Critical Risk Management (CRM) in Medizin und Luftfahrt

Gestern hatte ich das Glück, in einem RICHTIGEN Flugsimulator fliegen zu dürfen (Danke Stefan!), was wirklich aufregend ist. Heute postet Chirurgenwelpe hier dieses unbedingt sehenswerte Video. Es handelt von einem Piloten, der etwas über den „human factor“ in der Medizin und in der Luftfahrt zu berichten hat. Das bezieht sich auf die Analyse des Hergangs von fatalen Fehlern, etwas, in dem Mediziner von Piloten sehr viel lernen können.

As a result of his personal experience, Martin Bromiley founded the Clinical Human Factors Group in 2007. This group brings together experts, clinicians and enthusiasts who have an interest in placing the understanding of human factors at the heart of improving patient safety.
In Just A Routine Operation Martin talks about his experience of losing his wife during an apparently routine procedure and his hopes for making a change to practice in healthcare.

Die Analyse von schweren Fehlern zeigt gebietsübergreifend immer wieder, wie wichtig gerade in risikoreichen Situationen Kommunikation und Offenheit sind. In zwei Dritteln der untersuchten Fälle hatte einer der Beteiligten eine wichtige Information oder Idee, die den Gang der Dinge womöglich wesentlich hätte abwandeln und verbessern können, kam aber damit irgendwie nicht durch.

Übrigens auch sehr spannend ist diese vollständige Rekonstruktion eines Flugzeugunglücks, die National Geographic gedreht hat:

http://youtu.be/ddpvP2UPHcY

Kann mal einer die weblinks zum e-learning ordnen?

Was, alle weblinks zu medizinischen e-learning Angeboten gewissenhaft sammeln, ordnen und die Liste stets aktuell halten? Dafür müßte man wohl Bibliothekar mit einem Hang zum web sein. Und das schließt sich doch aus, oder? Bibliothekare lieben doch den Geruch von Büchern, diesen verstaubten Dingern, die schon im Moment des Druckes hoffnungslos veraltet sind, dazu schwer, teuer und insgesamt irgendwie stark retro rüberkommen.
Nein, durch einen Eintrag in meinem blog bin ich aufmerksam geworden auf ein Exemplar, dass genau das kann und macht: Corvus Corax heidelbergensis. Sie hat einen blog und sie hat die beiden großartigen Seiten:
Medizinische Podcasts und
Medizinische Videocast.
Wirklich exzellente Sammlung, unbedingt mal draufclicken. Und wenn Euch eine Seite, ein podcast oder ein Beitrag, den ihr zum Thema e-learnig gefunden habt, besonders gut gefällt: Schreibt es bei den Kommentaren zu den weblinks, so dass andere es auch finden können.
Vielen Dank Corvus
und nun viel Spaß bei stöbern…
P.S.: Mein erster Fund ist ein Audio-Podcast der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Rostock, in dem Mitschnitte herausragender Veranstaltungen der Klinik gesendet werden:

