Frank Findeiß: Psychoterrorpie

Ein Kollege von mir hat in einer Buchhandlung das folgende Gedicht zur Psychotherapie gefunden.
Hoffentlich machen wir es besser… :-)

Frank Findeiß: Psychoterrorpie

Sektiererisch impfst Du
Klischee- Parolen
Ins Nervenkostüm
Aus Samt und Seide
Red mir ins Gewissen
Schalt mich aus
Mein schwindender Wille
Fügt sich dem Takt
Aus bohrenden Fragen
Fragenden Blicken
Und verdeckten Notizen
Geheimnisvoll
Mit salbenden Worten
Hakst Du mich ab
Vom Katalog
Der Diagnosen
Dem Spiel Deiner Mine
Von kruder Distanz
Ausgeliefert
Durch kaltes Kalkül
Sitz ich seelenbalsamiert
Auf ungelösten Sorgen
Endlich regt sich Widerstand
Doch die Stunde ist um

 

P.S.:

Das Gedicht “Psychoterrorpie” hat übrigens 2012 den Jurypreis des Hildesheimer Lyrikwettbewerbs gewonnen.

Das Autorenprofil von Frank Findeiß findet ihr hier.

Crystal Aufklärungsseite Sachsen neu am Netz

Sachen hat ein ernsthaftes Crystal-Problem, und wenn ihr mich fragt, dauert es nicht mehr lange, bis Crystal auf breiter Front auch die westlichen Bundesländer erreicht hat. In den Metropolen ist es schon verfügbar, aber offenbar noch nicht so häufig anzutreffen.

Ein frühzeitig aufgenommener Kampf gegen Crystal ist bundesweit sinnvoll, denn dieses Teufelszeug führt seine Konsumenten meist ungebremst in den Abgrund.

Die Seite Crystal.Sachsen ist neu am Netz und informiert sachlich über Wirkungen, Nebenwirkungen, Therapieoptionen und auch den Kampf des Landes Sachsen gegen Crystal.

Ich wünsche Sachsen, dass die anderen Bundesländer und der Bund es in diesem Kampf jetzt unterstützen. Im eigenen Interesse.

Nun hat es geklappt: Psychiatrie to go läuft jetzt auf www.psychiatrietogo.de

Voila_Capture 2014-08-08_07-10-08_nachmSo: Beim dritten Versuch hat es nun geklappt: Der Blog ist jetzt durchgehend unter der Domain www.psychiatrietogo.de zu erreichen und die Unterseiten heißen jetzt auch so. Gefällt mir gut.

Geschafft habe ich das nach mehreren Versuchen, indem ich meinen uralten Vertrag bei Strato mal gekündigt habe, und meine (beiden) domains auf www.hover.com transferiert habe. Hover macht nur Domainmanagement. Kein webspace, keine komischen Knebelverträge; einfach Domains verwalten. Das aber einfach, gut und preiswert. Und der technische Service ist erprobtermassen schnell, nett und effizient. Kann ich empfehlen!

Hilft ein DNA Test, das richtige Antidepressivum zu finden?

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Antidepressive Medikamente an die eigene DNA angepasst

Die Suche nach dem richtigen Antidepressivum kann manchmal etwas dauern. Zu Beginn einer depressiven Episode beginnt man mit einem Antidepressivum und beobachtet den Erfolg über mehrere Wochen. Manchmal treten ausgeprägte Nebenwirkungen auf, dann muss man die Dosis reduzieren oder das Präparat wechseln. Nach einigen Wochen erwartet man einen Therapieerfolg. Tritt dieser nicht ein, wechselt man ebenfalls das Antidepressivum. Manchmal dauert es mehrere Wochen, bis man das richtige Medikament in der richtigen Dosis gefunden hat.
Da liest sich die Versprechung von Stada sehr interessant:

Neuer DNA-Test STADA Diagnostik Antidepressiva erleichtert Therapiefindung bei der medikamentösen Behandlung der Depression

Was steckt dahinter? Die Cytochrome p450:

Antidepressiva werden in der Regel von p450-Cytochromen verstoffwechselt. Das sind Enzyme, die die Medikamente abbauen und so die Elimination vorbereiten. Es gibt eine ganze Reihe von Untertypen der Cytochrom p450 Enzyme, zum Beispiel CYP1A1, CYP2A6, CYP2D6 und viele weitere. Viele Menschen produzieren alle wichtigen Untertypen der CYP-Gruppe in normaler Menge und mit normaler Stoffwechselaktivität. Es gibt aber auch einen relevanten Anteil von Menschen, die von bestimmten Varianten der Cytochrome entweder zu viel oder zu wenig produzieren. Und dann gibt es auch Varianten der jeweiligen Untertypen, die weniger oder stärker stoffwechselaktiv sind.

