Ich gelobe, hier jetzt nicht meine 100 liebsten TED-Talks zu verlinken. Aber dieser Vortrag hier erklärt in 17 Minuten sehr sehr anschaulich die Gefahren von induzierten, falschen Erinnerungen in Bezug auf Gerichtsverhandlungen und auch bestimmte psychotherapeutische Techniken. Sehr sehenswert!
Psychologie
Grau
Liebe Therapeutinnen und Therapeuten,
die Welt ist nicht Schwarz-Weiß. Auch nicht die Kindheit Ihrer Klientinnen und Klienten.
Bitte sagen Sie daher nicht immer:
Sie hat in ihrer Kindheit nie Liebe und Anerkennung gefunden. Sie konnte nie über ihre Gefühle sprechen, das muss sie jetzt alles erst ganz neu lernen.
Die weitaus meisten Menschen haben nicht nur negative Erfahrungen gemacht, nicht mal in ihrer KINDHEIT (so grausam diese Zeit aus Sicht mancher Psychotherapeuten auch oftmals sein muss).
Sagen Sie bitte lieber: “Sie hat oft / immer wieder / manchmal einen Mangel an Anerkennung und Liebe erfahren. Es fällt ihr schwer, über ihre Gefühle zu sprechen.”
Sprache konstruiert nämlich auch Realität. Daher ist es wichtig, in der Sprache die Realität differenziert abzubilden. Und eben auch die Ressourcen der KlientInnen mit abzubilden. Hier setzt nämlich die Genesung an.
Und dann gibt es manche Menschen, die manches wirklich nicht erfahren haben. In diesen Fällen formulieren Sie es dann so. Aber nur in diesen Fällen.
Zeig mir Dein Bücherregal, und ich sage Dir, wann Du Dein Medizinstudium begonnen hast…

Meine Kollegin Ulrike weiss, wie die Menschen sind. Heute hat sie mir ganz gelassen erklärt, dass man mit einem Blick ins Bücherregal eines Arztes auf ein Jahr genau bestimmen kann, wann er Medizin zu studieren begonnen hat. Am einfachsten greift man sich den Pschyrembel heraus. Das ist ein Wörterbuch für medizinische Fachbegriffe, das jeder Medizinstudent im ersten bis zweiten Semester kauft oder von einer stolzen Tante geschenkt bekommt. Der Pschyrembel leistet von da an stets gute Dienste, und da er grundsätzlich in der stabilen Hardcoverausführung einherkommt, altert er kaum. 99 % der Fachbegriffe bleiben ja auch immer gleich, und die paar neuen stehen in der Wikipedia. Also kauft man niemals einen neuen, gibt den alten aber auch niemals weg.
Nun reicht ein Blick auf die groß und fett am Buchrücken aufgedruckte Auflagennummer, und man weiß, in welchem Jahr das Studium begann.
Für die ganz genauen, die jetzt sagen, manche hätten aus Kult-Gründen einfach die 256. Auflage, in der Loriots berühmte Steinlaus erstmalig Einzug in den Pschyrembel hielt, haben aber gar nicht 1990 das Studium begonnen, gibt es Wege der Absicherung.
Die Fächer Anatomie, Biochemie, Physiologie, Pathologie, Dermatologie, Augenheilkunde etc. kamen früher immer in der genau gleichen Semesterabfolge dran. Es kann schon sein, dass einzelne Ärzte einzelne Fachbücher erst später gekauft haben oder mal ein altes durch ein neues ersetzt haben. Aber die Mehrzahl besitzt immer noch die ursprünglichen Lehrbücher etwa für Anatomie oder Pathologie, weil sich ein kompletter Austausch aller Bücher einfach nicht lohnt.
Wenn man mehrere Bücher berücksichtigt, kommt man bestimmt auf den korrekten Studienbeginn plus minus ein Jahr. Meistens reicht aber die Auflage des Pschyrembel. In meinem Regal steht die 257. Auflage. Ohne Steinlaus :-(.
Das Stendhal-Syndrom oder: Meine Liebe zu Florenz

Als Stendhal-Syndrom werden gewisse psychosomatische Störungen bezeichnet, wenn diese im zeitlichen Zusammenhang mit einer auf Schönheit und Anmut basierenden kulturellen Reizüberflutung auftreten. Zu den Symptomen zählen Panikattacken, Wahrnehmungsstörungen und wahnhafte Bewusstseinsveränderungen.
Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde dieses nach dem französischen Schriftsteller Stendhal benannte Syndrom 1979 von der italienischen Psychologin Graziella Magherini. Eine von Magherini zehn Jahre später veröffentlichte Studie, in der sie mehr als 100 für das Stendhal-Syndrom typische Krankheitsfälle von Touristen in der Kunstmetropole Florenz beschrieb, machte das Syndrom international bekannt.
Magherini unterschied drei Varianten von Symptomen.
- Bei einer Gruppe von Patienten äußerte sich das Stendhal-Syndrom durch Störungen des Denkens und der Wahrnehmung, die Halluzinationen und wahnhafte Stimmungen sowie tiefe Schuldgefühle bei den Betroffenen auslösten.
- Eine zweite Gruppe entwickelte affektive Störungen, die sowohl zu Allmachtsphantasien als auch zur Erkenntnis der eigenen Bedeutungslosigkeit angesichts der Fülle an Kunstschätzen führten.
- Bei einer dritten Gruppe von Patienten trat das Stendhal-Syndrom als eine Panikattacke auf, die mit erhöhtem Blutdruck, Ohnmachtsanfällen, Bauchschmerzen und Krämpfen verbunden war.
