CareKit

   
Was war für mich das Beeindruckendste der letzten Apple Keynote? Das iPhone SE, das 9,7 Zoll iPad Pro? Nein, die sind toll, aber für mich am spannendsten ist CareKit.

Research Kit

Wir erinnern uns: Vor etwa einem Jahr hat Apple ResearchKit vorgestellt, ein Framework, das es ermöglicht, Studien in sehr großem Maßstab anzulegen, die Daten über iPhones zu erheben und dabei neben den Eingaben durch die Studienteilnehmer auch Sensordaten wie Bewegungsdaten, an einem verbundenen Gerät gemessene Blutdruckdaten und ähnliche einzubeziehen. Es gab einige große Multicenter-Studien renomierter Universitäten, etwa zu den Gebieten Parkinson, Bluthochdruck und Diabetes, die ResearchKit verwendeten. Auf der Keynote wurde gesagt, dass ein Ergebnis der Studie zu Diabetes gewesen sei, dass der Typ II Diabetes wohl in zwei Untergruppen eingeteilt werden sollte, da ein Teil der Typ II Diabetiker auf Insulin reagiere, ein anderer Teil der Typ II Diabetiker aber kaum bis gar nicht auf Insulin reagiere. Das war zwar irgendwie immer schon so vermutet worden, eine klare durch Studien fundierte Aussage dazu gab es aber meines Wissens nach bislang nicht. Dieses Ergebnis wurde sicherlich durch die schiere Größe der Studie und die hohe Teilnehmerzahl wesentlich begünstigt. Schon mal cool.

CareKit

Und ab April soll es einen Ableger geben, der CareKit heißen wird. Dieses Framework erlaubt es, Apps zu programmieren, mit denen Patienten einen individuellen Behandlungsplan auf ihrem iPhone sehen. Sie können Beobachtungen und Messungen einbinden, wie Blutdruck, körperliche Aktivität, Schmerzintensität oder das Aussehen einer Wunde. Sie können diese Information mit Angehörigen und ihren Behandlern teilen und der Behandler kann bei Bedarf auch mal aus der Ferne kurzfristig die Behandlung, etwa die Dosis einer Schmerzmedikation oder ähnliches, ändern.

Das sind ja grundsätzlich keine vollkommen neuen oder bislang ungedachten Optionen. Aber wenn Apple das macht, dann ist die Chance sehr groß, dass so ein Programm auch mal wirklich abhebt und in der Realität ankommt. Einzelne Vordenker der „Telemedizin“ hatten alles dies auch schon einmal geplant, aber in der freien Wildbahn habe ich so etwas dann doch noch nie angetroffen.

Ich bin sehr gespannt, wie sich CareKit entwickeln wird. Es gibt einige Daten, die ich für meine Behandlungen auch im Bereich der Psychiatrie gerne vom Patienten in einer solch geordneten Form hätte. Zum Beispiel:

  • Schmerzintensität unter Schmerzmedikation
  • Manische und depressive Auslenkungen bei bipolaren Patienten unter einer phasenprophylaktischen Medikation
  • Angstniveau und assoziiere Situationen bei einer Angsterkrankung
  • Körperliche Aktivität und Ernährung bei einer geplanten Gewichtsreduktion
  • Bewegungsfähigkeit bei M. Parkinson unter Medikation
  • Schlafqualität bei Schlafstörungen

Und da gibt es noch vieles mehr. Ich bin gespannt!

Betäubungsmittel-Kaufmann

Wenn ich einen Patienten neu kennen lerne, befrage ich ihn zuerst immer recht ausführlich zu seinem Beruf. Das verschafft mir einen recht guten Eindruck von seinem Tagesablauf, von der Art, wie er so tickt und hilft mir, mich in seine Welt zu versetzen. Danach befrage ich ihn zu seiner familiären Situation, also wie er wohnt, ob er eine Partnerschaft hat, ob er Kinder hat.

Und danach befrage ich ihn erst, unter welchen Krankheitsbeschwerden er leidet.

