Einige Mitbringsel vom DGPPN-Kongress in Berlin

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Ich kehre gerade vom DGPPN Kongress 2014 zurück. Der Kongress fand jetzt erstmalig nicht im ICC, sondern im neu gebauten CityCube statt, was eine wesentliche Verbesserung darstellt, da das ICC einfach zu klein war. Der Kongress ist in den letzten Jahren immer weiter gewachsen und aktuell kommen wohl so etwa 9.000–10.000 Teilnehmer, da hat man im ICC schon oft auf dem Boden sitzen müssen; im CityCube habe ich nur selten auf dem Boden gesessen…
Ich kann jetzt hier nicht alles Interessante zusammen fassen, was ich gelernt und erfahren habe, aber ich zähle mal ungeordnet einige neue Impulse auf, die ich bemerkenswert fand:

  • Am Interessantesten sind ja oft die Gespräche am Rand. So habe ich mich mit einem Kollegen aus Holland unterhalten, der berichtete, dass dort die Entgiftung von GHB mit einer Kombination aus medizinischem GHB, Benzodiazepinen und Neuroleptika durchgeführt wird. In Deutschland wird medizinisches GHB manchmal für bestimmte Narkosen, vor allem bei Kaiserschnitten und anderen i.v.-Kurznarkosen bei kleinen chirurgischen Eingriffen verwendet. Für die Entzugsbehandlung ist es aber nicht erlaubt. Daher stellt sich eine GHB-Entzugsbehandlung bei uns oft als sehr schweres psychotisches, oft delirant anmutendes Krankheitsbild dar. Medizinisches GHB als Behandlungsoption wäre auch hier sehr willkommen…
  • In der Psychopharmakologie hat sich viel verändert, seit der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) vor der Festlegung eines Preises für ein neues Medikament den “Zusatznutzen gegenüber einer Zweckmäßigen Vergleichstherapie” beurteilt. Es ist ja so: Wenn eine Pharmafirma eine neue Substanz erforscht und entwickelt, dann muss sie zunächst die Zulassung in Deutschland und zumeist in Europa beantragen. In Deutschland geht das beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Dies wägt Nutzen und Risiko eines neuen Medikamentes ab. Stehen Nutzen und Risiko in einem guten Verhältnis, lässt das BfArM das Medikament in Deutschland zu. Es steht dann auch erst mal 10 Jahre unter Patentschutz. Früher hieß das, dass das Pharmaunternehmen jetzt 10 Jahre lang einen sehr hohen Preis nehmen konnte, und viel Geld in dieser Zeit verdient hat. Heute ist das nicht mehr automatisch so. Heute prüft der GBA, ob das Mittel einen deutlichen Zusatznutzen gegenüber der meist sehr preiswerten Standardtherapie hat. Nur dann akzeptiert der GBA einen höheren Preis als den für die Standardtherapie. Und nur dann müssen die Kassen den höheren Preis zahlen. Ist das Medikament zwar neu, zugelassen, patentiert, aber laut GBA ohne großen Zusatznutzen gegenüber den bisherigen Medikamenten, wird der GBA einen Preis festlegen, wie bei den bisherigen Medikamenten. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass die Gemeinschaft der Versicherten nicht für Pseudo-Neuerungen überteuerte Preise zahlen muss. Es hat aber den Nachteil, dass es in Deutschland sehr viel schwieriger geworden ist, eine Bereicherung des therapeutischen Arsenals herauszubringen. Nicht jeder Patient profitiert gleichermaßen von der Standardtherapie. Manche brauchen einfach ein anderes Präparat, aber das zu erforschen ist für die Pharmaunternehmer aus wirtschaftlicher Sicht sehr viel riskanter geworden.
  • Die Psychotherapieforschung ist erfreulich lebendig und aktiv.
  • In der Suchttherapie gibt es einige interessante Ansätze, die zur Grundlage haben, dass Sucht eine jahrelange Krankheit ist. Also nicht: Zwei Wochen Entzug, dann nichts mehr, sondern: Entzug, dann monatelange Begleitung und bei Krisen rasche Intervention.
  • Und es gab noch zahllose weitere interessante Ideen, die ich hier nicht alle aufzählen kann…

Ich fand den Kongress mal wieder sehr lehrreich und lohnend. Allerdings komme ich wie jedes Jahr zur Erkenntnis, dass es Ende November sehr kalt ist in Berlin. Ich schlage daher vor, dass der Kongress in Zukunft im September in Barcelona abgehalten wird. Der Rest des Konzeptes kann so bleiben…

Schreib Deine Ziele auf!