Die meisten der vom Stendhal-Syndrom betroffenen Touristen waren zwischen 26 und 40 Jahre alt und unverheiratet. Alle Patienten waren Ausländer, zumeist aus den Vereinigten Staaten und der Nordhälfte Europas. Mehr als die Hälfte aller Patienten waren zuvor in psychologischer Behandlung. 1
Ja natürlich kann man hier in Florenz kaum noch gerade denken angesichts der umwerfenden Schönheit dieser Stadt und all der Kunstwerke, die hier zu sehen sind!
Ich bin jetzt das fünfte Mal hier und bin jedes Mal wieder komplett erschlagen von der Pracht, der Anmut und der Überfülle an Schönheit dieser Stadt. Ich kann gut verstehen, dass man da ganz durcheinander kommen kann.
Wenn es aufgrund einer besonderen Schwere der Symptomatik tatsächlich einmal zu einer Einweisung in die Psychiatrische Klinik von Florenz kommt, geht diese ganz gelassen mit dieser Art der emotionalen Tubulenz um. Ein paar Tage Ruhe, im schlimmsten Falle einige Tropfen Diazepam, dann wird das schon wieder. Und wenn der Tourist zurück in Bottrop ist, droht auch keine Wiederholungsgefahr…
Schöne Grüße aus dem Urlaub!
Kirsch-Studie: Wirksamkeit der Antidepressiva
Zu den Klassikern der psychiatrischen Forschung gehört neben der CATIE-Studie, über die ich hier berichtet habe, auch die Kirsch-Studie. Sie berichtet über eine vom englischen Psychologen I. Kirsch 2008 publizierte Meta-Analyse, die die Wirksamkeit antidepressiver Medikamente in Abhängigkeit vom Schweregrad der Depression untersucht. Eingegangen in diese Meta-Analyse sind alle Zulassungsstudien von vier ausgewählten Antidepressiva. Das Ergebnis ist, dass sich die Wirksamkeit der Antidepressiva bei leichten und mittelschweren Depressionen nicht signifikant vom Placebo-Niveau unterscheidet. Lediglich bei schwergradigen Depressionen ist die Medikation Placebo überlegen.
Die Arbeit im Original
Das Original der Studie könnt ihr hier herunterladen, und ich empfehle, das zu tun und die Studie einmal aufmerksam zu lesen.
Methode
Die Meta-Analyse von Kirsch bezieht dabei für die Antidepressiva Fluoxetin, Venlafaxin, Nefazodon und Paroxetin alle eingereichten Zulassungsstudien ein, also die veröffentlichten wie die unveröffentlichten.
Eines der größten Probleme im Prozess des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnes ist der publication bias. Dieser ergibt sich aus der Fehlerquelle, dass Studien, die eine Wirksamkeit eines Medikamentes zeigen, mit einer sehr viel höheren Wahrscheinlichkeit publiziert werden, als Studien, die keine Wirksamkeit zeigen. Untersucht man dann nur die publizierten Studien, kommt man selbst bei einem Präparat, dass viele Nachweise der Unwirksamkeit hat, von denen keine publiziert ist, und einen Hinweis auf Wirksamkeit, das publiziert ist, zum Ergebnis, es ist wirksam. Denn es gibt ja nur eine publizierte Studie, und die zeigt Wirksamkeit.
Ergebnisse

Auf der Grafik oben ist nach rechts die Schwere der Depression zu Beginn der Studie aufgetragen. Auf der nach oben zeigenden Achse ist die Verbesserungsrate der einzelnen Studien aufgetragen, wobei ein Wert von 1 keiner Verbesserung entspricht, Werte über 1 einer Verbesserung und Werte unter 1 einer Verschlechterung am Ende der Studie, jeweils gemessen am HAMD. Als rote Dreiecke um die rote Durchschnittslinie sind die Daten der Antidepressivagruppen aufgezeichnet, als weiße Punkte um deren gestrichelte Durchschnittslinie sind die Placebogruppen aufgezeichnet. Jedes Dreieck und jeder Kreis steht für eine Studie. Je größer Dreieck oder Kreis sind, desto größer war die zugrunde liegende Studie und desto mehr ging sie in das Endergebnis ein.
Die Ergebnisse der Meta-Analyse von Kirsch sind ernüchternd. Die Grafik zeigt, dass die Wirkung der Antidepressiva erst im Bereich der sehr schweren Depressionen (ganz rechts, ab einem HAMD von > 28) signifikant besser ist als die von Placebo. Und dies geht weniger auf eine zunehmende Wirkung der Medikation bei zunehmender Schwere der Depression zurück als vielmehr auf eine abnehmende Placebowirkung bei schwereren Depressionen.
Kontroverse
Die Studie von Kirsch führte zu einer lebhaften Kontroverse. Viele Stimmen kamen auf, die ausführten, dass man aufgrund methodischer Einschränkungen die Ergebnisse der Studie nicht auf die tatsächliche Wirksamkeit von Antidepressiva bei leichten und mittelschweren Depressionen übertragen könne. Dabei muss man schon sagen, dass einige dieser Stimmen auch regelmäßig von Pharmafirmen Vortragshonorare erhalten… Auch die klinische Erfahrung spreche gegen die Aussage der Studie. Auch handelt es sich bei den untersuchten Substanzen mit Ausnahme des Venlafaxins um alte und eher nicht so prominente Substanzen. Möglicherweise sind die neueren Antidepressiva ja wirkstärker.