http://itunes.apple.com/de/podcast/gehlsheim-kpp/id387625579?ls=1

Fehlattribuierungen in der Psychiatrie

Die Wissenschaftstheorie ist eine Theorie der Unterscheidung von richtig attribuierten Kausalitäten und falsch attribuierten Kausalitäten (attribuieren bedeutet zuweisen, in diesem Falle eine Ursächlichkeit zuweisen). Der Mensch hat ein primäres Bedürfnis nach Kausalität, am liebsten Monokausalität. Dem gibt er immer wieder nur zu gerne nach. Es gibt in den letzten Jahren mehr Amokläufe als früher? Woran kann das nur liegen? Das muss an den Ego-Shootern liegen, die die Amokschützen gespielt haben. Klingt plausibel und wird als Erklärung immer wieder gerne herangezogen. Und wenn man dann Fallstudien oder Studien anfertigt, kommt man zur Erkenntnis, dass Amokläufer tatsächlich öfter Ego-Shooter spielen als der Durchschnitt der Bevölkerung, und also weitaus häufiger eine gepflegte Partie Counter Strike hinlegen als Rentner, Kleinkinder oder katholische Bibliothekarinnen. Wahrscheinlich sogar häufiger, als gleichalte männliche Nicht Amokläufer. Aber es kann eben sehr gut sein, dass potentielle Amok-Läufer gerne Ego Shooter spielen, ohne dass dieses den Amok Lauf verursacht.
Die Psychiatrie ist ein Bereich, der sehr anfällig für Fehlattributionen ist. Grund dafür ist, dass psychische Probleme oft sehr viele Ursachen haben, die sich nicht problemlos identifizieren lassen. Und das einfache Erklärungen immer gerne angenommen werden.
Das Bild oben zeigt einen dicken Bauch, auf dem tätowiert ist: „Made by Seroquel“. Unter Seroquel gibt es manchmal eine deutliche Gewichtszunahme, allerdings seltener als unter bestimmten anderen Neuroleptika. Nun kann es sehr gut sein, dass dieser Patient zu der Gruppe gehört, die ohne Seroquel kein Gewichtsproblem hatten und mit Seroquel deutlich zugenommen haben. Es kann aber auch sein, dass die Gewichtszunahme mehrere Gründe hat. Manchmal tritt eine Gewichtszunahme auch in Folge der Psychose mit möglicherweise sehr abweichenden Verhaltensweisen auf (weniger Sport bei stationärer Behandlung, Weniger Aktivität bei krankheitsbedingtem Antriebsmangel, andere Ernährung…). Man weiß es nicht. Es kann gut sein, dass Seroquel hier einen Einfluß hatte. Aber häufig ist eine Erklärung alleine nicht wirklich vollständig.
Typische monokausale Fehlattribuierungen in der Psychiatrie können sein:

  • Das Antidepressivum macht mich müde (kann sein, aber die Depression macht auch antriebslos)
  • Mein Kind hört nicht, es hat ADHS (kann sein, kann aber auch andere Gründe haben)
  • Mir geht es schlecht, das muss an einem Kindheitstrauma liegen (kann sein, kann aber auch mehr oder andere Gründe haben)
  • Ich nehme ein Antidepressivum, jetzt muss meine Depression besser werden (stimmt den Studien nach, aber es wäre sinnvoll, auch noch anderes zu tun, um der Depression zu entkommen)
  • Depressionen sind die Folge von Streß (Streß kann ein Auslöser einer depressiven Episode sein, als einzige Ursache ist es in aller Regel nicht verantwortlich zu machen)
  • Ängste oder Phobien sind Folge unangenehmer Konditionierungen (gibt es sicher, erklärt aber meistens nicht alles….)

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p>Was sind Deine Lieblingsfehlattribuierungen? Achte heute einmal einen Tag lang aufmerksam auf monokausale Fehlattribuierungen! Schreib sie in die Kommentare!

 

Ein Signal ist umso glaubhafter, je teurer es ist

In den 80’er Jahren wurde die soziale Signaltheorie fröhlich beforscht. Inzwischen hört man nichts mehr von ihr. Das liegt daran, dass nur eine Erkenntnis übrig blieb: Ein Signal ist umso glaubhafter, je teurer es ist. Das schönste Beispiel dafür ist die britische Tradition, dass ein Verlobungsring den Mann zwei Monatsgehälter kosten soll. Das bewirkt eine gute Glaubwürdigkeit und Sicherheit. Einen solchen Ring schenkt ein Mann nicht so aus Jux und Dollerei her, er verschenkt ihn nicht, wenn es ihm nur um ein schönes Wochenende geht und er verschenkt ihn nicht, ohne darüber vorher gründlich nachgedacht zu haben. Der Glaubwürdigkeitsindikator “Teuer” oder zumeist synonym “Aufwendig” ist bis zu seinem eigenen Preis ein Schutz vor Betrug, gleisam ein Pfand für Wahrhaftigkeit. Alle anderen Forschungsergebnisse zur Signaltheorie sind folgendermaßen zusammenzufassen: Alles andere außer Preis / Aufwand eines sozialen Signals ist leicht fälschbar. Ende der Signaltheorie. Wenn Du also jemanden von etwas überzeugen willst, gibt es genau eine Strategie, die eine sichere Überzeugungskraft besitzt: Treibe einen hohen Aufwand. Wenn mich ein Psychotherapiepatient fragt: “Wie erreiche ich endlich, dass Sie/er/alle mir glauben, mich mit anderen Augen sehen, nicht mehr an mir zweifeln?”, dann frage ich nicht nach seinen Worten den anderen gegenüber, sondern nach seinen Taten. Und nach deren Preis.