Was bedeuten Varianten der CYP p450 Gruppe praktisch?

Slow metabolizer

Nehmen wir an, in meinem Genom sind die Varianten CYP2C19 und CYP3A4 nur ganz schwach angelegt. Sagen wir, ich produziere CYP2C19 gar nicht und von CYP3A4 nur eine ganz schwach stoffwechselaktive Variante. Das heißt dann, ich bin ein slow metabolizer.
Nehmen wir nun an, ich entwickele eine depressive Episode und mein Arzt verschreibt mir Citalopram, und zwar in einer Dosis von 40 mg.
Citalopram wird von den Enzymen CYP2C19, CYP3A4 und CYP2D6 abgebaut. Da ich zwei dieser drei Enzyme nur in einer nicht oder kaum wirksamen Form hätte, würde bei mir der Citalopram-Blutspiegel sehr schnell sehr hoch ansteigen. Ich hätte dann mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeprägte Nebenwirkungen vom Citalopram. Wenn andere nur etwas unter Übelkeit durch Citalopram zu leiden hätten, hätte ich darunter wahrscheinlich stark zu leiden. Auch die Gefahr von EKG-Veränderungen wäre dann für mich deutlich erhöht.
Ohne DNA-Test kann ich das erst merken, wenn die Nebenwirkungen auftreten. Ich könnte dann eine Bestimmung des Blutspiegels von Citalopram durchführen, und so einen Hinweis erhalten. Ein DNA-Test hätte schon vor Beginn der Behandlung gezeigt, dass Citalopram für mich sicher ungeeignet ist.

Fast metabolizer

Ich könnte auch Genvarianten haben, die dazu führen, dass ich besonders schnell arbeitende Varianten der Enzyme CYP2C19, CYP3A4 und CYP2D6 habe. Das heißt dann fast metabolizer, rapid metabolizer oder ultra-rapid metabolizer.
Wenn ich nun Citalopram verschrieben bekäme, würde mein Körper das Citalopram so schnell abbauen, dass keine Wirkung mehr entstehen könnte.
Ohne DNA-Test würde ich erst einmal einen sehr langen Therapieversuch mit Citalopram machen, das ich gut vertragen würde (mein Citalopram Blutspiegel wäre ja ganz niedrig), aber so nach 4–6 Wochen würde ich das Präparat vielleicht wechseln, weil es nicht gewirkt hätte.
Mit DNA-Test würde ich, wenn ich wüsste, dass ich ein fast-metabolizer für Citalopram bin, entweder eine höhere Dosis nehmen oder gleich ein anderes Präparat einnehmen, das ich normal verstoffwechsele.

Kosten

Der Apotheken-Listenpreis des DNA Tests beträgt 395 €, im Internet finden sich aber Angebote am 216 €.

Fazit

Man liest viel von der personalisierten Medizin der Zukunft. Ich denke, dass es in wenigen Jahren gängige Praxis sein wird, Patienten, die mit einer schweren Depression oder schweren Psychose im Krankenhaus aufgenommen werden, auf ihre Metabolisierungseigenschaften hin zu untersuchen. Das ist schließlich eine Untersuchung, die man nur einmal im Leben machen muss. Und sie kann helfen, Nebenwirkungen oder lange Therapiephasen mit unzureichender Wirkung eines Präparates zu vermeiden. Im Moment ist das noch nicht üblich.
Im stationären Rahmen ist es gegenwärtig üblicher, bei starken Nebenwirkungen oder zu schwacher Wirkung den Blutspiegel des Medikamentes zu bestimmen. Eine Untersuchung des Metabolisierungstyps ist während einer stationären Behandlung möglich, wird aber selten durchgeführt.
Patienten in ambulanter Behandlung können sich das Testkit allerdings selbst in der Apotheke kaufen und ihren Arzt bitten, die Untersuchung für sie durchzuführen. Der Arzt erhält dann die Ergebnisse zugeschickt.