Immer mal wieder habe ich Patienten, die zu einem irgendwie gearteten Drogenentzug kommen, und deren berufliche Beschäftigung – nun ja, im Dealen von Drogen besteht. Ich lasse mich nicht beirren und frage auch diese Patienten in aller Ruhe, ob sie „Angestellte“ haben, ob es Streß mit den „Vorgesetzten“ gibt, und wie das Geschäft so läuft. Danach weiß ich definitiv besser, mit wem ich es zu tun habe, und wie ich mit ihm umgehen kann…
Bitte versteht mich nicht falsch: Drogendealen ist wirklich kein Kavaliersdelikt, sondern es ist die rücksichtslose Verteilung von echtem Teufelszeug.
Aber nach solch einem Gespräch wirkte es neulich erstaunlich passend, als eine Kollegin mir diese scherzhafte Umschreibung für Dealer nannte: „Betäubungsmittel-Kaufmann„….

Fettlogic needs you!

Wer den blog hier verfolgt weiß, dass ich große Stücke auf das Buch Fettlogik halte, das sehr interessant und sehr hilfreich verbreitete kognitive Abwege der Gewichtsregulation beschreibt. Der Mensch neigt ja allgemein zur Irrationalität, und wenn ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte vor ihm liegt, wird das nicht besser. Das Buch zu lesen macht wirklich Spaß, weil man sich ständig selbst begegnet…

Die Autorin startet gerade eine Studie, die sich offenbar dem Thema Abnehmen und kognitiven Verzerrungen widmet, und bittet alle mit bisherigen oder aktuellen Diäterfahrungen (also wahrscheinlich 99,2 % der deutschen Erwachsenen) um ihre 10-minütige Teilnahme. Ich habe den Online-Fragebogen eben ausgefüllt, mach doch auch mit und click hier: http://mlci.net/umfrage/index.php/286963?lang=de.

Angehörige sind Erfahrene

Die Erfahrungen – oft das Leid – der Angehörigen psychisch Kranker stehen in der Öffentlichkeit irgendwie immer in der zweiten Reihe. Das passt vielleicht zur realen Lebenssituation, in der das Rampenlicht auch dazu neigt, auf den akut Kranken zu fallen. Das macht das Leben für die Angehörigen aber auch nicht einfacher. 

Zumindest das Zimmerlicht auch mal für die Erfahrungen der Angehörigen anzumachen ist daher besonders wichtig. Solina bloggt schon seit längerem unter http://schizophrenieblog.wordpress.com/ aus Sicht einer Angehörigen. Nun hat sie zusammen mit anderen ein Buch geschrieben, das in meinen Augen sehr eindringlich, bewegend und aufrichtig aus der Sicht der Angehörigen –Erfahrung– berichtet. 
Es heißt „Angehörige sind Erfahrene – Ein Ermutigungsbuch“ und ihr könnt hier eine Leseprobe finden und das Buch auch dort beziehen.

Neujahrsvorsätze und Willensstärke

Ich weiß, heute ist der große Tag der Neujahrsvorsätze. Ich habe zur besseren Orientierung, wieviel Willensstärke man zur Erreichung welchen Ziels braucht, mal diese streng wissenschaftlich fundierte Grafik erstellt. Also gut, es sind auch meine persönlichen Erfahrungen mit Diäten eingeflossen….
Was habt ihr euch vorgenommen und wieviel Willenskraft braucht ihr dafür? Tugenden und Ideen bitte unzensiert in die Kommentare!

Positiv denken !

Lustige kleine Psychotricks sind ja eigentlich nicht die Haupt-Domäne dieses Blogs. Aber mein letzter selbst-getesteter macht mir doch so viel Spaß, dass ich ihn mit euch teilen will…

Vor etwa zwei Wochen habe ich mir in meine to-do-Liste als Aufgabe „Positiv denken“ eingetragen. Und auf tägliche Wiederholung gestellt. Aus Gründen.

