Crystal Aufklärungsseite Sachsen neu am Netz

Sachen hat ein ernsthaftes Crystal-Problem, und wenn ihr mich fragt, dauert es nicht mehr lange, bis Crystal auf breiter Front auch die westlichen Bundesländer erreicht hat. In den Metropolen ist es schon verfügbar, aber offenbar noch nicht so häufig anzutreffen.

Ein frühzeitig aufgenommener Kampf gegen Crystal ist bundesweit sinnvoll, denn dieses Teufelszeug führt seine Konsumenten meist ungebremst in den Abgrund.

Die Seite Crystal.Sachsen ist neu am Netz und informiert sachlich über Wirkungen, Nebenwirkungen, Therapieoptionen und auch den Kampf des Landes Sachsen gegen Crystal.

Ich wünsche Sachsen, dass die anderen Bundesländer und der Bund es in diesem Kampf jetzt unterstützen. Im eigenen Interesse.

Zeitleisten erstellen mit Easy Timeline

In der Psychiatrie ist es oft entscheidend, sich ein klares Bild vom zeitlichen Ablauf einer Erkrankung und deren Behandlung zu machen. Oft braucht man einen Überblick, wie sich die Erkrankung über die gesamte Lebenszeit dargestellt hat, und wann welche Therapie eingesetzt wurde.

Und dann kommen oft noch weitere Faktoren dazu:

  • Wo und wie wohnte der Patient?
  • War er in einer Partnerschaft?
  • Gab es einen relevanten Drogenkonsum?
  • Wie sah es beruflich aus?

Und vieles mehr. Und das alles soll man sich so visualisieren, dass man einen vernünftigen Überblick hat. Man soll also wissen, wann die erste Krankheitsepisode war, welche Therapie dann eingesetzt wurde, wie lange es unter dieser Therapie stabil lief, wann es unter welcher Therapie und welchen Rahmenbedingungen wieder zu einem Rückfall gekommen ist, wie oft diese Rückfälle sich wiederholt haben und so weiter.

Kann man alles auf einem DIN A4 Blatt machen, und sollte das auch viel öfter tun. Aber für Fallvorstellungen und Präsentationen empfehle ich das Mac Programm Easy Timeline. Im Video stelle ich es vor:

http://youtu.be/KX7q7011rYs

Einen sehr guten 30 minütigen Screencast von Screencastsonline, der Easy Timeline erklärt, findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=swGA8xvkYcU

 

Die Psychotherapie der Zwangserkrankung oder wie man Laster loswird

von Heinrich Böll Stiftung from Berlin, Deutschland (Lastwagen) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Heute habe ich einen Workshop des bekannten, auf die Therapie von Zwangskrankheiten spezialisierten Therapeuten Hansrüdi Ambühl aus Bern besucht. Fassen wir zusammen:

Symptome der Zwangserkrankung

Bei Zwangskrankheiten gibt es in der Regel zwei voneinander abgrenzbare Symptombereiche:

A) Zwangsgedanken und Zwangsimpulse

Sie wirken aufputschend, das heißt, sie beunruhigen den Kranken, machen ihn nervös und verursachen Angst und große Anspannung. Beispiele sind:

Zwangsgedanken

  • „Habe ich, als ich vorhin mit dem Auto um die Ecke gebogen bin, einen Fahrradfahrer umgefahren, der jetzt hilflos am Boden liegt?“
  • „Habe ich den Briefkasten wirklich ganz vollständig ausgeleert, oder könnte ich irgendwie irgendwo im Briefkasten noch etwas übersehen haben?“

Zwangsimpulse

  • „Ich habe den Impuls, jemanden auf der Straße mit obszönen Begriffen anzuschreien.“
  • „Wenn mir auf der Landstraße ein Auto entgegen kommt, habe ich manchmal den Impuls, das Steuer umzureißen und auf die entgegenführende Spur zu fahren, frontal ins andere Auto.“