Einige wenige sagten auch: „An der Kirsch-Studie kann am Schluss vielleicht auch was dran sein…“
Meine Meinung
Placebos wirken bei Schmerzen, Ängsten, Depressionen, Schlafstörungen und bei sehr vielen anderen ordentlichen Krankheiten gar nicht mal so schlecht. Ich verschreibe keine Placebos, aber in allen Studien zeigt sich, dass sie eine recht deutliche Wirkung haben. Und das ist natürlich völlig in Ordnung und gar nicht verwerflich. Gibt man ein Antidepressivum, hat es zunächst mal auch den Effekt, den ein Placebo hätte, plus den Effekt seiner eigentlichen substanzspezifischen Wirksamkeit.
Der Unterschied zwischen Antidepressiva und Placebo ist bei leichten und mittelschweren Depressionen möglicherweise nicht so groß, wie wir uns das immer wünschen. Bei schweren Depressionen wirken die Antidepressiva tatsächlich besser als Placebo. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass bei schweren Depressionen Placebos nicht sehr viel bewirken.
Es ist sehr wichtig, sich klar zu machen, dass Antidepressiva gerade bei leichten und mittelschweren Depressionen keine Wundermittel sind. Denn oft liegt eine wirksame Bekämpfung dieser Depressionen darin, den beschwerlichen Weg zu gehen, bestimmte Konflikte zu lösen, Lebensumstände zu ändern oder sein Verhalten umzukrempeln. Und genau das tut man weniger gerne, wenn man sich sagt: „Ich habe da diese Depression, da sind die Neurotransmitter durcheinander, da nehme ich jetzt diese Pille, und dann warte ich mal schön ab.“ Wenn man so denkt, schadet die Pille einem, da man erforderliche Veränderungen nicht angeht.
Eure Meinung
Wie schätzt ihr die Wirkung antidepressiver Medikamente bei der Depression ein? Was haltet ihr von der Kirsch-Studie? Kann man deren Aussage auf die reale Welt da draußen übertragen? Ich bin auf jeden Kommentar gespannt!
Wir basteln uns ein glückliches Leben Teil 718: Die Wunschliste
+ Du nimmst dir einen Zettel, dein Lieblings-Notizbuch oder dein heißgeliebtes Handy.
+ Du schreibst deine Wünsche auf. Gegenstände, Unternehmungen und ganz andere Sachen. Dinge, die du begehrst.
+ Du schreibst auch die Wünsche deiner Liebsten auf.
+ Nun wird es spannend. Im nächsten Schritt erfüllst du dir oder einem deiner Liebsten immer mal wieder einen dieser Wünsche. Und auch das notierst Du auf deiner Wunschliste: Wünsche, die Du Dir oder anderen erfüllt hast.
+ Und schon bald wirst du merken, dass sich ein glückliches Gefühl einstellt. Du siehst, wie viele Wünsche Du dir und deinen liebsten erfüllt hast.
+ enjoy!
Garten der Sinne oder Achtsamkeitsübungen für Kinder und Erwachsene
Heute war ich im Schloss Freudenberg bei Wiesbaden. Ein Spaziergang auf Stelzen zur Riesenschaukel, große Figuren im Park und tausend Spielsachen für Erwachsene und Kinder laden schon vor Betreten des Schlosses ein, sinnliche Erfahrungen zu machen. Im Schloss finden sich dann weitere überraschende Experimente und Spiele, alles zum ausprobieren und spielen.
Im Keller fand ich dann – neben dem Raum für die Klangmeditation – die Dunkelbar. Das Konzept kennt ihr: Es ist absolut dunkel. Stockdunkel. Also eben komplett absolut total dunkel. Der Kellner ist blind und hilft etwas bei der Orientierung. Als ich hineinging, wußte ich natürlich erst mal nicht, wo Stuhl und Tisch sind. Der Kellner hilft. Und als ich saß und durch tasten und klopfen die Tischplatte lokalisiert hatte, fühlte ich mich schon etwas sicherer. Und dann hilft sprechen, um sich mit den anderen abzustimmen. Und das gelingt nach kurzer Anlaufzeit auch kleinen Kindern. Kakao trinken und Kuchen essen geht erstaunlich problemlos im Dunkeln, selbst bezahlen funktioniert; 5 € Scheine sind auffällig klein, 10 € Scheine sind kleiner als 20 und 50 € Scheine.
Natürlich war ich auch wieder sehr froh, als ich zurück ans Licht kam. Aber es war sehr spannend. Und es fokussiert knallhart die Sinne.
Ähnliches gibt es in Köln und Berlin: Unsichtbar, in Frankfurt: Dialog im Dunkeln und in vielen anderen Städten.
Achtsamkeit
Wenn man möchte, kann man alle diese sinnlichen Spiele, insbesondere das Essen im Dunkeln, auch als Achtsamkeitsübung wahrnehmen. Achtsamkeitsübungen spielen nicht nur im Rahmen der DBT Behandlung eine Rolle, sondern helfen immer dann, wenn man sich auf sich selbst, auf seine Sinneswahrnehmungen konzentrieren und fokussieren möchte.
Was sind Eure liebsten Achtsamkeitsübungen? Schreibt sie in die Kommentare!
Willkommen in meiner Blogroll Dienstarzt
Lieber Dienstarzt, willkommen in meiner Blogroll!
Als niedergelassener Schweizer Allgemeinmediziner berichtet der Dienstarzt über ein breites Spektrum an Themen. Ich lese ihn schon länger, besonders lesenswert finde ich seinen neuen Eintrag über das DSM–5 und das Leben als medizinischer Auswanderer in die Schweiz.
