Psychiatrie to go proudly presents: Psychopharmakotherapie griffbereit

2014_04_30 Coverbild Dreher_4c

Treue Leser dieses blogs wissen, dass ich schon seit mehreren Jahren an einem Buch schreibe, dass eine praxisnahe Einführung in die Psychopharmakotherapie gibt. Die erste Auflage habe ich vor etwa zwei Jahren selbst als iBook in den iBooks Store eingestellt, es folgten Versionen für den Kindle und auch ein selbstverlegtes Buch, das über Amazon zu beziehen war.

Ich habe das Buch ständig überarbeitet, aktualisiert und in den letzten Jahren vier größere Neuauflagen geschrieben.

Im Frühjahr trat dann zu meiner großen Freude der Schattauer-Verlag auf mich zu und bot mir an, das Buch zu veröffentlichen. Als ich den Vertrag unterschrieb, wußte ich noch nicht, wie viel Arbeit der Verlag in die Weiterentwicklung des Buches investieren würde und wie viele Überarbeitungen ich noch machen würde.

Meine Lektorinnen Dr. Julia Fiedler und Claudia Ganter redigierten jedes einzelne Wort und motivierten mich immer wieder, einzelne Absätze, Abschnitte oder Kapitel umzuschreiben, um sie verständlicher und vollständiger zu machen. Auch habe ich noch eine ganze Reihe an praktischen Fallbeispielen eingebaut. Das professionelle Layout und die komplett neu gestalteten Grafiken runden das Buch ab. Nun ist es um Längen besser als je zuvor und wird vom Schattauer Verlag als gedrucktes Buch und später auch als eBook verlegt:

Vom Antipsychotikum bis zur Z-Substanz: Die Vielfalt der Substanzen, die Einfluss auf das Gehirn nehmen können, ist groß. Psychopharmaka sind die am häufigsten verordneten Medikamente. Jan Dreher, leitender Oberarzt am Alexianer Krankenhaus Köln, gibt einen praxisorientierten Überblick über Auswahl, Dosierung, Pharmakologie und Nebenwirkungen der wichtigsten Psychopharmaka. Ebenso beschreibt er, was man in der Klinik über die Wirkung von legalen und illegalen Drogen und die medikamentösen Therapiemöglichkeiten in der Entzugsbehandlung wissen muss. Die Kapitel zu den Themen Gerontopsychiatrie, psychiatrische Notfälle und Wechselwirkungen runden das Werk ab. Der Autor vermittelt nicht nur Praxiswissen, er bringt auch seine langjährigen persönlichen Erfahrungen ein. Ein ideales Buch für die Kitteltasche von Studierenden und Assistenzärzten, aber auch für Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Hausärztinnen und -ärzte, Krankenpflegepersonen und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in psychiatrischen Kliniken.

Auf Amazon könnt ihr es ab heute hier bestellen.

Eleganter und überzeugender Selbsttest auf Narzissmus

Narzissten sind oft interessante Menschen. Zu Beginn einer Bekanntschaft steht oft die Faszination durch eine gewisse farbige Brillianz im Vordergrund. Manchmal bleibt es auch lange dabei. Narzissten können einen aber auch sehr verletzen, wenn sie einen im Verlaufe der Bekanntschaft abwerten. Die Zusammenarbeit mit ausgeprägten Narzissten kann daher manchmal etwas räusper herausfordernd sein…

Zur Beurteilung, ob jemand eine Narzisstische Persönlichkeitsstruktur hat, gibt es aufwändige, mehrseitige Fragebögen. Die kann man einem Betroffenen geben, und der kann die ausfüllen.

Und dann gibt es die Single Item Narcissism Scale (SINS)

Ihr könnt den „Fragebogen” hier direkt online für euch selbst ausfüllen und erhaltet auch direkt eure persönliche Auswertung. Das Ausfüllen dauert nur eine Minute. Ich empfehle, den englischsprachigen Fragebogen jetzt erst einmal hier auszufüllen, bevor ihr weiterlest…

Der SINS fragt genau eine Frage:

In welchem Maße stimmen Sie dieser Aussage zu: „Ich bin ein Narzisst“ (Beachten Sie: Das Wort Narzisst bedeutet egoistisch, egozentrisch und eitel).