B) Zwangsrituale

Sie wirken auf den Betroffenen beruhigend. Es sind Handlungen, die der Patient für sich erfunden hat, von denen er gemerkt hat, dass sie ihm helfen, die Anspannung zu reduzieren, die die Zwangsgedanken und Zwangsimpulse in ihm ausgelöst haben. Durch die Zwangsrituale kommt er wieder zur Ruhe. Beispiele sind:

  • Händewaschen
  • Kontrollieren
  • Dinge abzählen
  • Kognitive Rituale (z.B. In Gedanken minutiös nachvollziehen, wie man den Briefkasten ausgeleert hat)

Die Zwangsrituale werden ausgeführt, um die Angst und Anspannung, die die Zwangsgedanken und Zwangsimpule ausgelöst haben, abzubauen.

Therapie der Zwangserkrankung

Das übergeordnete Prinzip der Psychotherapie bei Zwangskrankheiten ist, dem Patienten zu vermitteln, dass er sich nicht zum Sklaven seiner Zwangsgedanken und Zwangsimpulse machen lassen muss. Und dass er Zwangsgedanken und Zwangsimpulse haben kann, ohne mit einem Zwangsritual reagieren zu müssen. Der erste Teil der Therapie ist daher die

Psychoedukation

  • Jeder hat manchmal unanständige, aggressive oder unangemessene Gedanken. Das ist ganz normal.
  • Man kann das Denken nicht so gut willentlich steuern. Manche Gedanken kommen einfach.
  • Gedanken sind keine Handlungen. Niemand nimmt wirklich einen Schaden, wenn der Patient lediglich einen Gedanken oder Impuls hat. Er tut es ja nicht. Gerade Zwangskranke wollen ja um gar keinen Preis eine sozial unangemessene Handlung begehen. Daher passiert das auch praktisch nie.

Veränderung der Bewertung der Zwangsimpulse

Die Lastwagenmethapher: 

Zwangskranke denken oft, dass sie sich ihren Zwangsgedanken und Zwangsimpulsen mit voller Kraft entgegenstellen müssen, damit diese nicht wahr werden. Das ist, wie wenn sie einen Lastwagen auf der Straße sehen, sich auf die Straße vor den Lastwagen stellen und mit vorgestreckten Händen versuchen, diesen aufzuhalten. Klappt natürlich nicht. Statt dessen rät Dr. Ambühl ihnen, sich gedanklich einen Campingstuhl zu nehmen, sich drauf zu setzen, wie man sich an den Straßenrand setzen würde, und jedesmal, wenn ein Zwangsgedanke kommt, einen Strich auf einer (realen) Strichliste zu machen. Bis der Gedanke vorbei gezogen ist. Dann kommt vielleicht schon der nächste Zwangsgedanke, und dann macht man wieder einen Strich auf seiner Strichliste. Am Abend zählt man die Striche. So lernt man, die Sache viel gelassener zu sehen. Dies führt zu einer ganz anderen Bewertung der Bedeutung der Zwangsgedanken und Zwangsimpulse, so dass im Laufe der Zeit auch immer weniger Striche am Abend auf der Liste erscheinen.

Reaktionsverhinderung

Das zweite therapeutische Prinzip ist es, zu erlernen, dass man eine Situation, in der der Patient Zwangsgedanken oder Zwangsimpulse erlebt, auch aushalten kann, ohne sein Zwangsritual zu vollziehen. Das ist zwar zunächst mal sehr unangenehm, aber irgendwann hört diese Anspannung auf. Und je öfter man das macht, desto weniger stark bildet sich diese Anspannung beim nächsten mal aus. Der Körper habituiert. Wichtig ist, dass man bei der Exposition mit einer auslösenden Situation immer auch eine Reaktionsverhinderung durchführt.

Praktisch sieht das zum Beispiel so aus:

Hr. Z. hat ausgeprägte Ängste, er könne sich beim Berühren von Türklinken mit Bakterien infizieren. Jedes Mal, wenn er in einem öffentlichen Gebäude eine Türe anfasst, muss er sich danach mehrfach nach einem ganz festen Ritual die Hände waschen.

