Psychopharmakologie to go: Das Buch: Jetzt endlich auch als Buch!

Psychopharmakologie to go Buch
Psychopharmakologie to go Buch

Psychopharmakologie to go Buch

Es ist doch herrlich, an einem sonnigen Tag mit einem guten Buch im Schatten zu sitzen und sich von neuen Ideen inspirieren zu lassen. Das gute alte Buch ist hierfür prima geeignet. Ich selbst habe zwar schon lange kein Buch aus Papier mehr gelesen, aber dieses hier gefällt mir ganz ausgezeichnet. Es ist durchgehend gut lesbar geschrieben und vermittelt einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der Praktischen Psychopharmakologie. Neueinsteiger erhalten eine verläßliche Orientierung über die wichtigsten Wirkstoffe und deren Verwendung. Leser mit bereits vorhandenem Fachwissen bekommen an vielen Stellen Hintergrundinformationen, etwa geschichtliche oder pharmakologische Zusatzinformationen. Zu den häufigsten Erkrankungen und den wichtigsten Medikamenten berichte ich jeweils, nach welchen Kriterien ich selbst die Medikation auswähle und dosiere. Das ist zwar überhaupt nicht der einzig richtige Weg der medikamentösen Behandlung, dient aber ebenfalls sehr gut der Orientierung. Also, wer Papierbücher gegenüber eBooks, iBooks und pdf’s bevorzugt, der kann jetzt zuschlagen: Psychopharmakologie to go: Das Papierbuch.

Donepezil (z.B. Aricept®)

Donepezil ist ein Acetylcholinesterase-Hemmer. Es ist zugelassen für leichte bis mittelgradige Formen der Alzheimer-Demenz. Es gibt Hinweise auf die Wirksamkeit von Donepezil auch in fortgeschritteneren Krankheitsstadien. Der Einsatz in diesen Krankheitsphasen ist aber dennoch eine off-label Verordnung.

Dosierung

  • Im ersten Monat gibt man 1 Tablette Donepezil 2,5-5 mg pro Tag abends.
  • Im zweiten Monat kann man bei guter Verträglichkeit auf 1 Tbl. Donepezil 10 mg pro Tag erhöhen.
  • Dabei bleibt man dann.

Nebenwirkungen

  • Zu den häufigeren unerwünschten Wirkungen, die unter der Anwendung von Donepezil beobachtet wurden, zählen Durchfall, Übelkeit und Kopfschmerzen (Häufigkeit >10 %).
  • Häufig (1 bis 10 %) traten auch Infektionen, Appetitlosigkeit, Halluzinationen, Erregung, Angstzustände, Synkopen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Schmerzen, Verletzungen, Magen-Darm-Beschwerden, einschließlich Erbrechen, Ausschlag, Juckreiz, Muskelkrämpfe und Harninkontinenz auf.

Disclaimer

Wie bei allen Darstellungen in diesem blog gilt natürlich, dass dieser Text der generellen Orientierung dient. Er ersetzt nicht die ärztliche Behandlung. Im Einzelfall sind noch eine Reihe weiterer Faktoren zu berücksichtigen, die sich auf die Auswahl des Präparates, die Dosierung und andere Umstände auswirken können. Klar, oder!

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Einen Artikel über die Wirkprinzipien der Antidementiva findest Du hier.

 

Copyright

Dieser Beitrag ist ein Auszug beziehungsweise eine auszugsweise Vorabveröffentlichung des Werks „Psychopharmakotherapie griffbereit“ von Dr. Jan Dreher, © Georg Thieme Verlag KG. Die ausschließlichen Nutzungsrechte liegen beim Verlag. Bitte wenden Sie sich an permissions@thieme.de, sofern Sie den Beitrag weiterverwenden möchten.

Erster Geburtstag

Heute feiert dieser blog seinen ersten Geburtstag. Happy birthday!
Vor genau einem Jahr erschien der erste post hier; inhaltlich ging es darum, dass ich wohl mal „Hello World!“ posten wollte und das auch getan habe. Inzwischen habe ich über 140 posts mit hoffentlich etwas mehr Inhalt geschrieben und es ist weiterhin fun.
Bedanken möchte ich mich einmal mehr bei pharmama, Chirurgenwelpe und medizynicus, durch deren frühe links viele Leser auf den blog aufmerksam geworden sind sowie die anderen Medizinblogs, die mir die Ehre eingeräumt haben, mich in ihre blogroll aufzunehmen. Google lenkt täglich verblüffende Mengen an clicks weiter, was mich wirklich freut und motiviert.
Am meisten aber freuen mich die vielen regelmäßigen Leser unter Euch, die mir mit Kommentaren, Gefällt mir´s und allen anderen Rückmeldungen zeigen, dass ein bestimmter post ihnen etwas gebracht hat: Spaß, Bestätigung, Information oder Anregung.
Ich freue mich auf’s nächste Jahr mit Euch,
Euer psychiatrietogo

Der kleine KBV Knigge gegen Korruption bei niedergelassenen Ärzten

KBV Broschüre "Richtig kooperieren"Gegenwärtig wird in der Politik diskutiert, was zu tun ist, um Korruption bei niedergelassenen Ärzten zu verhindern. Ausgangspunkt war ein Beschluss des Bundesgerichtshofes, in dem dieser feststellte, dass niedergelassene Ärzte sich nicht des Straftatbestandes der Korruption schuldig machen, wenn sie von Pharmafirmen Vorteile entgegen nehmen. Und zwar deshalb und nur deshalb nicht, weil sie keine „Amtsträger“ sind. Der BGH legt die Sache aber dem Großen Senat für Strafsachen vor, damit dieser zu einer einheitlichen orientierende Handhabung für die Praxis kommen könne. Das ist juristisch, wie wir es vom BGH gewohnt sind, mal wieder tip top präzise und richtig. Allein die Wirkung auf die Öffentlichkeit ist nicht so prima. Es entsteht der Eindruck, dass niedergelassene Ärzte sich bestechen lassen dürfen. Nun, das dürfen sie erfreulicherweise nicht. Bestechlichkeit bei Niedergelassenen ist zwar strafrechtlich keine Korruption (da keine Amtsträger), es kann aber gegen das Berufsrecht verstoßen und es verstößt gegen die Richtlinien der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Ein Verstoß kann zum Entzug der Zulassung als niedergelassener Arzt führen.