Die Gründe sind schon längst wieder verflogen. Mein treues Task-Managementsystem OmniFocus erinnert mich aber weiterhin zu unterschiedlichen Tageszeiten einmal am Tag daran, positiv zu denken. Einsortiert ist diese Aufgabe in mein schon lange bestehendes Projekt „Eine gute Lebensqualität haben“…

Und irgendwie findet es immer einen ziemlich passenden Zeitpunkt dafür….

Es macht jeden Tag Spaß, die Checkbox bei „Positiv denken“ anzuclicken. Ich habe mir heute gleich noch die wöchentlich wiederkehrende Aufgabe „Think different“ eingetragen.

Welches sind eure Lieblings-Psycho-Tricks? In dieser Kategorie sind auch Horoskope und Schamanismus erlaubt….

Kann denn Liebe Sünde sein? Nimm teil an der Online-Petition gegen Homophobie!

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Eine bundesweite, homophobe Petition will verhindern, dass Schueler/innen in Baden-Wuerttemberg Toleranz fuer die Vielfalt von Lebens- und Liebesformen lernen. Rechte Kreise trommeln fuer diese mit Erfolg: Schon 100.000 Menschen haben unterschrieben. Das koennen wir so nicht stehen lassen!

Ich habe gerade einen Appell gegen Homophobie und fuer Toleranz unterschrieben. Unterzeichne auch Du den Campact-Appell:

https://www.campact.de/Vielfalt-Aktion

Welche QTc-Zeit ist eigentlich kritisch?

Inzwischen hat sich ja rumgesprochen, dass bestimmte Medikamente wie Citalopram, Escitalopram und Sertindol die QTc-Zeit verlängern können. Dies begünstigt Torsade de pointes Tachykardien, die tödlich sein können. Daher soll man bei Verschreibung dieser Substanzen regelmäßig die QTc-Zeit kontrollieren. Aber ab wann wird’s eigentlich kritisch?

  • Ab 420 msec ist die QTc-Zeit verdächtig und muss kontrolliert werden, die Medikation muss überdacht werden.

  • Ab 500 msec oder einer Zunahme von 60 msec oder mehr ist die QTc-Zeit so hoch, dass man die entsprechenden die QTc-Zeit verlängernden Medikamente absetzen sollte.

  • Nicht die Dosis, sondern die Wirkstoffkonzentration am Wirkort bestimmen über die Stärke der Nebenwirkungen. Es ist daher sinnvoll, bei Patienten, die mehrere Risikofaktoren für eine verlängerte QTc-Zeit haben (hohes Alter, weiblich, mehrere CYP-p450 hemmende Medikamente), den Blutspiegel verdächtiger Medikamente zu messen.

Ärzte Bestechung wird strafbar

Bislang gab es interessanterweise keine Strafnorm, die es niedergelassenen Ärzten verbot, Bestechungsgelder anzunehmen, wie der BGH unlängst feststellen musste. Der bislang schon vorhandene Straftatbestand der “Bestechung” galt nur für Vorteilsannahme im Amt. Ein Amt übt ein niedergelassener Arzt aber nicht aus, das tut nur ein Beamter oder ein Funktionär im öffentlichen Dienst u.ä. Daher war rechtlich nichts zu machen, wenn ein Pharmavertreter einem Arzt Geld gezahlt hat, dafür dass er das Medikament des Pharmavertreters verschreibt.

Zwar ist es so, dass auch andere Freiberufler bestochen werden dürfen (Rechtsanwälte, Architekten…), aber das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient braucht auch besonderen Schutz.