In diesem post erkläre ich, nach welcher Methode ich mir meine Ziele aufschreibe und wie ich an diesem Dokument kontinuierlich weiter arbeite.

¿ Warum soll ich mir meine Ziele denn aufschreiben, ich weiß doch, was ich will ?

Schon. Es macht trotzdem einen riesigen Unterschied, wenn Du Deine Ziele aufschreibst. In meinen Augen ist das so ähnlich wie mit den To-Do-Listen: Wenn Du Dir aufschreibst: “Montag den Schornsteinfeger anrufen”, dann ist es alleine durch das Aufschreiben schon viel wahrscheinlicher, dass Du auch tatsächlich am Montag den Schornsteinfeger anrufst. Und zwar, weil Du mit Dir selbst eine Vereinbarungen getroffen hast, das zu tun. Natürlich auch, weil Dein Blick in die To-Do-Liste dich am Montag genau daran erinnert.
Ziele sind viel wichtiger als Aufgaben. Du solltest ihnen daher mindestens genau so viel Aufmerksamkeit schenken.

¿ Ich schreibe schon Tagebuch. Das reicht doch, oder ?

Es gibt sehr unterschiedliche Arten, ein Tagebuch zu führen:

  • Problemtagebücher: Wer nur sporadisch Tagebuch führt, greift eher dann zum Tagebuch, wenn etwas schlecht läuft, er sich grämt oder mit etwas unzufrieden ist. Dagegen ist nichts einzuwenden; man darf nur nicht den Fehler machen, seine einge Jahre alten Einträge zu lesen, und zu denken: “Mann, war ich damals unglücklich!”. Die glücklichen Momente stehen einfach in den Problemtagebüchern nicht drin.
  • Chroniken: Wer mehr Zeit mit seinem Tagebuch verbringt, trägt auch die positiven Dinge ein, macht Fotos, beschreibt auch weniger wichtig erscheinende Begebenheiten. Hierin kann man auch später lesen, ohne in ungerechtfertigtes Selbstmitleid ausbrechen zu müssen…
  • Projekttagebücher: Schreiben manche für berufliche Projekte.
  • Glückstagebücher: Werden von “Sorge Dich nicht – Lebe!” Ratgebern empfohlen und sind sicher sinnvoll. Habe ich aber in der freien Wildbahn noch nie gesichtet…

Die eigenen Ziele sind bei allen oben erwähnten Tagebüchern jetzt eher nicht so explizit Thema. Dabei wären sie es Wert, beschrieben zu werden, oder?

¿ Schön. Und worum soll´s da gehen? Was schreibst Du da so auf ?

Ich selbst habe meine Ziele in 9 Teilbereiche unterteilt, die heißen so ähnlich wie:

  • Ein guter Vater sein
  • Eine lebendige Partnerschaft führen
  • In meinem Beruf gut sein
  • Gesund bleiben
  • Eine gute Lebensqualität haben
  • In Hobbx xyz besser werden
  • Finanzen
  • Networking
  • Erreichte Ziele

¿ Und was schreibst Du dann zu den einzelnen Zielen ?

Zu jedem Ziel schreibe ich zunächst einmal in einigen kurzen Absätzen, was mir an diesem Ziel wichtig ist und warum das so ist. Ich versuche, mir klarzumachen, was ich in dem jeweiligen Lebensbereich erreichen möchte.

¿ Und dann? Bleibt das Dokument dann für den Rest Deines Lebens gleich?

Ich lege für jedes Quartal einen neuen Abschnitt an. Ich schreibe mir auf, was ich in diesem Quartal versucht habe und was ich erreicht habe. Und ich schreibe mir auf, was ganz konkret ich mir für jeden Bereich für das nächste Quartal vorgenommen habe. Im folgenden Quartal kann ich dann sehen, was ich von meinen Plänen umsetzten konnte. Und dann mache ich mir neue Pläne…

¿ Jedes Quartal ???