Weitere Quellen

Hier das Werbevideo von Stada:

Neues Design…

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Also mir war das alte WordPress-Theme “Nuntius” mit der Zeit etwas schwerblütig erschienen. Ich habe heute mal den Knopf gedrückt, der das Theme “Twenty Twelve” auswählt. Das gefällt mir im Moment weit besser, weil es viel frischer und moderner aussieht. Was haltet ihr davon?

 

Seelenklempnerei

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Ich freue mich immer über neue interessante Blogs, und die Ideen, die sie in mein Leben bringen.

Frisch für Euren Feed-Reader neu entdeckt: Seelenklemnerei!

Hier schreibt ein ärztlicher Psychotherapeut / Psychosomatischer Oberarzt über allerlei Psychische Sachen, vor allem Imagination, also „Innere Bilder“, Positive Psychologie und Lösungsorientierte Verfahren.

Mir gefällt besonders gut der post: Wie man sich in 7 Minuten grossartig fühlen kann. Darin kommt ein Video vor, das aus zwei Teilen zu je 8 Minuten besteht. Es heißt „Validation“ und erklärt völlig ohne Psycho-Irgendwas, was eigentlich wichtig ist im Leben, in der Psychotherapie und überhaupt. Ich bin eigentlich kein großer Youtube-Verlinker, aber diesen Film habe ich wirklich sehr genossen. Wenn ihr eine Viertelstunde Zeit habt, guckt ihn Euch an!

Teil 1: 

Teil 2: 

Und hier findet ihr den RSS-Feed von Seelenklemptnerei: Beitragsfeed (RSS). Der Autor betreibt noch einen zweiten blog, nämlich adhsspektrum

Viel Spaß mit den blogs!

Transgender im Krankenhaus

Nicht nur in Köln hat man es im Krankenhaus immer mal wieder mit Patienten zu tun, die Transgender sind, also deren Geschlechtsidentität nicht dem körperlichen Geschlechtsmerkmalen entsprechen. Diese Patienten können sich umoperieren lassen, dann ist auch jedem klar, wie sie behandelt werden müssen, nämlich entsprechend der eigenen Geschlechtsidentität, die nun ja auch den körperlichen Realitäten entspricht.
Sie müssen sich aber nicht umoperieren lassen, wie das Bundesverfassungsgericht in seiner gewohnten Weisheit entschieden hat:

Eine geschlechtsumwandelnde Operation stellt eine massive Beeinträchtigung der von Art. 2 Abs. 2 GG geschützten körperlichen Unversehrtheit mit erheblichen gesundheitlichen Risiken und Nebenwirkungen für den Betroffenen dar…. Die unbedingte Voraussetzung einer operativen Geschlechtsumwandlung nach § 8 Abs. 1 Nr. 4 TSG stellte eine übermäßige Anforderung dar, da sie von Transsexuellen verlangt, sich auch dann dem Eingriff auszusetzen und gesundheitliche Beeinträchtigungen hinzunehmen, wenn dies im jeweiligen Fall nicht indiziert und für die Feststellung der Dauerhaftigkeit der Transsexualität nicht erforderlich ist.

Und das bedeutet in der Konsequenz, dass man im Krankenhaus ganz unverkrampft Frauen mit Penis in Frauenzimmern und Männer mit Vagina in Männerzimmern unterbringen kann. Natürlich darf man auch ein Einzelzimmer zur Verfügung stellen, wenn man eines frei hat, und das ist sicher auch oft ganz hilfreich. Was aber ein Verstoß gegen das Transsexuellengesetz (TSG) wäre, ist die Unterbringung einer Frau in einem Männerzimmer, nur weil sie einen Penis hat… Es gilt das nach TSG festzustellende Geschlecht.

Benzodiazepine bei akuten Psychosen: Entspricht die Dosis dem Bedarf?

Benzodiazepindosis bei akuten Psychosen

In der stationären Behandlung akuter Psychosen kann es oft sinnvoll sein, am Anfang eine wirksame Dosis von Benzodiazepinen zu geben, da die akute Psychose oft mit einem hohen Maß an Angst und Anspannung einher geht. Angst und Anspannung lassen dann meist recht zügig nach, nach einer Woche sind sie oft weitgehend abgeklungen. Wenn zu Beginn Benzodiazepine gegeben worden sind, dann sollen diese nun zügig reduziert und so bald wie möglich abgesetzt werden.
In der Realität sehe ich oft, dass an den ersten zwei Tagen eher zu wenig Benzodiazepine gegeben werden, und danach die Dosis deutlich zu langsam reduziert wird. Natürlich gibt es nicht einen immer gleichen Benzodiazepin-Bedarf bei Patienten mit akuten Psychosen. Ich habe das Diagramm oben aber dennoch gezeichnet, um zu verdeutlichen, wie ich das meine. In den ersten Tagen brauchen manche Patienten eine hohe Dosis, dann ist eine rasche Dosisreduktion sinnvoll. 

