Level up your life

IMG_0041.jpg

Das mit dem Ziele setzen ist ja immer so eine Sache. Im Prinzip weiß man, wie wichtig es ist, sich konkrete Ziele zu setzen, aber praktisch tut man es dann doch nur Sylvester, und die Halbwertszeit dieser Ziele beträgt bekanntlich nur eine Woche.

In einem meiner Lieblingspodcasts, der Productivity Show von Asian Efficiency, ging es in der Folge 92: No more Underpants mit Steve Kamb um dessen Buch Level up your life, das mich auf neue Ideen gebracht hat.

Steve Kamb betreibt die absolut sehenswerte Seite Nerdfitness.com. Der Gedanke hinter Nerdfitness ist, dass man sein sportliches Trainingsprogramm im Prinzip so aufbauen kann, wie ein klassisches Rollenspiel am Computer: Da läuft es ja so: Du löst Quests, für die du Erfahrungs-Punkte bekommst. Wenn du einen großen Endgegner besiegst, bekommst Du besonders viele Punkte. Und alle 100 Punkte kannst du dich dann für ein besonderes Upgrade entscheiden, zum Beispiel ein mächtigeres Schwert. So siehst Du immer deine Fortschritte, bleibst motiviert und kannst immer komplexere Quests angehen.

Nerdfitness übersetzt dieselbe Mechanik ins reale Leben. Du bist dein eigener Spielmacher und legst deine eigenen Quests, deine eigenen Punktzahlen und deine eigenen Upgrades fest. Sehr lustig, schau dir das mal an.

Im nächsten Schritt sagt Kamb, dass man sich nicht nur für sein Fitness-Training, sondern eigentlich für sein ganzes Leben den Spaß gönnen sollte, es zu gamifizieren und sich statt der normalen to-do Aufgaben lieber spannende Quests auf dem Weg zum Level 60-Superhelden vorstellen sollte. Und man sollte auch Erfahrungs-Punkte zählen und sich mit etwas belohnen, das einem den nächsten Quest erleichtert. So sehe man seinen Fortschritt, und das motiviert nun wirklich besser. Das Leben sei ernst genug, da könne man so ein wenig Spaß in sein Leben bringen.

OK. Gute Idee. Nerdisch, VT-fundiert und produktivitätsassoziiert. Also habe ich das mal für meine Verhältnisse übersetzt und angepasst. Und das sieht dann so aus: Oben auf dem Bild seht ihr eine Bildschirmansicht meines Task-Management-Programmes Things. Ausgewählt ist der Bereich „Fitness“, einer von fünf Bereichen, in die ich alle meine Aufgaben, Projekte und Ziele einordne.

Es gibt nun sechs verschiedene Arten von Einträgen:

  1. Normale To-Do-Items: Zum Beispiel die in bestimmten Abständen wiederkehrenden Aufgaben „Wiegen“ oder „Laufband schmieren“.
  2. Quests: Das sind einmalige Herausforderungen, die man sich als Spielmacher seines Lebens selbst stellt, und denen man einen Punktwert zuordnet. Zum Beispiel: Vom „10-Meter-Brett springen: 20 Punkte“.
  3. Gute Gewohnheiten: Zum Beispiel „Pro gelaufenem Kilometer: 1 Punkt“.
  4. Meilensteine: Zum Beispiel „Langer Lauf über 27 KM: 50 statt 27 Punkte“
  5. Langfristige Ziele: „Ich laufe jedes Jahr den Köln-Marathon.“
  6. Ideen: „Ich könnte den Schwarzen Gürtel im Judo anstreben.“

Man geht dann so vor, dass man natürlich seine normalen To-Do-Items abarbeitet, für die es vielleicht manchmal, aber nicht immer einen Punkt gibt. Auf der gleichen Übersicht sieht man dann auch Quests, die man sich schließlich selbst aufgestellt hat, und wenn man Zeit und Lust hat, sucht man sich eins aus, zum Beispiel vom 5-Meter-Brett springen. Schafft man das, gibt man sich dafür Punkte. Ebenso behält man seine selbst aufgestellten Guten Gewohnheiten im Blick und gibt sich jedes Mal, wenn man einer Guten Gewohnheit nachgegangen ist, entsprechend viele Punkte. Das gleiche gilt für erreichte Meilensteine. Die Langfristigen Ziele kann man oft nicht mit Punkten belegen, weil sie abstrakt formuliert sein können.

Und auch in den anderen Bereichen kann man sich ja selbst ein Punkte-System basteln. Im Bereich Lernen habe ich zum Beispiel aufgeschrieben: „Einen Fachartikel gelesen: 1 Punkt“ und „Für jeden CME-Punkt: 1 Punkt“.

Wenn man dann 100 Punkte zusammen hat, erfüllt man sich einen Wunsch. Am besten realisiert man etwas, das es einem in Zukunft ermöglicht, neue Quests besser zu erledigen. Man könnte sich also zum Beispiel neue Laufschuhe kaufen. Den Punktwert zählt man lebenslang weiter rauf.