Ja, ich versuche, mich ungefähr alle drei Monate einen halben Tag lang in Ruhe an dieses Dokument zu setzen. Das mache ich unabhängig von meinem Tagebuch

¿ Wie sieht das bei Dir technisch aus? Ein altes, in Leder gebundenes Buch mit crèmefarbigen handgeschöpften Leinenpapierseiten und einem soliden Schloss daran ?

Nö. Ich bin nicht so der Papiertyp… Ich nehme ein OmniOutliner Dokument. Da kann man einzelne Abschnitte, wie die Lebensberieche oder die Quartale einklappen und sich immer auf nur einen Bereich konzentrieren. Das sähe ungefähr so aus:

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Fazit

Ich selbst habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, mir Ziele explizit aufzuschreiben. Ich habe auch sehr gute Erfahrungen damit gemacht, mir explizit aufzuschreiben, was ich als nächstes machen möchte, um diese Ziele zu erreichen. Und ich finde es immer wieder sehr interessant, zu lesen, was ich wann tatsächlich an Neuem erreicht habe.
Es gibt eine Reihe von Studien, die zeigen, dass man Ziele, die man sich aufschreibt, eher erreicht.
Wenn du bislang noch nie aufgeschrieben hat, welche Ziele du hast, und wie du sie erreichen willst, kannst du es ja einfach mal ausprobieren. Der Gedanke daran wirkt komischer, als es praktisch ist!
Und wenn du selbst zu denen gehörst, die in irgend einer Form ihre Ziele aufschreiben, würde es mich freuen, von dir zu hören, wie du das machst! Schreib deine Erfahrungen in die Kommentare!

Oxytocin könnte ein wirklich innovativer Therapieansatz bei Phobien, Posttraumatischen Belastungsstörungen und Flashbacks sein

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Wirklich innovative Therapieideen sind rar. Eine Forschungsgruppe der Uni-Bonn könnte aber etwas wirklich Neues gefunden haben.

Oxytocin, ein Hormon und Neurotransmitter zugleich, ist schon lange als das sogenannte “Kuschelhormon” berühmt. Es wird bei allen Arten angenehmen Hautkontaktes ausgeschüttet. Größere Ausschüttungen finden sich insbesondere beim Orgasmus und beim Stillen. Oxytocin löst bei Frauen Kontraktionen des Uterus aus. Es wird bei der Geburt ausgeschüttet und wird auch als wehenauslösendes Medikament gegeben.

Darüber hinaus entfaltet Oxytocin sowohl bei Männern als auch bei Frauen ausgeprägte psychische Wirkungen. Es beruhigt und steht im Ruf, die Partnerbindung und die Elter-Kind-Bindung stark zu festigen.

Wie das Ärzteblatt hier berichtet, hat eine Forschergruppe der Uni Bonn um Rene Hurlemann in der hoch angesehenen Zeitschrift Biological Psychiatry Ergebnisse veröffentlicht, die zeigen, dass Oxytocin eine Eigenschaft hat, die für die Therapie einiger psychiatrischer Erkrankungen sehr interessant wäre: Es erleichtert die Extinktion von angstauslösenden Schlüsselreizen. Was bedeutet das?

Nehmt folgendes Fallbeispiel:

Christoph V. hatte vor zwei Jahren einen schweren Verkehrsunfall, bei dem er längere Zeit im Wrack seines Wagens eingeklemmt war, bevor die Feuerwehr ihn befreien konnte. Im Moment des Crashs ging die Hupe des Wagens an und dröhnte die ganze Zeit, während Christoph V. eingeklemmt war, auf voller Lautstärke weiter. Von den körperlichen Folgen des Unfalls hat er sich inzwischen vollständig erholt. Aber jedes Mal, wenn er auf dem Bürgersteig geht und ein Auto hupen hört, durchfährt ihn eine schreckliche Wiedererinnerung von Schmerzen, Angst und Panik, von der er sich nur schwer wieder frei machen kann. Er geht kaum noch durch die Straßen, aus Angst vor ganz normalen Hupen.