Die KBV hat in dieser Broschüre mit vielen Beispielen aus der Praxis genau aufgezeigt, was erlaubt ist und was nicht.

Meiner persönlichen Einschätzung nach ist diese Regelung in den meisten Fällen auch ausreichend und angemessen. Es wird geregelt, dass ein Arzt keine Vorteile annehmen darf, wenn er einem anderen Arzt oder Krankenhaus einen Patienten überweist, er darf von einem Pharmaunternehmen keine von seinem Verordnungsverhalten abhängigen Geldgeschenke annehmen oder bei der Zusammenarbeit mit einem Medizin-Unternehmen, von dessen Wohlergehen er profitiert, diesem immer wieder Patienten zuweisen. Er darf nur dann ein Honorar erhalten, wenn er eine adäquate Gegenleistung erbringt.

Eine Regelung erscheint mir aber immer noch zu lasch: Niedergelassene Ärzte dürfen sich von Pharmafirmen auf unabhängige Fachkongresse einladen lassen, ohne hierfür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Die Pharmafirma darf die Transportkosten (Bahn- oder Flugticket), die Hotelkosten (aber nicht für ein Luxushotel oder ein Hotel in einem Erholungsgebiet) und die Kongressgebühren übernehmen. Dies ist meiner Einschätzung nach auch eine Vorteilnahme, die geeignet sein kann, das Verschreibungsverhalten des niedergelassenen Arztes zu beeinflussen. Wäre das nicht so, würden die Pharmafirmen das schlicht und ergreifend nicht anbieten. Aus meiner Sicht sollte es daher auch untersagt sein, dass Pharmafirmen niedergelassenen Ärzten die Teilnahme an einem Fachkongress finanzieren, wenn dem keine adäquate Gegenleistung gegenüber steht (z.B. Halten eines Vortrages oder Workshops).

Rivastigmin (z.B. Exelon®)

Rivastigmin

  • ist ein Antidementivum aus der Klasse der Acetylcholinesterase-Hemmer
  • wurde als Exelon® patentiert und eingeführt
  • ist zugelassen zur Behandlung des M. Alzheimer und zur Behandlung von Demenzen im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung

Dosierung

Rivastigmin stand lange Zeit ausschließlich in Kapselform zur Verfügung. Inzwischen gibt es auch ein Pflaster, das den Wirkstoff durch die Haut abgibt. Das Pflaster gilt als gleich wirksam aber besser verträglich.

Kapseln:

  • In den ersten zwei Wochen gibt man zwei mal 1,5 mg, je morgens und abends.
  • Bei guter Verträglichkeit steigert man in der dritten und vierten Woche auf zwei mal 3 mg.
  • Alle zwei Wochen kann man jeweils um 2 mal 1,5 mg steigern.
  • Die wirksame Zieldosis liegt zwischen 6 und 12 mg/täglich.

Wenn die Behandlung länger als einige Tage unterbrochen wurde, ist der Wiederbeginn mit täglich 2 mal 1,5 mg und anschließender Dosistitration notwendig.

Pflaster:

  • Im ersten Monat verschreibt man die Pflaster zu 4,6 mg/24 Stunden.
  • Bei guter Verträglichkeit kann man ab dem zweiten Monat die Pflaster zu 9,5 mg/24 Stunden verschreiben.
  • Dabei bleibt man dann.

Nebenwirkungen

Wie bei allen Acetylcholinesterase-Hemmern kann, insbesondere zu Beginn der Behandlung und bei Dosissteigerungen, Übelkeit auftreten.
Die Pflasterapplikation zeigt im Vergleich zur oralen Applikation von Rivastigmin eine geringere Häufigkeit von gastrointestinalen Nebenwirkungen.

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Einen Artikel über die Wirkprinzipien der Antidementiva findest Du hier.

 

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Dieser Beitrag ist ein Auszug beziehungsweise eine auszugsweise Vorabveröffentlichung des Werks „Psychopharmakotherapie griffbereit“ von Dr. Jan Dreher, © Georg Thieme Verlag KG. Die ausschließlichen Nutzungsrechte liegen beim Verlag. Bitte wenden Sie sich an permissions@thieme.de, sofern Sie den Beitrag weiterverwenden möchten.

Das Wirkprinzip der Antidementiva

Medikamentöse Behandlung der Demenz

Die medikamentöse Behandlung der Demenzen wirkt zunächst kompliziert. Was wirkt eigentlich bei wem wie gut? Und wirkt überhaupt etwas? Viel Klarheit bringt hier die aktuelle S3 Leitlinie zur Demenz.

Es kommt sehr darauf an, welche Form der Demenz vorliegt. Die häufigste Demenzform ist mit ca. 60% aller Demenzen die Demenz vom Alzheimer Typ. Die Illustration oben zeigt links das Gehirn eines Gesunden, rechts das atrophierte Gehirn eines Alzheimerkranken. Die Atrophie ist bei dieser Erkrankung am ganzen Gehirn zu sehen, betont aber am medialen Temporallappen und am Hippokampus. Der Hippocampus ist für Gedächtnisleistungen verantwortlich, was zur Symptomatik der Vergesslichkeit passt. Die verminderte Leistungsfähigkeit des Gehirns eines an M. Alzheimer Erkrankten ist im Wesentlichen durch die verminderte Anzahl an Nervenzellen bedingt. Eine ausreichende Signalübertragung ist schlicht und ergreifend dadurch erschwert, dass es zu wenig Nervenzellen gibt. Deren Neurotransmitter wäre zu einem guten Teil das Acetylcholin. Die verminderte Anzahl an Nervenzellen hat dann aber eine zu geringe Kapazität, Acetylcholin in ausreichender Menge zu produzieren.