Ich selbst habe das spaßeshalber und aus Interesse mal begonnen und finde es unterhaltsam, interessant und – obwohl es etwas schräg anmutet – doch irgendwie gut. Es hilft mir, meine Ziele klarer zu formulieren. Meiner Erfahrung nach sind Ziele oft etwas nebulös. Meilensteine sind da schon viel konkreter; Gewohnheiten und Quests sind wirklich real und gut fassbar. Ich finde es auch hilfreich, alles in einer Ansicht zusammen zu sehen. So weiß ich, welchem Langfristigen Ziel ich mich annähere, wenn ich eine bestimmte Aufgabe erledige. Frei nach dem Motto: Wenn man nur lange genug in die richtige Richtung geht, ergibt sich das Ziel irgendwann schon ganz von alleine.

Ich bin jetzt bei 153 Punkten. Bei 10.000 Punkten kaufe ich mir einen Tesla.

Hilft ein Online-Training, Depressionen zu verhindern?

In letzter Zeit kommt ja endlich Bewegung in den weiten Bereich der Internet-gestützten Psychotherapie, namentlich, seit das e-health Gesetz dies explizit fördert (ich hatte hier darüber berichtet). Aber auch schon vor dem neuen Gesetz gab es einige herausragende Modellprojekte, die sich der internetbasierten Psychotherapie in Deutschland verschrieben hatten. Eines davon ist GET.ON, das aus dem wissenschaftlichen Bereich kommt und zunächst einen Schwerpunkt auf Training- und Information bei bestimmten psychischen Erkrankungen und Symptomkonstellationen hatte.

Die Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) berichtet nun in einer Pressemitteilung, dass sie zusammen mit anderen Universitäten mit der GET.ON Plattform eine Studie durchgeführt haben, die die Frage klären sollte, ob ein solches Online-Training das Auftreten einer Depression verhindern kann, bevor diese klinisch manifest wird; also quasi als Prävention dienen kann.

Methode

In die Studie seien 406 Probanden aufgenommen worden, die ein erhöhtes Risiko gehabt hätten, an einer Depression zu erkranken, die aber noch keine manifeste Depression entwickelt hätten.

Die Probanden seien randomisiert in zwei Gruppen aufgeteilt worden. Die Kontrollgruppe habe herkömmliche Anleitungen zur Vorbeugung von Depressionen in schriftlicher Form erhalten. Die Interventionsgruppe habe über sechs Wochen an einem Depressions-Präventions-Programm auf der GET.ON Plattform teilgenommen. Trainiert worden seien das „systematische Problemlösen“ sowie eine „Verhaltensaktivierung“. Im Training hätten die Teilnehmer jede Woche eine 30-60 minütigen Übungseinheit bestehend aus Videos, Texten und Aufgaben absolviert und seien angehalten worden, die Trainingsinhalte zwischen den Einheiten in ihrem Leben praktisch anzuwenden. Dabei seien sie durch einen Coach begleitet worden, mit dem sie online in Kontakt gestanden hätten.

Ergebnisse

Nach einem Jahr seinen alle Teilnehmer in einem diagnostischen Telefoninterview untersucht worden. Von den Probanden, die am GET.ON Programm teilgenommen hätten, seien 27 Prozent im Verlauf des Jahres an einer Depression erkrankten – gegenüber 41 Prozent aus der Kontrollgruppe ohne Online-Training. Ausgedrückt in der Maßeinheit „number needed to treat“ bedeutet das: Von sechs Personen, die an GET.ON teilnehmen, konnte bei einer Person eine neue depressive Erkrankung verhindert werden. Dies entspricht einer Senkung des relativen Risikos um 39 Prozent. Die Ergebnisse wurden im JAMA veröffentlicht.

Zusammenfassung des Studienleiters

Der Leiter der Studie, Dr. David Ebert vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der FAU, fasst das Ergebnis so zusammen:

“Mit der Studie konnten wir zeigen, dass GET.ON das Risiko für das Auftreten von Depressionen effektiv reduzieren kann. GET.ON bietet Menschen, die erste Beschwerden aufweisen, eine hoch wirksame, zugleich sehr flexible und obendrein kostengünstige Möglichkeit, einer behandlungsbedürftigen Depression erfolgreich vorzubeugen.“

Meine persönliche Beurteilung

Die Studie ist in zweierlei Hinsicht interessant.

  1. Zum einen wird hier der Versuch unternommen, so etwas wie die Prävention der Depression zu betreiben. Im Bereich der Psychosen gibt es ein ziemlich breit beforschtes paralleles Vorgehen, das unter dem Namen „Früherkennung“ läuft und hier auch einige, wenngleich im größeren Maßstab betrachtet eher bescheidene Erfolge feiert. Für das Krankheitsbild der Depression gibt es sicher auch einige Programme, aber bislang sind diese mit weit weniger öffentlicher Wahrnehmung belegt. Vielleicht liegen hier ja Chancen.
  2. Zum anderen ergibt sich eine recht große Effektstärke dieser zeitlich recht knapp bemessenen Online-Trainingsintervention. Wenn diese Effektstärke sich in weiteren Studien als realistisch erweist, würde dies zeigen, dass Online-Elemente ein wirksamer Bestandteil auch anderer Therapien oder Präventionen sein sollten.

Das Training findet sich hier auf der GET.ON Webseite, aktuell seien aber alle Plätze belegt.