Am 18./19.4.2012 kommt Prof. Revenstorf zum Alexianer Therapieforum ins Alexianer Krankenhaus Köln

Im Rahmen des Alexianer Therapieforums hält Prof. Revenstorf, Tübingen, den Vortrag: ”Einführung in die Hypnotherapie”. Der Vortrag findet am 18.04.2012 von 14:00-16:00 statt und ist kostenlos. Zusätzlich bietet er hierzu ein Trainingsseminar an, und zwar am 19.04.2012 von 09:00 bis 13:00 Uhr. Für die Teilnahme am workshop fällt eine Gebühr von 45 € an. Anmeldungen sind hier möglich.

Dirk Revenstorf studierte Psychologie in Hamburg und habilitierte in München. Er ist Professor für klinische Psychologie an der Universität Tübingen und hatte 1995-1997 eine Professur an der Universidad de las Americas in Puebla (Mexico). Von 1984-1996 war er Präsident der Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Persönlichkeitstheorie, Forschungsmethodik, Therapieforschung, Verhaltenstherapie, Hypnose, Paartherapie, Psychotherapie-Ausbildung. Er hat 16 Bücher und mehr als 180 Zeitschriftenartikel und Buchkapitel über Forschungsmethodik, Persönlichkeit, Psychotherapie, Hypnose und Paartherapie veröffentlicht. Er erhielt den Pierre Janet Award of Clinical Excelence (Intern.Soc.Hypnosis) und den Milton Erickson Preis. Er ist Regionalstellenleiter der Milton-Erikson-Gesellschaft Tübingen, wo er auch Hypnose in der Psychotherapie praktiziert.

Ein besonders interessantes Buch von ihm ist: „Die geheimen Mechanismen der Liebe: 7 Regeln für eine glückliche Beziehung„.

Also: Termin vormerken, Köln besuchen und einen spannenden Vortrag und workshop über Hypnose in der Psychotherapie erleben!

Selbsttest auf und Rehabilitation für „Offenheit für Neues“!

Offenheit für Neues ist eine der big five Persönlichkeitsmerkmale, die eine meßbare, sicher etablierte, valide Variable der Persönlichkeit ist. In der bisherigen Wahrnehmung galt ein hohes Maß an Offenheit für Neues aber teilweise eher als ein Warnzeichen; ein Ruf des Verruchten hing ihm an, man dachte an ein höheres Risiko für Drogenkonsum, ADHS, impulsives Verhalten oder unsteten Lebenswandel.