Drei der vier zugelassenen und beim M. Alzheimer bewiesenermaßen wirksamen Medikamente, nämlich

  • Donepezil (z.B. Arizept®)
  • Galantamin (z.B. Reminyl®)
  • Rivastigmin (z.B. Exelon®)

wirken nun ganz einfach dadurch, dass sie den Abbau des Neurotransmitters Acetylcholin im Gehirn verlangsamen. Der Abbau von Acetylcholin im Gehirn erfolgt im wesentlichen über das Enzym Acetylcholinesterase. Wenn man dies Enzym blockiert, kann es nicht mehr so viel Acetylcholin abbauen, und so verbleibt Acetylcholin im synaptischen Spalt, und kann so besser seine Wirkung entfalten. Da bei der Demenz vom Alzheimer Typ Acetylcholin zu knapp ist, ist die Verzögerung des Abbaus dieses Transmitters ein wirksamer Weg, die Funktion der Signalübertragung eine Zeit lang aufrecht zu erhalten.

Antidementiva können durch diesen Mechanismus die Symptomatik der Demenz etwas lindern und bewirken, dass eine Verschlechterung der Beschwerden in vielen Fällen um einige Monate oder wenige Jahre aufgeschoben wird, was oft für die Patienten und auch im Hinblick auf deren Betreuung einen sehr großen Gewinn bringt. Die aktuell auf dem Markt befindlichen Antidementiva bewirken aber keine Verzögerung der ursächlichen Degeneration.

Die vierte wirksame Substanz ist das Memantin (z.B. Axura®). Dies ist ein NMDA Rezeptor Antagonist. Auch Memantin wirkt auf die Neurotransmission und lindert so die Symptome für einige Zeit.

Neben der Alzheimer Demenz gibt es noch die vaskuläre Demenz, die gemischte Demenz (vaskuläre und Alzheimer Anteile gemischt), die Lewy-Körperchen Demenz, die frontotemporale Demenz, Demenzen beim M. Parkinson sowie andere Demenzen.

Die oben genannten Substanzen sind nur zum Teil bei den anderen Demenzformen wirksam und auch nur zum Teil bei diesen zugelassen. In den folgenden Artikeln in den nächsten Tagen (oder Wochen…) will ich im Detail auf die verschiedenen Substanzen und die verschiedenen Demenzformen eingehen…

stay tuned!

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Berliner müssen nicht mehr schnarchen, dank Neurostimulator

Das Schlaf-Apnoe-Syndrom ist eine Krankheit, bei der die Betroffenen nicht nur laut schnarchen, sondern zwischenzeitlich immer wieder Atempausen haben, da die Atemwege für einige Sekunden bis zu einer Minute komplett verlegt sind. Zum Ende dieser Atempausen hin schüttet der Körper Adrenalin aus, um ihn aufzuwecken und wieder Luft zu bekommen. Der Betroffene macht dann nach langer Pause einen tiefen Atemzug, wacht aber nicht wirklich auf. Aber er kommt durch diese Geschehnisse auch nicht wirklich in eine tiefe Schlafphase, so dass er müde und nicht ausgeschlafen aufwacht.

Die bisherige Therapie dieses Krankheitsbildes war die Anwendung einer Atemmaske, wie sie im Bild oben zu sehen ist. Über einen geringen positiven Luftdruck innerhalb des Systems werden die Atemwege offen gehalten. Der Patient schnarcht nicht mehr, er hat keine Atempausen mehr und er wird nachts nicht mehr 100 mal fast wach. Viele Patienten berichten, dass sie mit der Maske ab dem ersten Tag wieder normal und erholsam schlafen.

Die Charité hat nun erstmalig einen Neurostimulator implantiert (click), der über den nervus hypoglossus die Zunge stimuliert, sobald sich das Zwerchfell zusammen zieht. Die Bewegungsfreiheit des Patienten bleibt in der Nacht gewahrt, das Verfahren wirkt auf mich wesentlich eleganter.

Das Thema Schnarchen ist für Psychiater relevant, weil ein Schlaf-Apnoe-Syndrom über die stete Schlafstörung geradezu klassischerweise Erschöpfungssyndrome und auch mittelgradige bis schwere Depressionen verursachen kann.

Es ist ja so: Mit 35 zeigen sich bei nicht wenigen Exemplaren der Spezies Mann gewisse Abweichungen vom Waschbrettbauch. Mit 40 wird es nicht besser. Mit 45 handelt es sich um den beliebten „Waschbär im Speckmantel“ und mit 50 wird bauchbedingt geschnarcht wie ein schwangeres Rhinozeros. Nicht wenige Exemplare entwickeln nun ein Schlaf-Apnoe-Syndrom. Und nicht wenige Exemplare entwickeln mit 50 eine erstmalige Depression. Und da sagt sich der Psychiater: 50 Jahre, das ist ja ein recht typisches Ersterkrankungsalter für eine Depression. Ist es auch. Aber insbesondere bei adipösen Patienten muss man hier weiter fragen: Berichtet ihre Frau (oder wer auch immer nachts neben ihnen liegt) von lautem Schnarchen? Berichtet sie / er / das Tonband von Atempausen? Wenn ja, dann sollte unbedingt eine ambulante Polysomnographie beim Hals-Nasen-Ohren Arzt veranlasst werden. Und wenn hier Auffälligkeiten erkennbar sind, sollte eine Untersuchung im Schlaflabor folgen. Die erfolgreiche Therapie eines SAS kann ein wesentlicher Schritt in der Behandlung der Depression / des Erschöpfungszustandes sein.

Wir Psychiater haben ja gar nichts dagegen, wenn die Hasen-Ohren-Ärzte für uns die Depressionen wegbehandeln…

(Danke für die Hospitationen im Schlaflabor, Adrian!)