Christophs Angstsystem ist eigentlich ganz gesund. Es hat einen Reiz mit einer Bewertung verknüpft, nämlich das Hupen mit dem schrecklichen Unfall. Wäre es nicht ein Hupen gewesen, sondern das Fauchen eines Tigers und wäre es kein Unfall gewesen, sondern der Biss des selben Tigers, würden wir sagen: Super, die Konditionierung “Fauchen des Tigers-Angst vor Biss-Flucht” ist genau richtig.

Leider hilft die Angst vor dem Geräusch von Autohupen überhaupt nicht, schadet aber sehr. Der übliche therapeutische Zugang wäre in diesem Fall eine systematische Desensibilisierung. Man würde Christoph V. nach einer ausführlichen Erklärungs- und Vorbereitungsphase immer wieder das Geräusch einer Hupe vorspielen. Am Anfang würde es bei ihm natürlich die beschriebene starke Angst auslösen. Mit zunehmenden Wiederholungen, bei denen auf das Geräusch der Hupe ja jeweils kein unangenehmes oder gefährliches oder schmerzhaftes Ereignis folgte, würde Christophs Reaktion auf das Geräusch der Hupe immer weiter abnehmen. Das ist Extinktion. Die Verknüpfungs des nicht hilfreichen Schlüsselreizes mit der Angstreaktion wird abgeschwächt, bis sie im Idealfall irgendwann erlischt.

Die Forscher haben nun heraus gefunden, dass die Gabe von Oxytocin per Nasenspray vor der Desensibilisierungsbehandlung dazu führt, dass zwar zu Beginn eine verstärkte Reaktion auf den Schlüsselreiz entsteht (oops), danach aber die Extinktion schneller erfolgt.

Wenn das klappt und die zu Beginn auftretende Verstärkung der Reaktion auf den Schlüsselreiz nicht zu ausgeprägt wäre, könnte das eine wertvolle Ergänzung in der Therapie von Posttraumatischen Belastungsstörungen, Flashbacks und Phobien sein.

Das Abstract der Veröffentlichung findet ihr hier.

Bundeszentrale startet spezialisiertes Beratungsangebot und -chat für Crystal-Konsumenten

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Die Verbreitung von Crystal ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich. Im Osten in den Regionen nahe der tschechischen Grenze hat Crystal alle anderen Drogen bereits in den Hintergrund gedrängt. Im Westen und Norden Deutschlands heißt oft, Crystal sei in den Medien häufiger anzutreffen als auf der Straße. Es wäre schön, wenn das so wäre, so bliebe und auch im Osten wieder so käme. Allein mir fehlt der Glaube an diese Entwicklung.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat nun auf drugcom.de ein neues Beratungsangebot speziell für Crystal-Abhängige gestartet. Neben Informationen gibt es auch einen Chat. In diesen Chat kann sich jeder jederzeit anonym einloggen. Montags bis Freitags von 15:00-17:00 findet in diesem Chat auch eine professionelle Beratung statt.

Cool.

Psychotherapie jetzt auch bei Schizophrenie und Bipolarer Störung möglich

Laut Bericht des Ärzteblattes hat der GBA entschieden, dass Patienten mit einer Schizophrenie, einer schizotypen oder wahnhaften Störung oder einer Bipolaren Störung Anspruch auf Psychotherapie haben. Praktisch ging das auch bislang; der Psychotherapeut musste im Antrag allerdings eine andere Zielsymptomatik beschreiben, als die zugrunde liegende Erkrankung. So konnte er die Psychotherapie damit begründen, dass er beantragte, eine depressive Begleitsymptomatik bei bestehender Schizophrenie zu behandeln.

Bei der Schizophrenie ist die Studienlage eindeutig: Psychotherapie hilft hier.

Bei der bipolaren Störung ist mir die Studienlage nicht so gut bekannt, meines Wissens nach gibt es hier eher Studien, die zeigen, dass bezüglich der Phasenhäufigkeit Psychotherapie nicht wirksam sein soll. Praktisch erhalten Patienten mit einer bipolaren Störung natürlich dennoch genauso Psychotherapie wie depressive Patienten und erzielten dabei regelmäßig gute Erfolge. Denn der Erfolg einer Psychotherapie geht ja über den Endpunkt “Abnahme der Phasenhäufigkeit” hinaus und erstreckt sich natürlich auch auf die Bereiche der Krankheitsbewaltigung, der besseren Strukturierung der Rahmenbedingungen, um der Gesundheit leichter Raum zu geben und tausend andere Ziele. Und hier hilft Psychotherapie auf jeden Fall.