Sein Therapeut vereinbart mit ihm, eine Expositionsübung mit Reaktionsverhinderung durchzuführen. Der Patient soll die Türklinke des Praxisraumes anfassen. Danach soll er aber gerade nicht seine Hände waschen. Es wird eine Anspannung im Patienten entstehen. Diese soll er so lange aushalten, bis sie abklingt. Das ist manchmal nach 30 Minuten der Fall, manchmal nach 3 Stunden. Wichtig ist, dass der Patient so lange aushält, bis die Anspannung weitgehend abgeklungen ist. Wenn er erlebt, dass sie auch ohne Zwangsritual abklingt, und diese Übung alleine immer wieder durchführt, wird er recht bald einen guten Teil seiner Zwangsrituale los sein.

Pharmakotherapie

Zusätzlich zur Psychotherapie gibt man in der Regel SSRI im Rahmen der Pharmakotherapie der Zwangserkrankung.

Am 13.06.2012 kommt Prof. Berger ins Alexianer Krankenhaus Köln

Im Rahmen des Alexianer Therapieforums hält Prof. Berger, Freiburg, einen Vortrag zum Thema: “ Was wirkt in der Psychotherapie”. Auf das ausgezeichnete Psychiatrie Lehrbuch von Berger hatte ich hier schon hingewiesen. Im Vortrag wird er sicherlich die Methodik und vieles zum aktuellen Stand der Psychotherapieforschung berichten. Der Vortrag findet am 13.06.2012 von 14:00-16:00 statt und ist kostenlos.

Zusätzlich bietet er einen workshop an, und zwar am 14.06.2012 von 09:00 bis 13:00 Uhr. Das Thema des workshops wird noch bekannt gegeben. Er ist kostenpflichtig. Anmeldungen sind hier möglich.

Am 18./19.4.2012 kommt Prof. Revenstorf zum Alexianer Therapieforum ins Alexianer Krankenhaus Köln

Im Rahmen des Alexianer Therapieforums hält Prof. Revenstorf, Tübingen, den Vortrag: ”Einführung in die Hypnotherapie”. Der Vortrag findet am 18.04.2012 von 14:00-16:00 statt und ist kostenlos. Zusätzlich bietet er hierzu ein Trainingsseminar an, und zwar am 19.04.2012 von 09:00 bis 13:00 Uhr. Für die Teilnahme am workshop fällt eine Gebühr von 45 € an. Anmeldungen sind hier möglich.

Dirk Revenstorf studierte Psychologie in Hamburg und habilitierte in München. Er ist Professor für klinische Psychologie an der Universität Tübingen und hatte 1995-1997 eine Professur an der Universidad de las Americas in Puebla (Mexico). Von 1984-1996 war er Präsident der Milton Erickson Gesellschaft für klinische Hypnose. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Persönlichkeitstheorie, Forschungsmethodik, Therapieforschung, Verhaltenstherapie, Hypnose, Paartherapie, Psychotherapie-Ausbildung. Er hat 16 Bücher und mehr als 180 Zeitschriftenartikel und Buchkapitel über Forschungsmethodik, Persönlichkeit, Psychotherapie, Hypnose und Paartherapie veröffentlicht. Er erhielt den Pierre Janet Award of Clinical Excelence (Intern.Soc.Hypnosis) und den Milton Erickson Preis. Er ist Regionalstellenleiter der Milton-Erikson-Gesellschaft Tübingen, wo er auch Hypnose in der Psychotherapie praktiziert.

Ein besonders interessantes Buch von ihm ist: „Die geheimen Mechanismen der Liebe: 7 Regeln für eine glückliche Beziehung„.

Also: Termin vormerken, Köln besuchen und einen spannenden Vortrag und workshop über Hypnose in der Psychotherapie erleben!