Live long and prosper !

Leonard Nimoy, alias Spok, starb heute im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in Los Angeles.

Im Film “Der Zorn des Khan” folgte Spok der alten vulkanischen Erkenntnis:

Das Wohl der Vielen wiegt mehr als das Wohl der Wenigen oder des Einzelnen

Er opferte sich, um die Besatzung der Enterprise zu retten.

Guckt euch das Video seiner Beerdingung an, denn manchmal ist traurig sein das einzig Richtige…

Gute Reise, Leonard!

Neue DGPPN Leitlinien Zwang, Alkohol- und Tabakabhängigkeit

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Die DGPPN hat drei neue Leitlinien vorgestellt.

Alle verfügbaren Leitlinien der DGPPN nach Krankheitsbildern geordnet findet ihr hier.

Die Juristen sagen ja: “Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung“. Mediziner könnten nach reiflicher Überlegung zur Feststellung kommen: “Ein Blick in die Leitlinie erleichtert die Therapiefindung”. Aber Mediziner sind da sehr unterschiedlich. Manche geben kein Tablette Aspirin, ohne die zutreffende Seite der Leitlinie “Kopfschmerzen” zitieren zu können, andere haben noch nie eine Leitlinie aus der Nähe gesehen.

Zu welcher Gruppe gehört ihr? Findet ihr die DGPPN-Leitlinien praxisnah genug formuliert? Geben sie euch hilfreiche Hinweise und Entscheidungshilfen?

Es gibt keine Wohnheime mehr

OK, die Wohnheime heißen jetzt EulA´s, ausgesprochen Einrichtungen mit umfassendem Leistungs-Angebot.

Ich bin nicht ganz sicher, ob es in diesem Leben auch nur einmal passieren wird, dass ich eine Straße entlang gehe und denke: „Da steht eine EuLA“. Wahrscheinlich wird das nie passieren. Aber verwaltungstechnisch gehören Wohnheime jetzt der Vergangenheit an…

Ich habe jedenfalls heute eine nagelneue EuLA besucht und fand sie sehr schön und modern…

Suizidalität und Antidepressiva oder Wie man das Kind mit dem Bade ausschütten kann…

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Prof. Gründer hat in seinem wie immer extrem lesenswerten mind-and-brain-blog in diesem post einen Artikel verlinkt, den er im Nervenarzt geschrieben hat und den man dort direkt als PDF im Volltext kostenlos laden kann. Der Artikel beschreibt in sehr differenzierter und nachvollziehbarer Weise, wie die Diskussion über eine Zunahme suizidaler Gedanken sich in den letzten 15 Jahren entwickelt hat und was aktuell der evidenzbasierte Stand der Dinge ist.

Klinisch gilt es als typisch, dass Patienten in den ersten Wochen einer antidepressiven Medikation unter einer Zunahme von Unruhe und Getriebenheit leiden können. Diese Getriebenheit trifft auf eine Zeit, in der die depressiven Symptome wie reduzierte Lebensfreude, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung noch voll ausgeprägt sein können. In dieser Zeit ist daher ganz besonders genau zu prüfen, ob suizidale Gedanken zunehmen und eine konkrete Gefährdung entsteht.

Die diesbezüglichen Studien haben eine besonders hohe Gefahr für Jugendliche gefunden; über die Jahre hinweg gab es unterschiedliche Warnungen für unterschiedliche Altersgruppen.

Viele Kritiker der Psychopharmakotherapie haben diese Diskussion dann zum Ausgangspunkt genommen, die SSRI für die Behandlung von Depressionen ganz zu verteufeln. Das ist zwar irgendwie verständlich, damit schüttet man aber das Kind mit dem Bade aus.

Meine persönliche Einschätzung:

Ich persönlich habe keinen Zweifel daran, dass durch die Behandlung schwerer Depressionen mit einem SSRI die der Krankheit innewohnende Gefahr eines vollendeten Suizids wesentlich reduziert werden kann. Diese Reduktion ist meiner Einschätzung nach wesentlich größer als die Gefahr, die durch die Verstärkung suizidaler Gedanken durch die Medikation ausgehen könnte. Eine engmaschige Einschätzung der Suizidalität ist daher mit und ohne Psychopharmakotherapie äußerst wichtig.