Eine neue Würdigung der Studielage spricht nun dafür, dass gerade das Merkmal Offenheit für Neues in einer höheren Ausprägung -balanciert mit bestimmten anderen Ausprägungen auf den anderen Achsen – mit einer langfristig guten und robusten Gesundheit und guten Lebensqualität einhergehen. Kombiniert mit einem ordentlichen Maß an Gewissenheit und einem eher niedrigen Maß an Egozentrismus sowie offenbar einem höheren Maß an Verträglichkeit kann Offenheit für Neues ein guter Prädiktor dafür sein, kreativ und frei zu leben und sich bei Problemen, die andere in die Verzweiflung treiben, einen neuen Weg zu suchen, der besser ist als das Verharren in unangenehmer Hilflosigkeit. Mit zunehmendem Alter wirkt sich diese Kraft sogar zunehmend stark aus. Diese Einschätzung vertritt der wirklich berühmten Psychiater Cloninger, der schon seit Jahrzehnten für grundsätzliche und wirklich relevante Erkenntnise auf dem Gebiet der Persönlichkeitsforschung gut ist. In diesem sehr lesenswerten Artikel der NewYork Times wird die Erkenntnisgeschichte zur genauen Würdigung dieses Merkmals sehr schön dargestellt. Hier wird auch der Begriff „neophilia“ benutzt, der neu und lustig ist…

Möchtest Du wissen, wie Du auf der Skala „Offenheit für Neues“ abschneidest? Hier ist ein online Selbsttest mit sofortiger Auswertung:

http://well.blogs.nytimes.com/2012/02/13/the-well-quiz-how-adventurous-are-you/#more-71337

Aber unabhängig davon, wie Du in diesem Test abschneidest: Jetzt wünsche ich Dir erst mal viel Spaß beim Karneval feiern, egal wie Du feierst…

 

Übersetzer gesucht?

In der Psychiatrie ist keine Diagnose ohne Sprache möglich. Kommt ein Patient zur Aufnahme, der kein Deutsch spricht, sucht man zumeist erst einmal unter den Mitarbeitern nach einem Dolmetscher. Das ist auch oft ausreichend. Spricht der Patient aber eine Sprache, die kein Mitarbeiter kann oder wirklich gut übersetzen kann, ist es erforderlich, einen qualifizierten Dolmetscher zu bestellen und eben auch zu bezahlen. Das lohnt sich in meinen Augen wirklich, denn anders als wohlmeinende Nicht-Dolmetscher wird ein professioneller Dolmetscher darauf achten, möglichst originalgetreu zu übersetzen. Das hilft sehr, auch formale Denkstörungen zu erfassen und kann bei der Unterscheidung etwa von Halluzinationen und Pseudohalluzinationen oder ähnlichen Feinheiten einfach erforderlich sein. Muttersprachler, die keine Dolmetscher sind, versuchen meiner Erfahrung nach oft, durch eigene Interpretationen oder „Glättungen“ zu helfen, was aber die Diagnose erschwert. Ich habe es mir daher zur Angewohnheit gemacht, im Zweifelsfall einen Dolmetscher zu bestellen. Die Kosten sind gerechtfertigt. Bei Gutachten übernimmt sie das Gericht, und in diesen Fällen ziehe ich auch dann einen Dolmetscher hinzu, wenn der Proband halbwegs deutsch sprechen kann, aber nicht wirklich gut. Zum einen verbessert es wirklich die Diagnosequalität, zum anderen wird die vom Gutachten nicht begeisterte Prozesspartei ohnehin anmerken, dass das Gutachten ohne Dolmetscher nicht verwertbar ist.

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer führt unter seiner homepage www.bdue.de eine Liste mit geprüften Übersetzern auf, die man nach Sprache, Entfernung zum eigenen Ort und sogar nach Fachgebiet suchen kann. Die Einschränkung nach dem Fachgebiet Medizin schränkt die Auswahl allerdings recht stark ein, so dass man im Zweifelsfall ohne Angabe einer Fachrichtung suchen sollte. Kommen sehr viele Treffer, kann man die Suche einschränken. Die Seite ist sehr hilfreich.