Es ist daher zweifellos nur zeitgemäß, dass nun auch bei den oben genannten Diagnosen Psychotherapie bewilligt werden kann, ohne dass vorher im Antrag eine fragwürdige Verrenkung erforderlich ist.

EMDR als Psychotherapiemethode bei PTBS nun anerkannt

Der GBA hat laut Bericht im Ärzteblatt entschieden, dass für Patienten mit einer PTBS nun endlich EMDR als Psychotherapiemethode zugelassen ist. EMDR ist schon lange die Therapie der ersten Wahl bei dieser Erkrankung. Der GBA passt hier also die Richtlinien an die Evidenz-basierte gängige Praxis an.

Psychopharmakotherapie griffbereit jetzt auch als iBooks- und kindle-Version verfügbar

Psychopharmakotherapie griffbereit kindle

Ich selbst bevorzuge ja immer und überall eBooks gegenüber Papier-Büchern. Hauptsächlich, weil ich ein Papierbuch genau nie dabei habe und ein eBook genau immer. Ich habe mir berichten lassen, dass sich im Bereich der Romane die eBooks auch zunehmend durchsetzen, im Bereich der Fachbücher aber immer noch die Papiervariante bevorzugt wird. Wie dem auch sei, ab jetzt könnt ihr für Psychopharmakotherapie griffbereit selbst entscheiden, welches Format ihr bevorzugt: Es ist ab jetzt auch als Kindle-Version und für Apple-Junkies als iBooks-Version erhältlich. Wie üblich gibt es eine kostenlose Leseprobe über die ersten etwa 50 Seiten, so dass ihr mal reinlesen könnt, bevor ihr euch entscheidet, ob das Buch für euch interessant ist.

In diesem ausgewählten Fall mag ich allerdings alle drei Varianten… 🙂

Drohne bringt Defi

Also das ist mal ein wirklich sinnvoller Einsatz einer Drohne: Nach dem Notruf wegen eines Herzstillstandes schickt die Rettungsleitstelle parallel zum Notarzt schon mal den Defi per Drohne und unterstützt die Ersthelfer in der Anwendung. Guckt das Video: Es ist nicht nur ein Traum für jeden Nerd, sondern auch eine wirklich durchdachte Idee der Uni Delft, die dieses Projekt entwickelt…

Valproat in der Schwangerschaft: EMA bekräftigt die Kontraindikation

Da Vinci Studies of Embryos Luc Viatour

Leonardo da Vinci: Studies of Embryos by Luc Viatour [Public domain], via Wikimedia Commons

Junge Patientinnen mit einer Bipoalren Störungen werden pharmakotherapeutisch mit einem Phasenprophylaktikum behandelt. Zur Wahl stehen Lithium, Valproat, Carbamazepin und einige neuere Antiepileptika.

Bei der Auswahl der Substanzen ist zu berücksichtigen, dass Lithium das wirkstärkste Medikament ist, allerdings auch eine Reihe von Nebenwirkungen aufweist, insbesondere Tremor unter zu hoher Dosierung und mögliche Schilddrüsen- und Nierenschädigungen. Viele lehnen es daher ab und entscheiden sich für das vermeintlich nebenwirkungsärmere Valproat.

Valproat verursacht in der Tat kaum Tremor und ist auch viel weniger gefährlich für Schilddrüse und Niere. Es kann aber zu einer deutlichen Gewichtszunahme führen und es ist schon länger bekannt, dass es nicht während der Schwangerschaft gegeben werden darf, da es Mißbildungen und Entwicklungsstörungen beim Kind auslösen kann. Aus diesem Grunde soll man es Frauen im gebährfähigen Alter nur dann verschreiben, wenn eine sichere Kontrazeption vorliegt. Gerade bei jungen Patientinnen, die zu häufigeren hypomanen Episoden neigen, ist das manchmal nicht ganz sicher einschätzbar.