Buchempfehlung: The naked pilot, 1995

Im Internet liest man ja viele Buchempfehlungen, zumeist von neu erschienenen Büchern. Ich habe jetzt im Urlaub „The naked pilot“ von David Beaty gelesen. Das Buch ist 1995 erschienen und ist komplett absolut topaktuell und wirklich spannend zu lesen.
Es handelt von menschlichen Fehlern, die zu Flugzeugunfällen geführt haben. Schon das 1995 geschriebene Vorwort ist der aktuellen Diskussion, was im medizinischen Bereich zu Fehlern führt, um Jahre voraus. Die weit überwiegende Zahl an Fehlerquellen im Cockpit kann man 1:1 auf Fehlerquellen in OP’s oder medizinischen Behandlungsteams übertragen. Die Jungs aus der Luftfahrt haben sich nur im Gegensatz zum medizinischen System wesentlich früher und konsequenter um die Identifizierung und extensive Implementierung von Ausbildungen, Routinen und Maßnahmen gekümmert, solche Fehler nach Möglichkeit zu vermeiden. 1995 war der Stand, dass noch 25 % der Fehler, die zu Unfällen in der Luftfahrt führten, technischer Natur waren, wie explodierende Triebwerke oder abfallende Fahrgestelle. 75 % der Fehler waren auf menschliche Fehler zurückzuführen. Und damit sind nicht fliegerische Pilotenfehler gemeint, sondern Fehler, die der menschlichen Art zu handeln oder zu interagieren eigen sind. Die Analyse solcher Fehlerquellen auch in der Medizin konsequent zu erforschen, um sie zu verhindern, müßte weitaus intensiver geschehen (siehe auch dieses Video über CRM in Luftfahrt und Medizin).
Beaty identifiziert folgende typische Fehlerquellen, nach Häufigkeit geordnet:
Kommunikation, mit der Crew, dem Tower und dem Management: Hiermit zusammenhängende Fehler sehen oft so aus, dass einer etwas falsch macht, mindestens ein anderer das weiß, er aber mit seinem Wissen irgendwie nicht durchkommt, weil er es nicht sagt, nicht klar genug sagt, nicht sagen will, sich nicht zu sagen traut, glaubt, es nicht sagen zu dürfen oder es sagt aber nicht angemessen gehört wird. Eine ausgeprägte Hierarchie verschlechtert diese Art von lebenswichtiger Kommunikation rapide.
Wahrnehmung: Sehe ich das kreuzende Flugzeug? Sehe ich es auch, wenn der Fensterrahmen genau da ist, wo das Flugzeug zu sehen wäre?
– „Deadly Set“: Die Voreingestelltheit auf einen bestimmten Gedanken oder ein bestimmtes Detail einer Situation. Beaty beschreibt zahlreiche Unfälle, bei denen die Crew versuchte, sich einem Aspekt einer Situation zu stellen, von dem sie dannganz eingenommen war, und übersah einen anderen, lebenswichtigen Aspekt. Eine Katastrophe nahm ihren Lauf, als die Lampen im Cockpit, die anzeigen, ob das Fahrwerk ausgefahren ist, nicht leuchteten, weil sie durchgebrannt waren. Das Fahrwerk war tatsächlich aber korrekt ausgefahren, das Flugzeug hätte seinen Landeanflug fortsetzen können, es wäre nichts passiert. Da aber die Kontrolleuchten defekt waren, verfestigt sich der Gedanke an eine Crash- Notlandung in der Crew. Sie wollte möglichst viel Zeit zur Vorbereitung haben, auch um die Passagiere vorzubereiten. Dabei verabsäumten sie es, das zu tun, was für eine solche Situation vorgeschrieben ist, nämlich, tief am Tower vorbei zu fliegen und die Towerbesatzung mal nachgucken zu lassen, ob das Fahrwerk vielleicht doch ausgefahren ist. Die Crew war so lange auf dieVorbereitung der Notlandung konzentriert, bis sie nach dem Fliegen mehrerer Runden zwei Kilometer vor der Landebahn mit ausgefahrenem Fahrwerk im Wald abstürzten. Der Sprit war leer.
– Getäuscht werden
– Das männliche Ego (hier bitte beliebige Kontexte ausdenken und den immer gleichen Mechanismus beobachten…)
– Entscheidungsfindung: In kurzer Zeit unter hohem Druck die richtige Entscheidung zu treffen unterliegt einer ganzen Reihe von menschlichen Beschränkungen. In der Medizin eher noch komplexer als in der Luftfahrt…
– In kritischen Situationen greift der Mensch auf früh gelerntes zurück, nicht auf später gelerntes. In beiden Welten kritisch…
– Automation
– Sinkende Konzentration, Langeweile und Abgelenktheit: Vor allem bei monotoner Kontrolle, wie der Überwachung einer mehrstündigen Narkose.
– Konformität: Der starke menschliche Drang, lieber konform mit der Gruppe oder dem Vorgesetzen zu gehen als anzuerkennen, dass Gruppe oder Chef auf dem falschen Weg sind und dies klar zu sagen.
– Seitenfehler: Aviation: „Was, das andere Flugzeug flog auch nach rechts?“. Medizin: „Was, die kranke Niere war die rechte?“
– Erschöpfung und Streß: Luftfahrt: Am Ende eines mehrstündigen Flugen passieren die weitaus meisten Fehler bei der Landung. Medizin: Nach einem langen Nachtdienst in den frühen Morgenstunden bei drei gleichzeitigen Aufnahmen….