Start: Eine App, um den Fortschritt der antidepressiven Therapie zu überwachen

Ich hatte hier über CareKit geschrieben, dem Apple FrameWork, das es ermöglicht, Gesundheitsdaten in anonymisierter Form zu erheben, um die Therapie einzelner Patienten aufzuzeichnen und in geeigneter Form auszuwerten. Und ich hatte geschrieben, dass ich mich auf die ersten Apps hierzu freue.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auftritt Start: Diese englischsprachige App ist programmiert für Menschen mit Depressionen, die eine antidepressive Medikation einnehmen. Alle zwei Wochen führt sie einen kurzen Test durch (natürlich in englisch), der die Depressionsschwere einschätzt. Gleichzeitig kann man seine antidepressive Medikation eingeben, und beschreiben, wie gut man sie verträgt. Wenn man möchte, kann man sich auch an die Tabletteneinnahme erinnern lassen. Und ein Eintrag der Nebenwirkungen ist möglich.
Geht man dann nach einiger Zeit mit der App zu seinem Psychiater, hat man eine breitere und belastbarere Datengrundlage, um zu entscheiden, ob die Medikation in der gewählten Dosis schon etwas gebracht hat und wie sie vertragen wurde. Dann kann man besser über den nächsten Schritt entscheiden.
Ich bin schon gespannt, wann der erste Patient mit solchen Daten zu mir kommt…

Runners high: Endocannabinoide genau so wichtig wie Endorphine

Die erste Stunde des Marathonlaufes geht ja wie von selbst: Du fliegst über den Asphalt, die Stimmung ist ausgelassen, alle sind fröhlich, nichts kann dich aufhalten.
In der zweiten Stunde kommst Du aber doch mit den Füßen auf der Straße an. Es wird schwieriger, das Tempo zu halten, die Beinmuskeln beginnen, zu schmerzen und du fragst dich, wie Du es bis zum Ziel schaffen sollst.

In der dritten Stunde wirst du langsamer, die Muskeln fangen an zu brennen, du hast Hunger, bist müde und erschöpft.

Wenn das so weiterginge, kämest du vielleicht nicht ins Ziel.

Und dann plötzlich durchflutet dich ein Rausch aus Euphorie, Leichtigkeit und Lust. Nichts schmerzt mehr, du kannst wieder schneller laufen und vergisst die Plagen der letzten Kilometer: runners high.

Das absolute Hochgefühl dauert oft nur eine bis zwei Minuten an, aber auch danach kann man wieder eine ganz schön lange Zeit laufen, ohne von Schmerzen oder Erschöpfung allzu sehr gebremst zu werden.

Die Neurobiologie des runners high

Früher dachte man, das runners high wird neurobiologisch durch eine Endorphinausschüttung verursacht. Endorphine wirken wie Morphim, nur dass sie körpereigen sind und vom Gehirn selbst produziert werden. Morphine machen glücklich, schmerzfrei und führen dazu, dass man diesen Zustand erneut anstrebt. Passt alles zum Runners High.

Eine aktuelle Veröffentlichung im PNAS zeigt nun aber interessanterweise auf, dass noch ein zweites, eng verwandtes System an der Entstehung des runners high beteiligt und offenbar unabdingbar ist:

Das Endocannabinoid-System. Endocannabinoide sind vom Körper selbst produzierte Cannabinoide, die also wirken wie Cannabis. Sie sind schmerzstillend, angstlösend, milde euphorisierend und bewirken ebenfalls einen Wiederholungsreiz. Der bekannteste Vertreter der Endocannabinoide ist das Anandamid.

Die Mannheimer Forscher ließen Mäuse so lange in einem Laufrad rennen, bis die Mäuse aller Erfahrung nach ein runners high entwickelten (erinnert mich stark an mein eigenes Lauftraining auf dem Laufband). Dann maßen sie die Endorphin- und Endocannabinoidspiegel im Blut der Mäuse. Beide Substanzgruppen zeigten erhöhte Spiegel. Wenn der Cannabinoidrezeptor blockiert wurde, blieben allerdings alle Wirkungen des runners high aus.

Das Endocannabinoidsystem spielt in vielen Bereichen wie Schmerzregulation, Angst, Motivation und anderen eine bedeutende Rolle, so richtig Licht kommt aber erst in den letzten Jahren in die Sache. Das ist umso interessanter, als auch bei der Psychose eine veränderte Regulation im Endocannabinoid-System eine Rolle spielen könnte.

Wie auch immer; bei meinem nächsten runners high denke ich dann nicht mehr nur, ich hätte mir kostenlose Morphine besorgt, sondern gleichzeitig auch noch gesundheitsförderlich gekifft. Ich lauf dann mal los…

CareKit

   
Was war für mich das Beeindruckendste der letzten Apple Keynote? Das iPhone SE, das 9,7 Zoll iPad Pro? Nein, die sind toll, aber für mich am spannendsten ist CareKit.