Wie das Ärzteblatt berichtet hat die EMA in einer aktualisierten Empfehlung nun erneut die Schwere der Gefahr, die von Valproat in der Schwangerschaft ausgeht, bekräftigt. In dieser kurzen englischsprachigen Zusammenfassung wird mitgeteilt, dass

30 bis 40 Prozent aller Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft mit Valproinsäure behandelt worden waren, im Vorschulalter schwere Entwicklungsstörungen aufweisen, unter anderem ein verspätetes Laufen und Sprechen, Gedächtnisstörungen, Schwierigkeiten mit Reden und Sprachver­ständnis sowie eine verminderte Intelligenz. Schon länger bekannt ist das erhöhte Risiko von Fehlbildungen. Die Prävalenz beträgt laut EMA bei intra-uterin exponierten Kindern 11 Prozent, darunter Neuralrohrdefekte und Gaumenspalten, gegenüber 3 Prozent in der Allgemeinbevölkerung. Darüber hinaus zeigen Studien, dass die exponierten Kinder dreimal häufiger an Autismus-Spektrum-Störungen und fünfmal häufiger an kindlichem Autismus erkranken als andere Kinder. “ (Zitiert nach dem Ärzteblatt).

30-40 Prozent der Kinder zeigen schwere Entwicklungsstörungen! Das ist unglaublich viel. Diese neue Übersicht zeigt deutlich, dass man Valproat in der Schwangerschaft nicht mehr geben sollte. In den deutschen Fachinformationen werden zwar noch Ausnahmen beschrieben, in denen das erlaubt sein kann, man sollte von dieser Regelung aber nach Möglichkeit keinen Gebrauch machen.

Aus der Studie ergibt sich aber eine weitere sehr wichtige Konsequenz für die tägliche Praxis:

Es reicht nicht, einer Patientin mit bipolarer Störung bei der Verordnung von Valproat zur Phasenprophylaxe zu sagen: „Sie müssen aber ordentlich verhüten.“ Man muss die Patientin sehr genau darüber aufklären, welche Gefahr Valproat für eine mögliche Schwangerschaft darstellt. Und man muss sehr genau besprechen, welche sichere Verhütungsmethode denn genau angewendet wird. Wenn beispielsweise östrogen- und gestagenhaltige Kontrazeptiva eingenommen werden, kann der Valproatspiegel von den Hormonen reduziert werden, was wiederum eine reduzierte Wirksamkeit der Phasenprophylaxe mit sich bringt.

Alternativen zur Behandlung von Frauen im gebärfähien Alter sind weiterhin Lithium (einen ausführlichen Artikel zur aktuellen Einschätzung dessen Nebenwirkungsprofils findet ihr hier) oder eines der Antiepileptika.

Zusammenfassung:

  1. Valproat ist in der Schwangerschaft kontraindiziert.
  2. 30-40 Prozent der intrauterin exponierten Kinder zeigen schwere Entwicklungsstörungen, wie verspätetes Laufen und Sprechen, Gedächtnisstörungen, Schwierigkeiten mit Reden und Sprachver­ständnis oder eine verminderte Intelligenz.
  3. Die Rate an Fehlbildungen wie Neuralrohrdefekten oder Gaumenspalten ist bei intrauterin exponierten Kindern von 3 Prozent auf 11 Prozent erhöht.
  4. Valproat darf Frauen im gebärfähigen Alter nur gegeben werden, wenn eine sichere Kontrazeption angewendet wird und die Patientin in für sie verständlicher Form sehr eindringlich über die mögliche Schädigung des Kindes bei einer doch eintretenden Schwangerschaft aufgeklärt wurde.

Ebola-Hilfe real

Es ist jetzt soweit, dass die Bundeswehr Ärzte und andere Mitarbeiter nach Liberia schickt, um dort ein Ebola-Behandlungszentrum aufzubauen. Klingt nach entfernten Nachrichten.

Einer meiner Kollegen, der mit mir im gleichen Krankenhaus arbeitet, ist jetzt auf die Reise gegangen, um zu helfen. Gar nicht entfernt und abstrakt, sondern ganz nah und real.

Du hast meine uneingeschränkte Hochachtung. Ich wünsche Dir und Deiner Truppe viel Erfolg. Bleibt gesund und kehrt wohlbehalten zurück!