Literatursuche mit google scholar

Wenn Du Dich zu einem bestimmten Medizinischen Thema informieren willst, suchst Du vermutlich erst mal im Netz, was Du so findest. Angenommen, Du willst einen Vortrag zu einem bestimmten Thema vorbereiten, suchst Du zuerst einmal Übersichtsarbeiten, dann Bilder und passende Artikel. Es gibt nun verschiedene portale, die hier hilfreich sind:
  • www.google.de.  Muss ich nichts zu sagen.
  • Google Bilder. Auch klar
  • Pubmed. Sucht nach Artikeln.
  • Die Cochrane Library. Zeigt Metaanalysen.
  • Ich möchte nun Dein Augenmerk auf google scholar richten. Wenn Du eine wissenschaftliche Quelle suchst. Ist google scholar richtig und der normalen Seite von google weit überlegen. Es sucht nach wissenschaftlichen Artikeln, wie man sie auch über pubmed finden würde, es sucht nach Lehrbuchtexten, es kann sehr selektiv nach Autor, Jahr und journal befragt werden und es verweist auf verwandte Artikel. Oft findet man kostenfreie pdf’s, die man sich gleich laden kann. Bitte probier doch mal im hier stehenden google scholar Feld aus, ein thema einzutragen, mit dem Du Dich auskennst, und sieh, welche Ergebnisse das liefert. Hättest Du das so schnell über google und pubmed gefunden?

http://scholar.google.de/

  • Cover Art     

    Papers

    mekentosj.com

    Kategorie: Produktivität

    Aktualisiert: 19.01.2012

     235 Bewertungen

    Und wer sich auf seinem iOS Gerät oder seinem Mac eine Literaturdatenbank zurecht legen will, die alle Artikel perfekt verwaltet, und aus der man direkt eine google scholar oder pubmed Suche machen kann, und dann die gefundenen Artikel auch gleich perfekt katalogisiert importieren will, frei durchsuchbar und verwaltbar, der guckt sich ‚papers‘ an. Das funktioniert perfekt. Meine Empfehlun

Wie frage ich die Cochrane Library ab?

Von vielem, was man weiß, weiß man nicht, woher man es weiß. Und nicht selten weiß man etwas, was nicht stimmt, oder von dem man halt einfach nicht weiß, ob es stimmt. Und das ist in der Medizin nicht richtig. Richtig ist, zu wissen, welchen Evidenzgrad ein mutmaßliches Wissen hat. Der einzige Weg, das herauszufinden, ist, sich einen Überblick darüber zu schaffen, welche Studien zu einer Fragestellung es gibt und diese zu bewerten. Am besten freilich ist, wenn ausgewiesene Statistikgurus zu einer bestimmten Fragestellung schon alle hochgradig geeigneten Studien an Land gezogen und zusammengefaßt haben. Und zwar nach festgelegten Protokollen, die allerlei Fehlerquellen, etwa den publication-bias, minimieren.

Die Ergebnisse dieser Arbeiten liegen in der Cochrane Library. Hier kann jeder auffinden, welche Meta-Analysen zu bestimmten Themen vorliegen und kann sich kostenlos die Zusammenfassung ansehen. Bedauerlicherweise ist der Zugriff auf den Volltext der jeweiligen reviews kostenpflichtig. Manchmal hat man aber Glück und kann sich eine auf der Cochrane Seite identifizierte Studie irgendwie bei google schießen…

Vorgehen:

  1. Ich will etwas zu einem bestimmten Thema in Erfahrung bringen. Ich will wissen, was ist gesicherte Erkenntnis, was ist nicht gesichert.
  2. Ich kann ein Lehrbuch lesen, das genau diese Informationen bereit hällt. Das ist das praktischste und schnellste. Im Gebiet der Psychiatrie ist dies in ddeutscher Sprache das Lehrbuch von Berger. (Buchbesprechung siehe hier)
  3. Zweite Möglichkeit: Ich klicke folgenden link: http://www.thecochranelibrary.com/view/0/index.html
  4. Hier finde ich zwei Suchmöglichkeiten. In der Spalte links ist ein thematisch geordneter Verzeichnisbaum. Hier kann ich beispielsweise auswählen: Mental health/Anxiety Disorder/Generalized. Klicke ich hier drauf, finden sich alle Meta-Analysen genau zu diesem Thema. Oder ich wähle die Stichwortsuche oben links auf der website. Auch dies zeigt mir alle verfügbaren Studien hierzu. Ein Klick auf den link zur Meta-Analyse meiner Wahl, und ich sehe deren Abstract. Das sieht etwa so aus:
  1. Ich tippe den Titel der Studie noch mal bei google ein, vielleicht ergänzt um ‚.pdf‘, so findet man manchmal zusätzliche Informationen.
  2. Nun tippt man bei Google Bilder den Artikelnamen und zusätzlich Forest plot ein.