Ich wollte schon länger mal einen Artikel darüber schreiben, ob Tavor® expidet (lorazepam sublingual) wirklich schneller wirkt als normales Tavor, und nach wieviel Minuten mit einer pharmakologischen Wirkung zu rechnen ist. Könnt Ihr aber bereits seit 2009 beim Dienstarzt nachlesen… 🙂 Und da ist alles gesagt, muss ich nicht ergänzen.
blogroll (check)
subscribe: http://dienstarzt.wordpress.com
Alternativen zur Traumatisierung
Liebe Psychoszene!
In den letzten Jahren haben sich viele von Euch angewöhnt, bei jeder mittleren Belastung eine “Traumatisierung”, bei Schwierigkeiten eine “schwere Traumatisierung” und bei ernsthaften Widrigkeiten eine “schwerste Traumatisierung” zu sehen und das den Leuten auch mit genau diesen Begriffen ins Gehirn zu brennen.
Nun fangen Gedanken, Gefühle und Selbstbilder aber eben mit Worten an, und diese formen unsere inneren Konzepte. Es ist daher wichtig, mit Worten sorgsam und differenziert umzugehen. Manche Dinge im Leben sind einfach
- doof
- unangenehm
- lästig
- mühselig
- unerfreulich
- anstrengend
- belastend
- eine schwere Kindheit
- Stress am Arbeitsplatz
- erschreckend
- erschütternd
- schwierig
- verstörend
- beängstigend
- besorgniserregend
- schlimm
- furchtbar
- schrecklich
- dramatisch
- oder ein großer Verlust.
In diesen Fällen bitte diese Worte verwenden.
Andere Dinge sind “traumatisierend”. Bitte in diesen Fällen und nur in diesen Fällen diesen Begriff in die Menschen einpflanzen.
Der Begriff “traumatisiert” ist wie sehr viele vom professionellen System verwendete Worte eine mechanistische Analogie zu physikalischen oder körperlichen Prozessen. Das Trauma kennt man in der Medizin ursprünglich von Unfällen, in denen ein oft schwerer mechanischer Gewebedefekt entsteht. Dieser kann heilen, verheilt aber oft nicht vollständig, das heißt, der Begriff impliziert die Vermutung der teilweisen Irreversibilität. 1990 wurde der Begriff der “Psychotraumatologie” in die Welt gesetzt. Und dieser Begriff hat auch seine Berechtigung. Es gibt singuläre und es gibt wiederholte Ereignisse, die eine gesunde Psyche so erheblich verletzen, dass selbst nach einer langen Heilung nicht sicher ist, ob nicht Narben oder Funktionseinbußen zurückbleiben.
Aber man darf nicht übersehen, dass die menschliche Psyche eben keine starre Maschine ist und daher sehr weitreichende Möglichkeiten hat, zu heilen und sich neu zu organisieren. Wenn einem ein Hai in die Wade beißt und ein Stück Muskelfleisch herausreißt, wird diese Wade auch nach langer Heilung nicht mehr so aussehen, wie vorher. Auch nach einer psychischen Verletzung ist man nachher nicht unbedingt derselbe wie zuvor. Vielleicht ist man aber stärker, bewusster und auf die eine oder andere Art “gewachsen”.
Von vielen wird der Begriff “Traumatisierung” mit einem sehr negativen Script verknüpft. Das Script enthält oft die Elemente Opfer, Irreversibilität und dem sich Abfinden mit Funktionseinschränkungen. Das kann manchmal richtig sein, oft ist es aber auch unpassend.
Ich möchte daher jeden bitten, anderen Menschen den Begriff und das Konzept der “Traumatisierung” nur noch dann ins Gehirn zu pflanzen, wenn er zuvor mindestens 15 Sekunden darüber in Ruhe nachgedacht hat und alle milderen Alternativen aus gutem Grund verworfen hat. Und in diesem Fall soll er eine angemessene Hilfestellung anbieten.
Alles andere kann traumatisierend wirken.
DragonDictate 3 für Mac Deutsch
Regelmäßige Leser dieses blogs wissen, dass ich nichts unversucht lasse, die Produktivität aller Mac-Gadgets für meine Zwecke auszuprobieren. Mein neuestes Spielzeug ist die Spracherkennungssoftware DragonDictate für Mac in der Version 3.
Dieses Video zeigt einen kurzen Test, wie gut sich DragonDictate 3 für Mac in Deutsch gegenwärtig in der Spracherkennung von Umgangssprache und Fachsprache schlägt.
Was könnte uns unser Paartherapeut fragen; Teil 948
“Was hat Ihren Partner in der letzten Woche bewegt, wie ist es ihm gegangen, was hat er gefühlt?”
Verdammt schwierige Frage… 🙂
Danke an Karen
Während einer Diät hat der Mensch Hunger
Über Diäten ist schon mehr als genug geschrieben worden. Mich fasziniert dennoch, warum sie so schwierig sind. Ich selbst frage mich regelmäßig, warum ich mich nicht einfach entscheiden kann, weniger zu essen und mehr zu verbrauchen. Aber das gelingt nur mit größter Mühe.