Wer sich nicht auf die persönlichen Einschätzungen Einzelner verlassen möchte, findet im von Prof. Gründer verlinkten Artikel eine sehr genaue Darstellung der aktuellen Evidenz, deren Lektüre ich jedem an diesem Thema Interessierten sehr ans Herz legen möchte.

Wirkung und Nebenwirkungen von Venlafaxin in Abhängigkeit von der Dosis

Venlafaxin, zum Beispiel Trevilor, ist ein sehr gut wirksames Antidepressivum. Es wird eingesetzt zur Therapie der Depression, der Angststörungen und manchmal zur Behandlung von Zwangserkrankungen. Typische Dosierungen im ambulanten Bereich sind etwa 37,5-150 mg pro Tag, im statIonären Bereich etwa 75-225 mg, vereinzelt werden auch bis zu 300 mg pro Tag gegeben.

Venlafaxin hat eine gute und verlässliche Wirkung, wobei meiner Erfahrung nach ein guter Kompromiss aus Wirksamkeit und Nebenwirkungen bei einer Dosierung von etwa 150 mg pro Tag liegt. Nach Beginn der Behandlung verspürt der Patient typischerweise in den ersten zwei Wochen wenig Nebenwirkungen und kaum Wirkung. Nach zwei Wochen tritt häufig eine allgemeine Unruhe, Rastlosigkeit und Angetriebenheit ein, die in der Regel als unangenehm wahrgenommen wird. Der Vorteil dieser Rastlosigkeit ist, dass Patienten, die dies erleben, meiner Erfahrung nach praktisch immer auch die antidepressive Wirkung zwei Wochen später erleben. Die Nebenwirkung “Unruhe” ist also ein verläßlicher Vorbote der antidepressiven Wirkung.

Meiner Erfahrung nach bringen höhere Dosierungen sehr wohl eine etwas höhere Wirkung. Allerdings zahlt der Patient einen zunehmend hohen Preis in Form einer dauerhaft anhaltenden, unangenehmen Unruhe und Getriebenheit. Diese ist bei 225 mg pro Tag oft den ganzen Tag über spürbar und fühle sich so an, als ob man 8 Tassen Kaffee am Tag getrunken hätte. Bei 300 mg am Tag kann die Unruhe unerträglich werden.

Natürlich reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf eine bestimmte Dosis. Manche Patienten vertragen 300 mg pro Tag völlig frei von Nebenwirkungen, andere haben unter 150 mg schon ausgeprägte Unruhe. Wer zusätzlich zur Depression noch eine körperliche Erkrankung hat, die ihn schwächt, verträgt oft nur recht niedrige Dosierungen.

Das Dosis-Wirkungs und Dosis-Nebenwirkungs-Verhältnis ist nicht bei allen Antidepressiva gleich. Citalopram und Escitalopram verursachen auch in höheren Dosierungen deutlich weniger Getriebenheit und Unruhe als Venlafaxin. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Venlafaxin in höheren Dosen nicht nur als Serotonin-Wiederaufnahmehemmer wirkt, sondern zusätzlich als Noradrenalin-Aufnahmehemmer wirkt, was eben unruhig macht. In den sehr hohen Dosierungen von 300 mg Venlafaxin pro Tag kann auch noch eine Dopamin-agonistische Wirkung dazu kommen, was im Einzelfall psychotische Symptome auslösen kann.