Man stuft sich dann selbst auf einer Skala von 1 bis 7 ein. 1 heißt „Trifft auf mich nicht sehr zu“, 7 heißt „Trifft auf mich sehr zu“. 

Das Faszinierende an dieser einfachen Frage ist nun, dass die vom Probanden selbst eingeschätzte Antwort sehr gut mit den Testergebnissen der viel aufwändigeren Narzissmusskalen korrelieren. Dies veröffentlichten Forscher der Ohio State University in der Zeitschrift PLOS One in diesem Artikel.

Erklärt wird die hohe Selbsterkenntnisrate der Narzissten damit, dass Narzissten sehr wohl wissen, was Narzissmus ist und selbst nicht das Gefühl haben, dass das etwas Schlechtes ist, was man bekämpfen oder verheimlichen sollte. 

Ich finde Narzissmus in den höheren Ausprägungen immer wieder faszinierend. Es ist manchmal nicht gut verständlich, was in einem sehr narzisstisch strukturierten Menschen vorgeht. Diese Untersuchung zeigt aber, dass er sich seines Narzissmusses wahrscheinlich selbst bewusst ist, was nicht selbstverständlich ist. 

Kennt ihr narzisstische Männer? Kennt ihr narzisstische Frauen? Welche Erfahrungen habt ihr mit ihnen gemacht? Fanden diese Menschen eurer Beobachtung nach selbst, dass sie egoistisch, egozentrisch und eitel sind? Hat das ihnen Freude gemacht? Fallberichte gerne in den Kommentaren!

Der Spiegel berichtete hier über den SINS. 

Glück macht erfolgreich

Unsere Kultur baut auf der Grundannahme auf, Erfolg mache glücklich. Das ist natürlich unwahr. Interessanterweise ist es aber umgekehrt wahr: Glücklich sein begünstigt Erfolg. Aber das Glück kommt zuerst.

Kennt man alle äußeren Umstände eines Menschen, also seinen Beruf, seinen Reichtum, seine Arbeit, seine Wohnung, seine Beziehung und alle anderen äußeren Dinge, die über das empfundene Glück mitentscheidend sein könnten, dann kann man nur zu 10 Prozent voraussagen, wie glücklich er ist. Der Rest der Musik spielt im Gehirn. Die Art, wie man seine Lebensumstände bewertet, wie man sich selbst in seiner Welt wahrnimmt, macht die restlichen 90 Prozent aus.

Andererseits gibt es eine Reihe von Forschungsergebnissen, die zeigen, dass Menschen, die aus sich selbst heraus glücklich sind, mehr Erfolg in vielen Bereichen des Lebens, auch des Arbeitslebens haben.

Wenn ihr schnell gesprochenes Englisch gut versteht, dann guckt euch einen der unterhaltsamsten TED-Talks an: Shawn Schor: The happy Secret to better work.

Inside Medicine: Depressionen

Im Podcast Inside Medicine berichten die Gastgeber Christoph und Ronja aus der Welt der Medizin. Entweder die beiden sprechen miteinander, oder sie laden Gäste zum Interview ein. Ich war bereits in Episode 23 zu Gast und berichtete, was ich als Psychiater tue und warum ich mir dieses Gebiet ausgesucht habe. Vorgestern habe ich mich erneut mit Christoph unterhalten. Diesmal ging es um das Thema “Depressionen”. Wir sprechen über die Abgrenzung von normalen Stimmungsschwankungen zur Krankheit Depression, über unterschiedliche Entstehungsweisen der Depression, über neurobiologische Erklärungen und schließlich über einige unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten.

Die Episode 028 “Depressionen” findet ihr hier.

Das neue Cartoon-Buch von Pharmama ist da!


Wer Pharmama kennt, hat es schon gehört: Ihr Cartoonband ist soeben frisch erschienen. Zu meiner großen Freude auch als eBook. Wie kommt es, dass ich meinen eigenen beruflichen Alltag in so vielen Cartoons wiederfinden kann?