Research Kit

Wir erinnern uns: Vor etwa einem Jahr hat Apple ResearchKit vorgestellt, ein Framework, das es ermöglicht, Studien in sehr großem Maßstab anzulegen, die Daten über iPhones zu erheben und dabei neben den Eingaben durch die Studienteilnehmer auch Sensordaten wie Bewegungsdaten, an einem verbundenen Gerät gemessene Blutdruckdaten und ähnliche einzubeziehen. Es gab einige große Multicenter-Studien renomierter Universitäten, etwa zu den Gebieten Parkinson, Bluthochdruck und Diabetes, die ResearchKit verwendeten. Auf der Keynote wurde gesagt, dass ein Ergebnis der Studie zu Diabetes gewesen sei, dass der Typ II Diabetes wohl in zwei Untergruppen eingeteilt werden sollte, da ein Teil der Typ II Diabetiker auf Insulin reagiere, ein anderer Teil der Typ II Diabetiker aber kaum bis gar nicht auf Insulin reagiere. Das war zwar irgendwie immer schon so vermutet worden, eine klare durch Studien fundierte Aussage dazu gab es aber meines Wissens nach bislang nicht. Dieses Ergebnis wurde sicherlich durch die schiere Größe der Studie und die hohe Teilnehmerzahl wesentlich begünstigt. Schon mal cool.

CareKit

Und ab April soll es einen Ableger geben, der CareKit heißen wird. Dieses Framework erlaubt es, Apps zu programmieren, mit denen Patienten einen individuellen Behandlungsplan auf ihrem iPhone sehen. Sie können Beobachtungen und Messungen einbinden, wie Blutdruck, körperliche Aktivität, Schmerzintensität oder das Aussehen einer Wunde. Sie können diese Information mit Angehörigen und ihren Behandlern teilen und der Behandler kann bei Bedarf auch mal aus der Ferne kurzfristig die Behandlung, etwa die Dosis einer Schmerzmedikation oder ähnliches, ändern.

Das sind ja grundsätzlich keine vollkommen neuen oder bislang ungedachten Optionen. Aber wenn Apple das macht, dann ist die Chance sehr groß, dass so ein Programm auch mal wirklich abhebt und in der Realität ankommt. Einzelne Vordenker der „Telemedizin“ hatten alles dies auch schon einmal geplant, aber in der freien Wildbahn habe ich so etwas dann doch noch nie angetroffen.

Ich bin sehr gespannt, wie sich CareKit entwickeln wird. Es gibt einige Daten, die ich für meine Behandlungen auch im Bereich der Psychiatrie gerne vom Patienten in einer solch geordneten Form hätte. Zum Beispiel:

  • Schmerzintensität unter Schmerzmedikation
  • Manische und depressive Auslenkungen bei bipolaren Patienten unter einer phasenprophylaktischen Medikation
  • Angstniveau und assoziiere Situationen bei einer Angsterkrankung
  • Körperliche Aktivität und Ernährung bei einer geplanten Gewichtsreduktion
  • Bewegungsfähigkeit bei M. Parkinson unter Medikation
  • Schlafqualität bei Schlafstörungen

Und da gibt es noch vieles mehr. Ich bin gespannt!

Betäubungsmittel-Kaufmann

Wenn ich einen Patienten neu kennen lerne, befrage ich ihn zuerst immer recht ausführlich zu seinem Beruf. Das verschafft mir einen recht guten Eindruck von seinem Tagesablauf, von der Art, wie er so tickt und hilft mir, mich in seine Welt zu versetzen. Danach befrage ich ihn zu seiner familiären Situation, also wie er wohnt, ob er eine Partnerschaft hat, ob er Kinder hat.

Und danach befrage ich ihn erst, unter welchen Krankheitsbeschwerden er leidet.

Immer mal wieder habe ich Patienten, die zu einem irgendwie gearteten Drogenentzug kommen, und deren berufliche Beschäftigung – nun ja, im Dealen von Drogen besteht. Ich lasse mich nicht beirren und frage auch diese Patienten in aller Ruhe, ob sie „Angestellte“ haben, ob es Streß mit den „Vorgesetzten“ gibt, und wie das Geschäft so läuft. Danach weiß ich definitiv besser, mit wem ich es zu tun habe, und wie ich mit ihm umgehen kann…
Bitte versteht mich nicht falsch: Drogendealen ist wirklich kein Kavaliersdelikt, sondern es ist die rücksichtslose Verteilung von echtem Teufelszeug.
Aber nach solch einem Gespräch wirkte es neulich erstaunlich passend, als eine Kollegin mir diese scherzhafte Umschreibung für Dealer nannte: „Betäubungsmittel-Kaufmann„….

Endlich: Die Video-Sprechstunde kommt in der Psychotherapie an!

Die Zukunft der Internet-Psychotherapie wird auf diesem blog ja immer wieder diskutiert, aber der große Durchbruch ließ bislang noch auf sich warten. Das lag zu einem großen Teil daran, dass die Berufsordnung für Ärzte unter §7 „Behandlungsgrundsätze und Verhaltensregeln“ als Satz 4 folgende Regelung trifft:

(4) Ärztinnen und Ärzte dürfen individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen. Auch bei telemedizinischen Verfahren ist zu gewährleisten, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Patientin oder den Patienten unmittelbar behandelt.

Dies wurde bislang strikt so ausgelegt, dass Ärzte keine Psychotherapie per Videokonferenz, also beispielsweise per Skype, leisten durften.