Was Sie wirklich nicht tun wollen…

Ein von mir mitbehandelter Patient, der mit Methadon substituiert wird, war neulich aufgrund einer schmerzhaften Erkrankung in einem anderen Krankenhaus. Dort erhielt er eine Reihe von Medikamenten zur Behandlung seiner Krankheit. Er berichtete, dass er jedesmal kurz nach der Medikamenteneinnahme einen „Turbo-Entzug“ gehabt habe. Zittern, Knochenschmerzen, Schwitzen, maximales Unwohlsein. Er wünsche so etwas seinem ärgsten Feind nicht. Was da wohl los gewesen sein könne?
Ein Blick in die Medikamentenliste im Arztbrief erklärte die Symptomatik schnell. Er hatte vom Kollegen Valoron N Tropfen gegen die Schmerzen erhalten. Valoron ist ein Schmerzmittel, das das Opiat Tilidin enthält, ein potentes Analgetikum. Der zweite Wirkstoff im Valoron N ist Naloxon, dafür steht das N. Naloxon ist ein OpiatANTAGONIST. Das hat den Vorteil, dass man Valoron N verschreiben kann, ohne Sorge haben zu müssen, dass es den Weg auf den Schwarzmarkt findet und da verkauft wird. Für Menschen, die sonst keine Opiate konsumieren, ist das Mischungsverhältnis von Tilidin und Naloxon so gewählt, dass immer noch eine starke analgetische Wirkung eintritt. Anders ist das bei Opiatkonsumenten und opiatsubstituierten Patienten. Diese Patienten vertragen Valoron N überhaupt nicht. In dem Moment, in dem der Opiatantagonist Naloxon die Opiat-Rezeptoren erreicht, verdrängt er sofort alle bisher wirksamen Opiate einschließlich des Methadons und verursacht eine sofortige, starke Entzugssymptomatik, den „Turbo-Entzug“. Und der ist wirklich extrem unangenehm. 

Merke: Wenn Du einem Opiatabhängigen oder einem Opiat-Substituierten in die eine Hand eine heiße Kartoffel gibst und in die andere Hand ein Fläschchen Valoron N, dann lässt er das Valoron N als erstes fallen.

Das neue Patientengesetz

Über das neue Patientengesetz (oder richtiger Patientenrechtegesetz) informiert das Gesundheitsministerium hier. Der inzwischen verabschiedete Entwurf ist hier vollständig als pdf herunterzuladen.

Das neue Patientengesetz wird Teil des BGB. Es fasst an dieser einen Stelle einige Gesetze und Rechtsprechungen zusammen, die bislang auch schon galten, aber auf unterschiedliche Gesetzbücher verteilt waren. Es benennt an einigen Stellen zusätzliche und neue Punkte.
Die wesentlichen Punkte des neuen Patientengesetzes sind:

  • Bündelung von Behandlungsrecht und Arzthaftungsrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)
  • Förderung der Fehlervermeidungskultur
  • Stärkung der Verfahrensrechte bei Behandlungsfehlern
  • Stärkung der Rechte gegenüber Leistungsträgern
  • Stärkung der Patientenbeteiligung
  • Stärkung der Patienteninformationen.

Arzthaftungsrecht

Im Streit um Behandlungsfehler hat der Patient die Pflicht, dem Arzt den Behandlungsfehler nachzuweisen. Das ist das normale rechtsstaatliche Vorgehen. Wer einem Anderem einen Verstoß gegen ein Gesetz oder eine Sorgfaltspflicht vorwirft, muss nachweisen, dass das auch so ist. Genau so bleibt es auch mit dem neuen Patientengesetz. Allerdings wird dem Patienten der Nachweis erleichtert. Er erhält geregeltere Einsicht in die Behandlungsdokumentation. Die Krankenkassen sind gehalten, ihn bei der Aufklärung des Tatbestandes zu unterstützen.
Bei „Grober Fahrlässigkeit“ galt schon immer eine Beweislastumkehr, d.h. beim Vorwurf der groben Fahrlässigkeit muss der Arzt nachweisen, dass er keine solche begangen hat bzw. das diese keinen Schaden verursacht hat. Das war vor dem neuen Patientengesetz so und bleibt so. Allerdings war dies bislang eine Erkenntnis, die sich aus der ständigen Rechtsprechung ergab, war also ein sogenanntes „Richterrecht“. Mit dem neuen Patientengesetz ist es nun für jedermann leicht nachvollziehbar als Gesetz festgeschrieben.

Stärkung der Verfahrensrechte bei Behandlungsfehlern

Bei Behandlungsfehlern ist in Zukunft die Patientenakte das zentrale Beweisdokument. In diese erhält der Patient in Streitfall Einsicht.

Förderung der Fehlervermeidungskultur

Ein sachgerechtes Qualitätsmanagement im stationären Bereich umfasst zukünftig verpflichtend auch ein Beschwerdemanagement für die Belange insbesondere von Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen, das entsprechend patientenorientiert auszugestalten ist. Der Gemeinsame Bundesausschuss erhält die Aufgabe, die Richtlinien zum einrichtungsinternen Qualitätsmanagement in Bezug auf Maßnahmen zur Stärkung der Patientensicherheit und um Mindeststandards für das Risiko- und Fehlermanagement zu erweitern. Ergänzend wird die Vereinbarung von Vergütungszuschlägen zukünftig auch für die Beteiligung an einrichtungsübergreifenden Fehlermeldesystemen vorgesehen, um die Mitwirkung von Krankenhäusern an solchen Systemen zu unterstützen, die ein übergreifendes Lernen aus Fehlern auch außerhalb der eigenen Einrichtung ermöglichen. Darüber hinaus wird die Patientenbeteiligung ausgebaut.

Stärkung der Rechte gegenüber Leistungsträgern

Auch im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung stärkt das Gesetz Rechtspositionen der Versicherten. Zukünftig können diese ihre Teilnahme an Hausarzt- und anderen Selektivverträgen innerhalb einer 2-Wochenfrist nach Abgabe ihrer Teilnahmeerklärung widerrufen, sich bei nicht rechtzeitiger Entscheidung ihrer Krankenkasse Leistungen selbst beschaffen und werden bei Behandlungsfehlern durch die Krankenkassen unterstützt.

Stärkung der Patientenbeteiligung

Die Aufgaben des Patientenbeauftragten werden erweitert. Er erstellt eine umfassende Übersicht der Patientenrechte und wird sie zur Information der Bevölkerung bereithalten. Dies schafft Transparenz über geltende Rechte von Patientinnen und Patienten.