Merke:
Prüfe täglich, wie hoch Angst und Anspannung wirklich sind und passe die Benzodiazepin-Dosis täglich daran an.

Bislang größte Studie findet 108 Genorte, die mit Schizophrenie assoziiert sind

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Dass die Schizophrenie eine wesentliche erbliche Komponente hat, ist schon lange bekannt. Bislang waren aber nur wenige gut replizierte Gene gefunden worden, die bei Patienten mit einer Schizophrenie deutlich häufiger verändert sind als bei Gesunden. Da die Schizophrenie eine polygenetische Erkrankung ist und die bisher gefunden Gene nicht wirklich richtungweisend für das Verständnis der Krankheitsmechanismen waren, verhalfen die bisherigen Funde nicht wirklich zu einem Durchbruch im Verständnis dieser komplexen Erkrankung.

Das Psychiatric Genomics Consortium, eine sehr große internationale Arbeitsgruppe, zu der mehr als 80 Zentren aus 35 Ländern gehören, beschreibt in Nature nun die Ergebnisse der bislang mit Abstand größten genomweiten Suche nach verdächtigen Genen. Der Artikel ist hier als PDF in voller Länge zu laden.

Verglichen wurden die vollständigen Genome von 36.989 Schizophrenie-Patienten und 113.075 gesunden Kontrollen. Es fanden sich 108 Genvarianten, die mit einem erhöhten Risiko einhergehen, an einer Schizophrenie zu erkranken.

Einige der gefundenen Gene codieren für Proteine, die im Verdacht stehen, eine pathogenetische Rolle in der Entstehung der Schizophrenie zu spielen. Darunter das Gen DRD2, das den Dopamin-2-Rezeptor codiert, an dem die meisten Neuroleptika ansetzen.

Es wurden auch  mehrere Gene (GRM3, GRIN2A, SRR, GRIA1) identifiziert, die an der Regulation der glutamatergen Neurotransmission beteiligt sind. Dies unterstützt die These, dass eine Dysfunktion an den NMDA-Rezeptoren eine Rolle bei der Entstehung der Schizophrenie spielt.

Interessant ist, dass einige Gene gefunden worden sind, die an der Regulation der synaptische Plastizität beteiligt sind, was Überschneidungen mit bestimmten Autismus-Spektrum-Störungen nahelegen kann.

Die stärkste Assoziation bestand mit Regionen auf dem Chromosom 6, wo sich verschiedene Gene des Haupthistokompatibilitätskomplexes (MHC), eines Bestandteils des Immunsystems befinden. Diese Assoziation ist schon länger bekannt, ihre Bedeutung ist aber noch unklar.

Forscher auf der ganzen Welt haben sich zusammengetan, die Erkrankung Schizophrenie besser zu verstehen. Das langfristige Ziel dieser vereinten Anstrengungen ist die Entwicklung neuer Medikamente, die Patienten mit einer Schizophrenie besser und zielgerichteter helfen können. Dieses Ziel ist noch ein ganzes Stück entfernt. Heute ist es einen Schritt näher gekommen.

Links:

Neurodiversity

Ich habe unlängst den Begriff Neurodiversity gelesen. Der gefällt mir sehr gut. Bei Biodiversity weiß jeder sofort Bescheid, dass gerade die Unterschiedlichkeit der Lebensformen auf diesem Planten seinen besonderen Reichtum und seinen unschätzbaren Wert ausmachen.

Dass die Menschen unterschiedlich denken, ist ebenso gut und richtig. Diese Unterschiedlichkeit zu respektieren und als Reichtum zu begreifen, das vermittelt das Wort Neurodiversity.

Ich habe den Begriff übrigens auf einem der Blogs zum Thema Autismus gefunden, die ich auf der Seite Psychiatrie Blogs verlinkt habe.

Wenn Du selbst einen Blog hast, in dem Du öfters über eine psychiatrische Krankheit schreibst, oder so einen Blog kennst, dann mail mir doch mal. Wenn der Blogbetreiber einverstanden ist, verlinke ich ihn gerne…