Für Psychologen gibt es keine vergleichbare Regelung in deren Berufsordnung. Aber die Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Psychotherapie in aller Regel nur, wenn bei der Behandlung Therapeut und Patient im gleichen Zimmer sitzen.

Es gibt einige zarte Pilotprojekte zu dem Thema, insbesondere Online-Angebote mit psychotherapeutischem Inhalt, die aber häufig eine asynchrone Kommunikation wie den Austausch per Email oder Online-Trainingseinheiten anbieten. Ein Pilotprojekt, in dem ein per Internet übertragenes Video-Gespräch zum Einsatz kommt, war mir in Deutschland bislang nicht bekannt.

Nun ist im Januar 2016 das neue e-Health-Gesetz in Kraft getreten. Dies regelt eine Modernisierung vieler Aspekte der elektronischen Kommunikation im Gesundheitswesen, beispielsweise, was alles auf der neuen Gesundheitskarte gespeichert wird und wie diese Daten gesichert werden. Ein Aspekt des e-Health-Gesetzes regelt aber auch die Telemedizin, und hier explizit auch Video-Sprechstunden. Hierzu heißt es auf der Seite des BMG:

Zur Förderung der Telemedizin wird die telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen ab April 2017 und die Online-Videosprechstunde ab Juli 2017 in die vertragsärztliche Versorgung aufgenommen werden. Das wird Patienten die Kontaktauf­nahme mit dem Arzt deutlich erleichtern, gerade bei Nachsorge- und Kontrollterminen.

YEAH !!!

Das ermöglicht dann endlich im Prinzip eine zumindest teilweise Durchführung von Psychotherapiegesprächen auch vermittels Video-Sprechstunden. Unnötig darauf hinzuweisen, welchen Vorteil man sich davon versprechen kann, insbesondere für mobilitätseingeschränkte Patienten und Patienten, die in einem psychotherapeutisch unterversorgten Gebiet wohnen und eine lange Anreise zum nächsten freien Psychotherapeuten hätten.

Ein erstes Modellprojekt

Die AOK Nordost hat nun mit 16 Ärzten am Institut für psychogene Erkrankungen in Berlin-Wedding ein mit der Berliner Ärztekammer abgestimmtes Pilotprojekt gestartet, dass die neue Möglichkeit genau so erprobt, wie es mir vernünftig erscheint. Die Patienten kommen zunächst zur genauen Diagnostik und Therapieplanung zum realen Termin in die Praxis. So lernen sich Therapeut und Patient offline kennen und können eine Beziehung zueinander aufbauen. Liegen die erforderlichen Voraussetzungen vor, können dann zukünftige Sitzungen zum Teil auch als Videokonferenz mit einem verschlüsselten Zugang durchgeführt werden. Natürlich wird nicht wirklich Skype verwendet, sondern ein anderes, gesichertes System. Einen sehr guten Artikel über das Projekt findet ihr hier, einen Artikel aus dem Ärzteblatt hier.

Ich darf mit besonderer Freude berichten, dass mein Freund und Mit-PsychCaster Alexander Kugelstadt einer der beteiligten Projektärzte ist. Ich verspreche, ihn bei der nächsten Folge nach seinen Erfahrungen zu fragen!

Refugee Phrasebook

Voila_Capture 2015-12-17_10-01-28_PM.png

Im psychiatrischen Krankenhaus ebenso wie in allen anderen medizinischen Einrichtungen kennt man die Situation nur zu gut: Bei Nacht und Nebel trifft ein Patient ein, der weder deutsch noch englisch spricht, mit dem man sich aber unbedingt unterhalten muss, um zu klären, was los ist und wie man helfen kann.

In der ersten Stufe sucht man nach Mitarbeitern im Hause, die gerade da sind, und die die Muttersprache des Patienten oder zumindest eine gemeinsame Sprache sprechen. In Stufe Zwei kommt oft Google translate zum Einsatz. Und in Stufe drei sucht man nach einem bezahlten professionellen Dolmetscher, der allerdings eher werktags tagsüber zur Verfügung steht.

Oft gibt es auch ein regional gut informiertes Netz von „Kulturvermittlern / Dolmetschern“, die zügig eine Übersetzung vermitteln, zur Not auch mal übers Telefon.

Ein Projekt, von dem ich unlängst gehört habe, ist ein Service professioneller Dolmetscher, die rund um die Uhr über eine Art Skype-Verbindung für Übersetzungstätigkeiten zur Verfügung stehen, allerdings habe ich damit noch keine eigenen Erfahrungen gesammelt.

Eine Hilfe, die irgendwo dazwischen angesiedelt ist, ist das von einer Gruppe von Berliner Freiwilligen Helfern ausgehende Projekt „Refugees Phrasebook„.  Dieses bietet für insgesamt etwa 800 im Hilfesystem relevante Fragen die Übersetzungen in 28 Sprachen an. Unterteilt sind die Sätze nach Wortschätzen; es gibt einen zur Orientierung, einen zu medizinischen Fragen und einen neuen zu juristischen Fragen. Das „Refugees Phrasebook“ ist eine Google-Docs-Tabelle, und es darf frei verwendet, ausgedruckt und verbreitet werden. Ihr findet das Projekt und die einzelnen Tabellen hier.