Daher ist es überfällig und sehr zu begrüßen, dass in den Koalitionsverhandlungen nun offenbar entschieden wurde, dass sowohl derjenige, der einen Arzt besticht als auch der Arzt, der eine Bestechung annimmt, gemäß einem neu zu schaffenden Strafrechtsparagrafen bestraft werden kann, offenbar bis zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Bestechung war vor etwa 10 Jahren ein noch sehr viel größeres Thema als gegenwärtig, die Pharmafirmen haben sich in den letzten Jahren selbst einen Kodex gegeben, der zu einer sehr deutlichen Abnahme von unangemessenen Zuwendungen führte. Das neue Gesetz wird hoffentlich auch noch die letzten Sümpfe trocken legen. Und die Patienten können sicher sein, dass die Entscheidung über ein Medikament sowie die Auswahl des einzelnen Präparates zu ihrem Besten getroffen wird.

Das Ziel eines solchen Gesetzes sind primär die wenigen schwarzen Schafe, die Geld annehmen für gefällige Verordnungen. Es ist aber anzunehmen, dass der Ruch der Strafbarkeit auch eine Strahlkraft auf die möglicherweise noch erlaubten kleinen Gefälligkeiten, wie USB-Sticks und Einladungen zum Essen, den Spaß nehmen wird. Und das ist gut so.

Buchempfehlung: Alice Munroe – Tricks

Alice Munro hat vor einigen Tagen den Literaturnobelpreis erhalten. In der Begründung heißt es, sie könne in einer Kurzgeschichte so viel mehr sagen, als Andere in langen Romanen.

Ich lese gerade ihr Kurzgeschichtensammlung “Tricks”. Die Begründung stimmt. Alice Munro kennt die Menschen. Und sie schreibt auf eine unglaublich angenehme und dennoch eindringliche Weise.

Mein Tip also: Kaminfeuer an und Buch laden.

Grippeimpfung jetzt!

Ich habe mir meine alljährliche Grippeimpfung geben lassen, wie schon seit etwa 15 Jahren jedes Jahr. Jeder, der beruflich mit vielen (kranken) Menschen zu tun hat, sollte das tun. Und jetzt ist die richtige Zeit dafür. Also: Keine Ausreden! Jetzt impfen lassen!

Einfachgefragt

Marten betreibt die website: einfachgefragt.com. Er interviewt hier unterschiedliche Leute mit sehr unterschiedlichen Berufen oder Lebenserfahrungen. Marten schreibt, dass er bald die Schule beendet, vielleicht wird er ja mal Journalist. Na jedenfalls hat er mich jetzt auch interviewt…

Jose Saramago: Claraboia

"Niemand ist verpflichtet, einen anderen zu lieben, aber wir alle sind verpflichtet, einander zu achten. "
Jose Saramago

Jose Saramago

Der Portugiese Jose Saramago kannte die Menschen und er konnte sie beschreiben und charakterisieren, wie kein anderer. "Die Stadt der Blinden" ist das bekannteste Werk des Literaturnobelpreisträgers. Nun ist ein Buch erschienen, das er als junger Mann geschrieben hat, das damals von seinem Verlag abgelehnt wurde. Es galt lange Zeit als verschollen. Saramago hat nach der Ablehnung dieses Buches 20 Jahre lang kein zweites Buch vorgelegt. Aber auch nachdem es sich wieder fand, hat er es nicht herausgegeben.
Jetzt, nach seinem Tode, ist es erschienen: Claraboia oder Wo das Licht einfällt.

Es ist ein Geschenk.