Der Forest plot informiert mit einem Blick, welche Studien welches Ergebnis zeitigen und zu welchem Ergebnis die gewichtete Zusammenfassung aller Studien kommt.

  1. Fertig.

Sind Schimpansen eigentlich dissozial?

Willkommen bei der live-Berichterstattung vom 12. Warnemünder Forensikkurs. Wer nicht selber dabei sein kann, erfährt hier, was er verpaßt. Die Fortbildung findet seit 12 Jahren im immer gleichen Rahmen statt. Vormittags referieren Prof. Kröber und geladene Referenten aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu einem Themenschwerpunkt. Nachmittags stellen die Teilnehmer eigene Gutachten vor, die diskutiert werden. Sehr lehrreich, sehr interessant.Den Auftakt gab Prof. Kröber mit einer Ausführung zur Frage, warum beim Menschen Dissozialität eben nicht die Regel ist. Vielmehr neigt der Mensch erfreulicherweise schon früh und auf breiter Front zu Kooperation, Verträglichkeit in Gruppen und fröhlicher Kommunikation. Vergleichende Studien zwischen Menschen und anderen Primaten zeigen, dass sich schon sehr früh Unterschiede entwickeln. Tomasello, ein weltweit hoch anerkannter Forscher am Max-Planck-Institut für evolutionäre Antropologie in Leipzig hat unter anderem den angenehmen Job, Kinder und junge Affen dabei zu beobachten, wie sie soziales Verhalten erlernen und zu welchen Formen der Kooperation sie fähig sind. (Tomasello M (2009) Why we cooperate. MIT Press, Cambridge MA London). Er fand heraus, dass Menschen schon früh mehr leisten als alle anderen nahestehenden Säugetiere. Gemeinsam ist uns Säugern, dass Mütter die Kinder stillen, Eltern die Kinder vor Gefahren warnen und schützen. Hochentwickelte Arten können auch etwas kooperieren, etwa, wenn es darum geht, gemeinsam Nahrung zu ergattern. Lernen am Modell geht auch. Aber dann geht es bei den anderen Arten nicht weiter. Selbst die freundlichen Schimpansen achten eigentlich im Wesentlichen auf ihren eigenen Vorteil. Wenn es hoch kommt, gibt eine Schimpansenmutter mal etwas Nahrung an ihr Kind ab, aber nicht gerade den leckersten Teil.

Was machen Menschen zusätzlich mit ihren Kindern? Durch die Sprache können Menschen mehr, und sie tun es auch. Sie erklären ihren Kindern die Welt. Immer und immer wieder. Sie erklären Dinge, Zusammenhänge, Bedeutungen. Und sie erklären das Verhalten anderer Menschen. Dadurch laden sie die Welt mit Bedeutung auf. Sie vermitteln Kulturtechniken, die in der Lage sind, Wissen, Erfahrungen, Techniken, die Herstellung und den Gebrauch von Artefakten zu tradieren. Menschen bringen sich gegenseitig bei zu lesen, zu sprechen, Bücher zu drucken und facebook zu benutzen. Voraussetzung hierfür ist natürlich die Sprache.