Stärkung der Patienteninformationen

Der mündige Patient ist Leitbild des neuen Patientengesetzes. Die Aufklärung über Chancen und Risiken wird noch expliziter verlangt. Auch die Aufklärung über Kosten der Behandlung und Selbstbeteiligungen gehört hierzu.

Fazit:

Super Sache, höchste Zeit für diese Vereinheitlichung und für die Neuerungen. Aus den Angeln gehoben wird keine der bisherigen Regelungen, das wäre aber auch verwunderlich gewesen.

Coursera.org

iTunes U ist zum Glück nicht das einzige Portal für exzellente Online Vorlesungen auf verschiedenen Gebieten. Ich habe jetzt gerade coursera gefunden, eine Platform für Vorlesungen und Online Kurse, die mit den Universitäten Princeton, Stanford, Michigan und Pennsylvania zusammenarbeitet.

Es gibt keine Entschuldigung für langweilige Vorlesungen. Ich selbst denke, dass in einigen Jahren die Uni- Ausbildung in vielen Fächern so aussehen wird, dass die großen Vorlesungen zu den immer wiederkehrenden grundlegenden Themen von den meisten Studenten online gesehen werden, und zwar Vorlesungen von einigen Stars der Szene, die wirklich sehr gute Vorlesungen machen. Die Vorlesungssprache wird dabei wohl sehr häufig Englisch sein, was gut ist.

Workshops, Übungen, Vertiefungen, Kleingruppenseminare und natürlich die Prüfungen werden dann offline, real und so richtig old school vor Ort durchgeführt.

Das gute ist, dass man den spannendsten Teil, die Vorlesungen, auch einfach so gucken kann…

p.s.: Leser dieses blogs könnten zum Beispiel diese Vorlesung über Grundlagen der Pharmakologie interessant finden…

Die Aufklärung über Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit gehört zu den Sorgfaltspflichten des Arztes

Die Zeit berichtet hier, dass ein 40 jähriger Epilepsie Kranker, der trotz des Wissens um seine Epilepsie Auto fuhr und dabei im Rahmen eines Anfalls am Steuer vier Menschen tödlich verletzte, vom Landgericht Hamburg zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Eine Aussetzung zur Bewährung ist bei Haftstrafen über zwei Jahren nicht möglich, sobald das Urteil rechtskräftig wird, muss der Verurteilte also ins Gefängnis.
Die nicht sicher eingestellte Epilepsie ist der klassische Grund für eine zeitweise nicht mehr gegebene Fahrtüchtigkeit. Aber auch eine akute psychische Erkrankung oder die Neueinstellung auf Psychopharmaka kann vorübergehend die Fahrtüchtigkeit einschränken. Bei einer akuten psychiatrischen Erkrankung, die zur Neuverordnung von Benzodiazepinen, Antidepressiva und/oder Neuroleptika führt, ist stets darüber nachzudenken, ob eine erhöhte Unfallgefahr besteht. In solchen Fällen muss der Psychiater darüber aufklären und dies zu seinem Schutz auch dokumentieren.
 

Mediziner Test 2.0

Wer in den Jahren 1986-1996 beginnen wollte, Medizin zu studieren, kennt sie: Die Schlauchfiguren sind Teil des Medizinertests, der damals von jedem Bewerber absolviert werden musste. Zusammen mit der Abiturnote entschied er, wer einen der begehrten Studienplätze bekam. Die Validität, also die Frage, ob dieser Test unterscheiden kann, ob ein Bewerber später ein guter Arzt wird oder nicht, galt schon immer als sehr bescheiden. Er testet überwiegend generelle kognitive Fähigkeiten, spezielle ärztliche Fähigkeiten testet er eher nicht. Dabei wird speziell über die Schlauchfiguren immer gesagt, sie testeten das räumliches Vorstellungsvermögen, das ja bei Operationen tatsächlich wichtig ist. Na ja…
1996 näherte die Anzahl der Bewerber sich der Studienplatzzahl an, der Medizinertest wurde nicht mehr flächendeckend eingesetzt. Da die Studienbewerbungen wieder stark angestiegen sind, wurde der Medizinertest im Wintersemester 2007/08 in Baden-Württembergwieder ins Leben gerufen. Derzeit nutzen – neben den vier baden-württembergischen Hochschulen mit einer medizinischer Fakultät (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Universität Heidelberg (Medizinische Fakultäten Heidelberg und Mannheim),Universität Tübingen und Universität Ulm) – die Universität Bochum, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die Universität Leipzig, die Universität zu Lübeck und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Testergebnisse bei der Zulassungsentscheidung.
Die Universität Bonn bietet nun etwas ganz anderes an: Die Studienberatung hat für eine große Anzahl an Studienfächern (Agrarwissenschaften, Archäologie, Asienwissenschaften, Biologie, English Studies, Geodäsie….) Online Self Assesments erstellt, das sind online-Fragebögen, mit denen man testen kann, ob ein bestimmtes Studienfach einem vielleicht liegt oder nicht. Man kann sich registrieren und die Ergebnisse mehrere Tests speichern oder einen unterbrochenen Test fortsetzen, oder unregistriert einen Test durchführen; hier geht’s zum Beispiel direkt und unregistriert zum Test, ob ein Medizinstudium vielleicht zu einem passen könnte.
Der Test fragt recht praxisnah einiges aus der Realität des Studiums und des Arztberufes ab, so dass die Zwischenergebnisse, die einem nach jedem Abschnitt online präsentiert werden, wenigstens einen echten Bezug zum Studium bzw. zum Arztberuf haben und einem sagen, wie weit man mit seinen Erwartungen daneben liegt oder richtig liegt. Wenn man noch gar keine rechte Idee hat, was man studieren soll, können die vielen OSA´s einem möglicherweise helfen. Wenn man ein Studienfach im Kopf hat, und der OSA sagt einem, dass die Erwartungen, die man mit dem Studium oder dem späteren Beruf verbindet, ganz daneben liegen, sollte man vielleicht mal ein Praktikum erwägen.
Für alle anderen gilt weiterhin: Wenn es Dich fasziniert, musst Du es machen. Trotz allem…

Critical Risk Management (CRM) in Medizin und Luftfahrt

Gestern hatte ich das Glück, in einem RICHTIGEN Flugsimulator fliegen zu dürfen (Danke Stefan!), was wirklich aufregend ist. Heute postet Chirurgenwelpe hier dieses unbedingt sehenswerte Video. Es handelt von einem Piloten, der etwas über den „human factor“ in der Medizin und in der Luftfahrt zu berichten hat. Das bezieht sich auf die Analyse des Hergangs von fatalen Fehlern, etwas, in dem Mediziner von Piloten sehr viel lernen können.