Neues iOS Blogging tool „Posts“

Erstmal schöne Grüße aus dem Sommerurlaub. Im Urlaub muss man ja nicht unbedingt etwas über Psychiatrie bloggen, daher hier ein link auf ein neues Spielzeug, geschrieben auf ebendiesem neuen Spielzeug…
Die meisten posts für diesen Blog habe ich auf dem iPad mit dem Tool „Blogsy“ geschrieben, das sehr gut funktioniert, sehr differenzierte Einstellungsmöglichkeiten bietet und mir sehr ans Herz gewachsen ist. Auf dem Mac nehme ich das unverzichtbare „Mars Edit“; auf den von mir sonst eigentlich mit Nicht-Beachtung gestraften Windows Dingern einfach die WordPress Website. Aber am schönsten bloggt es sich immer noch am iPad…
Und da ist heute „Posts“ aus dem App Store gefallen, in der Version 1.0 und daher noch buggy (einen Fehler habe ich schon gefunden: Tippt man auf Vorschau und dann auf „Back“ ist öfters mal der ganze bisher geschriebene post weg. Bis zum sicher kommenden bugfix sollte man daher eine lokale Kopie speichern, bevor man eine Vorschau wagt…)
Das Design ist sehr schön, das User Interface ist bestens aufgeräumt und angenehm. Mir fehlen eigentlich nur Aufzählungen und Listen, aber die werden sicher auch noch kommen.
Wer öfter mal vom iPad bloggt, sollte es sich unbedingt ansehen.
Update: Die Formatierung „Liste“ habe ich inzwischen unter „Style“ gefunden, der preview bug ist per update behoben.
Danke an Alex vom iPhone Blog für die Rezension von Posts.


Cover Art

Posts

Pico

Kategorie: Soziale Netze

Aktualisiert: 01.08.2012

 

 

 

 


Cover Art

Blogsy

Fomola

Kategorie: Soziale Netze

Aktualisiert: 26.07.2012

 

 

 

 

Dropbox

Gibt es eigentlich da draußen noch irgend jemanden, der Dropbox nicht nutzt?

Dropbox ist super praktisch. Man installiert es auf allen seinen Computern und Gadgets (Mac, Windows Rechner, iPad), und es richtet einen Ordner ein, der Dropbox heißt und in der Ordnerhierarchie unter den eigenen Dokumenten erscheint. Der Inhalt dieses Ordners ist auch ganz normal offline zu verwalten und wird auch offline gespeichert. Aber sobald eine Internetverbindung besteht, synchronisiert er den Inhalt mit den 2GB kostenlosem Speicher in der Dropbox-Wolke, und von da aus werden die neuen Inhalte auf alle anderen Gadgets gesynct. Natürlich kann man seine Dateien auch über jeden Webbrowser ansehen. Funktioniert bei mir nun schon seit über einem Jahr auf allen möglichen Betriebssystemen völlig problemlos, ich habe jetzt alle meine Daten in meinen Dropbox Ordner geladen, so habe ich immer alle Dateien aktuell. USB Sticks brauche ich nicht mehr.

Registriere dich über diesen Link, um zusätzlich zu den 2 GB noch weitere 500 MB Bonus-Speicherplatz zu erhalten: https://www.dropbox.com/referrals/NTc4NjExMjI5

 

Bist Du schon grippegeimpft?

Die Grippewelle kommt jedes Jahr Ende Januar bis Anfang Februar, und zwar so sicher wie das Amen in der Kirche. Also auch dieses Jahr. Der empfohlene Impfzeitraum ist ja der Spätherbst, es ist aber jetzt gerade noch zeitig genug, sich impfen zu lassen, da der Impfschutz etwa zwei Wochen nach der Impfung aufgebaut wird.
Also: Wer mit Kranken arbeitet, sollte sich jetzt noch schnell gegen Grippe impfen lassen, wenn das noch nicht geschehen ist!

Wie hällst Du es? Nimm an unserer Umfrage teil!

Die Effektstärke

Um zu verstehen, wie evidence based medicine (EBM) funktioniert, ist es erforderlich, die zu grunde liegenden Gedanken nachvollziehen zu können. Die Effektstärke istein zentrales Maß zur Beurteilung der Wirksamkeit von Interventionen und ich möchte sie hier erklären:
Beispiel: Es soll die Effektstärke von Frisörbesuchen festgestellt werden. Hierfür werden zwanzig Studenten zufällig einer von zwei Gruppen zugewiesen, Gruppe 1 geht zum Frisör, Gruppe 2 geht nicht zum Frisör. Nun muss man sich entscheiden, woran man die Wirksamkeit dieser Intervention messen möchte. Man kann zum Beispiel eine Beurteilung der Eleganz der Frisur auf einer Skala von 1-10 wählen. Man kann aber auch die Länge der Haare als Wirksamkeitsindikator wählen. Wir entscheiden uns hier jetzt einmal nach eher männlichen Effizienzvorstellungen für die Länge der Haare. Nun ist zu beobachten, dass die durchschnittliche Länge der Haare in Gruppe 1 und Gruppe 2 vor der Intervention bei durchschnittlich 10 cm lag mit einer Standardabweichung von 2 cm. Der Frisör schnitt in Gruppe 1 die Haare durchschnittlich 2 cm kürzer. Damit liegen sie nach der Intervention bei durchschnittlich 8 cm.