Nach “Gibts diese Pille auch in grün?” ist “Einmal täglich” unzweifelhaft eine sehr lesenswerte Lektüre für alle, die was für die Sorgen und Freuden des Medizinbetriebes übrig haben!

Der Notfallpass in iOS 8

Wenn ein Patient ins Krankenhaus aufgenommen wird, der aus welchem Grund auch immer nicht mehr geordnet sprechen kann, dann versucht man auf andere Weise herauszubekommen, wer der Patient ist und was mit ihm los ist. Der typische Fall ist der bewusstlose Patient, der in ein Allgemeinkrankenhaus aufgenommen wird. Aber auch in der Psychiatrischen Klinik werden nicht selten Hilflose Personen (Rettungsdeutsch: “HiLoPe“) aufgenommen, deren Personalien sich auf „ca. 40 Jahre, männlich“ beschränken.

Traditionell sucht man dann erst mal die Taschen des Patienten nach seinem Portmonee ab. Hier findet man oft eine EC-Karte oder etwas ähnliches mit dem Namen des Patienten. Das kann schon mal helfen. Mit viel Glück hat der Betroffene auch einen Pass mit Namen und Adresse bei sich. Aber selbst dann weiß man über die Vorgeschichte oder mögliche Vorerkrankungen noch nichts.

In letzter Zeit immer wichtiger wird allerdings das Handy des Patienten. Es gibt nicht wenige Patienten, die keine Ausweispapiere bei sich haben, aber ein Handy. Nicht immer ist das so gut organisiert, dass man genau heraus bekommt, wie der Besitzer heißt und was mit ihm los ist. Aber die Telefoneinstellungen „Favoriten“ gibt es doch bei den meisten Betriebssystemen. Und wenn man da einen der Einträge „Mama“, „Schatz“, “Heimleitung” oder „Dr. Winkelmann“ anruft, kommt man in der Regel schon mal weiter.

Mit der weiteren Verbreitung der Smartphones wird es allerdings für den ärztlichen Ermittler erst mal schwieriger. Viele Handys haben – und das ist auch gut so – eine Code-Sperre. Wenn die Patienten in ihrem Bewusstsein so eingeschränkt sind, dass sie die Sperre nicht mehr aufheben können, und die guten alten Versuche „1234“, „0000“ und „2580“ nicht funktionieren, dann kommt man hier allerdings nicht weiter.

Auftritt iOS 8 und der hier integrierte Notfallpass. Seit iOS 8 auf den iPhones gelandet ist, kann man in der App „Health“ für den Notfall relevante Informationen hinterlegen. Insbesondere

  • Name
  • Geburtsdatum
  • Erkrankungen und Befunde
  • Allergien und Unverträglichkeiten
  • Medikation
  • Kontaktpersonen mit Name und Telefonnummer
  • Größe, Gewicht
  • und die Information, ob man Organspender ist oder nicht.

2014-09-23 07.17.11

Das Besondere ist, dass diese Informationen auch von einem gesperrten iPhone aus zugänglich sind. Im Lock-Screen, in dem man den Entsperr-Code eingeben kann, erscheint unten links die Auswahl Notfall:

Wenn man den Schriftzug “Notfall” antippt, kann man von diesem gesperrten iPhone aus die Notrufnummern 110 und 112 wählen. Und man hat unten links Zugriff auf die Schaltfläche „Notfallpass“:

2014-09-23 20.22.41

Tippt man auf den Schriftzug “Notfallpass”, zeigt einem das immer noch gesperrte Handy die in der App Health hinterlegten Informationen an. Das sieht dann etwa so aus:

Finde ich wirklich praktisch. Insbesondere Kontaktpersonen für den Notfall, aber auch die Medikation hilft sehr. Man kann die Felder auch für weiterführende Informationen wie etwa den Hinweis auf eine Behandlungsvereinbarung oder ähnliches verwenden. Sehr sinnvoll ist natürlich auch das Feld „Organspender“. Ich denke, mit den Handys kann sich hier eine größere Verbreitung ergeben als mit den Organspendeausweisen.