As a result of his personal experience, Martin Bromiley founded the Clinical Human Factors Group in 2007. This group brings together experts, clinicians and enthusiasts who have an interest in placing the understanding of human factors at the heart of improving patient safety.
In Just A Routine Operation Martin talks about his experience of losing his wife during an apparently routine procedure and his hopes for making a change to practice in healthcare.

Die Analyse von schweren Fehlern zeigt gebietsübergreifend immer wieder, wie wichtig gerade in risikoreichen Situationen Kommunikation und Offenheit sind. In zwei Dritteln der untersuchten Fälle hatte einer der Beteiligten eine wichtige Information oder Idee, die den Gang der Dinge womöglich wesentlich hätte abwandeln und verbessern können, kam aber damit irgendwie nicht durch.

Übrigens auch sehr spannend ist diese vollständige Rekonstruktion eines Flugzeugunglücks, die National Geographic gedreht hat:

http://youtu.be/ddpvP2UPHcY

Kann mal einer die weblinks zum e-learning ordnen?

Was, alle weblinks zu medizinischen e-learning Angeboten gewissenhaft sammeln, ordnen und die Liste stets aktuell halten? Dafür müßte man wohl Bibliothekar mit einem Hang zum web sein. Und das schließt sich doch aus, oder? Bibliothekare lieben doch den Geruch von Büchern, diesen verstaubten Dingern, die schon im Moment des Druckes hoffnungslos veraltet sind, dazu schwer, teuer und insgesamt irgendwie stark retro rüberkommen.
Nein, durch einen Eintrag in meinem blog bin ich aufmerksam geworden auf ein Exemplar, dass genau das kann und macht: Corvus Corax heidelbergensis. Sie hat einen blog und sie hat die beiden großartigen Seiten:
Medizinische Podcasts und
Medizinische Videocast.
Wirklich exzellente Sammlung, unbedingt mal draufclicken. Und wenn Euch eine Seite, ein podcast oder ein Beitrag, den ihr zum Thema e-learnig gefunden habt, besonders gut gefällt: Schreibt es bei den Kommentaren zu den weblinks, so dass andere es auch finden können.
Vielen Dank Corvus
und nun viel Spaß bei stöbern…
P.S.: Mein erster Fund ist ein Audio-Podcast der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Rostock, in dem Mitschnitte herausragender Veranstaltungen der Klinik gesendet werden:

http://itunes.apple.com/de/podcast/gehlsheim-kpp/id387625579?ls=1

Dementiaville: Die Trueman Show für Alzheimer Patienten?

In der Schweiz, in Wiedlisbach in der Nähe von Bern, soll eine neue Pflegeeinrichtung des Betreibers dahlia für 150 Alzheimer Kranke entstehen. Das Konzept sieht vor, Architektur und Erscheinungsbild des kleinen Dorfes an die 50’er Jahre anzulehnen, so dass sich die Alzheimer Kranken, deren Langzeitgedächtnis oft noch sehr lange erhalten bleibt, geborgen und sicher fühlen, weil sie die Umgebung als vertraut wahrnehmen. Darüber hinaus sollen auch die Betreuerinnen und Betreuer nicht in weiße Kasacks gehüllt sein, sondern das Outfit von Gärtnern, Friseuren, Einkaufsladen-Angestellten etc. haben, um den Eindruck, selbständig zu leben, aufrecht zu erhalten.

Das Projekt hat in der Pressemeinung den Namen Dementiaville bekommen, es wird dafür kritisiert, zu planen, die Kranken zu täuschen, gerade Kranke, die ohnehin Schwierigkeiten haben, sich in der Welt zurecht zu finden. Die Sache wird als Trueman Story für Hilflose diskutiert.

In der Nähe von Amsterdamm gibt es eine Pflegeeinrichtung, die ein ähnliches Konzept mit viel Augenmaß betreibt: Hogewey. Auch hier finden Betroffene eine Umgebung, in der sie sich schnell vertraut fühlen und in der sie sich sicher und soweit wie möglich selbstbestimmt bewegen können. Ich habe hier eine 5 minütige deutsprachige Reportage gefunden, die sich zu sehen lohnt, um sich ein Urteil zu bilden. Das video findet Ihr hier.

Meine Meinung dazu? Die Idee, eine vertraute, sichere Umgebung zu schaffen, in der sich der Alzheimer Kranke wohl fühlt und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten frei bewegen und selbstständig verhalten kann, ist sehr sehr gut. Ich persönlich bin der Meinung, dass man dabei niemals eine falsche Illusion aufbauen sollte und das man das auch gar nicht muss. Es ist nicht nötig, wirklich zu täuschen. Ein Namensschild, das der Betreuer trägt, nimmt keine Sicherheit, es gibt sogar Sicherheit. Mit Augenmaß konzipiert, ist so eine Einrichtung sehr angemessen. Hätte ich einen Demenzkranken Angehörigen und lebte ich in Amsterdam, Hogewey würde ich ihn anvertrauen.

Übersetzer gesucht?