Es gibt ja die vereinfachende, mechanistische Vorstellung, man müsse einfach nur mehr verbrauchen, als man zu sich nimmt, und dann nimmt man ab. Wie praktisch alle mechanistischen Vorstellungen vom menschlichen Körper oder der Psyche greift auch diese Vorstellung zu kurz. Sie stimmt zwar, aber sie läßt Folgendes unberücksichtigt: Der menschliche Körper reduziert in Hungerszeiten – also in der Diät – den Grundumsatz. Diese Erkenntnis ist gemeinhin akzeptiert, sie wird nur leider in ihrer Auswirkung auf die Planung einer Diät nicht immer konsequent angewendet. Das bedeutet nämlich, dass man während einer Diät die Kalorienzufuhr sehr weit unter den bisherigen Verbrauch senken muss. Nämlich um die geschätzten 500 Kcal pro Tag, die der Körper einfach so den Grundumsatz kürzt plus die Kalorien, die ich jeden Tag abnehmen will. Und dass man nicht allzu oft Pausen machen darf. Tut man aber genau das, die Kalorienzufuhr sehr weit unter den Verbrauch senken, dann entsteht Hunger. Ich verstehe nicht, wieso das alle immer leugnen wollen. Der Körper wäre ja schön doof, wenn er in einer solchen Situation keinen Hunger signalisieren würde. Ich selbst halte von allen Ideen, man könne ohne Hunger abnehmen, einfach gar nichts. Ich würde meinem Körper auch misstrauen, wenn er sich von irgendeiner Quark-Protein-Diät-Trennkost-Masche so an der Nase herumführen ließe, dass er abnimmt, ohne Hunger zu zeigen. Der Mensch hat diese evolutiv sinnvolle Möglichkeit, Fett anzusammeln. Er hat auch die Möglichkeit, Hungersphasen mit dem Abbau von Fett zu überstehen. Aber er konzentriert sich in diesen Hungerphasen auf eine Sache: Essen finden und aufessen. Und er signalisiert: HUNGER!!! Er nimmt keinen Schaden am Fasten, aber er mag es gar nicht. Er zeigt es mir mit
- Hunger
- Schlafstörungen
- Abgeschlagenheit
- Dysphorie
- Reizbarkeit und
- einer ziemlichen Einengung des Denkens an Essen.
Wenn ich während einer Diät jogge, kann ich deutlich weniger schnell und weniger lange laufen, als wenn ich keine Diät mache. Der Körper läuft auf Sparflamme und das zeigt er auch unmissverständlich.
Hunger ist ebenso wie die anderen basalen menschlichen Gefühle wie Angst, Freude, Müdigkeit, etc. ein Gefühl, dass einen starken Handlungsimpuls auslöst. Wer Angst empfindet, hat einen starken Impuls, entweder die Flucht zu ergreifen oder anzugreifen. Wer müde ist, will schlafen. Und wer Hunger hat, will etwas essen, wenn es verfügbar ist. Aber anders als beim Schlafenden unterstellt man demjenigen, der während einer Diät ißt, Willensschwäche. Man kann dem Hungergefühl auch widerstehen, es ist aber nicht leicht, vor allem, wenn Essen in Reichweite und sichtbar ist.
Ich ärgere mich oft, wenn ich immer wieder von allen Seiten höre: “Du musst nur so oder so essen, dann nimmst Du ab, ohne Hunger zu haben.” Also Du vielleicht. Ich nicht.
Wie ergeht es Dir? Hast Du während einer Diät Hunger? Bist Du während einer Diät abgeschlagen, reizbar, reduziert belastbar? Oder bist Du so wie die jungen Damen in der Abnehm-Shake Werbung? Ab mit Euch ins Kommentar-Feld!
P.S.: Inzwischen habe ich im Buch „Fettlogik“ gelesen, dass der Körper erst so nach zwei bis drei Tagen seinen Grundumsatz reduziert, und das auch nur um 50-100 kcal, was ja eigentlich zu vernachlässigen wäre. Allerdings sehe ich in den Kommentare zu diesem Blogpost auch, dass diese Aussage nicht unumstritten ist. Wie seht ihr die Sache?
Korrektes Wording in der Psychiatrie
In Arztbriefen liest man ja immer mal wieder Versuche, die Realität zu beschreiben, die über den eigenen grammatikalischen oder psychologischen Furor stolpern. Hier die Auflösung, was geht und was man statt dessen manchmal liest:
Die Realität: Maria sagt: “Ich sauge Staub.”
Korrekte indirekte Rede: Maria sagt, sie sauge Staub.
Korrekte indirekte Rede in der Vergangenheitsform: Maria sagte, sie sauge Staub.
MUTIG: Widergabe unterstellt Richtigkeit von Marias Bericht: Maria hat Staub gesaugt.
FALSCH: Indirekte Rede, dabei das Staubsaugen fälschlich in die Vergangenheit verlagernd: Maria sagte, sie habe Staub gesaugt.
FALSCH: Konjunktiv statt indirekte Rede: Maria sagte, sie würde Staub saugen. (…würde sie machen, wenn sie dafür Geld bekäme. Aber sie hat ja Staub gesaugt…)
FALSCH: Motivationale Zuordnung ohne Anhalt: Maria wollte Staub saugen.
FALSCH: Erst Indirekte Rede einführen, dann Anführungszeichen verwenden: Maria sagte, sie “sauge Staub.”
FALSCH: Zitat ohne Anführungszeichen: Maria sagt: Ich sauge Staub. (Dann saugt der Referent…)
FALSCH: Übergeneralisierung: Maria saugt immer Staub.
FALSCH: Zuschreibung einer Charaktereigenschaft aus singulärer Selbsteinlassung: Da Maria eine ordentliche Person ist, saugt sie Staub.
FALSCH: Pathologisierende Begriffe für normales Handeln vergeben: Maria saugt zwanghaft Staub.
FALSCH: Diagnosen vergeben, wo keine hingehören: Maria hat einen Putzzwang.