Also: Wenn Du ein iPhone hast und iOS 8 ist installiert, dann trag mal zumindest Deine Kontaktpersonen für Notfälle ein. Und dann hoffen wir, dass diese Funktion bei deinem Telefon nie gebraucht wird…

S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien

Die DGPPN hat eine neue Leitlinie für Betroffene und Angehörige zum Thema Psychosziale Therapien herausgebracht. Die Leitlinie informiert kurz und übersichtlich, welche Psychosozialen Therapien es gibt und was man sich von ihnen versprechen kann.

Insbesondere die ambulante Soziotherapie wird aufgrund wenig geeigneter Rahmenbedingungen viel zu selten verschrieben. Kunst-, Ergo- oder Sporttherapie werden schon häufiger auch ambulant durchgeführt. Von besonderer Bedeutung sind die Möglichkeiten, einem Betroffenen zu helfen, wieder ins Arbeitsleben zu finden oder am Sozialleben wieder mehr teilzuhaben. Auch hier informiert die Leitlinie über konkrete Möglichkeiten.

Das kostenlose PDF findet ihr hier.

Positiv denken !

Lustige kleine Psychotricks sind ja eigentlich nicht die Haupt-Domäne dieses Blogs. Aber mein letzter selbst-getesteter macht mir doch so viel Spaß, dass ich ihn mit euch teilen will…

Vor etwa zwei Wochen habe ich mir in meine to-do-Liste als Aufgabe “Positiv denken” eingetragen. Und auf tägliche Wiederholung gestellt. Aus Gründen.

Die Gründe sind schon längst wieder verflogen. Mein treues Task-Managementsystem OmniFocus erinnert mich aber weiterhin zu unterschiedlichen Tageszeiten einmal am Tag daran, positiv zu denken. Einsortiert ist diese Aufgabe in mein schon lange bestehendes Projekt “Eine gute Lebensqualität haben”…

Und irgendwie findet es immer einen ziemlich passenden Zeitpunkt dafür….

Es macht jeden Tag Spaß, die Checkbox bei “Positiv denken” anzuclicken. Ich habe mir heute gleich noch die wöchentlich wiederkehrende Aufgabe “Think different” eingetragen.

Welches sind eure Lieblings-Psycho-Tricks? In dieser Kategorie sind auch Horoskope und Schamanismus erlaubt….

Duisburgerin erhält IG-Nobelpreis für Physik

stinker-250

Die jährliche Verleihung der IG Nobelpreise (steht für Improbable Research) werden jährlich mit großer Spannung erwartet. Geehrt werden Forschungen, die irgendwie erst gemeint waren und im Prinzip einen ernsten Hintergrund haben, und dann doch irgendwie abstruß enden.

Eine schöne deutsche Übersetzung der ausgezeichneten Studien hat die Zeit hier zusammengestellt: Ig-Nobelpreise: Jesus auf Toast und Fleisch in der Nase | ZEIT ONLINE.

Im Original findet ihr die Sieger hier: http://www.improbable.com/ig/winners/.

Im Bereich der Medizin hat eine Studie gesiegt, die zum Ergebnis kommt, dass Nasenbluten sehr gut mit Streifen aus Pökelfleisch gestillt werden kann. Die Preisträgerin ist zwar Vegetarierin, aber der Zweck heiligt ja manchmal die Mittel.

Im Bereich der Psychologie wurde eine Studie ausgezeichnet, die herausgefunden hat, dass Menschen, die aus Gewohnheit lange wach bleiben, sich selbst öfter bewundern, manipulativer und psychopathischer veranlagt sind, als jene, die früh morgens aufstehen (Jonason & Jones & Lyons, 2013).

Mein Lieblingspreis wurde im Bereich der Physik vergeben: Geehrt wurde die deutsche Biologin Sabine Begall von der Universität Duisburg-Essen, die herausfand, dass Hunde, die ihr Geschäft verrichten, ihre Position am Magnetfeld der Erde ausrichten (Hart et al., 2013). Begall war extra in die USA geflogen, um den Preis entgegenzunehmen.

Das zweistündige Video, das die gesamte Zeremonie der Preisverleihung zeigt, findet ihr hier:

http://new.livestream.com/cs50/ig/videos/62466277