Gehen kleine Kinder anders mit anderen Menschen um als Schimpansen? Ja. Kinder pflegen schon ab einem Alter von einem Jahr als Normalfall die Kooperation, sie verhalten sich in einem starken Maße prosozial. Kinder können anderen Kindern Dinge zeigen, die für sie selbst uninteressant sind, aber für das andere Kind spannend sind. Sie teilen Ressourcen; wenn sie satt sind sogar Nahrung und Süßigkeiten. Sie können anderen etwas geben, auch wenn sie erst viel später dafür etwas bekommen, und sogar, wenn das unsicher ist. Sie wissen offenbar um die langfristigen Vorteile der Kooperation, des Mutualismus (= die Wechselseitigkeit sozialer Aktionen).

Menschen gehen also nicht nur Seite an Seite mit ihren Kindern durch die Welt, säugen und beschützen sie, sondern erklären ihnen die Welt, insbesondere auch die Art, wie Menschen miteinander umgehen. Und die Kinder gehen dann im Regelfall sozial miteinander um, sie teilen und tauschen Sachen, Wissen und Informationen. Es liegt nahe, anzunehmen, dass das vermittelte Wissen, wie Menschen funktionieren, ein begünstigender Faktor einer sicherlich auch schon angelegten Verhaltensweise des Menschen ist, sich sozial zu verhalten. Das Ergebnis ist eine Spezies, die Kooperation zum Regelfall gemacht hat. Die Mitglieder dieser Spezies zeigen weit überwiegend eine ‚Prosoziale Persönlichkeit‘.

Von diesen Beobachtungen ausgehend kann man die Frage stellen, was schief gelaufen sein muss, damit ein Mensch eine Dissoziale Persönlichkeitsstörung entwickelt hat. Genetische Befunde spielen sicher eine Rolle, aber es gibt auch Entwicklungseinflüsse. Die Etablierung moralischer Werte läuft dabei in gewissen Stufen ab. Schon im 4. Lebensjahr kennen Kinder die wichtigsten Regeln im sozialen Umgang, können sie aber nicht immer einhalten. Die Kinder lernen durch Beobachtung und am eigenen Leibe, dass Kooperation meist weiter führt als Egozentrik, Rücksichtslosigkeit und Regelbrüchigkeit.

Dissozialität kann dann interpretiert werden als ein Zustand, der der Entwicklung von Moral, Empathie und Wissen um den Nutzen der Kooperation vorausgeht. Praktisch ein entwicklungspsychologisches Stehenbleiben auf den sozialen Strategien der anderen Säugetiere. Oder als eine bewußte Entscheidung für einen kurzfristigen Vorteil in (möglicherweise irrtümlicher) Abwägung gegen die damit verbundenen Nachteile.

Nachzulesen ist das alles im Artikel ‚Prosoziale Persönlichkeit. Warum ist kooperatives, normorientiertes Verhalten der Normalfall?‘ Kröber HL, Nervenarzt 2011. 82:37-42.

Selbsttest auf Narzissmus, Psychopathie und histrionische Persönlichkeit online

Online Selbsttest

Auf den Psychotherapieblog des Wiener Psychotherapeuten R. Fellner hatte ich schon einmal verlinkt. Auf dessen Website finden sich einige interessante Selbsttests, die man online kostenlos ausfüllen kann, und die sofort eine Auswertung anzeigen: hier.

Narzissmus

Heute neu ist ein Selbsttest auf Narzissmus, Psychopathie und histrionische Persönlichkeit eingestellt. Wer Spaß an Selbsttests hat, kann sich hier gleich mal einen wissenschaftlich fundierten Spiegel vorhalten. Kommt bei Euch etwas plausibles raus? (Mein Ergebnis entspricht meiner Selbsteinschätzung….)

Buch von Paul Bloom

Ich hatte vor wenigen Tagen die Vorlesung „Introduction to Psychology“ des Yale Open Course empfohlen. Er hat nun ein Buch geschrieben: Sex, Kunst und Schokolade. Nachdem Bloom erforschte, wie wir Sprache erlernen, widmet er sich nun der Frage, was uns antreibt. Er machte eine Reihe von originellen Studien, viele davon mit Kindern, um Motivation und Belohnungssystem zu erforschen. Ein Interview mit ihm zum Buch findet sich in der Zeit: hier. Ich habe es noch nicht gelesen, aber bestellt. Ich habe keinen Zweifel, dass es sich lohnt!

