollte es aber trotzdem nicht weiter nehmen.
        Denn ich hatte keine Einfälle mehr.
        Und das Gefühl für Musik war weg.
        Sex hat mir nichts mehr gegeben.

        Das ist bei vielen Leuten aber anders.

        Ich habe mich dann auf Abilify umstellen lassen. Das habe ich aber überhaupt nicht vertragen, körperliche Schwäche, kompletter Interessenverlust, dauerdeprimierte Stimmung.

        Ich habe mich dann entschieden, gar keine Antipsychotika zu nehmen. Das ist jetzt fast 5 Jahre her, ich bin ohne Antipsychotika und ohne Lithium.

        aber wenn ich mich eines Tages entschließen sollte, doch wieder Antipsychotika zu konsumieren, würde meine Wahl sicher auf Seroquel fallen.
        Denn ich glaube nicht, dass Olanzapin, etc. weniger Nebenwirkungen hätte oder subjektiv angenehmer wäre oder körperlich gesünder.
        Ich denke, Seroquel ist wirklich das kleinste Übel unter den Antipsychotika.
        Ich kenne viele andere Patienten, die 6 oder mehr Neuroleptika durch haben, und fast alle sagen, Seroquel ist bei ihnen am verträglichsten.

  3. Pingback: Opipramol (Insidon®): Ein stumpfes Schweizer Messer | Psychiatrie to go

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s