Aufgrund dieser Dosis-Wirkungs- und Dosis-Nebenwirkungskurve ist es aus meiner Sicht oft sinnvoll, lieber etwas länger bei einer gut verträglichen Dosis zu bleiben, als nach wenigen Wochen, wenn ungeduldig festgestellt wird, dass noch nicht genügend Besserung zu verzeichnen ist, auf eine unverträglich hohe Dosis zu erhöhen. Ich habe die Erfahrung gemacht, das sowohl Ärzte als auch Patienten die Wirkung von Antidepressiva eher überschätzen und die Nebenwirkungen der Medikamente eher unterschätzen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Verhältnis aus Wirkung und Nebenwirkungen bei unterschiedlichen Dosierungen von Venlafaxin gemacht. Ab welcher Dosis habt ihr eine unangenehme Unruhe beobachtet oder selbst erlebt? Schreibt eure Erfahrungen gerne in die Kommentare!

 

Eat that frog

Aus dem National Media Museum, via Wikimedia Commons.

Ich hatte hier ja schon mal beschrieben, dass ich das Prinzip „Eat that frog“ für ausnehmend klug halte. Kurz gesagt geht es darum, dass man den Tag mit der sperrigsten, unangenehmsten, aber zumeist auch wichtigsten Aufgabe beginnen soll. Danach kommen alle anderen Sachen.

Wenn ich zum Beispiel am Vortag einem Mitarbeiter nicht gerecht geworden bin, und ich habe mir vorgenommen, die Sache am nächsten Tag wieder gerade zu rücken, und mir das irgendwie im Magen liegt, dann ist das der Frosch des Tages. Ich sollte dann als allererstes, noch bevor ich irgend einen Computer einschalte oder sonst was ablenkendes tue, schnurstracks zu diesem Mitarbeiter gehen und die Sache klären.

Oder wenn ich eine wirklich wichtige Sache mit jemandem zu vereinbaren habe, und davon viel abhängt, dann ist das vielleicht der Frosch des Tages. Ich sollte dies als erstes angehen. Emails und Routinearbeiten können praktisch immer warten.

Ich habe jetzt allerdings in einem podcast eine Fortgeschrittenen-Version dieses Tips gehört:

„Wenn Du an einem bestimmten Tag zwei Frösche zu schlucken hast, dann fang mit dem größeren, häßlicheren, schleimigeren, ekligeren an!”

Ja gut, das ist auch klug. Zum Glück habe ich selbst an den meisten Tagen höchstens einen Frosch zu schlucken, bevor ich mich wieder der angenehmen Routine-Arbeit widmen kann…

Der Pflegeleistungs Helfer Online

Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Online-Information erstellt, mit der man durch einige interaktive Fragen prüfen kann, ob und wenn ja welche Pflegeleistungen für einen in Betracht kommen und wo man sie beantragen kann.

Praktisches Beispiel: Ein enger Angehöriger von ihnen wird plötzlich akut pflegebedürtig, so dass Sie nicht mehr arbeiten können. Die Pflegekasse zahlt ihnen in so einem Fall für bis zu 10 Tage ein „Pflegeunterstützungsgeld“. Das das so ist und wo man das beantragt, sagt einem der Pflegeleistungs-Helfer.

Ihr könnt den Online-Ratgeber hier finden. 

Guter Service!

Wer kennt die KhanAcademy?

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Ich hatte schon mal was über die KhanAcademy gehört, aber bislang noch nicht darin gestöbert. Im entsprechenden Wikipedia-Artikel kann man nachlesen, dass Salman Khan, der Gründer der Organisation, Ende 2004 begann, seiner Cousine Nadia mithilfe des Doodle Notepads von Yahoo! Nachhilfe in Mathematik zu geben. Daraus sind inzwischen über 4000 Lehrvideos von sehr viel mehr Lehrern zu allen möglichen Themengebieten geworden. Schwerpunkte liegen in der Mathematik, verschiedenen Naturwissenschaften wie Biologie, Physik, Medizin, Wirtschaft, Künste, Computerwissenschaft sowie einer Vielzahl weiterer Fachgebiete. Einige der Videos sind auch auf Deutsch verfügbar. Alle Videos sind über die Webseite oder direkt in Youtube frei zugänglich und dauerhaft kostenlos. Sie werden ähnlich der Wikipedia von freiwilligen Autoren erstellt; die Technik wird von Spenden finanziert. Inzwischen gibt es auch eine iPad App.