Infusionspumpen gehackt….

Vor kurzem ging durch die Presse, dass Hacker einen Jeep aus der Ferne gehackt hatten, und so sowohl Gas als auch Bremse aus einiger Entfernung hätten manipulieren können. Nun berichtet Engadget hier, dass amerikanische Hacker das Infusionspumpensystem Symbiq des Herstellers Hospira aus der Entfernung gehackt hätten, und so die Geschwindigkeit der Injektion des über dieses Pumpensystem gegebenen Medikamentes aus der Ferne hätten manipulieren können. Dieses System wird nur in Amerika und Canada verkauft, und die FDA hätte bereits eine Warnmeldung an die entsprechenden Krankenhäuser heraus gegeben. Die Stellungnahme zur Reaktion der Firma findet ihr hier.

Also, selbst wenn man nicht dazu neigt, paranoid zu sein; der Gedanke an von außen gesteuerte Infusionspumpen lässt einem schon das Blut in den Adern gefrieren…

1.000.000 mal Danke!

Voila_Capture 2015-06-24_10-18-55_vorm

Liebe treue Leserinnen und Leser!

Soeben hat der Psychiatrie to go blog die magische Marke von einer Millionen Aufrufen durchwandert. Über 560.000 Besucher waren schon hier. Das ist echt cool und ich freue mich riesig über diese Resonanz.

Viel Spaß weiterhin mit dem blog,

Euer psychiatrietogo

PsychCast !

Es gibt spannende Neuigkeiten!

Zusammen mit meinem Freund Alexander Kugelstadt habe ich vor wenigen Wochen ein neues Projekt gestartet, das heute das Licht der Internet-Welt erblickt: Wir haben begonnen, einen Podcast aufzunehmen!

Alexander ist Arzt im Bereich der Psychosomatik und Journalist, ich selbst bin ja Psychiater. Da die beiden Fachbereiche eng bei einander stehen und doch oft völlig verschiedene Welten repräsentieren, ergibt sich schon daraus oft eine interessante Spannung. Im Podcast unterhalten wir uns über jeweils ein psychiatrisches / psychosomatisches / psychotherapeutisches oder irgendwie verwandtes Thema, das wir aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. In der ersten Folge geht es ganz passend um das Thema „Kommunikation„. Die zweite Episode, die wir in etwa zwei Wochen veröffentlichen wollen, hat das Thema „Stationäre Psychotherapie„.

Wir haben den Podcast auf den Namen PsychCast getauft und laden Euch alle ein, dem PsychCast zu folgen und sehr gerne auch Fragen, Vorschläge, andere Meinungen und euer Feedback einzubringen. Wie dieser blog ist der PsychCast nicht als Ein-Weg-Veranstaltung gedacht, sondern als ein öffentlicher Austausch!

Ihr findet den PsychCast unter www.psychcast.de. Dort könnt ihr die Episode gleich ohne Umwege auf der Webseite hören. Oder ihr abonniert über den button dort den feed. Oder ihr tragt in den PodFetcher eurer Wahl einfach folgende feed-Adresse ein: http://psychcast.de/?feed=mp3.

Wie auch immer ihr den PsychCast hört: Alexander und ich wünschen Euch viel Spaß dabei und sagt uns eure Meinung dazu!

Live long and prosper !

Leonard Nimoy, alias Spok, starb heute im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in Los Angeles.

Im Film „Der Zorn des Khan“ folgte Spok der alten vulkanischen Erkenntnis:

Das Wohl der Vielen wiegt mehr als das Wohl der Wenigen oder des Einzelnen

Er opferte sich, um die Besatzung der Enterprise zu retten.

Guckt euch das Video seiner Beerdingung an, denn manchmal ist traurig sein das einzig Richtige…

Gute Reise, Leonard!

Spenden für Wikipedia

/home/wpcom/public_html/wp-content/blogs.dir/5bc/31139067/files/2014/12/img_0596.jpg

„you live you learn“ ist der Untertitel dieses blogs.
Der Zugang eines großen Teils der Erdbevölkerung zu freien Informationen und zum gesammelten Wissen der Welt versetzt Berge.
Die Wikipedia ist weltweit für viele Menschen der erste und ein sehr sehr zuverlässiger Anlaufpunkt für Wissen, Informationen und Referenzen geworden.
Die Wikipedia ist unabhängig von wirtschaftlichen Interessen, was eine notwendige Voraussetzung für verlässliche Informationen ist. Sie ist auch frei von Werbung. Dies geht nur, weil sie von freiwilligen Mitarbeitern und Spenden getragen wird.
Weihnachten ist eine gute Zeit, zu spenden. Für die Wikipedia könnt ihr hier spenden.
Es ist gut investiertes Geld.

Frohe Weihnachten!

Liebe Leser und Mitdiskutanden dieses blogs! Vielen Dank für das engagierte Feedback und die lebhaften Diskussionen auf diesem Blog.

Ich wünsche euch ein erholsames und liebevolles Weihnachtsfest und ein gesundes Jahr 2015!