FALSCH: Fehlerhafte Pathologisierung dann noch durch Kodierung in Pseudowissenschaftlichkeit hüllen: F42.1 Vorwiegend Zwangshandlungen [Zwangsrituale]
WORTSALAT: Maria staubt Saug.
Wer kennt ein gutes Psychotherapie-Lehrbuch für Einsteiger?
Ich wurde unlängst von einer jungen Ärztin nach einem Buch gefragt, das demjenigen, der lernen will, als Therapeut Psychotherapie zu machen, einen guten Einstieg ermöglicht. Entweder verhaltenstherapeutisch oder allgemein angelegt. Ich habe die Romane von Yalom erwähnt und ein Kurzlehrbuch der Verhaltenstherapie, wußte aber so recht keine gute und gut lesbare Empfehlung.
Womit habt ihr den Einstieg in Psychotherapie-Lehrbücher gemacht? Welches Buch kann man zum Lesen (nicht zum Nachschlagen) empfehlen?
Sachdienliche Hinweise bitte in die Kommentare schreiben! Danke!
Warum mechanistische Analogien mit der menschlichen Psyche meistens falsch sind
Im Versuch, die Funktion der menschlichen Psyche zu begreifen, werden oft mechanistische Analogien mit einfachen Maschinen herangezogen. Diese sind griffig, aber meistens falsch. Einige gängige sind:
Der Druck hatte sich so weit aufgebaut, es musste zur Explosion kommen
Dies stimmt für Dampfkessel ohne Überdruckventile. Die menschliche Psyche ist anders. Sie hat eben doch meist sehr viele ganz unterschiedliche Überdruckventile und Menschen sind normalerweise in der Lage, Anspannung sehr wohl auch graduiert abzubauen. Es muss nicht notwendigerweise zur Explosion kommen, auch wenn vieles zusammen kommt.
Ich habe diese Erinnerung abgespeichert
Das würde sich jeder Richter von seinen Zeigen wünschen, aber Menschen sind nicht besonders gut darin, sich Dinge genau so zu merken, wie ein Computer, der ein Dokument abspeichert. Tatsächlich erinnern wir uns regelmäßig an ein Konglomerat aus verschiedenen Sinneseindrücken, also optischen, akustischen, olfaktorischen und taktilen Sinneseindrücken. Natürlich konstruieren wir uns auch eine abstrahierte verbale Beschreibung von Geschehnissen, an die wir uns ebenfalls erinnern. Die Prozesse des Merkens und des Erinnerns sind jedoch sehr störanfällig und unterliegen oft ausgedehnten Verzerrungen, Ergänzungen und Verlusten.
Erlebnisse müssen "verarbeiten" werden
Verarbeiten muss man anfallenden Kompost, Kartoffeln für das Abendessen und manchmal Rohstoffe zu Endprodukten. Erlebnisse kann man auch akzeptieren, verdrängen, gut finden, manchmal dran denken oder einfach so stehen lassen, wie sie sind. Es kann sinnvoll sein, sich Zeit zu nehmen, einen Weg auszutüfteln, mit etwas umzugehen. Muss man aber nicht immer. Das Ereignis bleibt nicht wartend liegen, bis man es "verarbeitet" hat.
Die Luft ist raus
Ist sie nicht. Gerade wenn man erholungsbedürftig ist, kann es gut sein, dass man viel Kraft hat, schwimmen, feiern und quatschen zu gehen. De Psyche ist eben kein Reifen. Sie hat in jeder gegebenen Situation mehr Spielraum als "voll" und "leer".
Er hat einen Knacks weg
Hat er nicht. Er ist ja kein Stück totes Holz. Die Psyche kann sich auch nach "Verletzungen" wieder vollständig regenerieren.
Ich habe ja Verständnis für vereinfachende Bilder. Aber sie vereinfachen regelmäßig die gesunde Vielschichtigkeit des menschlichen Reaktionsvermögens. Dadurch verstellt man sich oft den Blick auf heilsame Ressourcen. Und das ist nicht gut. Ich bin daher immer skeptisch, wenn ich eine mechanistische Beschreibung psychischer Vorgänge höre und überlege mir jedes Mal, welche Alternative man hier ausblendet, die tatsächlich möglich sein könnte.
Welche Bilder kennt Ihr, die Euch stören und die den Blick für alternative Sichtweisen verstellen? Schreibt sie in die Kommentare!
Visite mit google translator

Heute habe ich es zum ersten Mal getan, tatsächlich und wirklich: Wir haben einen Patienten, der ausschließlich Polnisch spricht (in echt eine andere Sprache, aber das will ich hier mal verfremden). Und fast kein Deutsch. Am Wochenende war ein richtiger Dolmetscher aus Fleisch und Blut da, so dass eine richtige Anamnese und Untersuchung möglich war. Aber heute zur Visite war kein Dolmetscher da, und es gab auch keinen Mitarbeiter, der auch nur ein bisschen dieser Sprache spricht… Und da habe ich mich über die App:"Say Hi" unterhalten.
Say Hi basiert auf google translator, bringt aber noch eine Spracherkennung mit. Man wählt zunächst aus 40 Sprachen zwei Sprachen aus, zum Beispiel Deutsch und Polnisch. Dann spricht man auf Deutsch ins Mikro. Die App übersetzt ins Polnische, schreibt die Übersetzung auf’s Display und spricht die Übersetzung auf Polnisch aus. Dann antwortet der Gesprächspartner auf Polnisch, die App macht Spracherkennung, Übersetzung und Sprachausgabe. Man kann Text alternativ auch per Tastatur eingeben, um Spracherkennungsfehler zu vermeiden.