Ich finde das Konzept sehr sehr zukunftsweisend. iTunes U bietet ja überwiegend Hochschulvorlesungen an. Die Khan-Academy bietet niederschwelliger Lehrvideos an, auch zu Schulthemen.

Hat jemand von Euch schon einige Kurse verfolgt? Hat jemand Erfahrungen damit? Was haltet ihr von dem Konzept der Khan Academy?

Die Privatadresse von Klinikärzten muss im Klageverfahren nicht genannt werden

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass ein Patient, der einen im Krankenhaus angestellten Arzt wegen eines möglichen Behandlungsfehlers verklagt, kein Anrecht darauf hat, die Privatadresse des verklagten Arztes zu erfahren (Kurzmittelung hier: (Az.: VI ZR 137/14)). 

Im in der Rede stehenden Prozeß hatte ein Patient eine Klage zunächst nicht zustellen können, da er den Namen des Arztes nicht richtig angegeben hatte. Er hatte die Klage an die Anschrift der Klinik geschickt. Nach der Korrektur des Namens war die Klage – erneut an die Adresse der Klinik gerichtet – dann erfolgreich zugestellt worden. Dennoch verlangte der Kläger die Bekanntgabe der Privatadresse des Arztes. Das beteiligte Amtsgericht wies dies in erster Instanz ab. Das Landgericht gab der Klage in der zweiten Instanz statt, unter der Argumentation, das spezielle Arzt/Patient-Verhältnis lasse sich nicht mit dieser Form der Anonymität vereinbaren. Nun hat der u.a. für die Fragen des Persönlichkeitsschutzes und der Arzthaftung zuständige VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshof – in seiner immer wieder unter Beweis gestellten Weisheit – entschieden, dass eine Zustellung an die Klinik ausreichend sei und die Privatadresse des Arztes nicht herausgegeben werden muss. 

Diese Entscheidung ist meiner Meinung nach sicher richtig und angemessen. Dem Zweck des Verfahrens steht es nicht entgegen, dass die Klage an die Klinikadresse geschickt wird. Sie ist so zustellbar. Und dieses Vorgehen ist auch üblich. Es nennt auch kein Gutachter im Gerichtsverfahren je seine Privatadresse. Er sagt immer: „Mein Name ist Johann Mustermann, zu laden über die Gutachtenpraxis Am Hauptbahnhof“. Und das ist auch in Ordnung so.

Der Bundesgerichtshof argumentiert, dass die Beklagte die Klinik ist und diese gemäß Datenschutzbestimmungen nicht berechtigt ist, Daten, die für andere Zwecke erhoben worden sind, ohne Zustimmung weiterzuleiten. Die Privatadresse des Arztes ist für die Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses erhoben worden und dürfe für andere Zwecke eben nicht weiter gegeben werden.

Diese Begründung ist natürlich recht formalistisch. In der Abwägung der Rechtsgüter wird es aber eine erhebliche Rolle gespielt haben, dass in bestimmten Verhältnissen die Gefahr einer unangemessenen Belästigung oder Verfolgung erhöht ist, und es nicht angemessen wäre, die Familie und das Privatleben des Arztes dieser Gefahr auszusetzen, ohne dass für das eigentlich geführte Verfahren irgend ein Nutzen entsteht. 

Es ist ja auch so, dass ein Stalking-Opfer den Stalker verklagen kann, und die Privatadresse des Stalking-Opfers nicht in den Akten erscheinen muss. Die Korrespondenz kann über den Rechtsanwalt des Stalking-Opfers geführt werden. Das entscheidende ist ja, dass eine ladungsfähige Adresse genannt wird. Das kann aber in begründeten Fällen auch die Dienstadresse oder die Adresse des Rechtsanwaltes sein. Dies ist wie gesagt nicht die Argumentation des Bundesgerichtshofes, der sich lediglich auf den Datenschutz beruft. Aber es ist wahrscheinlich der Grund für diese Abwägung…