Euer Psychiatrietogo

Digital Detox

Ein neuer Hashtag bahnt sich seinen Weg durch die Netzwelt: #Digital Detox. Und der liegt voll im Trend. Er beschreibt das Bedürfnis, mal ganz frei von Internet, Email, Telefon, Twitter, Facebook und allem Digitalen sein zu wollen. Und er suggeriert, dass all diese Techniken im Übermaß genossen toxisch seien und man sich daher erst mal unter schweren Entzugserscheinungen detoxizieren müsse, um wieder normal zu werden.

Vielleicht bin ich als bekennender Digital-Junkie auch verblendet, aber ich finde diese Sicht nicht richtig. Zuerst einmal ist es ja nicht das Medium, das potentiell schlecht ist, sondern meine Nutzung. Das ist wie mit dem Fernsehen. Oder dem Bahnfahren. Fernsehen an sich ist weder gut noch böse. Aber ich kann fernsehen sinnvoll oder schädlich nutzen. Und das Bahnfahren bei hohen Geschwindigkeiten schadet dem Menschen, anders als früher vermutet, an und für sich auch nicht.

Das Internet und seine Kommunikationstechniken werden deshalb so gerne genutzt, weil der Mensch seinem Wesen nach sehr sehr gerne kommuniziert. Er ist dafür geschaffen, ständig mit Mitgliedern seiner Gruppe, mit seinen engsten Angehörigen und mit ferner stehenden an gleichen Dingen interessierten Menschen zu kommunizieren. Wenn man alle Stecker zieht, redet der Mensch mit seinen Nachbarn, seinen Freunden und seinen Haustieren. Der Mensch kommuniziert halt gerne.

Und das Internet erleichtert die Kommunikation sehr. Ich kann das aber nicht toxisch finden. Es ist ja auch nicht toxisch, dass der Mensch isst und trinkt. Ein Übermaß könnte komisch sein, aber ich bin nicht sicher, wann das erreicht wäre. 

Es ist sicherlich sinnvoll, seine Freunde oftmals auch offline zu treffen, mit ihnen was zu kochen, zu essen und gemeinsam was zu erleben. Aber wenn meine Freunde alle weit weg wohnen, warum sollte ich dann nicht per Facetime, Facebook, Email oder Twitter in Verbindung bleiben?

Ich glaube, dass es übertrieben ist, zu sagen, man müsse sich öfters mal digital detoxizieren.

Aber:

Neulich habe ich eine Schiffsreise gemacht. Und auf hoher See hat man nun mal kein Netz. Sozusagen ein digitaler Zwangsentzug. Ich kann nicht anders, ich muss sagen: Das fand ich schon sehr erholsam. Es fiel mir viel leichter, mich auf ein Buch zu konzentrieren und mich auf die Dinge zu fokussieren, die ich gerade mache. Allein die Tatsache, dass ich ein funktionierendes Smartphone in der Tasche habe, hat offenbar schon etwas Ablenkendes.

Mein Fazit

Achtsamkeit ist auch im Umgang mit Digitalen Medien hilfreich. Ich teile ja auch sonst meine Aufmerksamkeit bewusst Dingen zu und gehe bewusst damit um, womit ich mich beschäftige. Das ist bei digitalen Medien nicht anders. Aber giftig sind sie deshalb nicht.

Wie denkt ihr über Digital Detox? Sinnvoll? Notwendig? Sollte man vom Arbeitgeber dazu gezwungen werden? Oder sollte man einfach mehr Schiffsreisen unternehmen? Schreibt eure Ansich in den Kommentar!

Desk: Ein wirklich schöner Blog-Editor für den Mac

Ich weiß, ich sollte einen zweiten Blog mit dem Namen: „Mein Blog-Editor der Woche“ betreiben, und somit alle ausschließlich an psychiatrischen Themen Interessierten davon verschonen. Aber Desk ist nicht umsonst von Apple als eine der Besten Apps 2014 ausgezeichnet worden.

Desk für Mac

Desk gelingt es, alle fürs bloggen benötigten Tools unter einer völlig minimalistischen Oberfläche unterzubringen. Wenn man schreibt, dann sieht man nur das Blatt, auf das man den Text tippt. Mit der rechten Maustaste kommt man rasch an alle grundlegenden Formatierungsoptionen. Bilder kann man einfach per Drag&Drop einfügen. Und selbst Videos lassen sich einfügen, indem man einfach die URL des Youtube- oder Vimeo-Videos einfügt.

Rasch noch ein paar tags und Kategorien eingefügt, und den Publish-button drücken. So macht bloggen wirklich Spaß!

Hier habe ich den screencast auf Youtube verlinkt

Streetpong

Es will ja niemand gerne an einer roten Ampel warten. Statt nun den Kindern ein schlechtes Vorbid zu sein und überfahren zu werden, kann man auch einfach eine Runde Streetpong spielen. Echt cooles Konzept!

Der Notfallpass in iOS 8

Wenn ein Patient ins Krankenhaus aufgenommen wird, der aus welchem Grund auch immer nicht mehr geordnet sprechen kann, dann versucht man auf andere Weise herauszubekommen, wer der Patient ist und was mit ihm los ist. Der typische Fall ist der bewusstlose Patient, der in ein Allgemeinkrankenhaus aufgenommen wird. Aber auch in der Psychiatrischen Klinik werden nicht selten Hilflose Personen (Rettungsdeutsch: „HiLoPe„) aufgenommen, deren Personalien sich auf „ca. 40 Jahre, männlich“ beschränken.