In der Psychiatrie ist keine Diagnose ohne Sprache möglich. Kommt ein Patient zur Aufnahme, der kein Deutsch spricht, sucht man zumeist erst einmal unter den Mitarbeitern nach einem Dolmetscher. Das ist auch oft ausreichend. Spricht der Patient aber eine Sprache, die kein Mitarbeiter kann oder wirklich gut übersetzen kann, ist es erforderlich, einen qualifizierten Dolmetscher zu bestellen und eben auch zu bezahlen. Das lohnt sich in meinen Augen wirklich, denn anders als wohlmeinende Nicht-Dolmetscher wird ein professioneller Dolmetscher darauf achten, möglichst originalgetreu zu übersetzen. Das hilft sehr, auch formale Denkstörungen zu erfassen und kann bei der Unterscheidung etwa von Halluzinationen und Pseudohalluzinationen oder ähnlichen Feinheiten einfach erforderlich sein. Muttersprachler, die keine Dolmetscher sind, versuchen meiner Erfahrung nach oft, durch eigene Interpretationen oder „Glättungen“ zu helfen, was aber die Diagnose erschwert. Ich habe es mir daher zur Angewohnheit gemacht, im Zweifelsfall einen Dolmetscher zu bestellen. Die Kosten sind gerechtfertigt. Bei Gutachten übernimmt sie das Gericht, und in diesen Fällen ziehe ich auch dann einen Dolmetscher hinzu, wenn der Proband halbwegs deutsch sprechen kann, aber nicht wirklich gut. Zum einen verbessert es wirklich die Diagnosequalität, zum anderen wird die vom Gutachten nicht begeisterte Prozesspartei ohnehin anmerken, dass das Gutachten ohne Dolmetscher nicht verwertbar ist.

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer führt unter seiner homepage www.bdue.de eine Liste mit geprüften Übersetzern auf, die man nach Sprache, Entfernung zum eigenen Ort und sogar nach Fachgebiet suchen kann. Die Einschränkung nach dem Fachgebiet Medizin schränkt die Auswahl allerdings recht stark ein, so dass man im Zweifelsfall ohne Angabe einer Fachrichtung suchen sollte. Kommen sehr viele Treffer, kann man die Suche einschränken. Die Seite ist sehr hilfreich.

Wie funktioniert eigentlich Lippenlesen?

Wie funktioniert eigentlich Lippenlesen? Und wie gut geht das? Gehörlose Menschen lernen das Lippenlesen, wie andere Menschen Buchstaben lesen lernen. Sie kennen das „Mundbild“  der verschiedenen Phoneme. Das „Mundbild“ setzt sich zusammen aus der Stellung der Lippen, des unteren Mundbereichs, sowie des sichtbaren Teils der Zunge. Im Englischen wird das visuell sichtbare Mundbild in Angleichung an den Begriff Phonem als Visem bezeichnet. Mundbilder können oft nicht die vollständige Ausformung eines Wortes komplett wiedergeben, sondern nur Teile davon und zwar speziell die Teile des Wortes, die beim Sprechen zu besonders deutlichen und typischen Mundstellungen führen. Töne, die vor allem im Kehlkopf oder durch Variation der Zungenstellung produziert werden, lassen sich am Mundbild weniger gut oder gar nicht differenzieren. So sieht zum Beispiel das Mundbild von „Mama“ und „Papa“ gleich aus, daher bedarf es sehr viel mehr des Verständnisses des Zusammenhanges als in der Schriftsprache. In der Schriftsprache gibt es zwar einige gleiche Bilder für unterschiedliche Bedeutungen, etwa bei den Begriffen „Bank“ für Sparkasse und „Bank“ für Sitzgelegenheit, diese Homonyme sind aber nur selten irgendwie zu verwechseln.

Lippenleser berichten, dass es erforderlich ist, zu wissen, in welcher Sprache man spricht, da man nur im richtigen Kontext die Phoneme richtig erkennt und richtig zuordnet. Auch sei es wichtig, den Sprecher möglichst direkt anzusehen und ordentliche Lichtverhältnisse zu haben. Und schließlich sind ein guter Wortschatz und Übung hilfreich.

Manche Hörbehinderte haben auch noch „freies Hörvermögen“, oder hören durch ein Cochlea Implantat etwas mehr, und können diese akustischen Informationen mit den optischen Informationen kombinieren.

Es ist erwiesen, dass bereits Säuglinge Lippenlesen können. Experimentell kann dies dadurch gezeigt werden, dass Babys Videos ohne Ton in ihrer Muttersprache deutlich länger anschauen als Videos ohne Ton von Sprechern einer fremden Sprache.

Ein wirklich interessanter blog, von dem ich die obenstehenden Informaionen habe, ist dieser hier.

Die ganze Geschichte von Ben Breedlove

Ich hatte ja gestern auf dieses Video verlinkt: Ich kannte gar nicht die ganze Vorgeschichte. Es zeigt Ben Breedlove, einen jungen Mann, der an einer hypertrophen Kardiomyopathie litt. Er hat in den USA eine sehr große Bekanntheit gehabt, seine offene, lebensfreudige Art zeigt sich auch in seinen Youtube-Videos. Seine Kardiologin berichtet ebenfalls in einem Youtube Video hier über seine Krankheit. Ich habe jetzt erfahren, dass er im Alter von 18 Jahren letztes Jahr am Weihnachtstag verstorben ist. Seine Geschichte ist sehr bewegend.

Das Video, das ihn zu seinem letzten Video wohl inspirierte, ist nicht minder sehenswert: http://www.youtube.com/watch?v=kSBX28D9GaA

 

P.S.: Liebe Nori, hab ganz herzlichen Dank für alle diese Informationen und ganz liebe Grüße nach New York,

Dein jan

Check out this video

Mein Freund Sebastian, niedergelassener Psychotherapeut in Düsseldorf (www.psychotherapiepraxis-duesseldorf.de), hat mir den link auf dieses wirklich sehenswerte Video geschickt.

http://www.youtube.com/user/TotalRandomness512#p/a/u/0/a4LSEXsvRAI

Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, ein Blick in sein Leben, in seine Krankheit, und wie ich finde, auch in seine spezielle Art der Krankheitsverarbeitung.