Die Qualität der Übersetzung war jetzt etwas unrund, aber es hat sehr geholfen, sich zu verständigen. Schlechter als ein menschlicher Übersetzer, aber weit besser als keiner.
Allerdings habe ich eine Übersetzung nicht gefunden: Arzt <-> Deutsch; Deutsch <-> Arzt… 🙂
Warum es keine gute Idee ist, mit meinem Patienten seinen Psychotherapieantrag zu besprechen…
Psychotherapieanträge sind defizitorientiert
Damit die Krankenkasse eine Psychotherapie genehmigt, muss eine Krankheit vorliegen. Im Falle der Psychotherapie muss ein mehrseitiger Antrag geschrieben werden, der ausführlich beschreibt, wie ausgeprägt die Störung ist, wie sie sich seit der Kindheit entwickelt hat und in welchen allgegenwärtigen Situationen sich diese Störung nun durchsetzt und das normale Leben schwer beeinträchtigt. Oft werden hier auch Hypothesen herangezogen und generalisiert, die das Tiefgreifende der Störung illustrieren sollen, wie:
Aufgrund des invalidierenden Verhaltens der Mutter lernte der Proband nicht, seinen eigenen Gefühlen zu vertrauen. Der abwesende Vater stand als korrigierendes Element nicht zur Verfügung. In der Fortsetzung dieser Wahrnehmungen fühlt sich der Proband auch heute noch oft verlassen, nicht ernst genommen und hilflos.
Die Wahrheit setzt sich aus Stärken und Defiziten zusammen
Natürlich gibt es in der Vergangenheit und in der Gegenwart für jeden Menschen Belastungen und dysfunktionale Verhaltensweisen Anderer. Aber nur bei den wenigsten dominiert das völlig das Erleben. Bei der weit überwiegenden Mehrzahl der Patienten war die Mutter nicht immer invalidierend, der Vater nicht immer abwesend. Die Mehrzahl der Psychotherapiepatienten hat zum Glück auch viele und prägende positive Erfahrungen mit den Menschen im direkten Umfeld gemacht.
Psychotherapie ist ressourcenorientiert
In der Psychotherapie geht es ja nicht darum, die Schuld für dsyfunktionales Verhalten bei irgend einer anderen Person in möglichst ferner Vergangenheit zu suchen, sich ins Bett zu legen und zu sagen: "So. Mutter ist schuld. Das hat sie jetzt davon. Ich bleib hier im Bett liegen. Ich weiß ja nun, woher das alles kommt." Sondern es geht darum, gesundes, funktionales Verhalten, gesunde Gefühle und allgemein das gesunde und normale Leben wieder zu stärken. Dafür ist es zu einem bestimmten Zeitpunkt häufig sinnvoll, die Entstehung des dysfunktionalen Empfindens und Verhaltens zu verstehen. Aber es ist mindestens genauso wichtig, eher wichtiger, zu verstehen, was einen trotz allem Widrigen recht gesund gehalten hat und auf welche Stärken man aufbauen kann. Und hier ist es ebenso erlaubt und sinnvoll, sich zu gewärtigen, welche Kindheitserfahrungen, welche gegenwärtigen Erfahrungen Stärke, funktionale Interaktionen und die Grundlage für ein gesundes Leben vermittelt haben. Eine Aufgabe der Psychotherapie ist es, genau diese Ressourcen zu stärken.
Und deswegen sind die meisten Psychotherapieanträge nur für die Kassen sinnvoll
Man darf und soll in einem Psychotherapieantrag etwas über die Ressourcen schreiben, die ein Patient mitbringt und über die Pläne, wie diese gestärkt werden können. Aber in der Realität dominiert doch oft die störungs- und defizitorientierte Beschreibung. Für den Genehmigungsprozess der Psychotherapie ist das auch funktional, weil es helfen kann, behandlungsbedürftige Krankheiten zu beschreiben, und nur für deren Therapie ist die Krankenkasse zuständig.
Für die Patienten ist der Antrag aber oft wenig hilfreich, gerade weil er oft auf Defizite fokussiert und unversöhnlich anmutende Beziehungen zu wichtigen Personen in der Vergangenheit in den Raum stellt. Diese Aspekte haben ihre Berechtigung, aber es hilft meist nicht, zu sehr an ihnen festzukleben.
Aus meiner Sicht sind die gegenwärtig verwendeten Psychotherapieanträge wenig hilfreich. Bei anderen kostenintensiven Behandlungen reicht ja auch die Stellung einer Diagnose ohne mehrseitigen Therapieantrag. Psychologen und Ärzte, die schon länger Psychotherapie machen, müssen ohnehin keine Anträge mehr schreiben. Es täte der Behandlung gut, diese Pflicht für alle Therapeuten aufzuheben. Das erleichterte den Blick auf die Ressourcen.
Wie Fruchtfliegen ein ADHS entwickeln können…
Sehr spannendes, 15 minütiges, englischsprachiges Video darüber, was uns Fruchtfliegen über Dopamin, ADHS, Hyperaktivität und Lernschwächen lehren: http://www.wimp.com/yourbrain/
Psychohygiene Teil 982: Benutze eine to-do Liste!