Traditionell sucht man dann erst mal die Taschen des Patienten nach seinem Portmonee ab. Hier findet man oft eine EC-Karte oder etwas ähnliches mit dem Namen des Patienten. Das kann schon mal helfen. Mit viel Glück hat der Betroffene auch einen Pass mit Namen und Adresse bei sich. Aber selbst dann weiß man über die Vorgeschichte oder mögliche Vorerkrankungen noch nichts.

In letzter Zeit immer wichtiger wird allerdings das Handy des Patienten. Es gibt nicht wenige Patienten, die keine Ausweispapiere bei sich haben, aber ein Handy. Nicht immer ist das so gut organisiert, dass man genau heraus bekommt, wie der Besitzer heißt und was mit ihm los ist. Aber die Telefoneinstellungen „Favoriten“ gibt es doch bei den meisten Betriebssystemen. Und wenn man da einen der Einträge „Mama“, „Schatz“, „Heimleitung“ oder „Dr. Winkelmann“ anruft, kommt man in der Regel schon mal weiter.

Mit der weiteren Verbreitung der Smartphones wird es allerdings für den ärztlichen Ermittler erst mal schwieriger. Viele Handys haben – und das ist auch gut so – eine Code-Sperre. Wenn die Patienten in ihrem Bewusstsein so eingeschränkt sind, dass sie die Sperre nicht mehr aufheben können, und die guten alten Versuche „1234“, „0000“ und „2580“ nicht funktionieren, dann kommt man hier allerdings nicht weiter.

Auftritt iOS 8 und der hier integrierte Notfallpass. Seit iOS 8 auf den iPhones gelandet ist, kann man in der App „Health“ für den Notfall relevante Informationen hinterlegen. Insbesondere

  • Name
  • Geburtsdatum
  • Erkrankungen und Befunde
  • Allergien und Unverträglichkeiten
  • Medikation
  • Kontaktpersonen mit Name und Telefonnummer
  • Größe, Gewicht
  • und die Information, ob man Organspender ist oder nicht.

2014-09-23 07.17.11

Das Besondere ist, dass diese Informationen auch von einem gesperrten iPhone aus zugänglich sind. Im Lock-Screen, in dem man den Entsperr-Code eingeben kann, erscheint unten links die Auswahl Notfall:

Wenn man den Schriftzug „Notfall“ antippt, kann man von diesem gesperrten iPhone aus die Notrufnummern 110 und 112 wählen. Und man hat unten links Zugriff auf die Schaltfläche „Notfallpass“:

2014-09-23 20.22.41

Tippt man auf den Schriftzug „Notfallpass“, zeigt einem das immer noch gesperrte Handy die in der App Health hinterlegten Informationen an. Das sieht dann etwa so aus:

Finde ich wirklich praktisch. Insbesondere Kontaktpersonen für den Notfall, aber auch die Medikation hilft sehr. Man kann die Felder auch für weiterführende Informationen wie etwa den Hinweis auf eine Behandlungsvereinbarung oder ähnliches verwenden. Sehr sinnvoll ist natürlich auch das Feld „Organspender“. Ich denke, mit den Handys kann sich hier eine größere Verbreitung ergeben als mit den Organspendeausweisen.

Also: Wenn Du ein iPhone hast und iOS 8 ist installiert, dann trag mal zumindest Deine Kontaktpersonen für Notfälle ein. Und dann hoffen wir, dass diese Funktion bei deinem Telefon nie gebraucht wird…

Phantom Vibration Syndrom

Kennt ihr AsapSCIENE (your weekly dose of science) ? Cooler Youtube-Kanal, auf dem ihr Fragen stellen könnt, und AsapSCIENCE beantwortet sie leicht verständlich, locker vorgetragen als Live-Zeichnung. Dringend vorbeischauen.

In diesem Video geht es darum, was soziale Medien mit unseren immer auf Belohnung ausgerichteten Gehirnen machen. Teaser: Der Gebrauch von sozialen Medien setzt Dopamin frei und hat damit ein gewisses Suchtpotential.

Was ich recht lustig finde ist, dass in dem Video das „Phantom Vibration Syndrom“ beschrieben wird. Was Phantom-Schmerzen sind, weiß man ja: Wenn es da schmerzt, wo gar keine Gliedmaße mehr ist; also zum Beispiel Schmerzen in der linken Hand, wenn der ganze linke Arm einschließlich der Hand nicht mehr vorhanden sind. Das sind Phantomschmerzen.

Online-Junkies sollen das Handy manchmal vibrieren spüren, auch wenn es gar nicht klingelt. Deren Gehirn soll schon so krude verdrahtet sein, dass es das gute alte Jucken fälschlich als eine Vibration des Handys missdeutet. In einer Studie hätten 89 % der Befragten angegeben, sie hätten eine Phantomvibration mindestens einmal alle zwei Wochen bei sich festgestellt.

Wenn es mich das nächste Mal juckt, versuche ich mal eine pinch-to zoom Geste statt kratzen…