Der Charakter eines Menschen lässt sich am Geruch erkennen

Padangbai  126

Wir wissen es ja alle und glauben auch alle daran: Die Pheromone sagen uns weit mehr aus, als wir so benennen können. Der Geruch eines Menschen ist angenehm oder unangenehm, manche Menschen kann man sogar „einfach nicht riechen“. Es geistert auch die Idee durch die Welt, der Geruch habe einen großen Einfluss auf die Partnerwahl. (Ich glaube, dass das stimmt). Nun haben polnische Wissenschaftler der Universität Wroclaw das mal experimentell überprüft. Die Veröffentlichung findet sich im “European Journal of Personality”.

Das Experiment: Das Team ließ 60 Probanden (30 Männer, 30 Frauen) 3 Nächte hindurch ein weißes T-Shirt tragen. Der Gebrauch von Parfums, Seifen, Deodorants sowie Rauchen und intensiv riechende Speisen wurden untersagt. Die Persönlichkeit der Probanden wurde zu Beginn testpsychologisch in Bezug auf die „big five-Persönlichkeitsmerkmale„, also Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Neues, Verträglichkeit und Rigidität untersucht. Danach wurden 200 Freiwillige (100 Männer und 100 Frauen) gebeten, an den in neutrale Tüten gepackten T-Shirts zu riechen und die Persönlichkeit der Träger einzuschätzen. Jeder sollte zu sechs T-Shirts etwas vermuten.

Das Ergebnis zeigte, dass die Probanden nicht nur den Angst-Level der Träger passend bestimmen konnten, sondern allein aufgrund des Geruches bestimmte Persönlichkeitseigenschaften sowie das Merkmal Dominanz etwa so gut einschätzen konnten, wie andere Testpersonen in früheren Experimenten, die ein Video der einzuschätzenden Person gesehen hatten. Die Korrelationen waren am stärksten für Extraversion (.36), Neurotizitismus (.34) und Dominanz (.29). Genauere Analysen zeigten, dass Dominanz bei Probanden des gegensätzlichen Geschlechtes besonders präzise eingeschätzt werden konnte.

Das ist in meinen Augen schon ein überraschendes Ergebnis, da es zeigt, dass nicht nur Angst und das auch noch vermutete Merkmal Dominanz zu riechen sind, sondern tatsächlich Persönlichkeitseigenschaften, also wie offen jemand ist, oder wie sperrig-neurotisch. Faszinierend!

(Die Anregung zum Bericht über diese Studie habe ich aus dem Wiener „Psychotherapie Blog„, der sehr lesenswert ist. (Aber keine Sorge, ich durchforste ihn weiter nach Anregungen…)

Spaßnobelpreis für Psychologie 2011: Die Bedeutung des Seufzens

Man denkt ja allgemein, Seufzen wäre Ausdruck von Frustration, Resignation oder gar Vermissen. Eine Forschergruppe aus dem dunklen Oslo hat das nun mal experimentell überprüft und eine Gruppe von Probanden zunächst gebeten zu sagen, was sie glauben, warum andere seufzen, und dann die Probanden bei der Bearbeitung einer eher schwierigen Aufgabe beobachtet.

Ergebnis: Alle dachten, Seufzen gehe mit Frustration oder Traurigkeit einher. Tasächlich seufzten die Probanden aber, wenn sie eine Aufgabe oder eine Teilaufgabe abgeschlossen hatten. Danach machten sie am ehesten eine kurze Gedenkpause und widmeten sich dann etwas Anderem. Endlich mal wieder ein Forschungsergebnis, das die Welt etwas erhellt. Die Arbeit wurde mit dem Alternativen Spaß-Nobelpreis ausgezeichnet. Respekt!