Familie, Beruf, Sport, Hobbies, wir alle habe eine ganze Reihe von Rollen, denen wir gerecht werden müssen und wollen. Und in all diesen Lebensbereichen gibt es immer was zu tun. Die zahlreichen Projekte bei der Arbeit wollen alle irgendwie vorwärts gebracht werden, für die Kinder muss ein Termin zum Impfen ausgemacht werden, man will sich zum gemeinsamen Sport verabreden; es gibt ständig viele Punkte, die man irgendwie im Kopf haben muss und die einem irgendwie ständig zurufen: „Denk an mich! Vergiß mich nicht! Ich kann erst ab Donnerstag den 23. erledigt werden! Wenn Du das nächste Mal mit Philipp sprichst, dann denk als erstes an mich!!!“
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, ich kann mir das alles nicht merken. Ich habe immer schon to-do Listen geführt, und inzwischen habe ich so viele Projekte, Aufgaben und Rollen, dass es für mich einfach völlig unvorstellbar wäre, dass alles im Kopf zu halten. Der Kopf ist auch nicht der richtige Ort dafür. Er ist nicht dafür gemacht, sich solche Dinge zu merken. Jedenfalls meiner nicht.
Man muss zunächst mal unterscheiden zwischen Terminen und Aufgaben. Termine gehören in den Kalender und sie sind nur zu genau der Zeit zu erledigen, die im Kalender eingetragen ist. So funktioniert der Zahnarztbesuch. Aber so funktioniert nicht der Anruf beim Zahnarzt, um einen Termin zu machen. Das ist eine Aufgabe, und die hat im Kalender nichts verloren. Die gehört in eine Aufgabenliste.
Der Trick ist, einen Ort zu haben, an dem man all diese Aufgaben aufschreibt. Und dem man vertraut. Man muss wissen: Wenn hier nichts steht, dann habe ich keine von diesen Aufgaben.
Eine gute Aufgabenliste ist so organisiert, dass man alle Projekte, alle Rollen, alle Bereiche, für die man Verantwortung übernimmt und bei denen regelmäßig Aufgaben anfallen, in eine Projektliste aufnehmen kann, wie auf dem Foto oben dargestellt. Hier soll man auch die Bereiche aufführen, bei denen man gerade keine Aufgaben zu erledigen hat. Oder mal scharf überlegen, ob da nicht doch was ansteht…
Einzelne Aufgaben trägt man dann zu diesen Projekten ein, zum Beispiel: „Zahnarzttermin vereinbaren“. Und dann trägt man zu dieser Aufgabe immer auch einen Kontext ein, in diesem Fall „Telefon“. Das ist wichtig. Kontexte gint es immer so ein paar gleiche, die üblichen sind:
* Büro
* Zuhause
* Telefon
* Computer
* Chef
* Ehefrau
* Auto
* Überall
* Warten auf Andere
Wichtig ist, dass man alle seine Aufgaben aus allen seinen Projekten in dieser Liste sammelt. Manche Aufgaben wiederholen sich regelmäßig (An jedem ersten des Monats Rechnung x bezahlen….), auch das trägt man zu der jeweiligen Aufgabe ein.
Manche Aufgaben kann man erst ab einem bestimmten Datum beginnen, dies trägt man als Startdatum ein.
Und dann kann man daran gehen, die Dinge zu erledigen. Dafür läßt man sich einfach von der to-do Liste, die eine kleine Datenbank ist, anzeigen, welche Aufgaben gerade anstehen (also nicht die, die erst in der Zukunft liegen) und welche in dem Kontext, in dem ich gerade bin (also zum Beispiel im Büro) Sinn machen. So kann man sich immer auf genau das konzentrieren, was gerade ansteht und Sinn macht.
Wenn man seinem System vertraut, hat man den Kopf frei dafür, die Dinge zu tun, statt über sie nachzudenken.
In dem Moment, in dem ich etwas auf die Liste schreibe, mache ich eine kleine Vereinbarung mit mir selber, die lautet: „Ich werde diese Sache machen, sobald ich dazu komme.“ Es ist wie ein Kalendereintrag. Da denke ich ja auch in dem Moment, in dem ich es eintrage, darüber nach, ob ich es machen will oder nicht. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, denke ich nur noch kurz darüber nach, denn ich habe das ja schon einmal entschieden. Das ist auch bei Aufgaben eine sinnvolle Trennung.
Mac-Benutzer verwenden bitte ohne nachzudenken das berühmte OmniFocus für diese Sache, trotz des hohen Preises. Keine andere Aufgabenverwaltung funktioniert auch nur annähernd so gut. Wenn man das macht, hat man die Grundprinzipien von „Getting things done!“ schon verstanden und internalisiert.
Dies hilft einem, die Dinge, die man zu erledigen hat, effizient zu erledigen. Es hilft einem nicht, zu erkennen, was wichtig ist und es ist kein Selbstzweck, viele Dinge zu erledigen. Aber wenn man die ohnehin anfallenden Dinge erledigt, hat man danach den Kopf frei, sich unbeschwert den wirklich wichtigen Dingen zu widmen, zum Beispiel mit den Kindern Fußball zu spielen.
Hier ein paar nette Videos zur Verwendung vonOmniFocus:
Das Konzept von Getting Things Done als 2 Minuten Video-Animation
OmniFocus bei der Macworld 2013
Was ist eine Depression?
Was ist eine Depression?
Eine Depression ist eine Erkrankung. Eine Depression ist nicht Trauer, ist nicht Unzufriedenheit mit einer unerfreulichen Lebenssituation, ist nicht eine kurze Sinnkrise und ist schon dreimal nicht eine kurzfristige traurige Stimmung, die man eben mal so haben kann, und die dann auch wieder aufhört. All diese Konstellationen führen natürlich auch zu Traurigkeit, und diese Traurigkeit ist jeweils auch berechtigt und nachvollziehbar.