Die Effektstärke berechnet sich nun so: Effektstärke = Mittelwertdifferenz/Standardabweichung.

Also in unserem Beispiel (10 cm -8 cm)/2 cm=2cm / 2 cm = 1.

Eine Effektstärke von 1 bedeutet also, dass die Interventionsgruppe sich nach der Intvention um eine Standardabweichung von der Kontrollgruppe unterscheidet. Eine Effektstärke von 2 bedeutet einen Unterschied um 2 Standardabweichungen.

Wir lernen: Die Effektstärke bezieht sich auf einen in Zahlen meßbaren Endpunkt. Diesen muss man kennen, wenn man über die Effektstärke einer Intervention spricht.

Die Effektstärke sagt tatsächlich etwas über die Wirksamkeit einer Intervention aus. Das unterscheidet sie von der Signifikanz. Eine Studie wird bei ausreichend großer Fallzahl auch bei sehr geringer Wirkstärke signifikant. Beispiel: Die Friseurinnung möchte ein neues Verfahren zum Haareschneiden einführen, einen vollautomatischen, computergesteuerten Haarschneideroboter, der die Haare der Opfer um genau einen Millimeter kürzt. Jeder Schnitt kostet 100 €. Die Friseurinnung ist sehr reich, da sie viele der teuren Haarschneideroboter verkauft. Sie führt eine Studie mit 1000 Modellen durch. Natürlich ist das Ergebnis der Studie, dass das Verfahren einer Nichtbehandlung signifikant überlegen ist. Der Gruppenunterschied ist zwar klein (1 mm), aber nicht zufällig (Gruppe 1 hat nach der Intervention überzufällig Kürzere Haare). Aber die Effektstärke ist gering. Sie beträgt 0,1 cm / 2 cm = 0,05.

In der Medizin (und bei Frisören) gelten Effektstärken unter 0,5 als schwach, zwischen 0,5 und etwa 0,75 als moderat und über 0,75 als stark.

Die Effektstärke guter, wirksamer medikamentöser Behandlung in der Psychiatrie liegt oft um die 0,75, die von gut wirksamer Kognitiver Verhaltenstherapie auf umschriebene Endpunkte in etwa gleich hoch um die 0,75. Die höchste Effektstärke in der Psychiatrie erreicht man mit EKT Behandlungen wahnhafter Depressionen mit dem Endpunkt Hamilton Depression Scale mit 2-2,5.

Welche Fortbildungen planst Du 2012?

2012 hat begonnen und das Internet ist voller posts, die fragen: Was hast Du 2011 erreicht, gelernt, geschafft, was nimmst Du Dir für 2012 vor? Alle sind sich einig, dass wir Ziele mit einer sehr viel höheren Wahrscheinlichkeit erreichen, wenn wir sie aufschreiben.
Dieser blog soll viel von Psychiatrie und Lernen auf diesem Gebiet handeln.
Daher bitte ich Dich, in den Kommentaren aufzuschreiben, welche drei Fortbildungen Du für Dich für 2012 planst!

Meine drei jetzt schon geplanten sind:
1) Diesen blog fortsetzen (durch Schreiben und Diskutieren lernt man oft am besten…)
2) Ende Januar: Forensische Psychiatrie bei Prof. Kröber in Warnemünde
3) DGPPN im November in Berlin.

Was planst Du?